August Haußleiter (* 5. Februar 1905 in Nürnberg; † 8. Juli 1989 in München), auch bekannt unter dem Pseudonym Karl Konstantin, war ein deutscher Politiker und Journalist. Er war Mitgründer und Landtagsabgeordneter der Christlich-Sozialen Union (CSU) 1946–1949, gründete 1949 die national-neutralistische Deutsche Gemeinschaft, beteiligte sich 1965 an der Gründung der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD) und 1979–80 an der Gründung der Grünen.
Für die Zeit vor 1945 ist über Haußleiters Leben wenig Gesichertes bekannt. Die Angaben beruhen zum nicht geringen Teil auf Eigenangaben Haußleiters beziehungsweise auf parteioffiziellen Darstellungen der Deutschen Gemeinschaft, die nicht durchweg bestätigt werden konnten. Haußleiter ließ zudem über seine Vergangenheit recht unterschiedliche Versionen verbreiten.
August Haußleiter war Sohn eines protestantischen Pfarrers und wuchs in Nürnberg auf. Laut Eigenangaben verlor er als Jugendlicher seine Eltern und war Vollwaise. Haußleiter wurde früh politisch aktiv und schloss sich als Gymnasiast „nationalen Wehrverbänden“ an. Dabei war er auch in militante Auseinandersetzungen verwickelt. Als „15-jähriger wurde er zum ersten Mal bei einer schweren politischen Auseinandersetzung von der Polizei festgenommen“. Aus der Weimarer Zeit ließ Haußleiter 1957 Folgendes über sich veröffentlichen:
Während Richard Stöss und der Journalist Martin A. Lee davon ausgehen, dass Haußleiter am niedergeschlagenen Hitlerputsch teilnahm, wertet Silke Mende das autobiographische Zitat lediglich als Indiz dafür, dass Haußleiter schon früh „Anschluss an nationalistische Gruppen suchte“.
Nach dem Abitur studierte Haußleiter in Erlangen Theologie und Philosophie und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Werkstudent. 1924 wurde er Mitglied des Corps Onoldia Erlangen. Laut verschiedenen Quellen wurde Haußleiter vor 1933 Mitglied der nationalliberalen Deutschen Volkspartei. Richard Stöss, der dies 1980 ebenfalls so darstellte, recherchierte nach und kam 1983 zu dem Schluss: „Er hegte zwar Sympathien für Stresemann und dessen Deutsche Volkspartei (DVP), schloß sich den Nationalliberalen aber nicht an.“
Ab 1928 arbeitete Haußleiter als Wirtschafts- und politischer Redakteur (Schriftleiter) beim Fränkischen Kurier. Die vormals bürgerliche Zeitung hatte sich nach 1918 zum republikfeindlichen, teilweise antisemitischen „nationalistischen Blatt“ gewandelt und war so ein indirekter Wegbereiter des Nationalsozialismus, auch wenn die Nationalsozialisten die Zeitung vor 1933 als „Papen-Blatt“ kritisierten (gemeint ist Franz von Papen, der vom 1. Juni 1932 bis 17. November 1932 Reichskanzler und ein enger Vertrauter Hindenburgs war). Nach 1933 zog die Zeitung ernsthafte Kritik von Seiten der Nationalsozialisten nur vereinzelt auf sich. Sie warfen ihr eine „kirchenfreundliche Haltung“ vor. Nach Angaben des Spiegel war Haußleiter „unfreiwilliger Urheber des Verbotes der Kunstkritik durch Goebbels, das nach einem von ihm unternommenen Angriff auf einen Günstling Streichers ausgesprochen wurde“. Laut wissenschaftlichen Darstellungen neuester Zeit stand das durch Goebbels am 27. November 1936 im Völkischen Beobachter verkündete Verbot der Kunstkritik im Zusammenhang mit einer Verschärfung der nationalsozialistischen Kontrolle der Kultur. Haußleiter verfasste im Fränkischen Kurier „eine Reihe den Nationalsozialismus und selbst dessen antisemitische Politik rechtfertigende“ Artikel. Später geriet er in eine heftige Auseinandersetzung mit dem in Nürnberg residierenden Gauleiter Julius Streicher. Dieser erwirkte 1940 Haußleiters Ausschluss aus dem Fränkischen Kurier.
Ralf Fücks, Mitgründer des Berliner Thinktanks Zentrum Liberale Moderne, der selbst von den K-Gruppen kam und 1982 zu den Grünen stieß, erklärte 2019 aus der Rückschau in einem Interview, Haußleiter sei „Nazi-Journalist gewesen und einer der ersten Parteivorsitzenden“ der Grünen, und ihm sei Haußleiters Rhetorik schon vor seinem eigenen Parteibeitritt „übel aufgefallen“.
