Audrey Hepburn (* 4. Mai 1929 als Audrey Kathleen Ruston in Ixelles/Elsene, Belgien; † 20. Januar 1993 in Tolochenaz, Schweiz; später Edda Kathleen van Heemstra Hepburn-Ruston) war eine Schauspielerin britisch-niederländischer Herkunft. Sie zählte zu den größten weiblichen Filmstars der 1950er und 1960er Jahre. Hepburn wurde unter anderem mit je einem Oscar und einem Emmy sowie zwei Tony Awards und einem Grammy ausgezeichnet. Damit zählt sie zu den wenigen Künstlern, die alle vier großen Preise gewonnen haben. Bei einer Umfrage des American Film Institute aus dem Jahr 1999 wurde sie auf Platz drei der größten weiblichen Filmstars gewählt.
In ihren späteren Jahren widmete sich Hepburn der Arbeit als Sonderbotschafterin für UNICEF.
Hepburn kam 1929 als Tochter des Briten Joseph Victor Anthony Ruston (1889–1980) und seiner niederländischen Frau Ella Baroness van Heemstra (1900–1984), Tochter des niederländischen Juristen, Politikers und Kolonialbeamten Aarnoud van Heemstra, in Belgien zur Welt und erhielt nach dem Abstammungsprinzip die britische Staatsbürgerschaft. Der Familienname wurde später in Hepburn-Ruston geändert, nachdem ihr Vater den Namen Hepburn auf einigen Urkunden seiner Vorfahren entdeckt hatte. Audrey Hepburn hatte zwei Halbbrüder, Jonkheer Arnoud Robert Alexander Quarles van Ufford (1920–1979) und Jonkheer Ian Edgar Bruce Quarles van Ufford (1924–2010), aus der ersten Ehe ihrer Mutter mit dem niederländischen Adeligen Jonkheer Hendrik Gustaaf Adolf Quarles van Ufford. Über die großmütterliche Familie der Mutterseite stammte sie in direkter Linie vom niederländischen Politiker Gijsbert Karel van Hogendorp ab. Hepburns Vater Joseph Victor Anthony Ruston war Enkel des Maschinenbauers und Schifffahrtsunternehmers Joseph John Ruston, der in Österreich gelebt hat.
Im Alter von sechs Wochen erkrankte Hepburn so schwer an Keuchhusten, dass ihre Atmung aussetzte und sie wiederbelebt werden musste. In Bezug auf dieses Ereignis sagte sie später: „Wenn ich eine Biografie schreiben würde, würde ich so anfangen: Ich wurde in Brüssel, Belgien, am 4. Mai 1929 geboren […] und starb sechs Wochen später.“ Ihr Vater verließ die Familie, als Audrey sechs Jahre alt war und ihre Mutter ihn mit dem Kindermädchen erwischt hatte. Audrey verlor jeglichen Kontakt zu ihm, erst über zwei Jahrzehnte später kam es mit Unterstützung des Roten Kreuzes zu einem Wiedersehen. Trotz des emotional distanzierten Verhältnisses unterstützte Hepburn ihren Vater fortan finanziell bis zu seinem Tod. Um ihr eine Schulbildung in sichererem Umfeld zu ermöglichen und den Kontakt zum Vater nicht ganz abreißen zu lassen, wurde sie nach England geschickt.
Von 1935 bis 1938 besuchte sie eine Mädchenschule in der englischen Grafschaft Kent. Als der Zweite Weltkrieg begann, zog die Familie zum Großvater nach Arnheim in den Niederlanden, wo sie ab Mai 1940 die deutsche Besetzung miterlebte. Um die britischen Wurzeln ihrer Tochter zu verschleiern, änderte ihre Mutter während dieser Zeit den Namen Audrey zu Edda. Sie legte auch den Nachnamen des Vaters ab und nannte sich in dieser Zeit Edda van Heemstra. Vor dem Krieg hatten beide Eltern dem Faschismus nahegestanden und sich mit Adolf Hitler fotografieren lassen.
In dieser Zeit nahm Hepburn Ballettunterricht am Arnheimer Konservatorium. Während des Vormarsches der Alliierten im Winter 1944/1945 erlebte sie den Hongerwinter. „Ich war während des Krieges […] in Holland und die Nahrungsmittel gingen aus. Der letzte Winter war am schlimmsten. Das Essen war knapp und alles, was es gab, bekamen die Soldaten. Es besteht natürlich ein großer Unterschied zwischen Hungertod und Unterernährung, aber ich war sehr, sehr unterernährt“, erinnerte sie sich an diese Zeit. Sie erlebte in dieser Zeit außerdem, wie Juden in ihrer Umgebung verhaftet und deportiert wurden. Während der Nazi-Besetzung überbrachte sie Nachrichten für den niederländischen Widerstand. Zudem trat sie bei Tanzvorführungen auf, mit deren Erlös Menschen im Untergrund unterstützt wurden. Bei einem Luftangriff traf sie ein Granatsplitter am Hals, der ihre Beweglichkeit dauerhaft einschränkte.
