Beim Attentat von Tucson wurden am 8. Januar 2011 kurz nach zehn Uhr morgens Ortszeit Besucher einer öffentlichen Bürgerfragestunde der demokratischen Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords attackiert. Das Attentat geschah in einem Einkaufszentrum in Casas Adobes, etwa 17 Kilometer nördlich der Stadt Tucson, im US-Bundesstaat Arizona. Gabrielle Giffords war das erste Ziel und wurde durch einen gezielten Kopfschuss aus nächster Nähe schwer verletzt. Nachfolgend wurden sechs Personen getötet, darunter der für Arizona zuständige Bundesrichter John McCarthy Roll und ein neunjähriges Mädchen, 13 weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt. Der Attentäter wurde von Teilnehmern überwältigt und anschließend von der Polizei verhaftet. Er wurde später von den Behörden als der 22-jährige Jared Lee Loughner identifiziert.
Es war das erste Attentat auf einen US-Bundespolitiker seit dem Attentat auf Ronald Reagan im Jahre 1981.
Gabrielle Giffords war bei ihrer ersten Wahl 2006 mit 36 Jahren die jüngste Abgeordnete im Kongress und die erste für Arizona ins Repräsentantenhaus gewählte Jüdin.
Giffords, die als konservative Blue-Dog-Demokratin auch im republikanischen Wählerumfeld anerkannt war, wurde seit Anfang 2010 mehrfach von Unbekannten bedroht und von politischen Gegnern heftig verbal angegriffen. Nachdem sie sich im März 2010 für die Reform des amerikanischen Gesundheitssystems ausgesprochen hatte, wurde ihre Bürotür am darauffolgenden Tag von Unbekannten mit einer Schusswaffe zerstört. Giffords war bereits in ihrer dritten Legislaturperiode. Kurz vor dem Attentat hatte sie das Mandat angetreten und sich für die Kürzung von Abgeordnetengehältern um fünf Prozent ausgesprochen. Gabrielle Giffords sprach sich im Rahmen ihres Mandats unter anderem für das Recht auf das Tragen von Schusswaffen nach dem 2. Verfassungszusatz aus.
Am 2. November 2010 war Giffords bei den Wahlen zum 112. Kongress erneut als Abgeordnete in das Repräsentantenhaus gewählt worden. Am 8. Januar 2011 hielt sie in Casas Adobes, nördlich von Tucson, eine öffentliche Veranstaltung vor einem Safeway-Supermarkt ab. Diese von ihr Congress On Your Corner genannten Bürgerfragestunden fanden regelmäßig statt.
Während sich Giffords an dem Samstagvormittag mit einem Paar unterhielt, trat Jared Loughner an die Politikerin heran und schoss ihr mit einer halbautomatischen Glock 19 aus nächster Nähe in den Hinterkopf. Der Schuss durchschlug den Schädel des Opfers, jedoch wurde nur eine Hälfte des Gehirns verletzt. Loughner schoss weiter auf die Zuschauer. Nachdem er das Magazin leergeschossen hatte, versuchte er nachzuladen. Ein auf den Boden gefallenes volles Magazin wurde von der 61-jährigen Patricia Maisch weggenommen, ein Passant schlug dem Schützen einen Klappstuhl auf den Kopf. Der 74-jährige Ex-Oberst Bill Badger (1936–2015) sowie Maisch und die Zuschauer Roger Sulzgeber und Joseph Zamudio überwältigten den Schützen.
Daniel Hernández, ein Praktikant im Stab der Abgeordneten Giffords, leistete sofort Erste Hilfe. Augenzeugen gingen zunächst davon aus, dass sie unmöglich überlebt haben konnte. So hieß es in den ersten Eilmeldungen, sie sei erschossen worden. Erst später wurde deutlich, dass sie überlebt hatte und im Krankenhaus von Spezialisten sofort operiert werden konnte. Unmittelbar nach der Operation wurde ihr Zustand als kritisch beschrieben, doch konnte sie auf einfache Aufforderungen der Ärzte adäquat reagieren.
