Karl Wilhelm Arthur Illies (* 9. Februar 1870 in Hamburg; † 27. Mai 1952 in Lüneburg) war ein in Norddeutschland tätiger Maler und Grafiker. Der bis zum Ende des 2. Weltkriegs erfolgreiche Künstler wird heute als „ideologischer Gefolgsmann der NS-Kulturpolitik“ bewertet.
Arthur Illies wurde als Sohn des Hamburger Kaufmanns Theodor Friedrich Wilhelm Illies und dessen Frau Albertine Illies, geborene Schwarze, in Hamburg geboren. Er besuchte das Johanneum, wo Friedrich Schaper einer seiner Mitschüler war. Mit 16 Jahren begann er eine Lehre als Dekorationsmaler bei der Firma Wirth & Bay, bei der auch Paul Kayser zu der Zeit Lehrling war. Abends belegte er Aktzeichenkurse bei Paul Düyffcke an der Gewerbeschule und an Sonntagen Kurse für Tierzeichnen im Zoo bei Heinrich Ehrich, der sein ehemaliger Kunstlehrer am Johanneum war. Ab 1889, nach der Gesellenprüfung, studierte er in München zunächst an der Königlichen Kunstgewerbeschule bei Ludwig Lesker, immatrikulierte sich aber dann am 20. Oktober 1890 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste, wo er bei Johann Caspar Herterich studierte. 1892 brach er sein Studium ab. In seiner Selbstbiografie schrieb er im Mai 1940:
Der Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark unterstützte ihn in dem Entschluss, München zu verlassen und sich in Hamburg zu etablieren. Im Herbst 1893 bezog er für ein paar Tage ein Zimmer in der Gastwirtschaft von Randel in Poppenbüttel, um im Freien zu malen. 1894 trat Illies dem Hamburger Künstlerverein bei und quartierte sich im Sommer zwecks gemeinsamer Freilichtmalstudien im Alstertal mit Ernst Eitner in Michaelsens Gasthaus Zur Alsterschleuse in Wellingsbüttel mit diesem ein. Auf Empfehlung Lichtwarks gesellten sich die Maler Paul Schroeter und Thomas Herbst zu ihnen. Nach einigen Wochen verlegten die Maler ihr Studiengebiet nach Fuhlsbüttel und bezogen Zimmer in der Gastwirtschaft Zum alten Posthause von Wilhelm Hinze am Rathsmühlendamm 21 (1938 abgerissen). Illies schuf 1894 in der Wellingsbütteler und Fuhlsbütteler Zeit 60 Gemälde. Der Kunstverein in Hamburg erwarb in dem Jahr für eine Ausstellungslotterie zwei Landschaftsölstudien Illies. Im selben Jahr zogen sein Vater und er von der Wandsbeker Chaussee 257 in den Peterskampweg 16, das Atelier dagegen hatte er in der Friedenstraße 27, ebenfalls in Hamburg-Eilbek.
1895 begann er eine Lehrtätigkeit an der Malschule für Damen von Valesca Röver, die bis 1908 andauerte. Im Sommer 1896 quartierten sich Paul Kayser, Alfred Mohrbutter und Arthur Illies in der Gaststätte Falkenberghof am Fuße des Falkenberges in der Neugrabener Heide ein, um in der Heide zu malen. Als nach einiger Zeit Kayser und Mohrbutter abreisten, malte Illies dort alleine weiter, bis es abends in dem unbeheizten Zimmer zu kalt wurde. In der Heide schuf er neun mehrfarbige Zinkätzungen, eine Lithografie und 51 Gemälde, von denen Lichtwark, nach Illies Rückkehr 1896, zwei für die Hamburger Kunsthalle erwarb. Im selben Jahr schuf Illies zudem für die Zeitschrift Pan, die Originalgraphiken veröffentlichte, neben einigen Randleisten auch die Radierung Ährenfeld. 1897 war er Mitbegründer des Hamburgischen Künstlerklubs, dessen Plakate und herausgegebenen Graphikmappendeckel er größtenteils entwarf. Ebenfalls 1897 verlobte er sich mit seiner Malschülerin Minna Schwerdtfeger (1877–1901), die dann für ein halbes Jahr nach Paris reiste und an der Académie Colarossi studierte. Anfang 1899 begann Illies, sein nach eigenen Entwürfen gestaltetes Haus in der Straße Huuskoppel in Lemsahl-Mellingstedt bauen zu lassen. Am 27. Juli war es bezugsfertig, er bekam die Schlüssel ausgehändigt.
Am 12. August 1900 heiratete Illies Minna Schwerdtfeger. Am 20. Juni 1901 brachte diese die gemeinsame Tochter Helga zur Welt, kurz darauf verstarb sie; sie wurde in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei Kapelle 3 beigesetzt. Für einige Monate zog der trauernde Illies mit der Tochter zu seiner Mutter und seinem Bruder Konrad nach Klein Borstel ins Landhaus-Illies in der Straße Grüner Winkel 9. In der Zeit malte er nicht. Nur zögernd kehrte er zur Malerei zurück und zog ins Atelier seines Hauses in Lemsahl-Mellingstedt.
