Arthur von Seelstrang, auch Arturo Seelstrang (* 24. oder 23. Mai 1838 in Tzulkinnen (Kreis Gumbinnen) in Ostpreußen; † 28. November 1896 in Córdoba in Argentinien), war ein deutscher Vermessungsingenieur, Mathematiker und Hochschullehrer.
Herkunft und militärische Laufbahn
Arthur von Seelstrang entstammte dem ostpreußischen Adel.
Er diente vier Jahre lang als Offizier im 2. Garderegiment zu Fuß. Dieses in Berlin stationierte Regiment gehörte zur Garde-Infanterie.
Im Jahre 1863 gab er seine militärische Karriere auf und wanderte nach Argentinien aus. Die Gründe für diese Entscheidung sind nicht überliefert.
Argentinien befand sich zu dieser Zeit in einer Phase intensiver Modernisierung und Expansion. Nach Jahrzehnten innerer Konflikte zwischen Unitariern und Föderalisten hatte das Land unter Präsident Bartolomé Mitre begonnen, sich zu konsolidieren. Die argentinische Regierung verfolgte eine aktive Einwanderungspolitik, um das dünn besiedelte Land zu erschließen und europäisches Wissen ins Land zu holen. Besonders deutsche Einwanderer waren wegen ihrer technischen Fähigkeiten und ihrer Arbeitsmoral geschätzt.
1863 schloss er sein Studium an der Universität von Córdoba als Ingenieur ab, womit er einer der ersten war, die diesen Titel an der Universität erlangten.
Tätigkeit als Landvermesser und Eisenbahningenieur
Nach Beendigung seines Studiums widmete sich von Seelstrang topografischen Vermessungen für verschiedene Eisenbahngesellschaften; unter anderem leitete er die Arbeiten um den Bau des Streckenabschnitts nach Totoralejos im Nordwesten der Provinz Córdoba für die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrocarril Central Norte.
1865 erstellte er einen Stadtplan von Montevideo in Uruguay.
Diese Tätigkeit als Landvermesser war von großer Bedeutung für die territoriale Erschließung des Landes. Die argentinische Pampa musste vermessen, parzelliert und kartographiert werden, um sie wirtschaftlich nutzbar zu machen. Diese Arbeit erforderte nicht nur mathematische Kenntnisse und technisches Geschick, sondern auch körperliche Belastbarkeit und die Fähigkeit, unter primitiven Bedingungen in entlegenen Gebieten zu arbeiten.
Die Landvermessung stand im Zentrum der argentinischen Expansionspolitik jener Jahre. Die sogenannte Conquista del Desierto (Eroberung der Wüste), eine Bezeichnung für die gewaltsame Unterwerfung der indigenen Bevölkerung, schuf die Voraussetzungen für die Ausdehnung der Siedlungsgebiete europäischer Einwanderer und ihrer Nachkommen. Vermesser wie von Seelstrang leisteten die Pionierarbeit für diese Expansion; sie erfassten das Land kartographisch und schufen die Grundlagen für die spätere Landverteilung.
Präsident Nicolás Avellaneda beauftragte Seelstrang am 29. März 1875 gemeinsam mit Oberst Manuel Obligado (1838–1896) und dem politischen Leiter Don Aurelio Díaz mit der Erkundung des Chaco-Territoriums, genauer gesagt des Abschnitts zwischen der Mündung des Arroyo El Rey und der Mündung des Río Bermejo. Ziel der Kommission, der sich später auch der Landvermesser Enrique Foster (1842–1916) anschloss, war die Standortsuche für künftige Stadtgründungen. Das Team zeichnete letztlich für die städtebauliche Planung von Resistencia verantwortlich, der Hauptstadt der Provinz Chaco.
In dieser Zeit erwarb von Seelstrang praktische Kenntnisse der argentinischen Geographie. Die jahrelange Feldarbeit vermittelte ihm einen unmittelbaren Einblick in die topographischen, klimatischen und geologischen Verhältnisse des Landes.
Das Jahr 1875 markierte den Beginn einer gezielten kartografischen Expansion Argentiniens über den Río Negro hinaus nach Patagonien – initiiert durch einen strategischen Regierungsauftrag. Im Vorfeld der Weltausstellung 1876 in Philadelphia beauftragte die nationale Vorbereitungskommission das Ingenieursbüro von Arthur von Seelstrang und Alfred Tourmente mit der Erstellung einer Wandkarte. Dieser offizielle Auftrag verfolgte ein klares Ziel: Die nationale Delegation sollte auf internationaler Bühne mit einer weitreichenden territorialen Präsenz repräsentiert werden. Die Kartografen setzten diese staatliche Vorgabe präzise um, indem sie Patagonien mit einer durchgehenden Linie in das Staatsgebiet integrierten. Damit schufen sie im Auftrag der Regierung jene Silhouette, die den heutigen Umrissen Argentiniens bereits gleicht.
Als Arthur von Seelstrang 1875 in der Kolonie Las Palmas nahe dem Fluss Quiá auf historische Ruinen stieß, vermutete er dahinter die Überreste einer bis heute unidentifizierten spanischen Stadt.
Am 31. Mai 1876 legte er der Nationalregierung seinen Abschlussbericht vor. Darin bezeichnete er den traditionell als San Fernando bekannten Ort erstmals offiziell als Resistencia. Mit diesem ausdrücklichen Vorschlag Seelstrangs fand der Name Einzug in die staatlichen Dokumente und avancierte später zur endgültigen Bezeichnung der chacoanischen Hauptstadt.
Akademische Karriere in Córdoba und staatliche Aufträge