An diesem Tag

Barbara von Rottal

Außereheliche Tochter von Kaiser Maximilian I.

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Barbara von Rottal Freiin von Thalberg (* 22. Juli 1500/31. März 1501; † 31. März 1550 vermutlich auf der Herrschaft Fulnek in Mähren; begraben in der Minoritenkirche in Wien) war eine österreichische Adelige. Von Interesse ist ihre Herkunft, da es Hinweise darauf gibt, dass sie nicht die Tochter ihres nominellen Vaters, Georg Freiherr von Rottal zu Thalberg, sondern eine außereheliche Tochter von Kaiser Maximilian I. war.

Sie war dreimal verheiratet. Durch ihre erste Ehe mit Siegmund von Dietrichstein Reichsfreiherr zu Hollenburg (in Kärnten), Finkenstein (am Faaker See in Kärnten) und Thalberg (in Dechantskirchen, Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark) wurde sie zur Stammmutter des gräflichen und später fürstlichen Hauses Dietrichstein und damit zur Vorfahrin vieler Adelsfamilien der Erblande des Hauses Österreich sowie spanischer, portugiesischer und italienischer Adelsfamilien.

Die Herkunft der Barbara von Rottal war wegen widersprüchlicher Quellen und literarischer Fragmente umstritten, da sie offiziell als Tochter des österreichischen Freiherrn Georg von Rottal auf Thalberg (* um 1460; † 1526) galt, der oberster Landhofmeister der Niederösterreichischen Lande war, es jedoch starke Hinweise darauf gibt, dass sie nicht dessen Tochter, sondern eine außereheliche Tochter von Kaiser Maximilian I. war. Die Frage war Gegenstand mehrfacher Untersuchungen durch Historiker und Genealogen, die zu teils widersprüchlichen Ergebnissen kamen, sowohl was ihren Vater als auch was ihre Mutter betrifft. Eine Zusammenfassung der Argumentation findet sich in der im Dezember 2012 von Karin Bachschweller vorgelegten Diplomarbeit Barbara von Rottal. Der Versuch einer Biographie.

Auch über die Identität von Barbaras Mutter bestehen unterschiedliche Meinungen. Während Igallfy-Igàly überzeugt ist, dass Barbara eine außereheliche Tochter von Kaiser Maximilian I. ist, bezweifelt er, dass die Ehefrau des Georg Freiherr von Rottal, Margarethe von Rappach, ihre Mutter war. Anna Ehrlich setzt Margarethe von Rappach mit einer Margarethe von Edelsheim gleich, was jedoch aus den Quellen nicht weiter zu belegen ist.

Demgegenüber unterstreicht Rajakovics die Tatsache, dass zwei Gemälde über die Hochzeitsfeierlichkeiten, das Hochzeitsbild und das Turnierbild vom 23. Juli 1515 auf der kaiserlichen Burg von Wien, die Hochzeitsgäste zeigen, unter denen die Ehefrau des Freiherrn Georg von Rottal, Margarethe von Rottal, geborene von Rappach, als Obersthofmeisterin der Infantin Anna und ausdrücklich als „Brautmutter“ erwähnt wird.

Damit dürfte die Identität von Barbaras Mutter als Margarethe von Rappach, der Ehefrau des Georg von Rottal Freiherrn zu Thalberg, feststehen. Ihr Geburtsdatum ist nicht bekannt, sie erscheint urkundlich am 7. November 1494 und starb am 25. Juli 1522.

Die Familie von Rappach war ein österreichisches Adelsgeschlecht aus der Steiermark; ihre „Stammfeste“ Rappach lag bei Rottenmann im Bezirk Liezen. Sie wird erstmals 1339 urkundlich genannt und verfügte über Besitz in Thalhof bei Strechau in der Steiermark. Später erwarb das Geschlecht umfangreichen Besitz in Niederösterreich, darunter die Herrschaften Achau, Allentsteig, Brunn, Ebenfurth und Loschberg.

Weitgehende Einigkeit besteht über die Eltern der Margarethe von Rappach. Ihr Vater war Christoph III. von Rappach, der zwischen 1451 und 1485 urkundlich auftritt, am 20. Oktober 1485 verstarb und in Wien im Minoritenkloster bestattet wurde. Ihre Mutter war Johanna von Lomnitz, die zwischen 1486 und 1494 urkundlich auftritt, am 7. November 1494 verstarb und gleichfalls in Wien im Minoritenkloster begraben wurde.

Unterschiedliche Meinungen bestehen jedoch über die Zusammensetzung der weiter zurückgehenden Ahnentafel der Margarethe von Rappach zwischen Erich von Rajakovics und Ludwig Igàlffy-Igàly.

Lange umstritten war die Frage, wer der Vater der Barbara von Rottal war.

