Der Büstenhalter, in Österreich auch Busenhalter, (beide Bezeichnungen umgangssprachlich BH abgekürzt) ist ein Kleidungs- und Wäschestück, das die weibliche Brust halten und stützen soll. Mit wenigen Ausnahmen wird er von Frauen ausschließlich als Teil der Unterwäsche getragen.
Die Sitte, die Brüste zu bedecken und zu stützen, reicht mindestens ins antike Griechenland zurück. Im Jahr 2500 v. Chr. verdeckten minoische Frauen auf Kreta ihre Brüste. In griechischen Stadtstaaten wie Sparta sollen sich Frauen bei der Teilnahme an Sportveranstaltungen die Brüste abgebunden haben, um männlicher zu erscheinen. In der römischen Antike bedeckten und stützten Frauen ihre Brust mit der Fascia pectoralis.
Im Jahre 2008 wurden bei Umbauarbeiten in der Decke zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss im Osttiroler Schloss Lengberg (Österreich) über 2700 Textilfragmente entdeckt, darunter vier Büstenhalter mit deutlich erkennbaren Körbchen, die nach den Ergebnissen ihrer Radiocarbondatierung aus der Zeit zwischen 1440 und 1485 stammen. Zwei der Funde sahen wie heutige Büstenhalter aus, die beiden anderen wie ärmellose Hemden mit Körbchen. Ein Büstenhalter bestand aus feinem Leinen mit dekorativer wertvoller Nadelspitze.
Anfang des 19. Jahrhunderts waren vorwiegend einfache Leibchen üblich. Da sich dabei die Brustwarzen abzeichneten, kamen wattierte „Brustverbesserer“ auf, die einem BH schon sehr ähnlich sahen und auch später über dem Korsett getragen wurden. Bereits am 7. Oktober 1892 meldete die in Wien ansässige Kleidermacherin und Unternehmerin Marianne Bendl das k.k. Patent des sogenannten „Busenschützers“, der heutigen Sport-BHs ähnelt, an. Hugo Schindler aus Mariaschein in Böhmen meldete 1893 einen Büstenhalter beim „Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum“ zum Patent an. Dieser hatte zwei an einem Gürtel befestigte Kappen, die oben mit Bändern befestigt wurden. Das erste Patent auf ein Frauenleibchen als Brustträger wurde von der Dresdnerin Christine Hardt am 5. September 1899 angemeldet. Er bestand aus zusammengeknüpften Taschentüchern und Männerhosenträgern und war verstellbar. Die Französin Herminie Cadolle meldete im Jahr 1889 ein Patent auf einen Büstenhalter an. Der schwäbische Korsettmacher Wilhelm Meyer-Ilschen aus Cannstatt entwickelte 1904 seine „Bruststütze ohne Unterteil“ (erst später patentiert). Sein Schwiegervater Sigmund Lindauer, auch aus Cannstatt, ließ 1912 in seiner Firma S. Lindauer & Co den ersten Büstenhalter in Serienfertigung gehen (Marke Prima Donna); er hatte ein kaiserliches Patent auf den ersten BH ohne Längs- und Querstützen aus Fischbein und Knochen. Lindauers „Hautana“ machte rund um den Globus Karriere. Weltweit folgte eine Vielzahl weiterer Patentierungen.
Etwa gleichzeitig mit Hugo Schindler erfand in den Vereinigten Staaten Mary Phelps Jacob einen Ersatz für das Mieder: Aus zwei Tüchern und einigen Bändern fertigte sie ein Wäschestück, um ihre Brüste zu bedecken. 1914 ließ sie diese Erfindung patentieren und verkaufte das Patent anschließend für 1500 $ an die Warner Brothers Corset Company.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts löste der Büstenhalter das Korsett ab. Die ersten Modelle bestanden aus Leinen. Ab den 1920er Jahren wurden sie auch aus Seide, Musselin oder Batist hergestellt. Zu Beginn der 1930er Jahre wurden in den Vereinigten Staaten erstmals die noch heute bekannten Standardgrößen (A-, B- und C-Körbchen) eingeführt.
