An diesem Tag

Balduin Möllhausen

Deutscher Reisender und Schriftsteller

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Balduin Möllhausen (* 27. Januar 1825 in Bonn; † 28. Mai 1905 in Charlottenburg) war ein deutscher Schriftsteller und Reisender.

Balduin Möllhausen war das erste von fünf Kindern, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreichten. Möllhausens Vater, Heinrich Möllhausen (* 1796, verschollen 1867 in Odessa), war Lützower Jäger, Leutnant der Artillerie und später Ingenieur beim Eisenbahnbau in Griechenland. Er verließ seine Familie 1835 in Richtung Amerika, als Balduin zehn Jahre alt war. Seine Mutter, Elisabeth Baronesse von Falkenstein (1799–1837), war eine Tochter des Freiherren Carl Friedrich Ernst von Falkenstein (1770–1829) bei Anklam. Sie starb schon etwa zwei Jahre nach der Auswanderung ihres Ehemannes nach Amerika, so dass Balduin und seine noch lebenden Geschwister Gustav und Louisa im Jahr 1837 verwaisten. Sie wurden unter Vormundschaft gestellt und lebten unter wechselnder Obhut in Pommern und im Rheinland. Eines seiner Geschwister war Karl Gustav Heinrich Möllhausen, der in Smyrna in Kleinasien bei einer Eisenbahngesellschaft arbeitete.

Balduin Möllhausen wuchs zunächst in Bonn auf, wo er auch (wahrscheinlich bis 1840) das Gymnasium besuchte. Anschließend absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung als Gutseleve auf den Gütern seines Vormundes Graf Carl Reinhold von Krassow in der vorpommerschen Heimat seiner Mutter und absolvierte in Stralsund seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger, wo er reiten und schießen lernte. Nach dem Militärdienst arbeitete er etwa drei Jahre lang als Ökonomie-Inspektor (Verwalter) in der Landwirtschaft.

1849 unternahm er die erste von drei längeren Reisen in die USA. Möllhausen traf von Le Havre aus im Juli 1850 in New York ein. Er fuhr über die Großen Seen und blieb zunächst im US-Bundesstaat Wisconsin am Michigansee, wo er einige Zeit bei Chippewa-Indianern lebte. Ab dem Frühjahr 1851 gehörte er einer Expedition von Herzog Paul Wilhelm von Württemberg (1797–1860) an. Diese Reise führte in die südlichen Rocky Mountains und nach Wyoming. Nachdem sie den oberen Mississippi bereist hatten, fuhren sie nach Kansas, wo sie per Pferdekutsche in die Rocky Mountains weiterreisten. Sowohl Balduin Möllhausen als auch Paul Wilhelm von Württemberg erkrankten auf dieser Reise. Nachdem sie Mitte November 1851 den Sandy Hill Creek erreichten, starb ihr letztes Pferd. Herzog Paul ergatterte einen freien Platz in der von Fort Laramie kommenden Postkutsche, versprach, Hilfe zu holen und ließ Balduin Möllhausen mit einem Zelt, einer Schusswaffe und spärlichen Nahrungsmittelvorräten im Schnee zurück. Auf die versprochene Hilfe wartete Möllhausen sechs Wochen lang vergeblich. Er lebte unter anderem von dem Fleisch der in der Nähe seines Lagers lebenden Wölfe. Möllhausen machte schlechte Erfahrungen mit Pawnee-Indianern; es kam zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Möllhausen zwei Menschen erschoss. Schließlich rettete ihn eine Gruppe von Otoe-Indianern aus seiner misslichen Lage, die ihn zunächst mit in ihr Jagd-Lager nahmen; später lebte Möllhausen für kurze Zeit in ihrem Dorf am Missouri. Er besuchte von dort aus auch ein Dorf von Omaha-Indianern. Im Februar 1852 gelangt Möllhausen nach Bellevue am oberen Missouri, einen Handelsposten der St. Louis-Pelzcompagnie. Er wurde vom dortigen Vertreter dieser Pelzhandelsgesellschaft, einem Mr. Sapy, aufgenommen, der mit einer Omaha-Frau namens Nacoma zusammenlebte. Mit deren Neffen ging Möllhausen wiederholt auf die Jagd. Er lernte Emily Papin (ca. 1837–1932), eine halbindianische Nichte von Mr. Sapy, Tochter einer Pawnee-Indianerin und eines Franzosen, kennen und lieben. Sie wurde zum Vorbild der indianischen Frauenfiguren in Möllhausens späteren Romanen, an denen sich wiederum Karl May bei der Beschreibung von Winnetous Schwester Nscho-Tschi orientierte. Möllhausen erwog offenbar, Emily Papin zu heiraten und sich mit ihr in der Nähe von Bellevue niederzulassen; jedoch zerschlugen sich seine Heiratspläne.

