August Wilhelm Hofmann, ab 1888 von Hofmann (* 8. April 1818 in Gießen; † 5. Mai 1892 in Berlin), war ein deutscher Chemiker und entscheidender Wegbereiter für die Erforschung der Anilinfarbstoffe in England und Deutschland. Er entwickelte eine Vielzahl wichtiger Umwandlungsmethoden in der organischen Chemie und gründete die Deutsche Chemische Gesellschaft.
Hofmanns Vater war Architekt und hatte das Laborgebäude für Justus von Liebig errichtet.
August Wilhelm Hofmann studierte zunächst in Gießen Rechtswissenschaften, änderte aber seinen Studienwunsch, als er ab 1836 Chemievorlesungen von Justus von Liebig besuchte. Hofmann wurde Liebigs Assistent und promovierte 1841 bei ihm mit einer Arbeit über die Chemische Untersuchung der organischen Basen im Steinkohlenteer. Die ersten Studien Hofmanns befassten sich mit der Reinigung und Elementaranalyse des aus Steinkohlenteer erhaltenen Anilins (Kyanol) und Chinolins (Leukol). Nach seiner Habilitation 1845 in Gießen ging er kurzzeitig als Privatdozent für Chemie an die Universität Bonn.
Auf Empfehlung Liebigs und auf Wunsch des englischen Prinzgemahls Albert übernahm er jedoch noch im gleichen Jahr eine Professur am Chemischen Institut der Royal School of Mines in London. Diese Professur in London füllte zwanzig Jahre seines Lebens, wobei er viele später sehr bedeutende Schüler im Bereich der Teerfarben und anderen Stoffsynthesen (William Henry Perkin, William Crookes, Carl Alexander von Martius, Johann Peter Grieß, Charles Blachford Mansfield, Sir Frederick Abel, Edward Chambers Nicholson (1827–1890)) hatte.
Er und seine Schüler hatten wesentlichen Anteil an der Entwicklung und wirtschaftlichen Verwertung der Teerfarbstoffchemie für Textilfärbung. Teer war vorher nur ein wertloses Abfallprodukt der Koksgewinnung aus Steinkohle, wurde dann aber zum wichtigsten Ausgangsmaterial für die industrielle Organische Chemie.
Er wurde mit der Errichtung des Royal College of Chemistry in London beauftragt, dessen Leitung ihm nach Fertigstellung übertragen wurde und an dem er zahlreiche englische und deutsche Chemiker ausbildete. Auch die königliche Familie besuchte Hofmanns Vorträge und ließ sich von ihm Experimente vorführen. Insbesondere die naturwissenschaftlich interessierte Prinzessin Viktoria, später als Gemahlin Friedrichs III. Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin, blieb Hofmann freundschaftlich verbunden und sorgte dafür, dass er später geadelt wurde. Hofmann war maßgeblich an den Vorbereitungen der Weltausstellung 1851 und der Weltausstellung 1862 in London beteiligt.
Seit 1845 war Hofmann Mitglied der ersten chemischen Gesellschaft, der 1841 gegründeten Chemical Society in London, von 1847 bis 1861 war er Foreign Secretary, 1861 bis 1863 deren President (Vorstand) und zuletzt 1863 Vice President. Er beherrschte vier Sprachen und er redigierte 1851–1864 das englische Journal of the Chemical Society. Einige eigene Forschungsergebnisse publizierte er zusätzlich in den deutschen Liebig’s Annalen der Chemie und Pharmacie.
Nach dem frühen Tod des englischen Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und Gotha erhielt er 1863 einen Ruf nach Bonn und man ließ in der Nähe des Poppelsdorfer Schlosses nach seinen Plänen ein modernes chemisches Institut errichten. Noch heute steht die ALTE CHEMIE unversehrt an ihrem Platz. Letztlich lehnte Hofmann den Ruf an die Universität Bonn ab und nahm stattdessen 1864 den Ruf an die immens umgebaute Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin an. Ab Mai 1865 hielt er im I. Chemischen Institut in der Georgenstraße 34–36 Vorlesungen in anorganischer und organischer Chemie. Er veranschaulichte die Chemie durch zeitgemäße Versuche, entwickelte den Hofmann-Zersetzungsapparat und schrieb ein Lehrbuch für Chemie. Er blieb bis zu seinem Tod 1892 in Berlin.
Hofmann gründete im Jahr 1867 zusammen mit Adolf Baeyer, C. A. Martius, C. Scheibler, E. Schering und H. Wichelhaus nach dem Vorbild der britischen Chemical Society die Deutsche Chemische Gesellschaft zu Berlin. Hofmann wurde als Gründungsmitglied zweijährlich zum Vorstand (Präsident) gewählt.
Die Berichte der Chemischen Gesellschaft wurden an Mitglieder und gegen Gebühr an Universitäten gesandt; Hofmann verfasste einen Großteil der Artikel selbst. Im Jahr 1873 wurde Hofmann zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Seit 1853 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, seit 1855 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und seit 1860 der Göttinger Akademie der Wissenschaften.
Zwischen 1870 und 1900 kam es zu Kontroversen über die Chemikerausbildung im Deutschen Reich. Die Zahl der Studenten nahm zu. Es entstanden viele praxisorientierte Technische Hochschulen. Über das Promotionsrecht für Technische Hochschulen musste entschieden werden. Die Eingangsvoraussetzungen für das Studium waren unterschiedlich (Gymnasium, Realschule). Industrievertreter wünschten sich eine Staatsprüfung, mehr praxisnahe Forschungsarbeiten, Hochschullehrer wollten die freie Forschung und die hochschulinterne Prüfung erhalten.
Hofmann vermittelte zwischen den verschiedenen Interessen, da auch Berliner Industrievertreter wie Martius, Hugo Kuenheim, Ernst Schering zu den Mitgliedern zählten.
Im Jahr 1886 wurde Hofmann Vorsitzender und erster Präsident der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte.
Zu seinem 70. Geburtstag (1888) wurde er in den preußischen Adelsstand erhoben. Von der Deutschen Chemischen Gesellschaft wurde ihm zu Ehren die Hofmann Stiftung ins Leben gerufen.
Am 5. Mai 1892 hatte von Hofmann noch eine Vorlesung gehalten, eine Fakultätssitzung geleitet und zwei Abschlussexamina von Doktoranden durchgeführt.
Abends um 9 Uhr verließ er in heiterer Stimmung die Universität. Nach dem Abendessen stellte sich Unwohlsein ein, die herbeigerufenen Ärzte konnten ihm nicht mehr helfen, von Hofmann verstarb.
Sein Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.
Als Nachfolger wurde noch 1892 Emil Fischer von Würzburg nach Berlin berufen. Wie in Würzburg auch konzipierte er in Berlin einen Institutsneubau mit eigener Dienstvilla. Dieser Neubau wurde ab 1900 in der Hessischen Straße 1/2 bezogen.