Die Bank of England (englisch ‚Bank von England‘) ist die Zentralbank des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und hat ihren Sitz in London. Das 1694 gegründete und 1946 verstaatlichte Institut erfüllte zeitweise neben administrativen auch privatwirtschaftliche Funktionen und bestimmt die Geld- und Währungspolitik für das Pfund Sterling.
Als König William III. und Königin Mary II. 1688 den Thron bestiegen, waren das Geld- und Kreditwesen zerrüttet, und auch die öffentlichen Finanzen befanden sich in einer schwierigen Lage.
Die enormen Verluste der englischen Handelsflotte beim Überfall auf den Smyrna-Konvoi 1693 führten zu einer Pleitewelle bei Londoner Händlern und Versicherern. Für den dringend notwendigen Ausbau der Royal Navy zum Schutz des Seehandels fehlte das Geld.
In dieser Situation schlug der schottische Kaufmann William Paterson 1694 unter Mitwirkung von Charles Montagu und Michael Godfrey vor, der Regierung durch eine Vereinigung von 1.268 Gläubigern eine Anleihe zu gewähren. Die Zeichner dieser Anleihe erhielten am 27. Juli 1694 das königliche Privileg, eine Notenbank in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft unter der Firma The Governor and Company of the Bank of England zu gründen. Das Stammkapital in Höhe von 1,2 Millionen Pfund wurde dem Staat als Darlehen gegen acht Prozent Zinsen gewährt. Dieser Kreditzinsfuß war für die damaligen Verhältnisse relativ gering. Im Gegenzug dazu erhielt die Bank of England das Recht, in Höhe des Darlehens Banknoten auszugeben und Bankgeschäfte zu betreiben. Es war ihr jedoch verboten, ohne Zustimmung des Parlaments Darlehen an die Regierung zu vergeben.
Bei der Gründung der Bank of England gab es einen unmittelbaren Zusammenhang zu den finanziellen Defiziten von König William III. Dieser benötigte dringend Kapital für den Krieg gegen Frankreich und den vertriebenen König Jakob II. Die Bank of England pflegte stets ein gutes Verhältnis zur Krone, sodass es im Laufe der Zeit zu Erweiterungen ihres Einflusses kommen sollte.
Die ersten Geschäftsräume der Bank of England lagen in den Mercers’ und Grocers’ Halls, den Zunfthäusern der Seidenwarenhändler und Krämer. Bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit waren seinerzeit 17 Angestellte und zwei Pförtner beschäftigt. Die Bank of England wurde zum Vorbild für viele Gründungen von Zentralbanken in Europa.
Im Jahr 1697 vermehrte die Bank ihr Kapital auf 2.201.171 Pfund, indem sie ihre Noten, zu deren Einlösung sie außer Stande war, und abgewertete Schatzscheine des Staats als Kapitaleinzahlung annahm. Dabei erhielt sie die Zusicherung, dass der Staat keine zweite Bank durch Gesetz begründen werde. Zugleich wurde ihr Privileg bis 1710 verlängert.
Unter der folgenden Regierung gewährte die Bank dem Staat abermals mehrfach ihre Hilfe und erhielt dafür wichtige Rechte. Neben der Fortdauer ihres Bestandes bis 1742 bekam sie 1708 das wichtige Privileg, dass außer ihr in England keine Bankgesellschaft mit mehr als sechs Teilhabern Noten ausgeben dürfe. Das Statut von 1708 legte außerdem fest, dass die Bank ein staatliches Darlehen in Höhe von 400.000 Pfund vergeben sollte und der Zinssatz für die gesamten Staatsschulden auf sechs Prozent herabgesetzt wird.
Im Jahre 1734 wurde der Sitz an die Threadneedle Street verlegt. Die Bank vergrößerte dort nach und nach ihren Haus- und Grundbesitz auf den heute sichtbaren Stand. Die von Sir Christopher Wren erbaute Kirche Saint Christopher le Stocks wurde ihretwegen abgerissen.