Die Massenproduktion von BHs begann in den 1930er Jahren, als industrielle Fertigungsmethoden weiterentwickelt wurden und die Konstruktion von BHs weiter verbessert wurde. Vor dieser Zeit gab es keine billigen, maschinell hergestellten BHs, und die Modelle, die verfügbar waren, mussten oft maßgeschneidert oder individuell angepasst werden. Die höheren Preise erschwerten es vielen Frauen, einen BH zu kaufen.
Mit der auch zunehmenden Akzeptanz von BHs in der Mode der USA und Europa änderte sich die Wahrnehmung, und sie wurden günstiger und verbreiteten sich damit zunehmend, auch weil die Nachfrage wuchs und die Massenproduktion das ermöglichte. In der Nachkriegszeit bestand Rohstoffmangel in Deutschland, BHs waren für Frauen in der Zeit unerschwinglich, sie wurden selbst genäht oder repariert und waren als Tauschware gefragt. In den 1950er Jahren war der BH dann ein weit verbreitetes Kleidungsstück, das für fast alle Frauen wieder zugänglich war.
1947, auch mit dem so genannten New Look, verdrängte der Büstenhalter modisch endgültig das Mieder. Es gab fortan BH mit verstärkten Körbchen (mit Fischbein-, später Metallbügel unterhalb der Schalen), wattierte und verstärkte BH, Push-ups, BH ohne Verschluss, Verschluss hinten oder vorn.
Ebenso wie andere Kleidungsstücke durchlief der BH eine Vielzahl von Formen und Moden: knabenhaft in den 1920er Jahren, rund in den 1930ern und spitz in den 1950er Jahren. Sport-Büstenhalter („Jogbra“) gibt es seit 1978. Ab 1994, mit der Einführung des „Wonderbras“ und neuer Materialien, kam es zu einem neuen Lingerie-Boom. Der teuerste jemals produzierte BH ist der juwelenbesetzte Fantasy Bra aus dem Jahr 2000, der mit einem Kaufpreis von 15 Mio. Dollar im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wurde.
Ein Büstenhalter besteht aus zwei geformten, miteinander verbundenen Körbchen („Cups“) zur Aufnahme der Brüste, zwei über beide Schultern führende Träger zur vertikalen Stabilisierung und einem am Rücken oder vorn verschließbaren Band zur horizontalen und eigentlichen Stabilisierung. Handelsübliche Büstenhalter haben meistens einen rückwärtigen Verschluss (dann oft in Form von Hafteln), der aber auch vorderseitig zwischen den Körbchen liegen kann („französischer Verschluss“). Erhältlich sind auch Kombinationen der Grundtypen sowie Sonderformen mit Reißverschlüssen, Knöpfen oder seitlichem Verschluss.
Sowohl die beiden Schulterträger als auch das Rückenteil lassen sich zur Feinanpassung verstellen, z. B. ist der Rückenverschluss zur Weitenregulierung meist in zwei oder drei verschieden weit entfernte Ösen einhakbar. Weder Schulterträger noch Rückenband sollen beim Tragen in die Haut einschneiden, unter dem Rückenband sollten noch zwei Finger Platz haben. Sitzt es nicht waagerecht, sondern ist nach oben verschoben, so ist entweder ein kleineres Unterbrustmaß oder ein größeres Körbchen zu wählen.
Fullcup: bedeckende Körbchen mit einem hohen Steg
Ballkleid-BH (strapless): ohne Schulterträger, für rückenfreie Kleider
Bandeau-BH: Oberteil in Form eines abgewandelten breiten Bandes, oft trägerlos
Bügel-BH: älteste Form des Büstenhalters, mit Draht oder Plastik verstärkt, stabilisiert die Brust stärker, deshalb besonders für größere Cups geeignet
Bügelloser BH: durch den flexibleren Aufbau für manche Größen verbesserter Tragekomfort
Nackenträger-BH: ohne Trägerband um den Rücken, Vorderverschluss