Aymer de Valence, 2. Earl of Pembroke (nach anderer Zählung auch 11. Earl of Pembroke) (* zwischen 1273 und 1275; † 23. Juni 1324 bei Saint-Riquier, Picardie) war ein englischer Magnat. Als fähiger Militär und Diplomat war er ein langjähriger Diener seiner königlichen Cousins Eduard I. und Eduard II. Obwohl er während der Herrschaft von Eduard II. erhebliche Bedeutung hatte und dem König nach Kräften half, die zahlreichen Krisen während seiner Herrschaft zu bewältigen, wurde seine Loyalität durch die Günstlingswirtschaft des Königs wiederholt auf eine harte Probe gestellt. Obwohl er ein mächtiger Magnat war, wurden seine Entscheidungen zunehmend durch äußere Einflüsse bestimmt.
Aymer de Valence entstammte der aus dem Poitou stammenden Familie Lusignan. Er war der dritte Sohn von William de Valence, 1. Earl of Pembroke und dessen Frau Joan de Munchensi. Sein Vater war über die gemeinsame Mutter Isabella von Angoulême einer der Halbbrüder des englischen Königs Heinrich III. und war um 1247 nach England übergesiedelt. Damit war Aymer ein enger Verwandter der englischen Könige Eduard I. und Eduard II. Über seine Mutter war er ein Urenkel von William Marshal, 1. Earl of Pembroke.
Sein Vater kehrte im Januar 1273 vom Kreuzzug des Prinzen Eduard zurück und blieb bis 1274 in der Nähe von Limoges, so dass es möglich ist, dass Aymer in Frankreich geboren wurde. Welchem Ort Valence er seinen Beinamen zu verdanken hat, ist nicht geklärt; es könnte die südwestfranzösische Stadt Valence bei Lusignan sein, woher seine Familie väterlicherseits stammte, doch es gibt keine Belege, nach denen er in Valence geboren wurde.
Als dritter Sohn war für Aymer zunächst wie für seinen namensgleichen Onkel Aymer de Valence eine geistliche Karriere vorgesehen worden. Nachdem sein ältester Bruder John jedoch bereits 1277 gestorben war und sein anderer Bruder William im Juni 1282 in der Schlacht von Llandeilo Fawr gefallen war, wurde Aymer zum Erben seiner Eltern. Sowohl von seinem Vater wie auch von seiner Mutter konnte er ein umfangreiches Erbe mit Besitzungen in England, Wales und Irland erwarten, dazu besaß sein Vater umfangreiche Besitzungen in Frankreich. Als sein Vater 1296 starb, erbte Aymer dessen Besitzungen, die vor allem in Northumberland und East Anglia lagen, dazu wurde er in der französischen Grafschaft La Marche als Vasall des Bischofs von Limoges Herr von Rancon und als Vasall der Äbtissin der Abtei Sainte-Marie de la Règle in Limoges Herr von Bellac und Champagnac. Als Vasall des Bischofs von Angoulême wurde er daneben Herr von Montignac in der Grafschaft Angoulême. Mit diesen französischen Besitzungen war Valence einer der letzten englischen Earls mit größeren Besitzungen in Frankreich. Ab 1296 besuchte er mehrmals seine französischen Güter, und zusammen mit seinen offiziellen Besuchen im Dienst der englischen Könige war er von 1296 bis zu seinem Tod nachweislich 17 Mal in Frankreich. Als sein Großcousin Guido I. von Lusignan 1308 kinderlos starb, hatte Aymer berechtigte Ansprüche auf die Grafschaften La Marche und Angoulême. Der französische König Philipp IV. kaufte ihm diese 1309 für die stattliche Summe von 1000 Livre tournois ab.
Aymer de Valences Bindungen zu Frankreich wurden durch seine beiden Heiraten verstärkt. In erster Ehe heiratete er vor dem 18. Oktober 1295 Beatrix, eine Tochter von Raoul II. de Clermont, Herr von Nesle in der Picardie und Connétable von Frankreich. Nach ihrem Tod im September 1320 heiratete er am 5. Juli 1321 in Paris Marie de Saint-Pol, eine Tochter von Guido de Châtillon, Graf von Saint-Pol. Sie brachte Ländereien bei Tours-en-Vimeu, Thièvres, Orville und Fréacans im heutigen Département Pas-de-Calais mit in die Ehe. Beide Ehen blieben aber kinderlos, das einzige bekannte Kind von Valence ist sein unehelicher Sohn Henry de Valence, der etwa ab 1315 bis 1319 als Ritter im Gefolge seines Vaters diente und 1322 kinderlos starb. Für eine weitere Ehe von Valence mit einer Tochter eines Grafen von Bar gibt es keine Belege.