Der Attentäter hatte seine Waffe legal erworben und mit einem vergrößerten Magazin ausgestattet, so dass er nach Zeugenaussagen 15 bis 20 Schüsse auf die Umstehenden abgeben konnte. Sechs Personen wurden getötet, 13 weitere zum Teil schwer verletzt. Unter den Getöteten waren der Bundesrichter John McCarthy Roll, Giffords Sprecher Gabriel Zimmerman sowie die neunjährige Christina Taylor-Green.
Über die genauen Motive des Attentäters herrscht nach wie vor Unklarheit. Die Polizei schloss anfangs nicht aus, dass ein Komplize an der Tat mitbeteiligt gewesen sein könnte. Die Vernehmung eines Verdächtigen habe jedoch nichts ergeben, weshalb die Polizei nun von einer Einzeltat ausgeht.
Einer Meldung bei Fox News zufolge, die sich auf das Ministerium für Innere Sicherheit berief, soll es Hinweise geben, dass Jared Lee Loughner Verbindungen zur rechtsextremen American Renaissance hatte. Dies wurde offiziell nicht bestätigt.
Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat und US-Senator für Arizona, John McCain, zeigte sich „zutiefst traurig und schockiert“, die Tat sei „eine Schande für Arizona, das Land und die Menschheit“. Auf ihrer Facebook-Seite äußerte sich die vormalige Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner und Kritikerin Giffords, Sarah Palin, sie „bete für die Opfer und ihre Familien und für Frieden und Gerechtigkeit“. Das Repräsentantenhaus in Washington sagte alle Sitzungen in der folgenden Woche ab.
Giffords Ehemann, Astronaut Mark Kelly bereitete sich zu dieser Zeit als Kommandant auf die vorletzte Space-Shuttle-Mission mit der Endeavour vor, die im April starten sollte. Er unterbrach das Training, um bei seiner Frau zu sein, und die NASA setzte vorsorglich einen Ersatz-Kommandanten ein. Am 4. Februar gab Kelly jedoch bekannt, dass er wie geplant am Raumflug teilnehmen würde, der dann am 16. Mai 2011 startete.
Der zuständige Sheriff Clarence Dupnik, selbst Demokrat, nutzte die nationale Medienaufmerksamkeit, um darauf hinzuweisen, dass die aufgeheizte politische Stimmung in Arizona eine Mitschuld an der Tragödie trage. Dupnik äußerte sich dazu mit den Worten: „Wir sind zu einem Mekka des Hasses und der Vorurteile geworden“. Er sagte, ein solches Klima habe auf labile Menschen einen negativen Einfluss. Der demokratische Kongressabgeordnete John Yarmuth aus Louisville/Kentucky sprach von einer „Attacke gegen die Demokratie“.
Die radikale Gruppe Westboro Baptist Church begrüßte das Attentat.
Ein Gesetzentwurf der Demokraten, die automatischen Waffenmagazine von 33 auf 10 Schuss zu begrenzen, hatte keine Aussicht auf Erfolg. Zwei Monate nach dem Attentat wurde Senate Bill 1467 verabschiedet, der Waffen in allen Regierungsgebäuden Arizonas zu öffentlichen Veranstaltungen erlaubt. Ein weiterer Antrag (Senate Bill 1201) sieht vor, Waffen auch an Schulen und auf dem Universitätscampus zu erlauben.
Rede Obamas am 12. Januar 2011
US-Präsident Barack Obama bezeichnete das Attentat als „Tragödie für das ganze Land“. Der Vorfall sei „entsetzlich“ und „sinnlos“. Seine Rede unter dem Motto Together We Thrive: Tucson and America am 12. Januar 2011 im McKale Center der University of Arizona erhielt landesweiten Anklang, auch bei der Opposition und wurde als Meilenstein seiner Präsidentschaft bezeichnet.
Kontroverse um Sarah-Palin-PAC-Wahlkampfkampagne