Balthasar Gioseph de Vincenz (* 26. Juni 1789 in Siat, Schweiz; † 14. April 1858 in Disentis) war ein surselvanischer Soldat in den Diensten Spaniens zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Über 30 Jahre verbrachte er auf der Iberischen Halbinsel und erlangte den Dienstgrad eines Oberstleutnants. Nach seiner Rückkehr in die Heimat schrieb er über seine Aktivitäten das Meum Scret, von dem mehrere Abschriften angefertigt wurden und das seine Heimatsprache Rumantsch mit zahlreichen Ausdrücken aus dem Spanischen bereicherte.
Balthasar de Vincenz’ Vater Mathias Antoni starb, als Balthasar erst sechs Jahre alt war. Der Vater hatte bei der französischen Armee gedient, zuletzt als Hauptmann. So wuchs der Sohn als jüngstes von sechs Kindern als Halbwaise bei seiner Mutter Maria Ursula, geb. Vincenz, auf. Eine Schulbildung wurde ihm wegen finanziellen und materiellen Mangels nicht zuteil. Lesen und Schreiben lernte er aber wohl in der Kirche, die er rege besuchte. Die Verbundenheit zu seiner Kirchengemeinde zeigt sich auch durch eine Schenkung von zwei Ölgemälden, die er bei einem Heimaturlaub 1816/1817 machte. In den Dorfkirchen St. Luzius von Siat und St. Zeno in Ladir sind sie noch heute zu sehen.
Indizien sprechen dafür, dass Balthasar im Jahr 1800 zu seinem Bruder Geli nach Tarasp ging und dort im Regiment für ihn diente. Schon im jungen Alter konnte er dadurch Erfahrungen im Umfeld des Soldatenlebens machen. Belegt ist, dass er im Alter von 16 Jahren nach Spanien ging, um für fremde Feldherren zu kämpfen.
Balthasar war einmal verlobt und dreimal verheiratet. Während eines Heimaturlaubs 1816, dem Jahr ohne Sommer, verlobte er sich mit Maria Elisabeth de Caprez, Tochter des Obersts Ludwig de Caprez. Die Reise zurück nach Spanien zu seiner Truppe musste er ohne sie antreten, weil Maria gesundheitlich zu schwach war, um die strapaziöse Fahrt durchzustehen; die Verlobung wurde gelöst. 1821 heiratete Balthasar die 15 Jahre jüngere Maria Nesa Camenisch aus Ladir. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Emanuel und Felix hervor, doch 1827 starb Maria Nesa im Alter von 23 Jahren. Im Jahr darauf ging er die Ehe mit Maria Magdalena Huonder († 1854) aus Disentis ein, mit der er sieben Kinder bekam: Josefina, Christina, Carl, Franz, Carolina und Felix. Der Sohn Felix aus erster Ehe war inzwischen verstorben. Die jüngste Tochter Josefina bekam den Namen der Erstgeborenen, die im Kindesalter verstorben war. Balthasar überlebte auch seine zweite Ehefrau, und wahrscheinlich heiratete er ein drittes Mal, denn Dokumente aus dem Jahr 1890 zu Sold- und Pensionsgeldern nennen eine Frau Henriette von Vincenz, Witwe von B. G. de Vincenz als Bittstellerin.
1817 bekam Balthasar de Vincenz den Adelstitel Freiherr von Freyberg zugesprochen, der später an seine Nachkommenschaften überging. Dieser Titel, der nachweislich auch in Spanien anerkannt wurde, wie eine Urkunde aus dem Jahr 1820 belegt, fusst auf dem Geschlecht, dessen materielle Reste mit der Burg Friberg in Siat noch heute Bestand haben.
Nach dem Ende seiner Dienstzeit liess Balthasar de Vincenz sich in Disentis nieder. Er war finanziell gesichert und konnte Projekte wie den Bau der Oberländerstrasse unterstützen, die der Allgemeinheit zugutekamen.
Um der Armut in Graubünden zu entkommen, ging Balthasar de Vincenz 1805 mit gerade 16 Jahren über Luzern nach Spanien, um sich als Soldat zu verdingen. Dort stiess er in Cartagena als Distinguido zum 1743 aufgestellten Schweizer Regiment Nr. 5 unter Oberst Georg Traxler, für den er bereits bei seinem Bruder Geli gedient hatte. In diesem Regiment war für ihn jedoch kein Aufstieg möglich, sodass er mit Unterstützung von Traxler nach einem achtmonatigen Heimaturlaub mit Geli in Graubünden weitere Rekruten anwerben konnte. Durch diesen grossen, offenbar durch eine immense Motivation geförderten Erfolg machte Balthasar innerhalb der Truppe auf sich aufmerksam. Oberst Nazar von Reding, später Gouverneur von Mallorca, holte 1806 das vielversprechende Nachwuchstalent in sein erst 1793 aufgestelltes Schweizer Regiment Nr. 3. Es folgten vier Monate Kadettenzeit und dann die Beförderung zum Unterleutnant.
