An diesem Tag

Autokino

Freiluftkino, dessen Leinwand man vom Auto aus betrachten kann

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Ein Autokino ist ein Freiluftkino, dessen Bildwand vom Auto auf den vorgesehenen Stellplätzen aus zu sehen ist. Das erste Autokino wurde 1933 in den USA eröffnet, dort erreichte es weite Verbreitung und Kultstatus in den 1950er und 1960er Jahren. In Deutschland lag die Blütezeit des Autokinos zwischen der zweiten Hälfte der 1960er und den frühen 1980er Jahren. Heutzutage gibt es nur noch vergleichsweise wenige stationäre Autokinos, die allerdings ihre feste Anhängerschaft haben.

Waren die ersten Kinos in den 1900er Jahren noch Jahrmarktsattraktion, so fanden Lichtspielhäuser seit den 1910er Jahren einen festen Platz im Zentrum der Großstädte. Gleichzeitig gewann das Automobil in den USA an Verbreitung. Seit 1908 auf dem Markt wurden vom ersten in Massenproduktion hergestellten Auto, dem Ford Modell T, bis 1927 bereits 15 Millionen Wagen verkauft.

Vor dem Hintergrund dieser aufblühenden Technologien eröffnete Richard Hollingshead Jr., der Besitzer einer von seinem Vater gegründeten Firma für Autopflegemittel, am 6. Juni 1933 das weltweit erste Autokino vor den Toren seiner Heimatstadt Camden, New Jersey. Gezeigt wurde der Film Wife Aware, eine Produktion, die in der Geschichte des Films keine größere Rolle spielte. Als Projektionsfläche verwendete Hollingshead keine Leinwand, sondern eine große, geweißte Steinmauer. Die Beschallung erfolgte über drei große Lautsprecher, so dass der Ton noch mehrere Kilometer entfernt zu hören war. Das Camden Drive-In Theatre bot 335 Fahrzeugen Platz, wurde allerdings schon nach drei Jahren wieder geschlossen. Die Zeitschrift Die Woche berichtete von den Lehren, die man aus den Lärmproblemen dieses ersten „Freiluft-Kinos“ zog: „Weil die Lautstärke aber für die Nachbarschaft störend wirkte, wurden zu Los Angeles in letzthin eingerichteten Kinos gleicher Bestimmung 400 kleine Lautsprecher verwendet. Sie hängen jeweils vor dem Kühler der Wagen, und ihre Stimme läßt sich zwar von deren Insassen gut hören, weiter jedoch nicht.“ ()

Die Idee wurde aufgenommen. Jedoch in den von Wirtschaftskrisen und dem Zweiten Weltkrieg geprägten unsicheren Zeiten wurden nur wenige Autokinos eröffnet. 1942 gab es etwa 100 Autokinos in den USA. Mit der wachsenden Mobilität erreichten die Ozoners, wie sie in den USA oft genannt wurden, dann in den 1950er und frühen 1960er Jahren den Höhepunkt ihrer Popularität. In dieser Zeit gab es allein in den USA rund 4000 Autokinos, und viele konventionelle Kinos in den Innenstädten mussten aufgrund der Konkurrenz in den Vorstädten schließen.

Beliebt war das Autokino wegen seiner günstigen Eintrittspreise zum einen bei Familien, die auch zu schätzen wussten, dass die Betreiber auf dem Gelände Imbissstände und Spielplätze errichteten, was Autokinos zu einem beliebten Ausflugsziel an Wochenenden machte. Auch junge Liebespärchen, die bevorzugt die letzte Wagenreihe – die love lane – anfuhren, genossen die Privatsphäre des eigenen Autos. Autorennen und Schmuseorgien in Autokinos waren bei den Jugendlichen in dieser Zeit ein rebellischer Ausdruck gegen die Moralität und Prüderie der US-amerikanischen Erwachsenenwelt. Vielerorts ist immer noch ein Kuss in der Öffentlichkeit verpönt. Besonders beliebt bei Jugendlichen waren Horrorfilme, die zahllose Momente boten, in denen die Freundin bei ihrem Begleiter Schutz suchen konnte.

In Europa setzte sich das Autokino in dieser Anzahl nicht durch, vom US-amerikanischen Autokult war kaum etwas zu spüren. Zudem erhielten die Betreiber meist nur die Rechte zur Zweitverwertung von Filmen, so dass neue Produktionen erst sechs bis acht Wochen nach dem eigentlichen Kinostart gezeigt werden konnten. Am 2. September 1957 eröffnete in Castelfusano bei Rom das erste Autokino Europas.

