An diesem Tag

Astrid Lindgren

Schwedische Schriftstellerin

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Astrid Anna Emilia Lindgren (geborene Ericsson; * 14. November 1907 auf dem Hof Näs bei Vimmerby; † 28. Januar 2002 in Stockholm) war eine schwedische Schriftstellerin.

Sie gehört mit einer Gesamtauflage von etwa 170 Millionen Büchern (Stand: Oktober 2024) zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren der Welt. Ihre Werke sind in 106 verschiedenen Sprachen erschienen, damit gehört sie zu den meistübersetzten Autoren.

In Deutschland ist sie mit einer Gesamtauflage von weit über 20 Millionen Exemplaren erfolgreich wie kaum ein anderer Kinder- und Jugendbuchautor. Die Schriftstellerin ist die geistige Mutter von Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Madita, Mio, Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach, den Kindern aus Bullerbü, den Brüdern Löwenherz und vielen anderen Figuren.

Sie wurde als zweites Kind des Pfarrhofpächters Samuel August Ericsson (1875–1969) und seiner Ehefrau Hanna Ericsson geb. Jonsson (1879–1961) geboren und hatte einen älteren Bruder, Gunnar (1906–1974), und zwei jüngere Schwestern, Stina (1911–2002) und Ingegerd (1916–1997). Ihre Kindheit hat sie stets als besonders glücklich beschrieben.

1914 wurde Astrid in Vimmerby eingeschult. Nach Sitte der Zeit war für Kinder einfacher Leute die eigentliche Schulzeit nach bereits drei Jahren vorbei. Nur reiche Bürgerkinder besuchten eine weiterführende Schule, denn dafür musste man 23 Kronen im Halbjahr bezahlen. Die Eltern von Astrids Freundin konnten das Ehepaar Ericsson von einer weiterführenden Schulbildung ihrer Tochter überzeugen. In den folgenden sechs Jahren lernte die fleißige und begabte Schülerin vor allem Sprachen: Englisch, Französisch und Deutsch. 1923 schloss sie mit dem Realexamen die Schule ab und betätigte sich nach dem Wunsch ihrer Mutter als Haustochter.

Berufsleben in den 1920er und 1930er Jahren, Mutterschaft und Ehe

Nach der Schule begann sie bei der Lokalzeitung Vimmerby Tidning zu arbeiten.

Mit achtzehn Jahren wurde sie vom Eigentümer und Chefredakteur der Zeitung schwanger. Er war bedeutend älter und schon Vater von sieben Kindern. Als unverheiratete Frau schwanger zu sein, war ein Skandal. Astrid Ericsson verließ Näs und zog nach Stockholm. Dort ließ sie sich zur Sekretärin ausbilden und fand Unterstützung bei der Anwältin Eva Andén, die sich für die Rechte junger Frauen einsetzte. Am 4. Dezember 1926 brachte sie ihren Sohn Lars (genannt Lasse, gest. 1986) heimlich in Kopenhagen zur Welt. Durch die Vermittlung des Rigshospitalet, der einzigen skandinavischen Klinik, die Geburten nicht offiziell meldete, kam er dort für drei Jahre bei einer Pflegefamilie unter. Ihre verzweifelte Einfühlung in den kleinen, verlassenen Sohn sei für Astrid Ericsson eine genauso wichtige Schreib-Inspiration geworden wie die eigene glückliche Kindheit, meinte ihre Freundin und Biografin Margareta Strömstedt.

1927 trat Astrid Ericsson als Nachfolgerin der später als Schauspielerin und Sängerin sehr bekannten Zarah Leander in Stockholm in der schwedischen Buchhandelszentrale („Svenska Bokhandelscentralen“) ihre erste Stellung an. 1928 wurde sie Sekretärin im „Königlichen Automobil-Club“ („Kungliga Automobilklubben“), wo ihr späterer Ehemann Sture Lindgren als Bürovorsteher arbeitete. Er war Alkoholiker und starb 1952 mit 53 Jahren, wodurch Astrid Lindgren mit 44 zur Witwe wurde.

1930 wurde Lasses Pflegemutter krank, woraufhin Astrid Ericsson ihn zu sich nach Stockholm holte. Im darauffolgenden Frühling brachte sie ihn zu ihren Eltern nach Näs, und sie und Sture Lindgren beschlossen zu heiraten. Mit ihm und ihrem Sohn zog die junge Sekretärin in die Vulcanusgatan im Vasaviertel (Vasastaden) in Stockholm. Am 21. Mai 1934 wurde ihre Tochter Karin geboren, die später unter dem Namen Karin Nyman als Übersetzerin bekannt wurde.

Ab 1937 arbeitete Lindgren als Stenografin für den schwedischen Professor für Kriminalistik, Harry Söderman, sowie ab 1940 in der Abteilung für Briefzensur des schwedischen Nachrichtendiensts. Am 1. September 1939 – dem Tag, an dem der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen begann – fing sie an, „Kriegstagebücher“ zu schreiben. Die Tagebücher wurden nach dem Tod von Lindgren unter dem Titel Die Menschheit hat den Verstand verloren veröffentlicht. Ihre geheime Arbeit beim Nachrichtendienst bis Kriegsende hat ihr tiefe Einblicke in die Kriegsereignisse auf der ganzen Welt gewährt.