Richard Stöss zufolge ist Haußleiter im politischen Spektrum der Weimarer Republik am ehesten der Konservativen Revolution zuzuordnen. Einer seiner langjährigen politischen Weggefährten habe ihn als „Adepten“ des Tat-Kreises beschrieben, der dadurch „zu letztlich jenen“ gehörte, „denen einerseits die Nazis viel zu laut, viel zu ordinär, viel zu kenntnislos, viel zu ungebildet waren, und vor der entfesselten nationalistischen Dynamik grauste“. Stöss betonte: „August Haußleiter war kein Nazi.“ Laut Silke Mende bezeichnete er sich in Anlehnung an Otto Strasser als „deutscher Sozialist“.
1940 wurde Haußleiter in die Wehrmacht einberufen und erlebte den Zweiten Weltkrieg als Stabsmitarbeiter des XIII. Armeekorps, wo er 1942 an der Ostfront schwer verwundet wurde. 1942 veröffentlichte er das Buch An der Mittleren Ostfront. Laut Stöss verherrlichte dieses Buch den von den Nationalsozialisten begonnenen Krieg gegen die Sowjetunion. Später wurde er an die Westfront versetzt und geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Der Historiker Manfred Kittel beschrieb 2002 Haußleiters Haltung im Dritten Reich als typisch für national-liberal-protestantische Persönlichkeiten, die „das schreckliche Gesicht des Nationalsozialismus meist recht früh erkannt und sich dann entschieden von ihm abgewandt haben“.
Nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete Haußleiter 1945 als Lehrer an einer Schule in Neudrossenfeld. Er war 1946 Mitbegründer der CSU in Kulmbach und unterstützte die interkonfessionelle, liberal-konservative und gemäßigt föderalistische Strömung innerhalb der Partei, in der er „das protestantische Element aus Franken repräsentierte“. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung in Bayern und war für die CSU bis 1949 Mitglied des Landtages sowie Mitglied des Landesvorstands und des geschäftsführenden Landesvorstands der CSU. 1946/1947 und 1948/1949 war er zudem Mitglied des Vorstands der CSU-Landesfraktion. Am 25. Juni 1947 wurde Haußleiter sein Landtagsmandat durch Mehrheitsentscheidung im Landtag aberkannt, weil in seinen Veröffentlichungen und hier vor allem in seinem Buch An der mittleren Ostfront militaristisches und nationalsozialistisches Gedankengut gesehen wurde. Dagegen klagte Haußleiter vor dem Bayerischen Verfassungsgericht und erhielt, nachdem er von der Spruchkammer in Kulmbach entlastet worden war, sein Mandat am 16. Januar 1948 zurück. Am 29. Februar 1948 wurde Haußleiter zum stellvertretenden Vorsitzenden der CSU gewählt.
Aufgrund interner Differenzen zwischen den verschiedenen Flügeln trat Haußleiter im September 1949 aus der CSU aus. Seinen Absprung aus der CSU bereitete er im Januar 1949 in Braunschweig als Mitgründer der Deutschen Union (DU) vor. Er war neben Otto Hess und Hans Christoph Schenk von Stauffenberg einer der drei Vorsitzenden der DU. Das Programm der DU wurde von Haußleiter und Gerhard Krüger gemeinsam verfasst. Zusammen mit Ferdinand Fried vom „Tatkreis“ gab Haußleiter die DU-Wochenzeitschrift Die deutsche Wirklichkeit (DW) heraus. Aus einer zunächst als Plattform für eine soziale Reformbewegung gedachten Gründung am 18. September 1949 in Frankfurt, bei der für die Deutsche Union Haußleiter anwesend war, entstand schließlich auf Initiative Haußleiters die Partei Deutsche Gemeinschaft (DG), deren Politik er als Wortführer maßgeblich bestimmte.
In Bayern setzte sich Haußleiter für einen Zusammenschluss der DG mit dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) ein. Nach dem Zusammenschluss und einer Kooperationsvereinbarung für die Landtagswahlen von DG und BHE am 10. Oktober 1950 zog eine sechsköpfige DG-Fraktion in den Landtag ein – Haußleiter war bis 1952 Fraktionsvorsitzender und noch bis 1954 Mitglied des Landtags. Im Laufe des Jahres 1952 löste sich die bayerische DG-Fraktion durch Abwanderung zu anderen Parteien auf, parallel zum Verlust der Anhängerschaft unter den Vertriebenen. Übrig blieben seine spätere Ehefrau Renate Malluche und Haußleiter selbst.