An diesem Tag

Babelsberg

Stadtbezirk von Potsdam

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Babelsberg ist der größte Gemeindeteil der Stadt Potsdam. Die Stadtverwaltung gliedert ihn in die statistischen Stadtteile Babelsberg Nord, Babelsberg Süd und Klein Glienicke. Diese haben zusammen rund 25.000 Einwohner (Stand 2020). Bedeutung über die Grenzen Potsdams hinaus hat Babelsberg durch den Park Babelsberg und das darin befindliche ehemals kaiserliche Schloss Babelsberg. Weltweit steht Babelsberg als Synonym auch für die Medienstadt Babelsberg, ein Gebiet innerhalb des Stadtteils, in dem sich das Studio Babelsberg, der Filmpark Babelsberg, der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), die Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“, die UFA und zahlreiche weitere Institutionen und Unternehmen der Medienbranche befinden.

Neuendorf und Nowawes von der Gründung bis 1939

Die erste Ansiedlung auf dem Gebiet des heutigen Potsdamer Stadtteils Babelsberg war das auf einer Erhebung in der Nutheniederung gelegene Dorf Neuendorf (slawisch „Nova Ves“), wodurch sich die spätere Bezeichnung Nowawes erklärt. Der Ort lag südlich einer 77 Meter hohen Erhebung, die slawisch Buberow („Ort, wo es Biber gibt“) hieß, woraus später der deutsche Name Baberberg und schließlich Babelsberg wurde. Neuendorf war ein Rundplatzdorf mit einer Kirche auf dem Anger. Das im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 erwähnte Dorf wurde mehrfach verpfändet und im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt.

Erst ab 1750 kamen neue Siedler in die Gegend: protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen, die wegen der strikten Gegenreformation unter Maria Theresia ins evangelische Preußen übersiedelten. Friedrich II. ließ in der Nähe von Neuendorf eine Siedlung an der Peripherie zweier königlicher Landstraßen bauen. Die eingewanderten böhmischen Weber nannten ihre neben Neuendorf angelegte Kolonie Nowawes (böhmische Übersetzung von Neuendorf). Beide Orte blieben über 150 Jahre selbstständige Gemeinden: Neuendorf mit seinen deutschen Bauern und Nowawes mit seinen hauptsächlich böhmischen Webern.

Für den preußischen Prinzen Wilhelm (den späteren Kaiser Wilhelm I.) wurde ab 1833 das Schloss Babelsberg errichtet. Dieses wurde nach dem Hügel benannt, auf dem es steht. 1862 erhielten Neuendorf und Nowawes eine gemeinsame Bahnstation – zunächst für die königlichen Hofzüge, später auch für den regulären Personenverkehr – den heutigen S-Bahnhof Babelsberg. Ab 1871 entstand am Fuße des Babelsbergs auf dem Gemeindegebiet von Klein Glienicke zwischen Nowawes und dem Griebnitzsee zusätzlich die Villenkolonie Neubabelsberg.

Im Jahr 1907 vereinten sich die beiden Gemeinden Neuendorf und Nowawes, deren Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung stark angewachsen war, zur Landgemeinde Nowawes. 1924 bekam Nowawes das Stadtrecht, drei Jahre später zählte die Stadt über 27.000 Einwohner. Die Gemeinde Klein Glienicke benannte sich 1925 in Neubabelsberg um.

Nowawes und die Gemeinde Neubabelsberg wurden am 1. April 1938 zusammengeschlossen. Dabei wurde der böhmische Name „Nowawes“ von den Nationalsozialisten geändert. Die Stadt erhielt den Namen Babelsberg und war die größte Stadt im Landkreis Teltow, bis sie bereits am 1. April 1939 in die kreisfreie Stadt Potsdam eingegliedert wurde und dort seitdem den größten Stadtteil bildet.

Babelsberg als Stadtteil von Potsdam (seit 1939)

Vom 1. Juli 1944 bis März 1945 bestand in Babelsberg ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. Darüber hinaus waren seit 1941 etwa 7.000 Zwangsarbeiter, vor allem aus Osteuropa, in Babelsberger Betrieben tätig. Sie waren unter erniedrigenden Bedingungen in Barackenlager untergebracht.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges beseitigten die Kommunisten Heinrich Eichler und Alfred Lehnert mit Unterstützung durch sowjetische Zwangsarbeiter heimlich eine Panzersperre auf der Straße von Güterfelde nach Babelsberg, wodurch die kampflose Einnahme des Ortes durch die Rote Armee erleichtert wurde.