Inzwischen hatte Möllhausen Nachricht von seinem ehemaligen Reisegefährten Herzog Paul Wilhelm von Württemberg erhalten und reiste nach New Orleans weiter, wo die beiden wieder zusammentrafen und weitere sechs Monate lang gemeinsam den Mississippi aufwärts und durch die Prärien zwischen Belleville und Mascoutah im US-Bundesstaat Illinois reisten. Im November 1852 trat Herzog Paul die Rückreise nach Deutschland an. Möllhausen erhielt vom deutschen Konsul in St. Louis, Ernst Karl Angelrodt (1799–1869), den Auftrag, einen Tiertransport von Amerika nach Deutschland für den Berliner Zoo zu begleiten, und so traf auch Möllhausen, nach zwei Jahren in den USA, im Frühjahr 1853 wieder in Berlin ein. Aufgrund des Zootiertransportes lernte Möllhausen den Direktor des Berliner Zoos, Martin Hinrich Lichtenstein (1780–1857), kennen. Als Mitglied der Berliner Gesellschaft für Erdkunde wurde Möllhausen auch mit Alexander von Humboldt bekannt.

Nach seiner ersten Amerika-Reise nahm Möllhausen Malunterricht bei dem Berliner Landschaftsmaler Eduard Hildebrandt (1818–1868).

Die zweite USA-Reise 1853/1854

Auf Empfehlung Alexander von Humboldts bekam Möllhausen eine Anstellung als Topograph bei einer Expedition der Berliner Gesellschaft für Erdkunde, die die Erkundung einer Eisenbahnroute durch Nordamerika nach Los Angeles zum Ziel hatte. So brach Möllhausen am 18. April 1853 erneut in die USA auf. Der US-Kongress hatte Offiziere des Corps of Topographical Engineers mit der Erkundung, Vermessung und Kartierung geeigneter Verkehrswege zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste beauftragt. Im Jahr 1853 machten sich fünf verschiedene Expeditionen auf fünf verschiedenen Routen auf den Weg. Ein Leutnant namens Amiel Weeks Whipple leitete die Expedition, die die Route entlang des 35. Grades nördlicher Breite von Fort Smith (Arkansas) aus den Canadian River entlang durch Texas nach Albuquerque in New Mexico, durch die Wüste zum Colorado-Fluss und über den Cajon-Pass nach Los Angeles erkunden sollte. Unter Whipples Leitung arbeiteten Geologen, Feldmesser, Botaniker, Astronomen und Zeichner. Zum etwa 60-köpfigen Corps der Expedition gehörten auch Infanterie-Soldaten und indigene Träger und Maultiertreiber. An dieser Expedition nahm Möllhausen (auf Vermittlung des preußischen Botschafters in den USA) als Topograph teil. Auf dieser Reise begegnete (und zeichnete) Möllhausen Vertretern der Choctaws, der Shawnees, der Delawaren, der Kiowas und der Pueblo-Indianer. Das Weihnachtsfest 1853 verbrachten die Expeditionsteilnehmer in den San-Franciso-Bergen im US-Bundesstaat Arizona. Im Februar 1854 erreicht die Expedition den Zusammenfluss des Bill Williams River mit dem Colorado River. Die letzte Etappe der Reise führte durch die US-Bundesstaaten Utah und Californien, wo Möllhausen erstmals mit Mormonen in Berührung kam und Mohave-Indianern begegnet. In Los Angeles löste die Expedition sich auf, und Möllhausen kehrte zunächst auf dem Wasser-, später auf dem Landweg über San Francisco, Acapulco in Mexiko und Washington DC nach New York zurück. Von dort erreichte er im August 1854 wieder Berlin.

Im Jahr 1855 veröffentlichten Teilnehmer dieser Expedition den „Report upon the Indian Tribes“, der mit 30 Zeichnungen und sechs Aquarellen Möllhausens illustriert war.

Nach seiner Rückkehr nach Berlin, ab 1854, wohnte Möllhausen in Berlin bei Humboldt, wo er Karoline Seifert kennenlernte, deren vorgeblicher Vater Kammerdiener Humboldts war; höchstwahrscheinlich war sie tatsächlich Humboldts illegitime Tochter. Möllhausen heiratete sie im Februar 1855. Im Dezember 1855 bekommt das Paar ihr erstes Kind, Alexander Möllhausen, dessen Taufpate Alexander von Humboldt war. Ihr zweiter Sohn Richard, ein Seemann, verscholl im Jahr 1879.

König Friedrich Wilhelm IV. ernannte Möllhausen im Februar 1855 zum Kustos der Bibliotheken in den königlichen Schlössern in und um Potsdam.

Die dritte USA-Reise 1857/1858

Im August des Jahres 1857 fuhr Möllhausen mit dem Postdampfer von Liverpool nach New York, wo er sich einer wissenschaftlichen Expedition unter der Leitung des Leutnants Joseph Christmas Ives anschloss, deren Ziel es war, den Verlauf und die Schiffbarkeit des Colorado River von Fort Zuma bis an den Black Canyon zu erkunden. Die Expedition verließ New York im September 1857, fuhr mit dem Dampfboot Explorer den Colorado River entlang und endete im Juli 1858 in Cleveland bei Newberry. Aufgabe der Expedition war unter anderem auch, die strategischen Bedingungen für einen möglichen Einmarsch von Unionstruppen in den Mormonen-Staat Utah, mit dem es vor allem in der Frage der Polygamie Spannungen gab, auf dem Colorado-Fluss und an seinen Ufern zu erkunden. Nach Abschluss der Expedition schiffte Möllhausen sich am 1. September 1858 zurück nach Deutschland ein.

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