1905 heiratete er seine Malschülerin Georgie Rabeler (1880–1960). Aus dieser Ehe stammten die Kinder Kurt, Herta, Harald, Anke und Jens Harald Illies, der 1907 wenige Monate nach der Geburt starb. Im Sommer 1907 folgte Illies mit Ernst Eitner der Einladung Georg Burmesters, zu einem mehrmonatigen Aufenthalt in Heikendorf an der Kieler Förde. Bewegtes Wasser zu malen, war für ihn neu. Er benötigte einige Zeit, um sich auf das Motiv der bewegten Meeresoberfläche einzulassen und die Mittel für den Ausdruck der Bewegung zu finden. Er mietete sich eine leere Strandhalle mit breiter Glaswand zum Wasser und schuf im Verlauf des Sommers etwa 30 Ölgemälde, die auch in Hamburg beeindruckten. Ebenfalls 1907 schuf Illies in Anlehnung an den Jugendstil großformatige Wandgemälde für die Villa (1970 abgerissen) des Unternehmers und Kunstsammlers Henry B. Simms in Hamburg-Harvestehude, der schon zu Beginn seiner Sammlertätigkeit 14 Alstertal-Bilder von Illies für seine Sammlung erwarb. Drei Supraporten der insgesamt 14 Wandgemälde befinden sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, während drei andere Wandbilder Eigentum der Georgie und Arthur Illies Familienstiftung Lüneburg sind.
Ab dem 1. Oktober 1908 war Illies Dozent an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Hamburg für den neu eingerichteten Kurs Akt- und Kopfzeichnen. Für den Alsterverein, zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte, als er von 1898 bis 1910 in Lemsahl-Mellingstedt wohnte, entwarf er das Logo und Plakate, sowie Wegemarken für den neugeschaffenen Alsterwanderweg. Illies entwarf auch Diplome sowie das Signet der Gesellschaft zur Förderung der Amateurphotographie in Hamburg, zu deren Gründungsmitgliedern Ernst Juhl gehörte. Wegen der schlechten Verkehrsverbindung nach Hamburg zog Illies mit seiner Familie im Frühling 1910 in die Horner Landstraße 31 in Hamburg-Horn. Um 1912 schloss er mit dem Kieler Arzt, Kunstsammler und Maler Paul Wassily Freundschaft, der zehn Werke von ihm besaß.
Illies frühe Malerei ist von Stilversuchen und unterschiedlichen Sujets geprägt. Es finden sich in seinem Frühwerk impressionistische und naturgetreuere Gemälde. Nach 1900 entstanden stilisierende, dekorative und um 1912 auch in fauvehaften Farben gesetzte pointillistische Bilder. Seine Themen waren vielfältig. Es entstanden Landschaften, Tierstudien und Straßenszenen Hamburgs, Bilder von der See, Nixen- und Märchenbilder sowie Aktstudien und eine große Zahl Porträts. Obwohl er in verschiedenen Gebieten der Malerei aktiv war, gelten insbesondere seine Landschaftsmalereien in den Formen des Jugendstils als herausragend. Auch auf dem Gebiet der Druckgraphik hat er sich mit originellen Darstellungen und innovativen Drucktechniken einen Namen gemacht. Er galt auf dem Gebiet eigenständiger Künstlergraphik in jener Zeit als Avantgardist. Noch Horst Janssen empfand Bewunderung für den bedeutenden Graphiker. Neben Gemälden und Graphiken schuf er auch Entwürfe für Möbel und Wanddekorationen.
1914 erhielt Illies ein Atelier in der Kunstgewerbeschule und beteiligte sich mit Radierungen an der Kölner Werkbundausstellung, die wegen des einsetzenden Ersten Weltkrieges frühzeitig abgebrochen werden musste. Sein vermietetes Haus in Lemsahl-Mellingstedt (1981 abgerissen) wurde während des Ersten Weltkrieges verkauft. Illies wurde vom Kriegsdienst freigestellt, fuhr aber 1916 im Auftrag von Otto Lauffer, dem Leiter des Museums für Hamburgische Geschichte, an die Front nach Jabłoń und Pinsk, um das 2. Hanseatische Regiment „Hamburg“ Nr. 76 im Felde drei Monate lang in Werken festzuhalten, die 1918 in der Aula der Kunstgewerbeschule in Hamburg ausgestellt wurden. Nach der Rückkehr von der Front wendete er sich auch der religiösen Malerei zu. Gleichzeitig entstanden Serien norddeutscher historischer Städte. 1917 zog er in den Uhlenhorster Weg 33 in Hamburg-Uhlenhorst. Ab 1919 leitete Illies die Fachklasse für Tafelmalerei und Graphik an der Kunstgewerbeschule und beteiligte sich an die dekorativen Gestaltung der Festsäle der Hamburger Künstlerfeste. 1920 war er Leiter der Jury der ersten Kieler Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft. Von 1920 bis April 1924 war er 1. Vorsitzender der Hamburgischen Künstlerschaft. Am 17. Juni 1924 wurde Illies Mitglied der Hamburger Johannisloge Zum Pelikan. 1926 wurde er vom Hamburger Senat zum Professor ernannt. Ab 1926 erschienen Druckgraphiken von ihm auch bei der Griffelkunst-Vereinigung Langenhorn (seit 2002 Griffelkunst-Vereinigung Hamburg). Seine Graphiken wurden dort achtmal ausgewählt (Wahl 9, 16, 27, 32, 37, 40, 58, 60). Ab 1969 erschienen dort auch einige einfarbige Nachdrucke. 1928 malte Illies die alte Erlöserkirche in Hamburg-Borgfelde aus, die 1943 zerstört wurde. 1930 schuf er ein Altargemälde für die Phillipuskirche in Hamburg-Eimsbüttel. Schon in den 1920er-Jahren tauchten in seinen Korrespondenzen antisemitische Äußerungen auf. So machte er in einem Brief an den Künstler Ernst Eitner die Regierung dafür verantwortlich, dass „die Juden überall das Heft in die Hand bekommen haben“, während das deutsche Volk „apathisch geworden“ sei.