Nach dem Krieg zog die Familie vorübergehend nach Amsterdam. Dort stand Hepburn 1948 für den Werbefilm Nederlands in 7 Lessen des Dokumentarfilmers Charles Huguenot van der Linden erstmals vor einer Filmkamera. Bald darauf ging sie nach England zurück, wo sie bei Marie Rambert eine Ausbildung absolvierte, um Ballerina zu werden. Hepburn musste jedoch bald feststellen, dass sich ihr Traum von einer Tanzkarriere nicht erfüllen würde; die Mangelernährung während des Krieges hatte ihr Muskelwachstum beeinträchtigt, und so sehr sie sich auch bemühte, konnte sie mit den anderen Tänzerinnen nicht mithalten.
Um Geld zu verdienen, arbeitete sie zunächst als Model und spielte in einigen Musicals im Londoner West End, gefolgt von kleineren Rollen in britischen Filmen wie One Wild Oat und Das Glück kam über Nacht (beide 1951). In One Wild Oat war auch Roger Moore zu sehen, mit dem sie aber keine gemeinsame Szene hatte. Später brachte sie den befreundeten Moore zu seinem langjährigen Engagement für UNICEF. 2009 äußerte er gegenüber dem Daily Express, er sei sehr dankbar, dass sie sein Leben verändert habe.
Bei den Dreharbeiten zu Musik in Monte Carlo (1951) lebte Hepburn zufällig im selben Hotel an der französischen Riviera wie die Schriftstellerin Colette, die für die Broadway-Inszenierung ihres Stücks Gigi (1944) eine Hauptdarstellerin suchte. Als Colette die junge Schauspielerin erblickte, rief sie: „Ich habe Gigi gefunden!“ So reiste Hepburn nach New York, wo sie von November 1951 bis Mai 1952 am Fulton Theatre die Gigi tanzte. Für ihre Darbietung erhielt sie den Theatre World Award und Hollywood wurde auf sie aufmerksam.
Für die Hauptrolle der romantischen Komödie Ein Herz und eine Krone (1953) waren Stars wie Elizabeth Taylor oder Jean Simmons im Gespräch. Stattdessen erhielt die völlig unbekannte Audrey Hepburn die Rolle der Prinzessin Ann, die sich in Rom in einen Reporter (Gregory Peck) verliebt. Ein Herz und eine Krone entwickelte sich zu einem Kassenschlager und machte die 24-Jährige über Nacht zum Star. Für ihre erste Hauptrolle erhielt Hepburn am 26. März 1954 außerdem den Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Im Hollywood der 1950er Jahre galt die „grazile Elfe“ Hepburn als Kontrapunkt zum üppigen Schönheitsideal, das von Darstellerinnen wie Marilyn Monroe oder Sophia Loren verkörpert wurde. Billy Wilder sagte über sie: „Diese Frau schafft es noch, den Busen aus der Mode zu bringen.“
Hepburn war beim Kinopublikum sehr beliebt und hat bis in die Gegenwart Einfluss auf die Mode; sie gilt als zeitlose Stilikone. Weite, wippende Röcke, das Kleine Schwarze, etwas zu große Sonnenbrillen, Tücher, knöchellange 7/8-Hosen und flache Ballerinas waren ihre Markenzeichen, und ihr Stil wurde bald weltweit kopiert. Ihr Bild blieb auch Jahrzehnte später in der Populärkultur allgegenwärtig und wurde weltweit auf Postern, Kunstdrucken und Modeartikeln reproduziert.
1953 lernte Hepburn während der Dreharbeiten zu Sabrina den französischen Modedesigner Hubert de Givenchy kennen. Man hatte ihn zuvor gefragt, ob er sich vorstellen könne, die Garderobe für „Miss Hepburns“ nächsten Film zu entwerfen, und Givenchy zeigte sich begeistert, da er ein großer Bewunderer von Katharine Hepburn war. Als dann Audrey vor seinem Atelier stand, war er ernüchtert: „Ich hatte mir dieses Gesicht, dieses Haar vorgestellt, Katharine Hepburn in ihren Hosenanzügen […] Nun ja, es war eine Enttäuschung.“ Dennoch entwickelte sich zwischen Givenchy und Audrey Hepburn eine innige Freundschaft: Fortan kreierte er ihre ganze Garderobe, und sie wurde seine Muse und sein bevorzugtes Model. Gemeinsam prägten sie eine reduzierte, elegante Linie, die zu einem zentralen Bestandteil von Hepburns öffentlichem Erscheinungsbild wurde.
Audrey Hepburn, die bereits mit ihrem ersten Film zum Star avanciert war, zählte bis in die späten 1960er Jahre zu den führenden Filmschauspielerinnen. Nahezu jeder ihrer Filme wurde zu einem wirtschaftlichen Erfolg, viele gelten als Klassiker der Filmgeschichte. Sie arbeitete mit den führenden männlichen Stars ihrer Zeit zusammen, darunter Fred Astaire, Humphrey Bogart, Sean Connery, Gary Cooper, Albert Finney, Henry Fonda, Cary Grant, Rex Harrison, William Holden, Burt Lancaster, Peter O’Toole und Gregory Peck, und wurde von bekannten Regisseuren wie George Cukor, Stanley Donen, Blake Edwards, John Huston, Richard Lester, King Vidor, Billy Wilder, William Wyler und Fred Zinnemann verpflichtet. Ein gemeinsames Projekt mit Alfred Hitchcock zerschlug sich in den späten 1950er Jahren, weil das Drehbuch eine Vergewaltigungsszene enthielt, die Hepburn nicht spielen wollte.