Ballonfahren bezeichnet die Luftfahrt mit Gasballon und Heißluftballon, speziell mit Freiballonen, da mit Fesselballonen (am Boden vertäut) nicht „gefahren“ werden kann. Angetriebene, lenkbare Ballone werden als Luftschiffe bezeichnet und als eigene Luftfahrzeugart betrachtet; im folgenden Artikel werden nur die Ballone im engeren Sinne beschrieben.
Ein Ballon besitzt eine gasdichte Hülle, die mit einem Treibgas befüllt wird, welches leichter ist als die ihn umgebende Luft. Dies bewirkt den Auftrieb des Ballons. Der Dichteunterschied zwischen dem Gas in der Ballonhülle (heiße Luft oder auch Helium/Wasserstoff) und der Umgebungsluft ist so groß, dass sogar schwere und große Lasten von einem Ballon getragen werden können: Pro Kubikmeter entwickelt Wasserstoff ca. 1 Kilogramm Auftrieb. Ein 12.000-m³-Ballon kann somit ein Gesamtgewicht (ohne Gas) von 14.436 Kilogramm besitzen.
Heißluftballone für den Personentransport sind üblicherweise 3000 bis 13.000 m³ groß, Gasballone 500 bis 1000 m³. Als Racer werden Wettbewerbsballone von 1600 bis 2600 m³ bezeichnet.
Ballonfahrer und Luftschiffer sprechen vom Fahren. Gefährte, die leichter als Luft sind, wie Ballone, fahren in diesem Sprachgebrauch, während Flugzeuge, die schwerer als Luft sind, fliegen. Dies könnte historischen Ursprung haben. Bereits die ersten Ballonfahrer sprachen vom „Ballonfahren“, da sie das Vokabular der Seefahrt übernahmen.
Auch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) spricht vom Fahren, beispielsweise in Bezug auf die „Nachtfahrbeleuchtung“.
Die Geschwindigkeit eines Ballons hängt von der örtlichen Windgeschwindigkeit ab. Beim Start sowie bei der Landung sollten Geschwindigkeiten unter 20 km/h herrschen. Des Weiteren darf keine oder nur sehr geringe Thermik herrschen. Während der Fahrt gelten 40 km/h schon als zügig. Bei Alpenüberquerungen sind jedoch auch Geschwindigkeiten von über 100 km/h möglich.
Theoretisch sind der Höhe von normalen Sportballonen Grenzen bei ca. 9000 Metern gesetzt. Personenfahrten finden normalerweise zwischen 300 und 3000 Metern statt. Einflussfaktoren sind dabei die jeweiligen Wetterbedingungen, der Einsatzort und die Beladung des Ballons. In Gebirgen können sogar Höhen von über 6000 Metern erreicht werden, ab 3000 Metern aber nur mit Sauerstoffgeräten für die Insassen.
Bei der maximalen Fahrtdauer von Heißluftballonen spielen mehrere Faktoren eine erhebliche Rolle:
die Beladung und die Tragkraft (=Volumen) des Ballons
die Wetterbedingungen, vor allem die Außentemperatur
In der Regel legen Ballone während einer Fahrt in ein bis zwei Stunden zwischen 5 und 30 Kilometern zurück. Der Gasballon kann mehrere Tage und Nächte fahren. Fahrten mit Gasballons sind im Gegensatz zum Heißluftballon geräuschlos.
Es ist auch nachts möglich, mit einem Ballon zu fahren. Um dies durchführen zu dürfen, benötigt der Pilot eine Nachtfahrausbildung bzw. Nachtfahrerlaubnis. Üblicherweise startet man vor Sonnenaufgang, um im Hellen wieder zu landen. Da der Ballon nicht bzw. nur gering steuerbar ist, wäre die Landung auf einem unbekannten Gebiet im Dunkel der Nacht mit einem hohen Risiko verbunden.
Da der Ballon mit dem Wind fährt, weht im Ballonkorb kein wahrnehmbarer Fahrtwind. Allerdings spürt man bei starkem Steigen einen Luftzug von oben und beim Sinken von unten.
Die Sicherheit der Personen im Korb hat bei den Starts und den Landungen höchste Priorität.
Starts sind von jedem zugelassenen Flugplatz/Startplatz möglich. Um Außenstarts, d. h. Starts außerhalb dieser genehmigten Plätze durchzuführen, benötigt der jeweilige Pilot eine Außenstartberechtigung sowie die Zustimmung des Grundstückseigentümers. Die Außenstartberechtigung erfordert mindestens 50 Stunden als PIC (Pilot in Command) und eine Überprüfung durch eine abnahmeberechtigte Person, in der Regel ein Prüfer.
Ein Ballon besitzt eine permanente Außenlandegenehmigung. Der Ballonpilot darf überall landen, er sollte aber die Verhältnismäßigkeiten wahren. Eine Landung auf einem Autobahnkreuz oder in einem Fußballstadion ist durchaus möglich und bleibt auch straffrei, sofern es einen Grund für die Landung an diesem Ort wie technische Schwierigkeiten gibt. Ein vorausschauender Pilot meidet solche Gebiete. Eine alte Ballonerweisheit sagt: „Landung immer am Anfang der Wiese, sie wird automatisch kleiner/kürzer“.
Es gibt keine Möglichkeit, dem Ballon eine gesteuerte Richtungsänderung zu geben. Alle diesbezüglichen Versuche, die bereits im 18. Jahrhundert begannen, scheiterten. Die einzige Möglichkeit, den Ballon im Rahmen der unterschiedlichen Höhenwinde zu lenken, ist, die Höhe und somit eventuell die Richtung und die Geschwindigkeit zu ändern. Oft nutzen die Ballonfahrer GPS-Geräte, um den Fahrtverlauf auf einer Landkarte zu visualisieren.
Lizenz und rechtliche Situation