Anfang 1296 begleitete Valence seinen Vater, als dieser während des Französisch-Englischen Kriegs als Gesandter zu Verhandlungen mit Frankreich nach Cambrai reiste. Nach dem Tod seines Vaters im Mai 1296 leistete Valence am 14. Juli 1297 in Westminster dem Thronfolger Eduard den Treueeid. Im selben Jahr wurde er zum Ritter geschlagen. Von 1297 bis 1298 gehörte er zum Heer von König Eduard I., mit dem dieser im Krieg mit Frankreich nach Flandern zog. Während der dortigen Friedensverhandlungen gehörte er 1297 der englischen Delegation an. 1299 gehörte er der Gesandtschaft an, die die Heirat von Eduard I. mit Prinzessin Margarethe von Frankreich aushandelte. In den nächsten Jahren diente er noch mehrmals als Gesandter, so begleitete er 1304 den Thronfolger Eduard, als dieser in Paris dem französischen König für das dem englischen König gehörende Aquitanien huldigte. Daneben nahm er an zahlreichen Feldzügen während des Ersten schottischen Unabhängigkeitskriegs teil. 1298 kämpfte er in der Schlacht von Falkirk und 1300 nahm er an der Belagerung von Caerlaverock Castle teil. Auch 1299, 1301 und 1302 kämpfte er in Schottland. 1303 ernannte ihn der König zum Befehlshaber der englischen Truppen südlich des Forth. Nach der Ermordung seines Schwagers John Comyn wurde er im April 1306 Hauptmann der englischen Truppen in Schottland. In dieser Funktion konnte er im Juni 1306 Robert Bruce in der Schlacht bei Methven eine schwere Niederlage beibringen. Im Mai 1307 wurde er dagegen von Robert Bruce in der Schlacht am Loudoun Hill geschlagen, dennoch ernannte ihn der neue König Eduard II. im August 1307 zum Verwalter von Schottland. Für seine Dienste hatte ihm Eduard I. Anfang 1307 umfangreiche, für beschlagnahmt erklärte Güter von schottischen Rebellen übergeben, darunter Bothwell Castle und den Forrest of Selkirk.
Als seine Mutter im Oktober 1307 starb, erbte Valence den Titel Earl of Pembroke und weitere Ländereien, darunter Pembroke und Goodrich Castle in den Welsh Marches sowie die Herrschaft Wexford in Irland. Im November 1307 gehörte Pembroke der Gesandtschaft an, die in Frankreich die Verhandlungen über die Heirat von Eduard II. mit der französischen Prinzessin Isabelle abschloss. Mitte Januar 1308 gehörte er zu den Magnaten, die den König von Dover aus zu seiner Heirat mit Isabelle nach Boulogne begleiteten. Obwohl er noch am 6. August 1307 die Erhebung des königlichen Günstlings Piers Gaveston zum Earl of Cornwall bezeugt hatte, war er um diese Zeit bereits zum Gegner Gavestons geworden. Er gehörte am 31. Januar 1308 zu den Unterzeichnern des sogenannten Boulogne Agreements, womit eine Gruppe von Magnaten ihre Sorge um die finanzielle Lage und die Sicherheit des Reiches ausdrückte, das aber auch gegen den Einfluss Gavestons gerichtet war. Nachdem im April 1308 während des Parlaments die Exilierung Gavestons gefordert wurde, konnte Pembroke im Mai den König mit überzeugen, dieser Forderung nachzukommen. Im März 1309 reiste Pembroke jedoch im Auftrag des Königs nach Avignon, um von Papst Clemens V. die Zustimmung für die Aufhebung des Exils von Gavestons zu erhalten. Gaveston kehrte im Sommer 1309 tatsächlich nach England zurück, doch nun wurde Valence zu einem erbitterten Gegner des königlichen Günstlings. Hierzu trug sicher die Weigerung des Königs bei, die im August 1309 in Stamford zugesagten Reformen umzusetzen. Ein wesentlicher Grund war dabei auch die Arroganz von Gaveston, der Pembroke wegen seiner Größe und seiner blassen Haut unverhohlen als Joseph the Jew (deutsch „Josef der Jude“) schmähte.
Opposition gegen den König und gegen Gaveston
Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Pembroke im März 1310 zu einem der Lords Ordainer gewählt wurde, die der König widerstrebend mit der Ausarbeitung eines Reformprogramms für die Regierung beauftragte. Bei der Arbeit dieses Gremiums spielte er eine aktive Rolle. Aus diesem Grund blieb er trotz mehrerer Aufforderungen des Königs einem geplanten Feldzug gegen Schottland fern, den der König zusammen mit Gaveston im September 1310 führen wollte. Als das Reformprogramm der Lords Ordainer, die sogenannten Ordinances, am 27. September 1311 in London öffentlich verkündet wurden, war Pembroke anwesend. Als entgegen den Bestimmungen der Ordinances Gaveston Anfang 1312 erneut aus seinem Exil zurückkehrte, beauftragte eine Versammlung von Magnaten und Prälaten Pembroke im März 1312 mit der Ergreifung Gavestons. Zusammen mit dem Earl of Surrey belagerte Pembroke ab dem 17. Mai Gaveston in Scarborough Castle, worauf dieser sich am 19. Mai ergab. Pembroke garantierte bis zu Gavestons Verurteilung durch ein ordentliches Gericht, längstens bis zum 1. August, für seine Unversehrtheit. Anschließend nahm er in ihn in seine persönliche Aufsicht und ließ ihn nach Süden bringen. Am 9. Juni erreichten Pembroke und Gaveston Deddington in Oxfordshire. Pembroke ließ Gaveston unter Aufsicht einiger Gefolgsleute im Haus des örtlichen Rektors, während er seine Frau im etwa 30 km entfernten Bampton Manor besuchte. Während seiner Abwesenheit bemächtigte sich am Morgen des 10. Juni der Earl of Warwick Gavestons. Er ließ ihn nach Warwick Castle bringen und mit Zustimmung des Earl of Lancasters und anderer Magnaten am 19. Juni hinrichten. Diese Gewalttat und der damit verbundene Angriff auf seine Ehre brachte Pembroke wieder auf die Seite des Königs. Er unterstützte zwar weiterhin die Reformen der Ordinances, jedoch nicht mehr die anderen Lords Ordainer, sondern loyal den König.