Im Rahmen der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 quartierten sich Josef Stalin, Harry S. Truman und Winston Churchill in der Villenkolonie Neubabelsberg ein. Auch nach der Konferenz blieben Teile von Babelsberg in sowjetischer Hand. Am Bahnhof Griebnitzsee befand sich bis wahrscheinlich 1951/52 der Sitz des Oberkommandos der Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland. Potsdam-Babelsberg hatte eine direkte Grenze zu West-Berlin, deshalb verliefen Teile der Berliner Mauer auch auf Babelsberger Gebiet. Bemerkenswert ist die westliche Halbexklave Steinstücken, diese war während der deutschen Teilung bis zu einem Gebietsaustausch 1972 als echte Exklave von Babelsberger Gebiet umschlossen, gehörte aber zu West-Berlin.

Von 1953 bis 1990 war Babelsberg Sitz der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR.

Nordöstlich des alten Dorfes Neuendorf gründete Friedrich der Große 1751 für evangelische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen die Weber- und Spinnerkolonie (Weberviertel) Nowawes. Sie sollten Baumwolle verarbeiten und Seide produzieren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Nowawes zum Industriestandort. Die vor allem an der Nuthe und an der Eisenbahnstrecke Berlin–Potsdam entstehende Textilindustrie führte bald zu einer Verschmelzung mit dem alten Dorf Neuendorf.

Mit der Industrialisierung im Großraum Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich auch im Umland Zweigwerke an. In der Nähe des Bahnhofs Drewitz, auf Neuendorfer Gelände, errichtete die Berliner „Märkische Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel OHG“ 1899 eine Niederlassung mit einer umfangreichen Kesselschmiedeanlage. Das Werk war unter der Bezeichnung „AG für Feld- & Kleinbahnen-Bedarf, vormals Orenstein & Koppel“ bis zum Zweiten Weltkrieg ein großer Lokomotivhersteller für Feldbahn- und Baulokomotiven sowie für Rüstungsgüter wie Lafetten für Panzerabwehrkanonen. Im Ergebnis der Judenverfolgung wurden die Erben der Lokomotivfabrik durch die Nationalsozialisten enteignet und 1940 das Unternehmen in „Maschinenbau und Bahnbedarf AG“ umbenannt. Auch andere Babelsberger Betriebe wie die Arado Flugzeugwerke produzierten in dieser Zeit überwiegend Rüstungsgüter.

Ab 1947 wurde der Lokomotivbau wiederaufgenommen, 1948 erfolgte die Umbenennung in „LOWA Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg“ (LKM). Bis 1976 wurde der Lokomotivbau eingestellt. Parallel kam es zur grundlegenden Änderung der Produktionslinie, das Werk erhielt den neuen Namen „VEB Kombinat Luft- und Kältetechnik, Betrieb Karl Marx, Babelsberg“. Parallel dazu entstand der Maschinenbau Karl Marx Babelsberg, der im Kombinat TAKRAF eingebunden war. Er stellte auf Basis der IFA W50 Autokrane her.

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Industriegelände ein Gewerbepark unterschiedlicher Ausrichtung, darunter auch Unternehmen aus der Medienbranche wie Big Image Systems, das Funkhaus Wetzlarer Straße (Radio Teddy und BB Radio) und Filmgelände der Studio Babelsberg AG.

Neben dem Schloss Babelsberg, dem Park Babelsberg und dem Flatowturm gibt es in Babelsberg eine Reihe von Sehenswürdigkeiten und eine große architektonische Vielfalt. Das 1898/1899 nach Plänen von Otto Kerwien erbaute und seitdem den Stadtteilkern prägende Nowaweser Rathaus im Stil der Backsteingotik wird seit 1956 als Kulturhaus genutzt. Ebenso auffällig ist der südlich gelegene Ziegelbau des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, der 1911 als Althoff-Realgymnasium errichtet wurde (während der DDR-Zeit Beethovenschule) und in seiner gesamten Form ziemlich einzigartig ist.

Im gesamten Stadtteil sind viele Gebäude aus der Gründerzeit erhalten geblieben, die alle Stile des damals dominierenden Historismus umfassen. Nach dem Ende der DDR wurden viele Lücken zwischen den Gründerzeitbauten mit teilweise postmodernen Neubauten gefüllt, die in Form und Fassadengestaltung den historischen Wohnhäusern angepasst wurden.

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