Das erhaltene Privileg wurde 1742, 1764 und 1781 erneuert. 1742 konnte das Privileg gegen ein zinsfreies Darlehen an den Staat von 1.600.000 Pfund bis 1764 verlängert werden. Diese Summe wurde durch eine Erhöhung des Aktienkapitals auf 9.800.000 Pfund aufgebracht. Im Jahr 1784 erfolgte die Erneuerung des Privilegs bis 1786 gegen eine Zahlung von 100.000 Pfund und 1781–1812 gegen ein dreiprozentiges Darlehen von 3 Millionen Pfund auf drei Jahre. In kritischen Zeiten, die während des 18. Jahrhunderts einige Male eintraten, wusste die Bank stets ihrer Pflicht der Noteneinlösung nachzukommen.
Damals waren die Vereinbarungen, die zu den wiederholten Verlängerungen des Privilegs führten, sehr umstritten. Die Bedingungen, die für diese Expansionen festgelegt worden sind, waren aus Sicht der Kritiker zu stark zum Vorteil der Bank of England ausgelegt und verschafften dem Staat im Gegenzug einen zu geringen Nutzen.
Das Institut führte die Konten der Regierung und vergab Darlehen zur Finanzierung in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Als Geschäftsbank nahm sie ferner Einlagen entgegen und gab Banknoten heraus. Im 18. Jahrhundert lieh sich die Regierung immer mehr Geld. Diese ausstehenden Anleihen wurden schließlich Staatsschulden genannt.
Das Vertrauen in die Bank of England war so groß, dass sie bei der Erneuerung des Privilegs im Jahr 1781 zum staatlichen Schatzamt (Treasury) ausgestaltet wurde und ihr auch die Aufgabe, Bank der Banken zu sein, zuwuchs. Die Bank wurde verantwortlich, falls alle Einleger sich entschieden, ihr Geld zur selben Zeit abzuziehen. Seitens der Bank wurde sichergestellt, dass genügend Gold vorhanden war, um dieses auf Verlangen für ihre Banknoten herzugeben.
Von 1788 an besaß die Bank mit Bacolet und Chemin zwei Sklavenplantagen auf Grenada mit 599 Sklaven, die ihr als Sicherung für nicht zurückgezahlte Kredite an Thomas Walpole, Richard Walpole und George Clark zugefallen waren. Sie wurden 1790 für 100,000 £ an den Kaufmann James Baillie verkauft.
Durch den Krieg mit Frankreich (von Frankreich am 1. Februar 1793 erklärt) erschöpften die finanziellen Beziehungen zum Staate die Mittel der Bank; im Februar 1797 besaß sie bei einem Notenumlauf von 8.644.250 Pfund nur ein Barvermögen von 1.272.000 Pfund. Sie ließ sich mittels einer Kabinettsorder vom 26. Februar 1797, die später vom Parlament bestätigt wurde, von der Barzahlung befreien.
In dieser Epoche der Uneinlösbarkeit der Banknoten oder der „Bankeinschränkung“ (bank-restriction), die letztlich bis 1. Mai 1821 dauerte, gab es ein Disagio von bis zu 30 Prozent (namentlich in den Jahren 1804, 1809, 1811, 1814), wenn man Papierbanknoten in Münzgeld umtauschte.
1816 konnte das Kapital der Bank auf 14.553.000 Pfund erhöht werden, indem ein Teil der Reserve auf die Aktionäre übertragen wurde. Gleichzeitig stiegen die Darlehen an den Staat auf einen Gesamtbetrag von 14.686.000 Pfund.
Seit 1826 gab die Bank of England keine Noten unter fünf Pfund aus und begann, Filialen zu errichten. Außerdem machte sie das Zugeständnis, sich einer Notenausgabe durch Aktienbanken nicht zu widersetzen, wenn diese ihren Sitz nicht im Umkreis von 65 Meilen um London haben.