An diesem Tag

August Hinrichs

Deutscher Schriftsteller

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August Gerhard Hinrichs (* 18. April 1879 in Oldenburg; † 20. Juni 1956 in Huntlosen) war ein deutscher Schriftsteller.

Hinrichs war der Sohn des Tischlermeisters Hermann Diedrich Hinrichs und dessen Ehefrau Meta geborene Siemen. Er besuchte die Stadtknabenschule und erlernte danach bei seinem Vater das Tischlerhandwerk. Nach bestandener Prüfung ging Hinrichs auf die Walz. Nach seiner Heimkehr bestand er die Meisterprüfung und eröffnete im Jahre 1905 in Oldenburg eine eigene Tischlerwerkstatt.

Hinrichs war Mitglied des Oldenburger Turnerbundes. Er schrieb kurze Theaterstücke, die von der Laienspielschar des Vereins aufgeführt wurden, so etwa ein „Festspiel“ zum 21. Kreis-Turnfest des 5. Kreises der Deutschen Turnerschaft (1906), sein erstes zur Aufführung bestimmtes Stück. Da seine Stücke Anklang fanden und ermutigt durch den Lehrer und Schriftsteller Georg Ruseler, schrieb Hinrichs größere Stücke, wie Kinder der Sehnsucht (1909), Frithjof (1911) und De Aukschon (1913), die im Großherzoglichen Hoftheater Oldenburg, dem heutigen Oldenburgischen Staatstheater, aufgeführt wurden.

Die handwerkliche und schriftstellerische Tätigkeit von Hinrichs wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Von 1914 bis 1918 diente er als Soldat an der Westfront. Zurückgekehrt nahm er seine Tätigkeit wieder auf, wobei er das Schwergewicht seiner Arbeit immer mehr auf die Literatur legte. Nunmehr entstanden die Theaterstücke Diederk schall freen (1918) und Marie (1922). Größeren Erfolg erzielte Hinrichs jedoch mit seinen Romanen: Das Licht der Heimat (1920/1950 und 1954), Der Moorhof (1920), Der Wanderer ohne Weg (1921), Das Nest in der Heide (1922), Die Hartjes (1924/1956), Gertraudis (1927), Das Volk am Meer (1929).

Hinrichs schloss sich der 1924 gegründeten niederdeutschen Schriftstellervereinigung Die Kogge an. Zu seinen Freunden zählten vor allem Waldemar Augustiny, Karl Bunje, Georg Grabenhorst, Friedrich Griese, Moritz Jahn, Alma Rogge, Wilhelm Scharrelmann und Paul Schurek. 1921 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Heimatvereins Ollnborger Kring, der noch im gleichen Jahr eine Laienbühne einrichtete, an der Hinrichs als Bühnenarbeiter und Dramaturg tätig war und sein Bruder Emil (1881–1944) als Schauspieler mitwirkte. Für diese Laienbühne, die 1923 als Niederdeutsche Bühne Oldenburg mit dem Landestheater eine dauerhafte Verbindung einging, schrieb er den tragischen Einakter Marie (1922). Nach ihrer Gründung übernahm die Bühne die Uraufführungen aller von Hinrichs geschriebenen niederdeutschen Bühnenstücke.

1925 schrieb Hinrichs sein zweites Festspiel für die oldenburgischen Turner, Neue Jugend. Hinrichs hatte sich als lokaler Schriftsteller etabliert und konnte ab 1929 von seiner literarischen Arbeit leben. Seinen eigentlichen Durchbruch erreichte er 1930 mit seiner Swienskomödi (hochdeutsch: Krach um Jolanthe, 1934 von Carl Fröhlich verfilmt. Der Film ist zu einem der meistgespielten des ‚Dritten Reiches‘ geworden). Die Vorlage zu diesem Stück war ein Steuerstreik Südoldenburger Bauern, der damals großes Aufsehen erregte. Hinrichs hatte sich mit dem Stück als führender Heimatschriftsteller in Nordwest-Deutschland etabliert. In der Folgezeit brachte Hinrichs noch weitere Komödien heraus, die sich zum Teil ebenfalls bis heute auf dem Spielplan der norddeutschen Theater gehalten haben: Freie Bahn dem Tüchtigen (1931), Nur eine Mark (1932, auch verfilmt), Wenn de Hahn kreiht (1933). Die Komödien von Hinrichs erfreuten sich in Oldenburg und darüber hinaus deshalb so großer Beliebtheit, da sie, im Jargon der Zeit, keine „Tendenzstücke“ waren.

