Ferdinand August Bebel (* 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln, Königreich Preußen; † 13. August 1913 in Passugg, Schweiz) war ein sozialistischer deutscher Politiker und Publizist. Er war einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie und gilt bis in die Gegenwart als eine ihrer herausragenden historischen Persönlichkeiten. Er wirkte als einer der bedeutendsten Parlamentarier in der Zeit des Deutschen Kaiserreichs und trat auch als einflussreicher Autor hervor. Seine Popularität spiegelte sich in den volkstümlichen Bezeichnungen „Kaiser Bebel“, „Gegenkaiser“ oder „Arbeiterkaiser“ wider.
Seine politischen Anfänge wurzelten im liberal-demokratischen Vereinswesen von Arbeitern und Handwerkern, ehe er sich dem Marxismus zuwandte. Über Jahrzehnte arbeitete August Bebel mit Wilhelm Liebknecht zusammen. Mit ihm gründete er im Jahr 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). Im Jahr 1875 war er an der Vereinigung mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) beteiligt. Bebel war von 1867 bis 1881 und 1883 bis zu seinem Tod Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes bzw. des Kaiserreichs und entwickelte sich während der Repressionen gegen die Partei durch das Sozialistengesetz zur zentralen Person der deutschen Sozialdemokratie. Ab 1892 war er neben Paul Singer bzw. Hugo Haase bis zu seinem Tod einer der beiden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), wie sich die SAP 1890 nach Aufhebung des Gesetzes nannte. In den folgenden Jahren repräsentierte er zwischen einem linken und einem „revisionistischen“ Flügel das sogenannte marxistische Zentrum der SPD.
Bebel wurde in ärmlichen Verhältnissen als Sohn des Unteroffiziers Johann Gottlob Bebel und dessen Frau Wilhelmine Johanna Bebel (geb. Simon) in den Kasematten der Festung Deutz geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters, der 1844 mit 35 Jahren einer Lungentuberkulose erlag, heiratete seine Mutter dessen Zwillingsbruder, der als Aufseher in der Provinzial-Korrektionsanstalt (Arbeitshaus) in Brauweiler arbeitete. Der Stiefvater verstarb jedoch ebenfalls nach zwei Jahren. Da die verwitwete Mutter keine Pensionsansprüche hatte, übersiedelte sie verarmt zu ihrer Familie nach Wetzlar, wo August die Volksschule besuchte. Er war begabt und wurde von einem Lehrer außerhalb der Schule in Mathematik unterrichtet.
Die Mutter starb 1853. Sie hinterließ ihren Kindern einige kleine verstreut liegende Parzellen rund um Wetzlar. Die beiden noch lebenden Brüder kamen zu Verwandten der Mutter. Um den Lebensunterhalt der Brüder zu sichern, erhielten sie finanzielle und materielle Unterstützung von einem Waisenfonds. Diesem vermachte Bebel später in seinem Testament aus Dankbarkeit 6.000 Mark. Die Hoffnung auf ein Bergbaustudium musste Bebel wegen der schwierigen finanziellen Verhältnisse aufgeben. Von 1854 bis 1857 lernte er in Wetzlar ohne eigentliche Neigung das Drechslerhandwerk. Trotz der schweren Arbeit versuchte er sich durch Lektüre selbständig weiterzubilden.
Nach der Lehre trat Bebel 1858 seine Gesellenwanderung an. Sie führte zunächst durch Südwestdeutschland nach Freiburg im Breisgau. Weitere Stationen waren Regensburg, München und Salzburg. Bereits in Freiburg war er dem örtlichen katholischen Gesellenverein beigetreten, der damals auch Protestanten aufnahm. Auch in Salzburg nahm er am Vereinsleben teil, angezogen von den ausliegenden Zeitungen und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Als im Jahr 1859 der Sardinische Krieg ausbrach, meldete sich Bebel, wie er in seiner Autobiografie schrieb, aus „Abenteuerlust“ als Freiwilliger bei den Tiroler k.u.k. Kaiserjägern, wurde aber als Nichttiroler abgewiesen. Sein Versuch, in die Preußische Armee einzutreten, wurde gegenstandslos, weil inzwischen Friede geschlossen worden war. Bei späteren Musterungen wurde Bebel wegen seiner schwachen Konstitution stets zurückgestellt. 1860 wanderte er über mehrere Stationen nach Wetzlar zurück. Dort fand er keine Arbeit und zog weiter Richtung Sachsen.
Vom Bürgerlichen Vereinswesen zum Arbeiterverein
In Leipzig fand er rasch Arbeit in einer größeren Werkstatt. Wegen schlechter Verköstigung überredete er die anderen Gesellen zu protestieren. Weil der Meister einlenkte, kam es nicht zum geplanten Streik.
