Das Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (Kurzbezeichnung BSW) ist eine im Januar 2024 gegründete politische Partei in Deutschland. Namensgeberin und Mitgründerin ist Sahra Wagenknecht, die wie die meisten anderen Gründungsmitglieder zuvor der Partei Die Linke angehörte. Durch Übertritte von zehn Abgeordneten der Linken war die Partei im 20. Deutschen Bundestag als Gruppe vertreten. Darüber hinaus zog sie bei der Europawahl 2024 mit sechs Abgeordneten ins Europäische Parlament ein und wurde im Herbst des Jahres mit zweistelligen Ergebnissen in die Landtage von Sachsen, Thüringen und Brandenburg gewählt, wo sie jeweils die drittstärkste Kraft stellt. In Thüringen (Kabinett Voigt) und Brandenburg (Kabinett Woidke IV) war sie jeweils von 2024 bis 2026 an der Landesregierung beteiligt. Seit Herbst 2026 ist die Partei auch im Landtag Sachsen-Anhalt vertreten.
Bei der Bundestagswahl 2025 scheiterte sie sehr knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Durch eine nachträgliche Neubewertung von bundesweit insgesamt fast 7.425 Stimmen, von denen 4.277 dem BSW zugutekamen, verbesserte sich das am 14. März 2025 festgestellt amtliche Endergebnis des BSW von 4,972 % allerdings nur auf 4,981 %, sodass ihm der Einzug in den 21. Deutschen Bundestag versagt blieb. Dagegen legte das BSW am 23. April 2025 Wahlbeschwerde beim Deutschen Bundestag ein mit der Forderung nach einer vollständigen bundesweiten Neuauszählung aller Zweitstimmen. Nachdem der Bundestag am 26. Juni 2025 die neun Mitglieder des Wahlprüfungsausschusses gewählt hatte, lehnte er auf dessen Empfehlung die Wahlbeschwerde am 18. Dezember 2025 ab. Hiergegen legte das BSW kurz vor Ablauf der Rechtsmittelfrist am 18. Februar 2026 Klage beim Bundesverfassungsgericht 2 BvC 4/26 ein. Am 27. Februar 2026 wurde die Berichterstattung aufgrund der Überlastungsanzeigen der bisherigen Berichterstatterin auf die Vizepräsidentin Kaufhold übertragen.
Eine Ende 2025 beschlossene Umbenennung der Partei in Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft ist für Oktober 2026 vorgesehen.
Beobachter ordnen das BSW in sozioökonomischen Aspekten als links, und in soziokulturellen meist als konservativ ein. Vor allem wegen der parteienrechtlich umstrittenen rigiden Praxis bei der Aufnahme von Mitgliedern wird es auch als Kaderpartei bezeichnet. In den Wahlprogrammen finden sich sowohl gesellschaftspolitische Forderungen nach sozialem Ausgleich – etwa mit Mietendeckel, Bürgerversicherung und Mindestlohn – als auch restriktive Ansätze in der Migrationspolitik, Forderungen nach Senkung der Energiepreise, einem Ende von Privatisierungen und einer gerechteren Steuerpolitik.
Ein Parteiprogramm lag bei Gründung noch nicht vor, wurde jedoch zwischenzeitlich veröffentlicht. Es sollte ursprünglich zur turnusgemäßen Bundestagswahl im September 2025 ausgearbeitet werden. Für die Europawahl 2024 wurde ein Wahlprogramm vorgelegt, und in Medien politische Positionen formuliert. Zur vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 beschloss das BSW ein weiteres Wahlprogramm.
In der Außenpolitik setzt sich das BSW für Diplomatie, Entspannung und internationale Zusammenarbeit ein. Militärische Konfliktlösungen werden abgelehnt, atomare Abrüstung und eine geringere militärische Präsenz werden befürwortet. Eine eigenständige Außenpolitik Europas sei wichtig, um nicht in einer Blockkonfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und dem neuen Block um China und Russland zerrieben zu werden. Den Krieg Russlands gegen die Ukraine verurteilt das BSW und fordert einen sofortigen Waffenstillstand sowie Friedensverhandlungen ohne Vorbedingungen.
Rüstungslieferungen an die Ukraine sollen eingestellt, es sollen keine Waffen und auch keine Taurus-Marschflugkörper geliefert werden. Das BSW befürchtet, dass Deutschland damit in den Krieg hineingezogen werde. Diplomatische Bemühungen der Volksrepublik China und der Länder des Südens sollen unterstützt werden. Von Deutschland solle eine Initiative für einen Waffenstillstand und einen realistischen Friedensplan ausgehen. Als Ziel dieser Politik benennt das BSW eine europäische Friedensordnung, „die längerfristig auch Russland einschließen sollte“.