1933 veröffentlichte Astrid Lindgren zwei Weihnachtsgeschichten – anonym in Stockholms Tidningen die Geschichte „Jultomtens underbara bildradio“ und unter ihrem Namen in Landsbygdens Jul die Geschichte „Johans Abenteuer am Weihnachtsabend“ (Johans äventyr på julafton). In den folgenden Jahren veröffentlichte sie jährlich eine bis zwei Kurzgeschichten in Zeitschriften.

Ihr erstes Buch, mit dem Titel Fem automobilturer i Sverige, veröffentlichte Astrid Lindgren 1939, im Rahmen ihrer Tätigkeit beim Motormännens Riksförbund (deutsch Reichsverband der Kraftfahrer). Es war ein Reisebuch über fünf Autotouren durch Schweden. Diese Berichte wurden 1949 erneut in dem Buch 25 bilturer i Sverige veröffentlicht. Jedoch hatte Lindgren das Buch mit zwanzig zusätzlichen Touren erweitert. Dieses Buch wurde sowohl auf Deutsch (25 Autofahrten in Schweden, auch 25 Autotouren in Schweden) als auch auf Englisch (25 automobile tours in Sweden) übersetzt.

Erst Mitte der 1940er Jahre wandte sich Astrid Lindgren verstärkt der Schriftstellerei zu. Dies geschah eher zufällig. Ursprünglich hatte sie nie vor, Schriftstellerin zu werden.

Für ihre Tochter Karin erfand Astrid Lindgren die Geschichten über Pippi Langstrumpf. Dies geschah ab dem Winter 1941, als die Tochter krank im Bett lag und sich den Namen Pippi Langstrumpf ausgedacht hatte. Das Manuskript war ein Geburtstagsgeschenk für Karin.

Im März 1944 reichte Lindgren einen Durchschlag beim schwedischen Verlagshaus „Albert Bonniers Förlag“ ein. Diese Geschichte über die freche Seemannstochter Pippi Langstrumpf wurde abgelehnt. 1944 nahm sie außerdem an einem Wettbewerb des Verlags Rabén & Sjögren teil. Das Preisausschreiben für das beste Mädchenbuch war mit der Forderung verbunden, der Text solle die Liebe zu Familie und Heim sowie das Verantwortungsgefühl gegenüber dem anderen Geschlecht befördern. Astrid Lindgren schrieb Britt-Mari erleichtert ihr Herz, das den zweiten Platz in dem Wettbewerb gewann. Die 15-jährige Handlungsträgerin des Buches erleichtert ihr Herz in Form eines Briefromans. Sie ist von bemerkenswerter Selbstständigkeit und Unabhängigkeit – auch und gerade gegenüber dem anderen Geschlecht.

Vom ersten Erfolg beflügelt, reichte die Preisträgerin im darauffolgenden Jahr das überarbeitete Manuskript von Pippi Langstrumpf bei „Rabén & Sjögren“ ein und bekam diesmal den ersten Preis. Die allererste Pippi-Zeichnung stammte von der Autorin persönlich. Im gleichen Jahr stellte der Verleger Hans Rabén Lindgren halbtags als Lektorin ein. Sie baute die Kinderbuchabteilung auf und arbeitete im Verlag bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1970. Seitdem sah ihr Tagesablauf so aus, dass sie morgens früh, noch im Bett liegend, an ihren eigenen Büchern schrieb. Kurz vor 13 Uhr kam sie in den Verlag und führte persönlich und am Telefon Gespräche mit „Autoren, Lektoren, Gutachtern, Übersetzern, Illustratoren, Korrektoren, Setzern und Buchhändlern“. Abends las sie zu Hause eingereichte Manuskripte und ausländische Neuerscheinungen. Die erste schwedische Pippi-Langstrumpf-Ausgabe wurde von der dänischen Künstlerin Ingrid Vang Nyman illustriert. Im Herbst 1949 erschien Astrid Lindgrens Debütwerk auch in Deutschland, nachdem die Schriftstellerin den Hamburger Verleger Friedrich Oetinger kennengelernt hatte. Bis heute erscheinen die deutschen Ausgaben ihrer Werke im Friedrich Oetinger Verlag. Illustriert wurde die erste deutsche Pippi Langstrumpf von Walter Scharnweber. Das unkonventionelle Verhalten Pippi Langstrumpfs gefiel den jungen Lesern und Leserinnen: Wie keine andere Figur verkörpert dieses rothaarige Mädchen den Lindgrenschen Typus des aktiven, selbstbewussten, selbstbestimmten, kreativen und gewitzten Kindes. Allein schon Pippi Langstrumpfs Aufzug kann als Parodie auf die Stereotype des damaligen Mädchen- oder Backfischbuches interpretiert werden. Pippi Langstrumpf ist Lindgrens am meisten verbreitetes Buch, es wurde in 70 Sprachen übersetzt.

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