BAE Systems plc (British Aerospace Electronic Systems) ist ein britischer multinationaler Rüstungs-, Informationssicherheits- und Luftfahrtkonzern und war 2021 nach Umsatz der siebtgrößte Rüstungskonzern der Welt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in London, Vereinigtes Königreich, und beschäftigt 82.500 Mitarbeiter weltweit. Neben der Rüstungsproduktion ist der Konzern auch in der Luft- und Raumfahrt tätig.
Das Unternehmen entstand 1999 durch die Fusion von British Aerospace und Marconi Electronic Systems zum damals viertgrößten Rüstungskonzern der Welt. Bis zum Jahr 2003 übernahm BAE Systems mehrere Tochtergesellschaften von Lockheed Martin und Boeing und wurde so vorübergehend zum weltgrößten Rüstungskonzern.
Hawker Siddeley Aviation, das 1979 ein Teil von British Aerospace wurde, war auch ohne eigenen Anteil an Airbus seit Projektbeginn (1970) Hersteller der Tragflächen aller Airbus-Flugzeuge. Seit 1979 hielt British Aerospace, später BAE Systems, zwanzig Prozent am europäischen Flugzeugbauer Airbus Industrie und ab 2001 bis 2006 an dessen Nachfolgegesellschaft Airbus SAS.
2005 erweiterte der Konzern mit der Übernahme des Panzerherstellers Alvis sein schmales Sortiment an Landfahrzeugen deutlich. Im selben Jahr stärkte der Konzern durch eine Übernahme von United Defense seine Position in den USA erneut. Insgesamt machte das Unternehmen 2005 einen Umsatz von über fünfzehn Milliarden US-Dollar, davon etwa vierzig Prozent in den USA. Der Konzern ist das einzige nicht-amerikanische Rüstungsunternehmen, das zu den zehn größten Lieferanten des Pentagon gehört.
Seit Anfang 2004 wurde berichtet, das Unternehmen plane eine Fusion mit Boeing oder Lockheed Martin. Während weder BAE noch Lockheed Martin zu diesen Berichten Stellung nahmen, dementierte Boeing diese mit dem Hinweis, dass BAEs Anteil an Airbus zu einem Interessenkonflikt führe. Im November 2004 meldete die Financial Times, dass EADS Interesse an den Airbus-Anteilen von BAE zeige. Am 7. April 2006 bestätigte BAE Verhandlungen mit EADS über den Verkauf der britischen Airbus-Anteile. Am 6. September 2006 wurde schließlich mitgeteilt, dass EADS die Anteile für 2,75 Milliarden Euro übernommen hatte.
Im Mai 2007 übernahm der Konzern den US-Hersteller Armor Holdings. Der Zukauf des Herstellers für Militärfahrzeuge und Panzerungen kostete 4,1 Milliarden US-Dollar.
Seit 2004 wird gegen BAE Systems wegen möglicher illegaler Waffengeschäfte ermittelt. Der Konzern soll Schmiergelder an saudi-arabische Diplomaten, Politiker und Geschäftsleute gezahlt haben, um sich Rüstungsaufträge zu sichern. Nachdem die Ermittlungen im Dezember 2006 aus Gründen der nationalen Sicherheit teilweise eingestellt worden waren, wurden Vorwürfe laut, wonach dieses auf ausdrückliche Anweisung der Regierung geschehen sei. Im Juni 2007 wurden auch in den USA Ermittlungen gegen BAE Systems aufgenommen. Endgültige Ergebnisse stehen jedoch weiterhin aus.
Eine geplante Fusion mit EADS zum bis dahin weltweit größten Rüstungsunternehmen scheiterte Anfang Oktober 2012. Die beteiligten Staaten hätten sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können, woraufhin beide Unternehmen die Verhandlungen abbrachen. EADS machte die deutsche Bundesregierung für das Scheitern verantwortlich.
Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass BAE Systems zusammen mit dem US-amerikanischen Rüstungshersteller Northrop Grumman ein Gemeinschaftsunternehmen zur Luftfahrzeug-Instandhaltung gründet. Zudem schloss BAE Systems im Oktober 2016 mit Northrop Grumman einen Vertrag über rund 618 Millionen US-Dollar für die Produktion von 5 bis 7 Raketen mit dem Advanced Precision Kill Weapon System. Dabei werden diese mit WGU-59 / B-Führungseinheiten ausgerüstet, um die Raketen mit halbaktiver Laserführung auszustatten.
Im Jahr 2018 schloss das Unternehmen mit der Regierung von Katar einen Vertrag über 5 Milliarden Pfund für 24 Eurofighter Typhoon ab.
Im Jahr 2019 verkaufte BAE Systems einen Anteil von 55 % an seinem britischen Landgeschäft an Rheinmetall. Das daraus hervorgegangene Joint Venture (JV), Rheinmetall BAE Systems Land (RBSL), wurde nach der behördlichen Genehmigung im Juli 2019 gegründet und hat seinen Hauptsitz am bestehenden Standort in Telford.
Im November 2020 gab das britische Verteidigungsministerium die Vergabe eines 20-jährigen Munitionsauftrags im Wert von 2,4 Milliarden Pfund an BAE bekannt. Im Rahmen dieses Auftrags wird BAE 39 verschiedene Munitionssorten für die britischen Streitkräfte herstellen; dieser Auftrag löst den MASS-Vertrag aus dem Jahr 2008 ab. Im Juli 2023 erhielt BAE einen damit verbundenen Auftrag im Wert von 280 Millionen Pfund, um einen Munitionsengpass zu beheben, der durch die Lieferung von Munition an die Ukraine verursacht wurde. Insgesamt belebte der Krieg in der Ukraine das Geschäft deutlich.
Im August 2023 vereinbarte BAE die Übernahme der Luft- und Raumfahrtsparte des US-amerikanischen Unternehmens Ball Corporation für 5,6 Milliarden US-Dollar in bar; dies war bis dahin die größte Übernahme von BAE und wurde am 16. Februar 2024 abgeschlossen.
Im Oktober 2023 erhielt BAE einen Auftrag im Wert von 3,95 Milliarden Pfund für Entwicklungsarbeiten an U-Booten der Aukus-Klasse bis zum Jahr 2028.
BAE MAS – Military Air Solutions
BAE MAS entwickelt und produziert militärische Flugzeuge, insbesondere Kampf- und Aufklärungsflugzeuge. Hierbei kooperiert BAE regelmäßig mit Hauptkonkurrenten wie Boeing, Lockheed Martin (F35) oder EADS und Alenia Aeronautica (Eurofighter Typhoon).
BAE Avionics ist weltweit führend in der Entwicklung militärischer Aufklärungs- und Kommunikationstechnologie. Der Konzern ist auch im Bereich von Produkten für die direkte Kriegsführung tätig, beispielsweise bei der Entwicklung von lasergesteuerten Bomben.
BAE C4ISR entwickelt Produkte für die Koordinierung von Einheiten in militärischen Einsätzen. Hierbei werden sowohl existierende Systeme modernisiert als auch neu entwickelte Komponenten produziert.