An diesem Tag

Astrid Kaiser

Deutsche Pädagogin und Hochschullehrerin

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Astrid Kaiser (* 7. August 1948 in Astfeld, Harz) ist eine deutsche Erziehungswissenschaftlerin, emeritierte Professorin der Didaktik des Sachunterrichts an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, ehemalige Direktorin des Instituts für Pädagogik und Ehrenmitglied der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (GDSU).

Astrid Kaiser wurde als einzige Tochter einer Flüchtlingsfamilie aus den ehemals deutschen Ostgebieten, der Provinz Posen, geboren. Die Eltern, Berthold Westphal und Elfriede Westphal, geb. Gollnik, betrieben eine Landarbeiternebenerwerbssiedlung.

1967 legte Astrid Kaiser das Abitur am Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar ab. Von 1967 bis 1970 belegte sie an der Pädagogischen Hochschule in Hannover ein Lehramtsstudium und studierte von 1970 bis 1975 an der Universität Marburg Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie. Sie promovierte dort 1982 bei Wolfgang Klafki mit einer Monographie zur „Sozialisation von Lehrerstudenten“. Ihr Lehramtsreferendariat absolvierte sie von 1975 bis 1977 an der Grundschule Lohra im Landkreis Marburg-Biedenkopf/Hessen. Sie arbeitete als Hauptschullehrerin an der Theodor-Heuss-Schule in Marburg (1971) und später als Hauptschullehrerin sowie Grundschullehrerin an der Fuldatalschule in Kassel.

Von 1982 bis 1987 lehrte sie in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Didaktik des Sachunterrichts mit Schwerpunkt Ökonomie an der Universität Bielefeld. 1988 war sie als Lehrbeauftragte an die Universität Kassel und Universität Essen bestellt. Von 1989 bis 1991 arbeitete sie als Lehrerin an der Diesterwegschule und Sudbrackschule in Bielefeld. Von 1990 bis 1991 war sie Lehrbeauftragte an der Universität Osnabrück. 1992 übernahm sie eine Vertretungsprofessur für Grundschulpädagogik (Lehrstuhl Ariane Garlichs) an der Universität Kassel. Im Januar 1993 wurde sie ans Kultusministerium Düsseldorf für die Auswertung des an 80 Schulen durchgeführten Schulversuchs in NRW, „Gemeinsamer Unterricht behinderter und nicht-behinderter Kinder“ abgeordnet, danach erfolgte am 1. September 1993 ihre Berufung als Professorin für Didaktik des Sachunterrichts an die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Auswärtige Rufe auf C-4-Professuren an die Universität Rostock und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster nahm sie nicht an.

Astrid Kaiser war mit Hans-Rainer Kaiser († 1979) verheiratet und hat zwei Söhne, Arvid Haitsch geb. Kaiser und Gerrit Kaiser, sowie vier Enkelkinder.

Astrid Kaiser ist Verfasserin von über 500 Zeitschriftenartikeln und Buchbeiträgen sowie Herausgeberin und Autorin von über 60 Büchern und zusätzlich Editorin mehrerer Buchreihen. Übersetzungen von einzelnen Büchern liegen in englischer, japanischer und koreanischer Sprache vor. Sie sammelte mehr als zehn Jahre Praxiserfahrungen vorwiegend als Grundschullehrerin und hat gleichzeitig langjährige universitäre Lehrerfahrung an diversen Universitäten (Philipps-Universität Marburg, Universität Bielefeld, Universität Osnabrück, Universität Kassel, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg).

Sie gründete 1994 die nach ökologischen Prinzipien arbeitende Lernwerkstatt RÖSA (Regionale ökologische Sachunterrichtslernwerkstatt) an der Universität Oldenburg. Dies war eine der ersten universitären grundschulpädagogischen Lernwerkstätten in Deutschland.

Als Wissenschaftlerin nahm sie in der Aufbruchsphase der Geschlechterforschung in den Erziehungswissenschaften ab 1980 teil und veröffentlichte viele Publikationen in dieser Domain. Sie wirkte als Pionierin der Frauenforschung und veröffentlichte 1986 das Buch Deutsche Pädagoginnen der Gegenwart, in dem sie die Bedeutung von Frauen für die Erziehungswissenschaft und ihre Praxis hervorhob. Sie wirkte von Anfang bis zum Ende der Frauen-und-Schule-Bewegung mit. Astrid Kaiser hielt auf fast jedem Bundeskongress ab 1984 einen Vortrag und organisierte den 19. Bundeskongress „Frauen und Schule“ in Oldenburg und leitete ihn als Vorsitzende des Vereins Frauen und Schule Niedersachsen. Dazu wurde mit dem Titel der Tagung „FrauenStärken – ändern Schule“ auch ein gleichnamiger Tagungsband von ihr herausgegeben. Sie war eine der ersten Erziehungswissenschaftlerinnen, die den Fokus auf die Jungenfrage legte.

