An diesem Tag

August von Wassermann

Deutscher Immunologe und Bakteriologe

Anúncio

August Paul von Wassermann (* 21. Februar 1866 in Bamberg; † 16. März 1925 in Berlin) war ein deutscher Immunologe und Bakteriologe. Er veröffentlichte 1906 ein serologisches Verfahren zum Nachweis der Syphilis, den Wassermann-Test.

August von Wassermann stammte aus einer jüdischen, 1910 in Bayern geadelten Bankiersfamilie in Bamberg und Berlin. Er war der zweite Sohn des bayerischen Hofbankiers Angelo von Wassermann und heiratete am 3. Dezember 1895 Alice von Taussig (1874–1943), die Tochter von Theodor von Taussig und Schwester der Malerin Helene von Taussig (1879–1942), die sich als Erwachsene hatte katholisch taufen lassen. Alice, die nach August von Wassermanns Tod nochmals heiratete und den Namen Verheyden trug, wurde – wie auch ihre Schwestern Clara von Hatvany-Deutsch und Helene von Taussig – Opfer des Holocaust. Der ältere der beiden Söhne von August und Alice, Robert von Wassermann (1897–1977), floh nach Belgien. Mitte/Ende der 1930er-Jahre war die schwerkranke Alice zu ihrem Sohn Robert nach Brüssel emigriert, dessen Frau nichtjüdischer Herkunft war. Robert wurde 1940 ins Internierungslager Saint-Cyprien verschleppt, kam nach Intervention seiner Mutter jedoch wieder frei. Anders als vielfach in der Literatur zu finden, wurde Robert von Wassermann nicht von den Nationalsozialisten ermordet. Er war zusammen mit seiner Mutter im belgischen Sammellager Mechelen (Malines) inhaftiert und stand zusammen mit ihr auf der Deportationsliste des XX. Transports, der das Lager am 19. April 1943 in Richtung Auschwitz verließ. Belgische Widerstandskämpfer stoppten den Zug jedoch noch vor Erreichen der deutschen Grenze. Bei der Befreiungsaktion gelang Robert von Wassermann die Flucht. Er konnte sich verstecken, überlebte den Krieg und starb erst 1977 im Alter von 80 Jahren in Brüssel. Seine Mutter wurde wahrscheinlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz ermordet. Über den jüngeren Sohn von August und Alice, Franz von Wassermann (1898–1956), ist nur wenig bekannt. Ihm war 1938 die Ausreise in das damals britische Mandatsgebiet Palästina gelungen.

August Wassermann absolvierte sein Medizinstudium von 1884 bis 1889 an den Universitäten Erlangen und Straßburg, wo er 1888 mit einer Arbeit über die Wirkung des Sulfonals – eines seinerzeit neu eingeführten Schlafmittels – promoviert wurde. Nach seiner Approbation ging er 1890 als Volontär nach Berlin und trat 1891 in das neu gegründete Preußische Institut für Infektionskrankheiten ein, das von Robert Koch geleitet wurde und später als Robert Koch-Institut für Infektionskrankheiten dessen Namen erhielt. Erst nach zehnjähriger Tätigkeit am Institut für Infektionskrankheiten wurde August Wassermann 1901 als besoldeter etatmäßiger Assistent angestellt. 1902 wurde Wassermann zum Abteilungsleiter am Institut und zum außerordentlichen Professor für experimentelle Therapie der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität ernannt, nachdem er im Jahr zuvor im Fach Innere Medizin habilitiert worden war. 1906 übernahm er als Abteilungsvorsteher die Leitung der selbständigen Abteilung für experimentelle Therapie und Serumforschung am Institut für Infektionskrankheiten. Nachdem ihm 1907 der Titel „Geheimer Medizinalrat“ verliehen worden war, wurde er 1911 zum ordentlichen Honorarprofessor der Berliner Universität ernannt.

Im Jahr 1906 veröffentlichte er zusammen mit Albert Neisser und Carl Bruck die später nach ihm benannte Reaktion zur Serodiagnostik der Syphilis. Von 1913 bis zu seinem Tode war Wassermann Direktor des neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Instituts für experimentelle Therapie in Berlin-Dahlem. 1921 wurde er mit dem Aronson-Preis ausgezeichnet. Von 1918 bis 1925 war Wassermann Mitglied des Kuratoriums der Fürst Donnersmarck-Stiftung.

Er ist auf dem Urnenfriedhof Gerichtstraße beigesetzt. Sein Grab ist als Ehrengrab der Stadt Berlin ausgewiesen.

August von Wassermann ist zumeist für die Wassermannsche Reaktion bekannt, doch war er auch in vielen anderen Bereichen der Bakteriologie und Immunologie tätig. Von seinen Arbeiten erlangte jedoch die Entwicklung der Serodiagnostik der Syphilis die größte praktische Bedeutung und machte seinen Namen weltbekannt. Wassermann befasste sich hauptsächlich mit Verfahren zur Diagnostik und Therapie von Erkrankungen.

