Sir Arthur Ignatius Conan Doyle (* 22. Mai 1859 in Edinburgh, Schottland; † 7. Juli 1930 in Crowborough, Sussex, England) war ein britischer Arzt und Schriftsteller. Er verfasste die Abenteuer von Sherlock Holmes und dessen Freund Dr. Watson. Bekannt ist auch die Figur Challenger aus seinem Roman Die vergessene Welt, die als Vorlage für zahlreiche Filme und Fernsehserien diente.
Arthur Conan Doyle wurde am 22. Mai 1859 im schottischen Edinburgh geboren. Seine Mutter hieß Mary, geb. Foley, und war Irin. Der Vater Charles Altamont Doyle, ein englischer, irischstämmiger Beamter aus aristokratischem Hause, ließ ihn Medizin an der Universität von Edinburgh studieren. Beide Eltern waren römisch-katholisch. In Edinburgh lernte er auch den berühmten schottischen Chirurgen Joseph Bell kennen, dessen Assistent er im Jahre 1878 wurde. Er besuchte außerdem die renommierten Jesuitenschulen Stonyhurst College bei Clitheroe in der englischen Grafschaft Lancashire und von 1875 bis 1876 Stella Matutina in Feldkirch in Österreich.
1880 reiste Doyle als Schiffsarzt auf dem Walfänger Hope in die Arktis, ein Jahr später auf der Mayumba nach Westafrika. Von 1882 bis 1890 führte er eine Arztpraxis in Southsea bei Portsmouth. In seiner Freizeit verfasste er auch schon erste literarische Werke. 1883 verfasste er in Portsmouth seinen ersten Roman, The Narrative of John Smith (s. u.), der jedoch unvollendet und unveröffentlicht blieb und erst 2011 publiziert wurde. 1887 veröffentlichte er die erste Geschichte über den Detektiv Sherlock Holmes und seinen Freund Dr. Watson: A Study in Scarlet (dt. Eine Studie in Scharlachrot).
Die deduktive und kriminalanalytische Methode ist bezeichnend für die Figuren Doyles. Er, selbst Arzt, dachte sich die Rolle des Dr. Watson als Erzählerfigur zu. Sherlock Holmes stattete er mit Eigenschaften seines Lehrers an der University of Edinburgh, Joseph Bell, aus; dies bestätigte Doyle 1892 in einem Brief an Bell („It is most certainly to you that I owe Sherlock Holmes“).
Zum Namens- bzw. Vorbild von Dr. Watson werden in der Forschung verschiedene Erklärungen genannt: häufig ein Portsmouth‑Kollege Doyles, der Arzt James Watson, daneben auch der Edinburgher Chirurg Patrick Heron Watson; eine eindeutige Primärquellenbestätigung Doyles hierfür ist nicht überliefert.
1890 erschien sein Roman The Firm of Girdlestone (1890), in dem er ein Bild seiner Heimatstadt Edinburgh im Zeitalter des Imperialismus zeichnete. Vater und Sohn Girdlestone & Co. betreiben einen lukrativen Afrikahandel mit schlecht instandgehaltenen Segelschiffen.
Im gleichen Jahr ging Doyle nach London. Ab 1891 konnte er seinen Lebensunterhalt durch die Schriftstellerei bestreiten, nachdem im selben Jahr die erste Detektiverzählung A Scandal in Bohemia (dt. Ein Skandal in Böhmen) im The Strand Magazine erschienen war.
1893 entschied Conan Doyle, das Leben seines Protagonisten Holmes zu beenden, da das regelmäßige Verfassen neuer Holmes-Geschichten zu viel seiner Zeit in Anspruch nahm und er seine schriftstellerische Arbeit auf andere Werke konzentrieren wollte. Es kam zu Protesten seines Publikums. Die Mutter des Schriftstellers, eine begeisterte Leserin der Geschichten, versuchte vergeblich, ihn von dem Vorhaben abzubringen. In der Erzählung The Final Problem (dt. Das letzte Problem) stürzt Sherlock im Kampf mit seinem Widersacher Professor Moriarty die Reichenbachfälle bei Meiringen in der Schweiz hinab und wird von Watson für tot erklärt.
Im selben Jahr wurde Doyle Meister in der Freimaurerloge Phoenix No. 257 in Portsmouth.
Mit historischen Romanen wie Rodney Stone, Sir Nigel und The White Company hatte Doyle weniger Erfolg, er selbst hielt sie für seine besten Arbeiten. Aus dieser Zeit stammen auch mystische Novellen wie The Parasite (1894) und Mystery of the Cloomber (1895).