Kaiser war Leiterin verschiedener Forschungsprojekte zur Grundschule, zum Sachunterricht, zu den Geschlechterdimensionen in der Schule, zum ökologischen Lernen und zum naturwissenschaftlichen wie auch sozialwissenschaftlichen Lernen im Elementarbereich. Sie kooperiert in Forschung und Entwicklung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Chile, Argentinien, England und Japan. Ihre größeren Forschungsaufenthalte waren in Indonesien/Sumatra bei den matrilinearen Minangkabau (1992), England an der University of Central England, UCE, (2003), Südostasien (2004), Mittelamerika (2007) und Chile (2001, 2005, 2006 sowie 2011). Sie ist Ansprechpartnerin für die Hochschulkooperation mit der Pontificia Universidad Católica de Valparaíso in Valparaíso/Chile und der Universidad de Arte y Sciencias Sociales (ARCIS) in Santiago de Chile. Weitere Kooperationen zum Schwerpunkt der Yámanaforschung (Yáganforschung) bestehen mit der Universidad Autónoma in Concepción del Uruguay (Juan José Rossi) und der Universidad Alberto Hurtado (Marisol Palma) in Santiago de Chile.

Von 1999 bis 2002 war sie Mitglied des Bildungsrats beim Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen. 2001 transformierte sie im Rahmen der Landesinitiative N-21 die Lernwerkstatt RÖSA, die nach ökologischen Prinzipien Lernmaterial herstellt, als virtuelle Lernumgebung unter dem Namen Lesa21. 2005 wurde zum 10. Jubiläum der Lernwerkstatt die Arbeitsstelle für Kinderforschung gegründet.

Seit 2008 leitet sie mehrere Projekte zum Übergang Elementarbereich und Grundschule – insbesondere mit dem Fokus Peer-Tutoring. Kaiser ist Gründungsmitglied des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung wie auch des interdisziplinären fachdidaktischen Promotionsprogramms „Fachdidaktische Lehr- und Lernforschung – Didaktische Rekonstruktion“ (Prodid I), sie war beteiligt an den Nachfolgeprogrammen Prodid II, ProfaS und LÜP. Sie hat als Teilprojektleiterin am interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Energiebildung für eine nachhaltige Energieversorgung und -nutzung“ von 2008 bis 2013 mitgewirkt. 2011 hat sie ein mehrmonatiges Feldforschungsprojekt im Süden von Feuerland bei den Yámana / Yagan auf der Isla Navarino durchgeführt.

Astrid Kaiser begleitete und betreute zahlreiche Habilitationen und Promotionen als wissenschaftliche Gutachterin, zuletzt 2024 Pia Winkler zur Thematik „Bildung durch Reisen“ u. a. von Detlef Pech, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, Christa Händle, forschte im Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, Charlotte Röhner, Professorin Bergische Universität Wuppertal, derzeit Senior-Research-Professorin an der Universität Frankfurt, Simone Seitz, Professorin an der Freien Universität in Bozen, Standort Brixen, vorher Professorin Universität Paderborn und Universität Bremen, Claudia Schomaker, Professorin an der Leibniz Universität Hannover, Andrea Becher, Professorin an der Universität Paderborn, Silke Pfeiffer, Professorin an der Fachhochschule des Mittelstandes, Standort Rostock, Tim Rohrmann, Professor in Hildesheim (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, HAWK), davor Professor an der Evangelischen Hochschule Dresden (EHS), Iris Baumgardt, Professorin an der Universität Potsdam, vorher Universität Vechta. Stine Albers ist Professorin für Didaktik des Sachunterrichts aus grundschulpädagogischer Perspektive an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, vorher an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Julia Menger lehrt als Akademische Rätin an der Europa-Universität Flensburg.

Kaiser wirkt als Gutachterin an diversen nationalen und internationalen Akkreditierungsverfahren mit.

Nach Eintritt in den Ruhestand arbeitet sie ehrenamtlich für den Senior Expert Service (SES) u. a. in den Bereichen Primar- und Vorschulbildung (in Jinja 2016 sowie in Lira 2025 und Südafrika 2017), Hochschulberatung (in Indonesien, Kasachstan und Usbekistan) und Bildungspolitikberatung (Jordanien).

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