Bärbel Höhn (* 4. Mai 1952 in Flensburg als Bärbel Christensen) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 1995 bis 2005 Ministerin für Umwelt und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, von 2005 bis 2017 Abgeordnete im Deutschen Bundestag und dort zuletzt Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.
Aufgewachsen ist sie als jüngstes von drei Kindern in verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein und in Wilhelmshaven, Niedersachsen. Nach dem Abitur 1971 am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Heide studierte Bärbel Höhn in Kiel Mathematik und Volkswirtschaftslehre und schloss das Studium 1976 als Diplom-Mathematikerin ab. Von 1978 bis 1990 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hochschulrechenzentrum der Universität-Gesamthochschule Duisburg.
Wenige Monate nachdem Bärbel Höhn 1978 von Schleswig-Holstein nach Oberhausen umgezogen war, erkrankte ihr kleiner Sohn an einer schweren, dauerhaften Bronchitis. Durch ihre Mitarbeit im „Stadtelternrat Oberhausener Kindergärten“ erfuhr sie, dass die Erkrankung ihres Kindes kein Einzelfall war, sondern in der durch Schadstoffe belasteten Luft des Ruhrgebiets häufig vorkam. Sie beschloss, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden, und gelangte 1985 für die Bunte Liste in den Rat der Stadt Oberhausen. In den 80er Jahren engagierte sie sich auch im „Frauenforum“ und in der „Bürgerinitiative gegen Giftmüllverbrennung“. In der Folge erreichten Elternproteste den Bau eines weiteren Kindergartens und der Protest gegen die Giftmüllverbrennung verhinderte die geplante Anlage.
Seit 1985 ist Höhn Mitglied der Grünen. Von 1991 bis 1997 war sie Mitglied im Länderrat auf Bundesebene der Grünen für Nordrhein-Westfalen. Von Beginn bis 2015 war sie Mitglied des Parteirats der grünen Bundespartei. Am 14. Juni 2014 schied Bärbel Höhn auf dem Parteitag in Siegburg nach zwei Jahren aus dem Landesvorstand der Grünen in Nordrhein-Westfalen aus.
Bärbel Höhn war sowohl bei den vier Wahlen 1990, 1995, 2000 und 2005 zum Landtag von Nordrhein-Westfalen wie auch bei den drei Bundestagswahlen 2005, 2009 und 2013 die Spitzenkandidatin ihrer Partei in Nordrhein-Westfalen.
Von 1988 bis 1992 war Bärbel Höhn Mitglied im Vorstand der kommunalpolitischen Vereinigung der Grünen. Bärbel Höhn schloss sich in den 80er Jahren der Protestbewegung gegen Müllverbrennungsanlagen in NRW an. Diese Anlagen stießen damals bei der Verbrennung hochgiftiges Dioxin aus, weil es noch keine Filter gab.
Für die Landtagswahl 1990 kandidierte Bärbel Höhn mit dem Thema Abfallpolitik. Die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen lud die Kandidatinnen für die Landtagsliste ein und schlug als Ziel vor, mit einer reinen grünen Frauenliste anzutreten. Die anwesenden Frauen sprachen sich dafür aus, dass Bärbel Höhn auf Platz eins kandidieren sollte. Eine reine Frauenliste gelang zwar nicht, aber Bärbel Höhn wurde Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl 1990 und die Partei zog zum ersten Mal sehr knapp mit 5,05 % in den Landtag von Nordrhein-Westfalen ein (in dieser Zeit gab es eine Alleinregierung der SPD, das Kabinett Rau IV).
Bärbel Höhn wurde von 1990 bis 1995 Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion.
Hauptthemen der Grünen waren u. a. die Abfallpolitik und zunehmend Garzweiler II, der geplante Braunkohletagebau, den die Grünen verhindern wollten. Kurz vor der Landtagswahl 1995 beschloss die SPD-Landesregierung die planrechtliche Genehmigung, den Braunkohleplan, für Garzweiler II zu erteilen. Bärbel Höhn als Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion reichte dagegen eine Organklage beim Landesverfassungsgericht ein, weil das Parlament in diese weitreichend Entscheidung hätte eingebunden werden müssen. Das Gericht entschied, dass die Klage gegen das für die planrechtliche Genehmigung zuständige Umweltministerium geführt werden müsse. Ein halbes Jahr später war Bärbel Höhn selbst Umweltministerin geworden. So war Bärbel Höhn am Ende Klägerin und Beklagte.
Garzweiler II wurde immer mehr das beherrschende Landesthema der 90er Jahre. In der Wahl 1995 verlor die SPD ihre absolute Mehrheit und musste mit den Grünen eine Koalition bilden.
Bärbel Höhn und Michael Vesper führten von Grüner Seite die Koalitionsverhandlungen. Zum Streitpunkt Garzweiler II gibt es keine Einigung. Die beiden Parteien schrieben ihren Dissens im Koalitionsvertrag fest. Bärbel Höhn wurde am 17. Juli 1995 (im Kabinett Rau V) Ministerin für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft. Für den noch ausstehenden Rahmenbetriebsplan für die Genehmigung von Garzweiler II war das Bergamt Düren verantwortlich, das Minister Clement mit seinem Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr unterstand.
Die Zuständigkeiten für Umwelt, Landwirtschaft und Raumordnung behielt Bärbel Höhn auch, als Wolfgang Clement (Kabinett Clement I) 1998 Ministerpräsident wurde. Nach der Landtagswahl 2000 fand eine Neuordnung der Kompetenzen statt (Kabinett Clement II) und Bärbel Höhn war seit dem 27. Juni 2000 Ministerin für „Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“. Damit war sie die erste Verbraucherschutzministern in Deutschland. 2002 behielt sie ihre Zuständigkeiten, als Peer Steinbrück Ministerpräsident wurde (Kabinett Steinbrück).
Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai 2005 verlor die rot/grüne Regierung ihre Mehrheit und Bärbel Höhn schied am 24. Juni 2005 aus dem Amt.
Im September 2005 wurde Bärbel Höhn in den Bundestag gewählt.
Vom November 2005 war sie Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bis sie im Mai 2006 zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und politische Koordinatorin des Fraktionsarbeitskreises II (Umwelt und Energie, Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Verkehr und Bau, Tourismus und Sport) gewählt wurde. Dieses Amt hatte sie bis zur Bundestagswahl 2013 inne. Im 2013 neu gewählten Bundestag wurde sie im Januar 2014 bis Oktober 2017 Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Im Bundestag vertrat sie weiterhin Verbraucherschutzthemen. Anhand von Studien weist sie auf ungerechtfertigt hohe Strompreise hin.
Immer stärker widmete sie sich aber auch dem Klimaschutz. So gab sie 2015 eine Studie in Auftrag, welche Auswirkungen die Klimakrise auf Deutschland haben würde.
Außerdem erarbeitete Bärbel Höhn als Bundestagsabgeordnete das erste nationale Klimaschutzgesetz, das sie für die Grüne Bundestagsfraktion am 5. Juni 2014 in den Bundestag einbrachte.
Öffentliche Wahrnehmung und Kritik