Im Jahr 1902 entwickelte Wassermann zusammen mit Robert von Ostertag ein polyvalentes Serum zur Therapie der Schweineseuche. Diese Krankheit führte damals zu großen Schäden in der Landwirtschaft mit Ferkelsterblichkeiten bis zu 70 %. Durch Behandlung mit dem neuen Serum konnte diese Zahl auf 10 bis 20 % gesenkt werden. Alle anderen bis dahin entwickelten Heilsera waren nur in manchen Fällen bei milden Krankheitsverläufen wirksam gewesen. Auch die aktive Immunisierung der Schweine gegen die Schweineseuche führte trotz zahlreicher Versuche zu keiner zuverlässigen Schutzwirkung. Hygienische Maßnahmen reichten ebenfalls nicht zur Bekämpfung der Krankheit aus. Der große Heilerfolg des Serums von Wassermann und Ostertag lässt sich durch die Vielzahl der zur Herstellung benutzten Bakterienstämme erklären. Außerdem prüften sie vor jeder Anwendung des Serums im Laborversuch, ob es überhaupt eine Schutzwirkung gegen den jeweils vorliegenden Schweineseuchenstamm hatte. Wenn dies nicht der Fall war, wurde das Serum nicht freigegeben. In den Berichten von Tierärzten, die das Serum angewendet hatten, überwogen insgesamt die positiven Resultate der Therapie. Die Ergebnisse der Serumtherapie konnten noch verbessert werden, indem Wassermann, Ostertag und Julius Bernhard Citron eine Simultanimpfung einführten. Die aktive Impfung der Tiere, die dabei gleichzeitig mit der Serumtherapie durchgeführt wurde, führte nun zu einem lang anhaltenden Schutz vor der Krankheit.

Trotz seiner Wirksamkeit nahm die Bedeutung des Schweineseuchenserums mit der Zeit ab. Dies lag vor allem daran, dass es häufig nach Fehldiagnosen angewendet wurde. Es gab nämlich eine Reihe von Krankheiten, die leicht mit der Schweineseuche verwechselt werden konnten. Durch neuere Untersuchungen war man auch zu dem Schluss gekommen, dass die Schweineseuche eine relativ seltene Erkrankung war. Man konnte außerdem nicht eindeutig klären, welche Bakterien die Erreger dieser Krankheit waren.

Die Arbeiten Wassermanns zur Therapie der Schweinepest von 1906 waren im Laborversuch erfolgreich gewesen. Sie hatten jedoch keine praktischen Auswirkungen gehabt, da man erst in dieser Zeit den eigentlichen Erreger der Schweinepest entdeckte. Das Bakterium hingegen, mit dem Wassermann gearbeitet hatte, trat lediglich im Rahmen einer Sekundärinfektion auf. Daher wurden nun andere Therapieversuche unternommen.

Das polyvalente Meningokokkenserum, das Wassermann zusammen mit Wilhelm Kolle 1906 entwickelte, erlangte eine größere praktische Bedeutung als das Schweineseucheserum. Es war das erste wirksame Heilmittel zur Therapie der Meningitis. Während die Sterblichkeit an dieser Krankheit ohne Serumtherapie 65–80 % und bei Säuglingen sogar bis zu 100 % betrug, konnte sie durch Anwendung des Meningokokkenserums auf bis zu 20 % gesenkt werden. Alle früheren Versuche zur Gewinnung eines therapeutisch wirksamen Serums waren erfolglos gewesen. Wassermann und Kolle entwickelten auch eine neue Methode, um den Gehalt an spezifischen Schutzstoffen im Heilserum festzustellen. Da der Tierversuch hierzu nicht geeignet war, verwendeten sie die Komplementbindungsreaktion in der Modifikation nach Wassermann und Bruck. Dabei wurden Meningokokkenextrakte als Antigene eingesetzt. Dieses Verfahren wurde auch später bei der staatlichen Prüfung des Serums benutzt.

Wassermann unternahm außerdem Versuche, Meningokokken im Rachen von gesunden Personen mithilfe von eingetrocknetem Meningokokkenserum zu bekämpfen. Damit wollte er die Ausbreitung der Krankheit verhindern. Diese Experimente scheinen allerdings keine praktischen Auswirkungen gehabt zu haben.

Die Bedeutung des polyvalenten Meningokokkenserums nahm etwas ab, als man feststellte, dass es nur wenige verschiedene Typen von Meningokokken gab. Daher ging man teilweise dazu über, den Patienten ein monovalentes Serum zu verabreichen, das sich gegen den jeweils vorliegenden Erreger richtete. Ab 1912 wurden auch erste erfolgreiche Versuche zur aktiven Impfung von Menschen gegen Meningokokken unternommen. Trotzdem wurde das Meningokokkenserum nach Wassermann und Kolle von Neufeld nach dem Diphtherieserum an die zweite Stelle aller Serumpräparate gesetzt. Neben der Verminderung der Sterblichkeit führte das Serum auch zu einer kürzeren Krankheitsdauer und Rekonvaleszenz sowie zu einem selteneren Auftreten schwerer Folgezustände nach überstandener Meningitis. Heute wird die Meningokokken-Meningitis nur noch mit Antibiotika behandelt.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
August von Wassermann | World in Stories