Auslandseinsätze der Bundeswehr müssten beendet werden; die Bundeswehr soll nur noch für die direkte Landesverteidigung zuständig sein.
Die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland lehnt das BSW ab, weil es darin eine „Erhöhung der Kriegsgefahr für Deutschland“ sieht.
Im Programm des BSW zur Europawahl 2024 wird als Hauptziel der Friede in Europa genannt. Es solle „eigenständiger Akteur auf der Weltbühne werden“. Die aktuellen EU-Institutionen, insbesondere die Europäische Kommission, werden als undemokratisch kritisiert, denn sie seien von Lobbyismus ohne demokratische Legitimation beeinflusst. Es wird eine Reduzierung der EU-Vorgaben gefordert, um den nationalen Regierungen mehr Entscheidungsspielraum zu geben und Schaden vom Mittelstand abzuwenden. Das Einstimmigkeitsprinzip solle für wichtige Entscheidungen nicht gelten; stattdessen sollen die Mitgliedsstaaten mehr Macht und Gestaltungsfreiheit erhalten, während die EU in der Außen- und Sicherheitspolitik mit einer Stimme sprechen solle. Das Subsidiaritätsprinzip solle gestärkt werden, indem lokale, regionale und nationale Entscheidungen nicht auf die EU-Ebene verlagert werden. Lobbyismus und Korruption sollen eingedämmt werden. Soziale Grundrechte sollen gemäß der revidierten Europäischen Sozialcharta des Europarates gestärkt werden.
Es sollen keine weiteren Staaten in die EU aufgenommen werden. Es müsse wirtschaftspolitisch intensiver mit Russland zusammengearbeitet werden; die Öl- und Gaslieferungen müssten wieder aufgenommen werden.
In der EU-Außen- und Sicherheitspolitik solle Europa eine eigenständige, von den USA unabhängige Rolle einnehmen. Die EU solle einen Weg der Demilitarisierung gehen: Rüstungsexporte in Krisen- und Kriegsgebiete sollen sofort beendet werden. Militärische Finanzierungsinstrumente wie die so genannte Europäische Friedensfazilität zur Finanzierung außenpolitischer Maßnahmen mit militärischen oder verteidigungspolitischen Bezügen und der Europäische Verteidigungsfonds sollen umgewandelt werden zu Instrumenten, mit denen zivile Konfliktlösungen finanziert werden.
Eine neue gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsordnung sei nötig, die auch Russland einschließen müsse.
Das BSW steht zu dem Recht auf Asyl für „Menschen, die aus politischen, religiösen oder anderen Gründen verfolgt werden und deshalb aus ihrer Heimat fliehen müssen“. Wer aus einem anderen EU-Staat nach Deutschland einreist, soll kein Recht auf ein Asylverfahren oder soziale Leistungen haben. Jene, die vor Gewalt und Krieg fliehen, müssten Hilfe und Zuflucht „am besten möglichst nahe an ihren Heimatländern“ erhalten. Allerdings sei Migration „nicht die Lösung für das Problem von Armut und Ungleichheit in der Welt“. Die Partei fordert eine grundlegende Reform der Flüchtlings- und Migrationspolitik.
So fordert sie eine Begrenzung der Zuwanderung und die Stärkung der Perspektiven in den Herkunftsländern. Asylverfahren sollen in als sicher geltenden Drittstaaten stattfinden. Abgelehnte und ausreisepflichtige Asylbewerber sollen statt Geldes nur Sachleistungen erhalten. Gleichzeitig sollen Flucht- und Migrationsursachen bekämpft werden, indem die Situation in den Ländern des globalen Südens durch Außen-, Wirtschafts-, Handels- und Entwicklungspolitik verbessert werde.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der gerechten Verteilung von Ressourcen, etwa mit Mietendeckel und Bürgerversicherung. Zur Bekämpfung finanzieller Ungleichheiten, des Mangels an sozialer Sicherheit und steigender Lebenshaltungskosten brauche es gerechte Löhne, sichere Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen. Hervorgehoben wird die Förderung von Tarifverträgen. Das BSW lehnt Privatisierungen im Bereich Wohnen, Pflege und Gesundheit ab. In diesen Branchen sollen gemeinnützige Anbieter Vorrang haben.
Zur Bundestagswahl 2025 wird ein Mindestlohn von 15 Euro brutto und eine Rentenreform gefordert, bei der, wie in Österreich, alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen müssen, also auch Beamte, Politiker und Selbständige. Nach vierzig Beitragsjahren soll eine Mindestrente von 1.500 Euro gesichert sein. Zur Rentenfrage fordert das BSW eine Volksabstimmung. Das Bürgergeld soll „durch eine leistungsstarke und leistungsgerechte Arbeitslosenversicherung“ ersetzt werden.