Graf (Greve) Axel Gustafsson Oxenstierna af Södermöre (auch Oxenstjerna, schwedische Aussprache: ʊksɛnˌɧæːɳa) (* 16. Juni 1583 auf Gut Fånö bei Bålsta; † 28. August 1654 in Stockholm) war schwedischer Reichskanzler vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg, von 1612 bis zu seinem Tod 1654.
Nachdem König Gustav Adolf 1632 gefallen war, führte Oxenstierna für dessen unmündige Tochter Christina als Vormund die Regierungsgeschäfte. Die schwedische Verwaltung reformierte er. Die lange Dauer des Krieges war, neben der Unnachgiebigkeit der Kaiser Ferdinand II. und Ferdinand III. in Religionsfragen, vor allem eine Folge seiner Entscheidungen. Letztlich konnte er territoriale Gewinne in Deutschland und auch gegen Dänemark durchsetzen und Schwedens Großmachtstellung im Ostseeraum sichern.
Axel Oxenstierna war der Sohn des Freiherrn Gustaf Gabrielsson Oxenstierna (1551–1597) und dessen Ehefrau Barbro Axelsdotter Bielke (1556–1624). Er entstammte dem alten schwedischen Adelsgeschlecht Oxenstierna aus Småland.
Mit 16 Jahren immatrikulierte sich Oxenstierna 1599 zusammen mit seinen Brüdern an der Universität Rostock. Im Folgejahr wechselte er nach Wittenberg und 1601 nach Jena. Dort studierte er bis 1603.
Nach seinem Studium wurde er 1603 zum Kammerjunker von König Karl IX. von Schweden berufen und im Jahre 1606 in diplomatischer Mission nach Mecklenburg gesandt; es war die erste von vielen noch folgenden.
Am 5. Juni 1608 heiratete er Anna Åkesdotter (Bååt). Mit ihr hatte er die Söhne Erik Axelsson Oxenstierna und Johan Axelsson Oxenstierna.
1609 wurde Oxenstierna in den Reichsrat berufen und 1611 bestimmte ihn König Gustav Adolf zum Mitglied des Regentschaftsrates. 1610 ging er nach Kopenhagen, um einen Krieg mit Dänemark zu verhindern, war aber nicht erfolgreich.
Am 6. Januar 1612 wurde er zum Reichskanzler ernannt und seine Organisation und Kontrolle machte sich in jedem Teil der Administration positiv bemerkbar.
Am Frieden von Knäred (zwischen Dänemark und Schweden) vom 20. Januar 1613 war Oxenstierna maßgeblich beteiligt. Die Kronländer Livland und Finnland verwaltete Oxenstierna in den Jahren 1614 und 1616 für seinen König quasi als Vize-Regent. Estland hatte sich schon 1584 als Fürstentum Ehsten der schwedischen Herrschaft unterstellt, mit dem Vertrag von Altmark von 1629 verlor Polen-Litauen Livland an Schweden. Den Friedensvertrag von Stolbowo, der am 9. März 1617 den Krieg zwischen Schweden und Russland beendete, schuf er ebenfalls mit Bravour.
1620 leitete Oxenstierna die Delegation nach Berlin, welche den Heiratskontrakt zwischen Gustav Adolf und Maria Eleonora von Brandenburg ausarbeitete.
Diplomat und Stratege im Dreißigjährigen Krieg
1622 avancierte Oxenstierna zum Statthalter von Riga, das Gustav Adolf im Vorjahr erobert hatte. Für seine Dienste, welche dem König inzwischen unentbehrlich waren, erhielt er u. a. das Bistum Wenden. 1623 verhinderte Oxenstierna einen Bruch mit Dänemark. Durch eine gemeinsame Besetzung von Stralsund konnte die Stadt vor den kaiserlichen Truppen geschützt werden.
Im Oktober 1626 wurde er zum Gouverneur der eroberten Gebiete in Preußen berufen. Als solcher verhandelte er 1629 – unter Vermittlung Frankreichs – den Waffenstillstand von Altmark. Im Vertrag von Bärwalde schloss Schweden im Januar 1631 ein Bündnis mit Frankreich. Nach der Schlacht bei Breitenfeld am 7. September 1631 wurde Oxenstierna zum schwedischen Bevollmächtigten am Rhein ernannt, mit sehr weit reichenden Befugnissen. Seine Ernennungsurkunde erreichte ihn Anfang 1632.
Am 16. November 1632 fiel König Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen, Nachfolgerin wurde seine knapp sechsjährige Tochter Christina I. Ab sofort übernahm Oxenstierna die politische Führung. Den militärischen Oberbefehl teilten sich Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustav Graf Horn, Oxenstiernas Schwiegersohn. Die Schweden beschlossen, den Krieg auch ohne den König weiterzuführen.
Die Folgen der Schlacht bei Nördlingen
Am 23. April 1633 schloss Oxenstierna zwischen Schweden und den fränkischen, schwäbischen und rheinischen Ständen den Heilbronner Bund.
Ab dem Herbst 1633 drängte Oxenstierna den Fürsten Ludwig I. von Anhalt-Köthen, vom Amt des schwedischen Statthalters der Stifte Halberstadt und Magdeburg zurückzutreten. Trotzdem nahm ihn der Fürst im Februar 1634 in die Fruchtbringende Gesellschaft auf. Die Aufnahme erfolgte beim Halberstädter Konvent des Niedersächsischen Kreises zusammen mit anderen Konvent-Teilnehmern.
In der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 mussten die Protestanten unter Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn eine schwere Niederlage hinnehmen. Das protestantische Kurfürstentum Sachsen, dessen Kurfürst Johann Georg I. lange neutral geblieben war und sich erst 1631 nach der Zerstörung Magdeburgs und einem Einfall kaiserlicher Truppen unter General Tilly in Sachsen auf die Seite Gustav Adolfs geschlagen hatte, nutzte die Gelegenheit, aus dem Bündnis wieder auszuscheren. Er und in der Folge viele andere protestantische Mächte schlossen nun den Prager Frieden von 1635 mit Kaiser Ferdinand II. und der katholischen Liga; der Heilbronner Bund löste sich wieder auf. Nur Bernhard von Sachsen-Weimar und Wilhelm V. von Hessen-Kassel blieben an der Seite Schwedens.