Im Jahr 1899 ging Doyle nach Südafrika, um im Zweiten Burenkrieg ärztlichen Dienst zu tun und als Berichterstatter für verschiedene Zeitungen zu arbeiten. Für seine Propagandatätigkeit in seinem 1900 veröffentlichten Buch The Great Boer War (dt. Der große Burenkrieg) wurde er 1902 als Knight Bachelor geadelt.
Um 1900 erkrankte Doyle an Typhus und machte eine Reise nach Norfolk. Dort lernte er Fletcher Robinson kennen, der aus Devonshire kam und im Dartmoor aufgewachsen war. Robinson erzählte Doyle alte Legenden über seine Heimat, darunter einige Gruselgeschichten um einen Geisterhund. Diese inspirierten Doyle, einen Roman zu schreiben, in dem ein Geisterhund eine Familie bedroht. Doyle reiste ins Dartmoor, um die reale Atmosphäre einzufangen. Dort wurde ihm klar, dass er einen Helden in der Form eines Detektivs brauchte, der die mysteriösen Vorgänge untersuchte. Er entschloss sich, auf seine Figur Sherlock Holmes zurückzugreifen, obwohl er die Reihe 1893 für beendet erklärt hatte. Der Roman sollte demzufolge vor Holmes’ Tod in der letzten Kurzgeschichte spielen.
Der große Erfolg des 1901/1902 im Strand Magazine, 1902 als Buch erschienenen Romans The Hound of the Baskervilles (dt. oft Der Hund von Baskerville, eigentl. Der Hund der Baskervilles) veranlasste Doyle, Sherlock Holmes’ Tod in der auf den Roman folgenden Kurzgeschichte The Empty House (dt. Das leere Haus) von 1905 literarisch zu revidieren.
1902 veröffentlichte er zwei Bücher über den Burenkrieg, an dem er als Kriegsberichterstatter teilnahm. Dabei zeigte er zunächst offen imperialistische Neigungen.
Ab 1906 setzte er sich in mehreren Zeitungsartikeln erfolgreich für die Rehabilitierung des indischstämmigen Advokaten George Edalji ein, der zu Unrecht wegen Verstümmelung mehrerer Pferde, Schafe und Kühe verurteilt worden war und drei Jahre im Gefängnis verbracht hatte. Für den Plausibilitätsnachweis der Unschuld Edaljis bediente Doyle sich seiner medizinischen Kenntnisse.
Doyle hatte die Bekanntschaft des britisch-irischen Diplomaten Roger Casement gemacht, dessen Bericht über die katastrophalen Zustände im Kongo-Freistaat des belgischen Königs Leopold II. 1904 publiziert worden war. Nachdem sich die Zustände trotz Übergabe der königlichen Privatkolonie an den belgischen Staat nicht verbessert hatten, verfasste Doyle eine viel beachtete Streitschrift über Das Congoverbrechen, in der er den König als Hauptverantwortlichen bezeichnete.
In der folgenden Zeit erschuf Conan Doyle seine zweite sehr populäre Figur, Professor Challenger. Die vergessene Welt, in der sie zum ersten Mal auftaucht, wurde 1912 publiziert und wird als sein bekanntester Roman neben der Sherlock-Holmes-Reihe angesehen. Doyles während des Ersten Weltkriegs veröffentlichte Texte setzen sich teilweise kritisch mit dem Deutschland der damaligen Zeit auseinander. Im Oktober 1918, wenige Monate vor dem offiziellen Kriegsende, starb sein Sohn Kingsley an der Spanischen Grippe. Doyle begann sich daraufhin verstärkt Zukunftsromanen in der Tradition von Jules Verne sowie dem Spiritismus und Mystizismus zu widmen und unternahm dazu auch Vortragsreisen (u. a. in die USA und nach Südafrika).
Unter anderem machte er die sogenannten Feen von Cottingley bekannt, gefälschte Fotos von Feen, an deren Echtheit er fest glaubte, filmisch umgesetzt 1997 in Der Elfengarten. Für Schlagzeilen sorgte seine öffentliche Kontroverse mit dem Zauberkünstler Harry Houdini. Die Freundschaft zwischen Doyle und Houdini zerbrach an zu unterschiedlichen Vorstellungen über den Spiritismus – Doyle akzeptierte diverse Medien als echt und glaubte, Houdini selbst habe übernatürliche Fähigkeiten, während Houdini nach eigener Aussage zeitlebens keine Séance erlebte, deren Effekte er nicht mit Zaubertricks hätte nachmachen können.