Axel Laurent Angel Lambert Witsel (* 12. Januar 1989 in Lüttich) ist ein belgischer Fußballspieler. Der Defensivspieler ist aktuell beim OGC Nizza unter Vertrag und ist seit 2008 für die belgische Nationalmannschaft aktiv.
Kindheit, Jugend und Anfänge in Lüttich
Axel Witsel wuchs in Vottem vor den Toren Lüttichs auf und begann mit dem Fußballspielen in der Jugend des RRC Vottem und später beim CS Visé. Den Anstoß dazu hatte er von seinem Vater, einem professionellen Futsalspieler, erhalten. Alsbald wechselte er zum größten Klub seiner Geburtsstadt, Standard Lüttich. Dort spielte der junge Axel unter anderem mit seinem späteren Nationalmannschaftskollegen Nacer Chadli zusammen, der in derselben Nachbarschaft wohnte. Witsel gab am 17. September 2006 sein Profidebüt in der Jupiler Pro League gegen den FC Brüssel, als er in der 89. Minute für Steven Defour eingewechselt wurde. Im selben Jahr unterlag er mit Lüttich im Finale des belgischen Pokals dem FC Brügge. In der Saison 2007/08 bildete er zusammen mit Steven Defour und Marouane Fellaini das Mittelfeld von Lüttich und wurde erstmals belgischer Meister. Des Weiteren wurde er als bester Spieler der belgischen Liga mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet und zum belgischen Nachwuchsfußballer des Jahres gewählt. Zum Anfang der Saison 2008/09 gewann er mit Standard außerdem den belgischen Supercup und verteidigte in der Folge – trotz des Weggangs von Fellaini zum FC Everton – den Meistertitel. Dabei verwandelte Witsel im Entscheidungsspiel gegen den RSC Anderlecht den spielentscheidenden Elfmeter zum 1:0-Sieg. In derselben Begegnung am 30. August 2009 brach er während der Partie seinem Gegenspieler Marcin Wasilewski mit einem Foul das rechte Schien- und Wadenbein. Daraufhin wurde er vom belgischen Verband für acht Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt. Im weiteren Verlauf der Saison landete er mit Standard Lüttich im Tabellenmittelfeld und qualifizierte sich als amtierender Meister nicht für die UEFA Europa League. Die Saison 2010/11 war schließlich seine letzte bei Standard Lüttich; er wurde mit der Mannschaft punktgleich hinter dem KRC Genk Vizemeister. Wenige Tage später gewann er zum Saisonabschluss im Endspiel gegen den KVC Westerlo den belgischen Pokal.
Zur Saison 2011/12 wechselte Witsel nach Portugal zu Benfica Lissabon und unterschrieb dort einen Vertrag über fünf Jahre. In Portugal gehörte er schnell der Stammelf an und schoss gegen Sporting Braga sein erstes Ligator. Am Ende der Saison wurde die Mannschaft Vizemeister und drang bis ins Champions-League-Viertelfinale vor, in dem man am späteren Sieger, dem FC Chelsea, scheiterte. Dennoch gewann man zu Saisonende den Taça da Liga, den portugiesischen Ligapokal.
Zenit St. Petersburg (2012–2017)
Am 3. September 2012 wechselte Witsel zum russischen Meister Zenit St. Petersburg, bei dem bereits sein Landsmann Nicolas Lombaerts spielte. Er unterschrieb einen Vertrag über fünf Jahre und erhielt die Rückennummer 28. Dieser Transfer kostete den Verein rund 40 Millionen Euro Ablöse. Mit Zenit nahm er an der Gruppenphase der UEFA Champions League 2012/13 teil, in der er in fünf Spielen zum Einsatz kam. Zenit belegte hinter dem FC Málaga und der AC Mailand aber nur den dritten Platz, durfte danach allerdings im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League weiter spielen. Dort setzten sie sich nach einem 2:0-Heimsieg und einer 1:3-Auswärtsniederlage aufgrund der Auswärtstorregel gegen den FC Liverpool durch. Im Achtelfinale verloren sie mit 0:2 beim FC Basel, im Rückspiel war sein Tor zum 1:0-Sieg nicht ausreichend, um das Viertelfinale zu erreichen. In seiner ersten Meisterschaftssaison in Russland gelang es Zenit nicht, den Titel zu verteidigen, der an ZSKA Moskau ging. Als Vizemeister sicherte sich Zenit aber die Teilnahme an der Qualifikation zur UEFA Champions League 2013/14. Hier setzte sich Zenit mit 1:0 und 5:0 gegen den dänischen Vizemeister FC Nordsjælland durch. In den Playoffs wurde der FC Paços de Ferreira, Dritter der portugiesischen Liga mit 4:1 und 4:2 ausgeschaltet. In der Gruppenphase gewann Zenit zwar nur ein Spiel, wurde aber trotzdem Zweiter hinter Atlético Madrid. Das Aus kam im Achtelfinale gegen den deutschen Vizemeister und Vorjahresfinalisten Borussia Dortmund: nach einer 2:4-Heimniederlage mit frühen Gegentoren in der 4. und 5. Minute, wurde zwar das Rückspiel mit 2:1 in Dortmund gewonnen, das reichte aber nicht. Witsel wurde dabei nur im Auswärtsspiel gegen den FC Porto in der Gruppenphase nicht eingesetzt. Seine zweite Meisterschaftssaison in Russland endete wie die Erste mit der Vizemeisterschaft und der Teilnahme an der Qualifikation