Durch seine, dem Nationalsozialismus zumindest nahestehenden Werke, gilt Hinrichs als „kulturelle[r] Steigbügelhalter der NSDAP“. Zur 700-Jahr-Feier der Schlacht bei Altenesch schrieb er das Freilichtspiel De Stedinge, das 1934 am Ort der Schlacht in Altenesch aufgeführt wurde. Bereits die Uraufführung wurde zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie und Propaganda genutzt. Ab 1935 erfolgten weitere Aufführungen auf der vom damaligen Gauleiter Carl Röver errichteten Freilichtbühne in Bookholzberg. Die Aufführungen Hinrichs waren damit zugleich auch Großveranstaltungen der NSDAP. Gefördert durch Röver, wurde er 1935 gebeten, die Landesleitung der Reichsschrifttumskammer für den Gau Weser-Ems zu übernehmen. 1936 trat er dem Eutiner Dichterkreis bei, einer nationalsozialistisch geprägten Schriftstellergruppe, die als eine der „einflussreichsten Schriftstellergruppierungen im ‚Dritten Reich‘“ gilt. Am 20. Juli 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.677.385).

Hinrichs beteiligte sich an Propaganda-Aktionen des NS-Regimes wie den vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda organisierten „Dichterfahrten“, die 1939 „durch den Sudetengau und das Protektorat Böhmen-Mähren“, 1940 in die „ostmärkischen Gaue“ und 1942 zum Atlantikwall führten, wo die Schriftsteller u. a. von Admiral Karl Dönitz empfangen wurden. Er war 1941 Teilnehmer am Weimarer Dichtertreffen, bei dem die Europäische Schriftsteller-Vereinigung gegründet wurde.

1938 veröffentlichte Hinrichs ein weiteres Lustspiel För de Katt sowie Petermann fährt nach Madeira (basierend auf Bezügen zu der Organisation „Kraft durch Freude“, verfilmt 1936), Tilly vor Oldenburg (1939), Der Musterbauer (1949: De latinsche Buer), Sware Tid (1944). Außerdem erschienen: Auf der breiten Straße nach West (1935), mit dem Hinrichs eigene Kriegserlebnisse verarbeitete, Mein ernstes Buch (1941), Mein heiteres Buch (1941) und Rund um den Lappan (1943).

Hinrichs erhielt im NS-Staat auch mehrere Auszeichnungen und Ehrungen, so 1938 den Stavenhagen-Preis, 1939 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft, 1943 gemeinsam mit Bernhard Winter den Gaukunstpreis Weser-Ems und 1944 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Oldenburg. Die an das Oldenburgische Staatstheater angeschlossene niederdeutsche Amateurbühne wurde 1939 Hinrichs zu Ehren in August-Hinrichs-Bühne (AHB) umbenannt. In einer Mitgliederversammlung des Vereins August-Hinrichs-Bühne am 25. Februar 2024 stimmte die Mehrheit der Mitglieder bis auf Weiteres für eine Weiterführung der Bühne unter dem Namen „Niederdeutsche Bühne am Oldenburgischen Staatstheater e. V.“.

Nach dem Ende des NS-Staats musste sich Hinrichs einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Dabei wurde er als "entlastet" eingestuft. Im Nachgang hat sich Hinrichs weder vom NS-Staat distanziert noch seine Rolle kritisch reflektiert, sondern war bemüht sich als unpolitisch darzustellen. Die Bewertung von Hinrichs Verhalten im Dritten Reich wurde anlässlich des Gedenkens zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages 1979 in Oldenburg lebhaft diskutiert.

Nach 1945 betätigte sich Hinrichs weiterhin als Autor und veröffentlichte schließlich: Das Wunder der Heiligen Nacht (1949), Die Krumme Straße (1949), Kommst du heut abend (1952) und Eines Nachts (1955).

Seine Bauernkomödien aus den dreißiger Jahren waren weiterhin und bis in die Gegenwart hinein durch zahlreiche Aufführungen erfolgreich.

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden seine Schriften An der breiten Straße nach West. Kriegserlebnisse (1935) und Petermann fährt nach Madeira (1936) sowie in der Deutschen Demokratischen Republik Drei heitere Bühnenstücke (1944) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

Zu seinem 75. Geburtstag 1954 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und wurde vom Oldenburger Staatstheater und der Stadt Oldenburg durch einen Festakt geehrt. Neben Bühnenstücken, Romanen, Novellen und Erzählungen schrieb er auch Gedichte, die aber von geringer Bedeutung und weitgehend vergessen sind.

Hinrichs orientierte sich in seinem Werk an seinen eigenen Lebens- und Erfahrungsbereichen, Landwirtschaft und Handwerk bilden das berufliche und soziale Handlungsumfeld in den meisten seiner Bühnenstücke und Prosawerke. Der Existenzkampf verbunden mit zwischenmenschlicher Beziehungen macht das Hauptthema seiner Dichtung aus. Ebenso spiegelt sich seine Heimatverbundenheit sowie die Heimat als bedeutender Faktor im Denken, Fühlen und Handeln der Menschen in seinem ganzen Werk wider.

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