1954 scheiterte in Erlangen der erste Versuch, Autokinos nach Deutschland zu bringen. Erst am 30. März 1960 wurde durch Hermann Franz Passage in Gravenbruch nahe Frankfurt am Main das erste deutsche Autokino eröffnet, welches bis heute besteht. Weitere sechs Jahre sollten vergehen, bis im September 1966 in Berlin-Siemensstadt durch die Olympic-Kinobetriebsgesellschaft ein zweites Autokino auf deutschem Boden eröffnet wurde, welches in den frühen 1980er Jahren dem Bau des Heizkraftwerkes Reuter West weichen musste. Am 18. August 1967 folgte im damaligen Köln-Porz (heute Eil) das dritte Autokino Deutschlands und zugleich das erste in Nordrhein-Westfalen. Es schloss zum 31. Oktober 2024. In den nächsten Jahren sollten Dutzende weitere folgen, wobei es sogar zu Wettläufen der Betreiber darum kam, wer das erste Autokino einer Region eröffnet, z. B. zwischen der Ufa in Gelsenkirchen und der Olympic-Kinobetriebsgesellschaft in Essen-Bergeborbeck um den Titel „Erstes Autokino im Ruhrgebiet“. Dieser Trend setzte sich bis Ende der 1970er Jahre fort und schwächte bis zur Mitte der 1980er Jahre langsam ab. Auf dem Gebiet der DDR blieb das 1977 eröffnete Autokino Zempow (Wittstock/Dosse in Brandenburg) bis zur Wiedervereinigung auch das einzige.

Der Höchststand wird mit zwischen 23 und ca. 40 angegeben, wobei beide Angaben sich auf die 1970er Jahre beziehen. Die Zahl von 23 erscheint vor dem Hintergrund der annähernd vollständigen Erfassung aller ehemaligen und aktuellen Autokinos plausibler. Es gab und gibt jedoch auch Autokinos mit mehreren Bildwänden, womit Abweichungen nach oben erklärbar sind, da die Primärquellen – zumeist die Filmförderungsanstalt – die Anzahl der Säle und damit Bildwände publizieren und weniger die Anzahl der Standorte.

Ab Mitte der 1980er Jahre kehrte sich das Wachstum in einen Rückgang um, es gab nun mehr Schließungen als Neueröffnungen, darunter auch eines der bekanntesten und populärsten, das Autokino beim Freizeitpark Minidomm in der Nähe von Düsseldorf. Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur, beginnend mit der für die Autokinos schädlichen Sommerzeit im Jahre 1980. Da mit Projektionstechnik erst nach Einbruch der Dunkelheit gearbeitet werden kann, mussten die Autokinos den Beginn der ersten Vorstellung in den Frühjahrs- und Herbstmonaten von ca. 20 Uhr auf 21 Uhr, im Sommer sogar auf 22 Uhr verschieben. Durch den späten Start der ersten Vorstellung waren nun nur noch zwei statt vorher teilweise drei Vorstellungen an einem Abend bei ausreichender Besucherzahl möglich, gleichzeitig lag schon die erste Vorstellung für viele Berufstätige während der Woche zu spät. Zusätzlich waren die Autokinos genauso wie die klassischen Kinos von der Einführung des Privatfernsehens ab 1984 und der Entscheidung im Formatkrieg Mitte der 1980er Jahre betroffen. Nach dessen Entscheidung zugunsten von VHS blieben immer mehr Zuschauer den Kinos fern und schauten sich Filme stattdessen als Heimvideos auf dem heimischen Fernseher an.

In den ersten zehn Jahren nach der Wende und Wiedervereinigung verlief die Entwicklung der Autokinos in den alten und neuen Bundesländern gegensätzlich. Während sich deren Niedergang im Westen in abgeschwächter Form fortsetzte, entstanden auf dem Gebiet der neuen Bundesländer zahlreiche neue. In den alten Bundesländern wären sogar noch deutlich mehr Autokinos geschlossen worden, wenn sie nicht von der Werbe- und Filmbetriebsgesellschaft des Starnberger Stadtrates Walter H. Jann aufgekauft und durch Automärkte um ein zweites Standbein ergänzt worden wären. So erwarb Walther H. Jann z. B. die Autokinos in Aschheim bei München, Essen-Bergeborbeck, Gravenbruch, Hannover Messe, Hamburg-Billbrook, Köln-Porz, Kornwestheim bei Stuttgart und Nürnberg-Marienberg, von denen er fünf bis heute erhalten konnte und keines aus rein wirtschaftlichen Gründen schließen musste.

Nach der Jahrtausendwende holte die allgemeine Entwicklung auch die neuen Autokinos der neuen Bundesländer ein, für diese meist nur kleinen und oft ländlich gelegenen Standorte waren auch die Kosten für die Digitalisierung schwerer zu verkraften als für die etablierten, großen und ganzjährig öffnenden Autokinos im Westen. Zusätzlich mussten auch eigentlich rentable Autokinos – z. B. das DriveIn Autokino Nürnberg – schließen, da sich deren Gelände nun gewinnbringender verpachten ließen. Weitere Autokinos – z. B. das Hamburger Autokino Billbrook – fielen der Politik zum Opfer oder sind – wie das DriveIn Autokino Essen-Bergeborbeck – durch entsprechende Kampagnen in ihrem Bestand bedroht.

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