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Balkanzug

Zuglauf zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs

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Der Balkanzug war ein Schnellzug von Berlin nach Istanbul, der von der Mitropa während des Ersten Weltkriegs betrieben wurde. Als Ersatz für den seit Kriegsbeginn eingestellten Orient-Express übernahm er dessen Funktion im hochwertigen Reiseverkehr zwischen Mitteleuropa und der Balkanhalbinsel. Zugleich sollte er die Mittelmächte enger miteinander verbinden. Mit Ende des Krieges wurde der seit Januar 1916 verkehrende Zug wieder eingestellt.

Nachdem im europäischen Eisenbahnverkehr etwa seit 1870 vermehrt Schlafwagen und Speisewagen eingesetzt worden waren, hatte sich die 1874 gegründete Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) (auf Deutsch: Internationale Schlafwagengesellschaft, ISG) in der Folgezeit in vielen europäischen Staaten vertraglich den Betrieb dieser Wagen als Monopol gesichert. Die CIWL übernahm auch den Betrieb der meisten Luxuszüge auf europäischen Schienen. Zwar hatte die CIWL ihren Sitz in Brüssel, mehrheitlich war sie jedoch in französischem Besitz, auch ein Teil der Verwaltung befand sich in Paris. Bereits vor dem Krieg hatte dies in Anbetracht der Rivalität und der „Erbfeindschaft“ zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich vor allem in Preußen Unbehagen hervorgerufen, und die Preußischen Staatseisenbahnen (KPEV) hatten der CIWL ihre Binnenkurse so weit es ging verweigert. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte sich die deutsche Reichsregierung daher nachdrücklich das Ziel, die CIWL aus dem Verkehr im deutschen Einflussbereich zu verdrängen. Paul von Breitenbach, der Chef des Reichseisenbahnamtes und preußische Minister der öffentlichen Arbeiten führte dazu in einer Denkschrift an Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg aus:

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien wurde die CIWL unter Zwangsverwaltung gestellt. Unter Beteiligung der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und weiterer Banken aus Österreich-Ungarn wurde am 24. März 1916 entsprechend die Mitropa als Konkurrenzunternehmen zur CIWL gegründet. Die vor dem Krieg abgeschlossenen Verträge mit der CIWL liefen allerdings trotzdem noch einige Zeit weiter, so konnte die Mitropa den Betrieb der Schlaf- und Speisewagen auf den Strecken der österreichischen Staatsbahnen erst zum 1. Januar 1918 übernehmen.

Bereits vor Gründung der Mitropa planten die beteiligten Bahnen der Mittelmächte den Balkanzug als Ersatz des von der CIWL betriebenen Orient-Express, um die von Breitenbach beschriebene Zielsetzung in einem ersten Schritt umzusetzen. Eine direkte Verbindung nach Istanbul konnte allerdings erst eingerichtet werden, nachdem durch den im Oktober 1915 erfolgten Kriegseintritt Bulgariens und die nachfolgende, Anfang 1916 weitgehend abgeschlossene Eroberung Serbiens eine durchgehende und sichere Landverbindung zwischen dem Osmanischen Reich und seinen Verbündeten in Mitteleuropa hergestellt worden war.

Insgesamt waren zwölf Bahnverwaltungen am Balkanzug beteiligt:

Die Preußische Staatseisenbahnverwaltung, vertreten durch die KED Halle und Breslau

die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen

die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen

die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen

die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen

die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen

die k.k. österreichischen Staatsbahnen

die k. k. privilegierte Kaschau-Oderberger Bahn

die Königlich Ungarische Staatsbahn (Magyar Királyi Államvasutak)

die Militär-Eisenbahndirektion Nisch (für das unter Zwangsverwaltung stehende Netz der Serbischen Staatsbahn)

Die Ungarische Staatsbahn übernahm die Funktion der geschäftsführenden Gesellschaft. Da die Ungarische Staatsbahn wie auch die k.k. österreichischen Staatsbahnen und die Chemins de fer Orientaux ungekündigte Verträge mit der CIWL besaßen, war die zwangsverwaltete CIWL ebenfalls zu berücksichtigen. Neben preußischen Schlafwagen musste der Zug daher auch Schlaf- und Speisewagen der CIWL führen. An den Waggons wurde der Zugname auf den Seitenwänden deutlich lesbar angebracht.

Die erste Fahrt des Balkanzugs fand am 15. Januar 1916 statt und wurde mit großem propagandistischen Aufwand, prominenten Teilnehmern und umfangreicher Berichterstattung in der Presse durchgeführt. Entlang der Strecken wurde der Zug durch Menschenmengen begeistert empfangen, Schulklassen wurden zur Begrüßung abgeordnet. Zu den Teilnehmern der ersten Fahrt gehörte unter anderem auch der sächsische König Friedrich August III., der allerdings nur bis Tetschen, dem Grenzbahnhof zwischen Sachsen und Österreich, mitfuhr.

Der Balkanzug in der öffentlichen Wahrnehmung

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