So verwies Mezler-Andelberg darauf, dass die Ehe der Margarethe von Rappach mit Georg von Rottal erst 1513 erfolgt sei, Barbara, die um 1500 geboren wurde, daher ein „Kuckuckskind“ sein müsse. Allerdings beruht dies auf einer unbelegten Annahme von Starzer.

Argumente gegen die Vaterschaft Maximilian I.

Laut Karin Bachschweller gibt es mehrere Gründe, die gegen die Vaterschaft von Kaiser Maximilian sprechen würden: So führt sie die Namensgebung an, da der Vorname Barbara in der Familie Rottal gebräuchlich war. Da ein in der Familie Rottal geläufiger Vorname am besten geeignet war, die fehlende Legitimität einer Tochter zu verbergen, spricht dies jedoch nicht zwangsläufig gegen die Vaterschaft Maximilians. Weiter führt sie eine Darstellung bei Mezler-Andelberg an, wonach Maximilian in der offiziellen Darstellung als treuer Gatte dargestellt wird, denn er habe in „… keuschestem Ehestand gelebet auch den Ehebruch bey seiner Hofstatt nit geduldet sondern hart abgestraffet …“ Die Zeugung Barbaras wäre in diesem Fall ein Ehebruch gewesen, da Maximilian von 1494 bis 1510 mit Bianca Maria Sforza verheiratet war. Diesem Argument steht jedoch die Tatsache gegenüber, dass er vor und nach seiner Ehe mit Maria von Burgund eine zahlreiche außereheliche Nachkommenschaft hinterlassen hat und die Ehe mit Bianca Maria Sforza eine „Vernunftehe“ war, die primär auf finanziellen Erwägungen und strategischen Interessen beruhte, jedoch emotional und räumlich distanziert war und nicht mit der Liebesheirat mit Maria von Burgund zu vergleichen ist. Es ist daher davon auszugehen, dass Maximilian sich durch diese Ehe kaum von seiner bekannten Neigung für junge Damen hat abbringen lassen, wohl aber Wert darauf legte, sein moralisches Ansehen nach außen zu wahren.

Als weiteres Argument gegen die Vaterschaft von Maximilian führt Bachschweller den Umstand an, dass Georg von Rottal Barbara 1523 „sein rechtes natürliches pluet und noterb“ nennt. Diese Formulierung deutet genau besehen eher das Gegenteil an, nämlich, dass es erhebliche Zweifel an seiner Vaterschaft gab, sodass er sich veranlasst sah, diese – bei einer ehelichen Tochter selbstverständliche – Blutsverwandtschaft mit Barbara ausdrücklich zu betonen.

Als wichtigstes Argument gegen die Vaterschaft Maximilians verweist Bachschweller auf den Text einer Erbvereinbarung aus dem Jahre 1505, in der Benigna von Rottal, eine Tochter von Georgs Bruder Christoph, und ihr Ehemann Wilhelm von Neudeck 1505 auf Erbansprüche zugunsten von Georg und seiner allfälligen männlichen und weiblichen Nachkommenschaft verzichten. Sie schließt daraus, dass Georg von Rottal damals schon eine Tochter hatte, da seine Nichte sonst wohl Barbara ausdrücklich erwähnt hätte. Naheliegend ist hingegen das Gegenteil, da die allgemeine Formulierung darauf hinweist, dass Georg von Rottal damals keine Kinder hatte. Dies ergibt sich auch aus der Formulierung eines bereits 1495 zugunsten seiner eventuellen Nachkommen erstellten, ganz ähnlichen Verzichtbriefes. Denn dort wurde festgehalten, dass im Fall einer bloß weiblichen Nachkommenschaft Georgs dessen Töchter für den endgültigen Verzicht eine Abschlagszahlung in Höhe von 3000 Pf. zu leisten hätten. Hätte Georg daher 1505 eine eigene Tochter gehabt, hätte man diese wegen der zu erwartenden Abschlagszahlung zweifellos im Verzichtbrief genannt.

Argumente für die Vaterschaft Maximilians

Förderung der Vermählung Barbaras durch Maximilian

Ein starker Hinweis darauf ist das große Interesse des Kaisers an der Verheiratung der Barbara von Rottal mit seinem Günstling Siegmund von Dietrichstein. So hegte der Kaiser offensichtlich bereits 1508 – als Barbara gerade einmal acht Jahre alt war – Pläne bezüglich ihrer künftigen Verheiratung mit Dietrichstein, denn er verpflichtete den damals 25-Jährigen vertraglich dazu, sich nicht ohne „kaiserlichen Rat und dessen Zustimmung“ zu vermählen und übertrug ihm – um ihm diese Verpflichtung schmackhaft zu machen – am 24. Dezember 1508 in Mecheln Schloss und Amt Lankowitz in der Steiermark um 4000 Gulden rheinisch zur Pflege und als Pfand.

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