Diese rasante Karriere ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Balthasar keine Schulbildung genossen hatte und 1806 nur mit seiner Muttersprache, dem Rumantsch, die Reise in die Ferne antrat.
In dem Rang als Unterleutnant wechselte Balthasar de Vincenz 1808 zum Infanterieregiment von Loja, wo er zum Oberleutnant befördert wurde und drei Jahre blieb. 1811 wurde er Hauptmann und wechselte zum Kavallerieregiment von Cantabria. Gut ein Jahr später wurde er von General Javier Castaños zum Hauptfeldwebel befördert und zum Husarenregiment beordert.
Die Bedeutung der Schweizer Truppen in Spanien im Krieg gegen Napoleon darf nicht gering geschätzt werden. Mit dem Sieg in der Schlacht von Bailén im Juli 1808 bewiesen sie, dass der französische Oberbefehlshaber zu schlagen war. Dienstherr war in diesen Jahren König Ferdinand VII., der den Spanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon anführte. 1809 war er an den Schlachten von Mora und Consuegra, an der Niederschlagung des Aufstands von Aranjuez und den Schlachten in Almonacid und Ocaña beteiligt, im Jahr darauf an der Schlacht von Villarcayo.
1812 kam es unter General Luis de Lacy y Gautier zur ersten Auflösung der Schweizer Regimenter. Viele Soldaten blieben in Spanien oder kehrten dorthin wieder zurück, weil sie wegen ihrer Tüchtigkeit sehr beliebt waren. Sie erhielten teils hohe Auszeichnungen und Dienstgrade, nicht aber ihren noch ausstehenden Sold, weil Spanien durch die Kriege völlig verarmt war. Mit reduzierter Truppenstärke wurden drei Regimenter als Polizeicorps wieder aufgebaut, um gegen den Schmuggel und als Sanitätstruppe bei der Epidemie in Barcelona sowie auf den Balearen anzukämpfen.
Versuche von Generalleutnant Ludwig von Wimpfen (Luis de Wimpfen), einer endgültigen Auflösung entgegenzuwirken, waren 1822 erfolglos. Zwei Jahre später, bei der französischen Invasion Spaniens durch den Duc d’Angoulême führten zu einer erneuten Truppenaufstellung in gleicher Formation wie vorher, die wiederum nur wenige Jahre, bis 1835, hielt. Nach 30 Jahren und 4 Monaten Dienstzeit unter spanischer Fahne kehrte Balthasar de Vincenz endgültig in die Schweiz zurück.
Nach den kräftezehrenden Kampfhandlungen seit 1808 beantragte Vincenz 1816 ein Jahr Heimaturlaub, der ihm sogar mit voller Lohnzahlung gewährt wurde. Albert Maag-Socin schreibt dazu in seinem Die Schweizerregimenter in spanische Diensten: „Die Regimenter führten seit der Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges ein ziemlich gemächliches Leben.“
In Siat machte er als finanziell gut ausgestatteter Offizier auf die Einheimischen großen Eindruck. Die jungen Bündner Oberländer glaubten, jeder von ihnen könnte mit einer Militärlaufbahn in Spanien sein Glück finden wie Vincenz. Tatsächlich brachte er 1817 viele junge, kampfbereite Schweizer nach Spanien und er versuchte bei den Behörden, ein eigenes Bündnerisches Regiment aufzustellen, doch lehnten diese sein Ansinnen ab. Man solle die Rekruten in bestehende Regimenter einreihen. Die jungen Männer waren vom Hunger in ihrer Heimat gezeichnet und auch sonst wenig auf die ihnen bevorstehenden Aufgaben vorbereitet.
Tatsächlich fanden nur wenige eine Aufnahme ins Militär. Viele hatten weiter mit Hunger sowie mit Wohnungs- und Arbeitssuche zu kämpfen. Auch Vincenz konnte ihnen wenig helfen, hatte er ihnen doch von einer allzu schnellen Abreise abgeraten. Immerhin fand er für seine Kolonisationspläne Gehör beim spanischen Botschafter der Schweiz, Pasqual de Vallejo, und bei Generalleutnant Ludwig von Wimpfen. Vincenz setzte Empfehlungsschreiben an verschiedene Institutionen auf und konsultierte die Wirtschaftlichen Vereinigungen von Freunden des Landes (Sociedades económicas de amigos del país), die vermehrt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts entstanden, einige – vor allem in Andalusien – schon deutlich früher. Deren Ziel war es, neue Ideen und wissenschaftliche und technische Erkenntnisse der Aufklärung zu verbreiten, um eine gesellschaftliche Verbesserung herbeizuführen. Vorbild dieser Gesellschaften waren ähnliche Organisationen in Irland und der Schweiz.