zur UEFA Champions League 2014/15. Hier wurde zunächst nach einer 0:1-Auswärtsniederlage durch ein 3:0 im Heimspiel der zyprische Vizemeister AEL Limassol besiegt, wobei Witsel im Rückspiel nicht zum Einsatz kam. In den Playoffs ging es gegen seinen Ex-Verein Standard Lüttich. Hier fehlte er im Hinspiel in Lüttich, das mit 1:0 gewonnen wurde, kam aber beim 3:0 im Rückspiel zum Einsatz. Damit stand Zenit erneut in der Gruppenphase, die aber hinter dem AS Monaco und Bayer 04 Leverkusen nur als Dritter beendet wurde. Beim 2:0 im ersten Gruppenspiel gegen den späteren Gruppenletzten Benfica Lissabon trug er sich auch in die Torschützenliste ein. Als Dritte durften die Russen aber im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League weiterspielen, wo sie mit 1:0 und 3:0 gegen den PSV Eindhoven gewannen. Im Achtelfinale gewannen sie das Heimspiel gegen den FC Turin mit 2:0, wobei er das erste Tor erzielte, so dass sie die 0:1-Auswärtsniederlage verkrafteten. Das Aus kam im Viertelfinale gegen Titelverteidiger FC Sevilla, der auch seinen Titel erfolgreich verteidigte. Beim Hinspiel in Spanien waren sie aber sogar mit 1:0 in Führung gegangen und kassierten erst in der 87. Minute das Tor zum 1:2. Im Rückspiel gerieten sie zwar bereits nach 6 Minuten durch einen verwandelten Elfmeter in Rückstand, drehten in der zweiten Halbzeit das Spiel und gingen mit 2:1 in Führung und kassierten fünf Minuten vor dem Ende den Ausgleichstreffer, der die Verlängerung verhinderte. Besser lief es in der Premjer-Liga 2014/15, die Zenit mit dem vierten Meistertitel abschloss. Damit war Zenit direkt für die Gruppenphase der UEFA Champions League 2015/16 qualifiziert.
Die Saison 2015/16 begann für Witsel mit dem Sieg im russischen Supercup, bei dem er in der 83. Minute die Vorlage zum 1:1-Ausgleichstor gegen Lokomotive Moskau gab, womit sich Zenit in die torlose Verlängerung rettete und anschließend das Elfmeterschießen gewann, bei dem er den zweiten Elfmeter für Zenit verwandelte.
Im ersten Gruppenspiel der Champions League beim FC Valencia erzielte Witsel das Tor zum 3:2-Sieg und leitete damit eine erfolgreiche Gruppenphase ein. Denn mit insgesamt fünf Siegen und nur einer Niederlage gegen KAA Gent am letzten Spieltag – vor dem der Gruppensieg schon feststand – und bei der Witsel nach der dritten Gelben Karte gesperrt war, erreichte Zenit das Achtelfinale, wo sie aber mit 0:1 und 1:2 gegen Benfica Lissabon unterlagen. In der Meisterschaft musste Zenit diesmal nicht nur ZSKA, sondern auch dem FK Rostow den Vortritt lassen und ist damit als Dritter nur für die Gruppenphase der UEFA Europa League 2016/17 qualifiziert. Allerdings gewann er mit Zenit den Pokal durch einen 4:1-Finalsieg gegen ZSKA.
Vor der Saison 2016/17 wäre Witsel fast zu Juventus Turin gewechselt.
Zenit willigte wenige Minuten vor Schließung des Transferfensters ein, aber die Zeit reichte nicht mehr, um die erforderlichen Unterlagen rechtzeitig zu übermitteln.
Am 3. Januar 2017 verließ Witsel St. Petersburg nach viereinhalb Jahren und schloss sich dem chinesischen Erstligisten Tianjin Quanjian an. Medienberichten zufolge sollte er einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben haben, der ihm umgerechnet 60 Millionen Euro einbringen sollte.
Anfang August 2018 wechselte Witsel zum deutschen Bundesligisten Borussia Dortmund, wo er einen bis Juni 2022 gültigen Vertrag unterschrieb. Bei seinem Debüt am 20. August 2018 im DFB-Pokal-Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth erzielte er den Ausgleich in der Nachspielzeit; der BVB gewann das Spiel nach Verlängerung mit 2:1 und zog in die 2. Pokalrunde ein. Am 26. August 2018 debütierte der Mittelfeldspieler für den BVB in der Bundesliga im Heimspiel gegen RB Leipzig – per Fallrückzieher erzielte er das 3:1 (Endstand 4:1). Bereits in seinen ersten Einsätzen für den BVB harmonierte Witsel auf der „Doppelsechs“ mit einem anderen Neuzugang, Thomas Delaney. Mit nur einem verpassten Pflichtspiel war der Belgier durch seine Übersicht und die ausgestrahlte Ruhe im Spiel rasch zu einer wichtigen Stütze für die Mannschaft geworden. Im August 2019 gewann Witsel seinen ersten Titel mit dem Verein, als der Doublesieger der Vorsaison, der FC Bayern München, mit 2:0 im DFL-Supercup besiegt wurde. Durch eine zu Hause zugezogene Gesichtsverletzung verpasste er die letzten drei Spieltage der Hinrunde 2019/20 und spielte nach seiner Rückkehr einige Zeit mit einer Schutzmaske. Der Belgier wurde mit dem BVB erneut Vizemeister und hatte mit 94,1 % angekommenen Pässen die beste Quote der Liga in dieser Kategorie, womit er sich beispielsweise gegen Nico Elvedi, Sven Bender oder Julian Baumgartlinger durchsetzte.