Die Stadt war damals ein Mittelpunkt des Vereinswesens der Arbeiter und Handwerker. Liberale und demokratische bürgerliche Kreise unterstützten deren Bildungsbestrebungen. Sie wollten einerseits die beruflichen Möglichkeiten der Arbeiter und Handwerker steigern, andererseits ging es darum, diese Gruppen an den Liberalismus zu binden. Im Februar 1861 wurde auf Anregung der Polytechnischen Gesellschaft und einiger Liberaler der Gewerbliche Bildungsverein gegründet, dem auch Bebel im selben Jahr beitrat. Aus diesem Verein ging eine Reihe von Persönlichkeiten der frühen Arbeiterbewegung hervor. Neben Bebel gehörten dazu Friedrich Wilhelm Fritzsche, Otto Dammer oder Julius Vahlteich. Im Jahr 1862 war Bebel Zweiter und von 1865 bis 1872 Erster Vorsitzender des Gewerblichen Bildungsvereins.
Noch verstand sich Bebel als Handwerker und strebte die Position eines Meisters an. Dieses Ziel hatte er 1864 mit der Eröffnung einer eigenen Werkstatt im Hof des Hauses Drei Könige in der Petersstraße erreicht, wo er auch wohnte. Das nötige Kapital brachte er durch den Verkauf des kleinen Besitzes der Familie in Wetzlar auf. In den ersten Jahren war der Betrieb noch sehr klein. Anfangs beschäftigte er lediglich einen Lehrling und einen Gesellen. Er versuchte, seine Beschäftigten nicht auszubeuten wie andere Unternehmer und zahlte ihnen mehr Lohn bei einer geringeren Arbeitszeit als üblich.
Das Angebot des Bildungsvereins an Vorträgen und Kursen nahm Bebel intensiv wahr. 1862 wurde er Mitglied im Vorstand des Bildungsvereins sowie Leiter der Vereinsbibliothek und der Abteilung für Vergnügungen. Politisch stand er Bestrebungen zu mehr Eigenständigkeit der Arbeiter zunächst noch ablehnend gegenüber. Dem Versuch Julius Vahlteichs und Friedrich Wilhelm Fritzsches, den Verein in eine politische Organisation zu verwandeln, widersetzte sich Bebel 1862 und befürwortete den Ausschluss dieser Mitglieder. Sie bildeten daraufhin den Verein Vorwärts.
Im Herbst 1862 begannen die Vorbereitungen zur Gründung eines überregionalen Deutschen Arbeitertags. Bebel war Mitglied des vorbereitenden Ausschusses. Er stand den Forderungen des genossenschaftlichen Sozialisten Ferdinand Lassalle nach einem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht ablehnend gegenüber, weil er die Arbeiter noch nicht für politisch reif genug hielt.
Die Gründung des ADAV im Mai 1863 wurde von den liberalen Vereinen in der Arbeitervereinsbewegung als Bedrohung wahrgenommen. Als Reaktion darauf beriefen sie bereits im Juni den Vereinstag Deutscher Arbeitervereine (VDAV) in Frankfurt am Main ein und schlossen sich zu einem Dachverband zusammen. Als Leipziger Delegierter war Bebel anwesend.
Schon kurz zuvor hatte sich der Gewerbliche Bildungsverein in Leipzig von der Polytechnischen Gesellschaft gelöst. Nachdem es zur Vereinigung mit dem Verein Vorwärts gekommen war, konstituierte er sich als Arbeiterverein neu. Bebel übernahm zunächst die Position eines stellvertretenden Vorsitzenden und schließlich die des Vorsitzenden. Im Jahr 1864 war Bebel Versammlungsleiter des zweiten, in Leipzig tagenden VDAV-Verbandstags. Er wurde dort zum stellvertretenden Vorsitzenden des Dachverbandes gewählt.
Bei Bebel begann sich ein politischer Richtungswechsel zu vollziehen. Er blieb zwar entschiedener Gegner Lassalles, begann aber dessen Schriften intensiv zu lesen und sich allmählich dem Marxismus anzunähern.
Soziale Konflikte stärkten bei Bebel ebenfalls Zweifel daran, ob die enge Bindung der Arbeiter an den Liberalismus weiterhin sinnvoll sei. Eine Rolle spielte dabei der Kontakt mit dem Philosophen und Sozialpolitiker Friedrich Albert Lange in der Führung des VDAV. Bebel war in einem Buchdruckerstreik Vermittler und an der Gründung einer Bergarbeitergewerkschaft beteiligt. Zusammen mit Anhängern Lassalles war die Organisation an einem Streik beteiligt.