Armin Mohler (* 12. April 1920 in Basel; † 4. Juli 2003 in München; Pseudonyme: Nepomuk Vogel, Anton Madler, Michael Hintermwald, Scribifax) war ein Schweizer Publizist, Schriftsteller und Journalist. Mohler prägte den Begriff der „Konservativen Revolution“ für eine historisch uneinheitliche Denkrichtung in der Weimarer Republik und gilt als einer der Vordenker und Netzwerker der Neuen Rechten.
Mohler besuchte das Gymnasium in Basel und war Mitglied bei den Schweizer Pfadfindern. 1938 begann er ein Studium an der Universität Basel in den Fächern Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie. Ende der 30er Jahre war Mohler nach eigener Darstellung linksradikal und antimilitaristisch eingestellt („Ich selber war ein Salon-Kommunist“). Er sah im Rückblick sein linkes Engagement als „Widerstand gegen die kleinbürgerliche Umwelt“ seiner Heimatstadt. Die „spießige Selbstgerechtigkeit meiner schweizerischen Landsleute“ habe ihn abgestoßen und seinen „Hunger nach Monumentalität“ geschürt. Später wandte er sich nach rechts. Günter Maschke, ein ehemaliger APO-Aktivist, der zur Neuen Rechten übergewechselt war, bestritt allerdings Mohlers vorgeblich linke Vergangenheit. Mohlers Repertoire habe keinerlei Spuren marxistischer Begriffe enthalten. Nach Volker Weiß ist seine spätere Selbstdarstellung als Linker so zu verstehen, dass er auch diese Haltung als ein konsequent antiliberales Eintreten verstanden wissen wollte. Liberalismus war die zu bekämpfende hauptsächliche, weil egalisierende Tendenz.
Desertation nach Deutschland und Rückkehr
Mit 20 Jahren wurde Mohler in die Schweizer Armee einberufen, desertierte jedoch im Februar 1942 und ging illegal über die deutsche Grenze, um sich der Waffen-SS anzuschließen. Nach eigenen Darstellungen fühlte er sich dabei beeinflusst durch die Lektüre von Oswald Spengler und dessen Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes und ganz besonders durch den Essay Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt von Ernst Jünger aus dem Jahre 1932.
In Deutschland angekommen durchlief er eine völkische und subversive Ausbildung im von der SS betriebenen „Panoramaheim“ für Schweizer Nationalsozialisten in Stuttgart sowie in der Reichsführerschule I des VDA auf Schloss Kalkhorst, die vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) betrieben wurde.
Als „unzuverlässig“ eingestuft, wurde er kein Kriegsfreiwilliger, sondern studierte einige Monate lang in Berlin Kunstgeschichte. Noch im selben Jahr ging er zurück in die Schweiz. Hier wurde er aufgrund von „illegalem Grenzübertritt, versuchter Wehrkraftschwächung und Dienstversäumnis“ zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt, die nach Art. 30 a. F. Militärstrafgesetz in einer Festung vollzogen wurde.
1942 setzte Mohler sein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in Basel fort. In dieser Zeit war auch der jüdische Philosoph Jacob Taubes mit Mohler befreundet. Taubes charakterisierte sich und Mohler: „Er war der Rechtsradikale, ich der Linksradikale“. Mohler wurde 1949 bei Herman Schmalenbach und Karl Jaspers mit der Dissertation Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932 promoviert. Sie erschien 1950 als Buchausgabe und gilt als Standardwerk. Seit Mohlers Tod wird das Werk von Karlheinz Weißmann bearbeitet.
Vorwiegend publizistisches Engagement ab 1945 und Habilitation
Ernst Jünger, der ab den 1920er Jahren zu einem weithin beachteten Wortführer und Theoretiker der Rechten geworden war, wurde auf Mohler aufmerksam, denn dieser hatte 1946 einen recht positiven Artikel über ihn in der Weltwoche geschrieben. 1949 wurde so Mohler Privatsekretär von Jünger und blieb dies bis 1953. Als Jünger seine frühen Schriften für Neuausgaben überarbeitete und ihnen einige nationalrevolutionäre Spitzen nahm, kam es zum Zerwürfnis. Von Mohler hieß es dazu später: „(Ich) hatte öffentlich gegen Jüngers Selbstverstümmelung, vorgenommen an seinem Frühwerk, protestiert. Das war dem Meister zuviel Erziehung von seiten seines Sekretärs.“
Von 1953 bis 1961 ging Mohler für die schweizerische Tageszeitung Die Tat nach Paris, wo er von 1955 bis 1960 auch Korrespondent der Wochenzeitung Die Zeit war. Von 1960 bis 1964 schrieb er für Christ und Welt, eine von Giselher Wirsing herausgegebene Wochenschrift.
Ein entscheidender Schritt der Etablierung gelang Mohler 1961, als ihn die Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München als ihren Sekretär einstellte. Dies gelang mit Hilfe des Mediziners und ehemaligen Obersturmbannführers Franz Riedweg, den er 1942 kennengelernt hatte. 1964 wurde er Geschäftsführer der Stiftung, was er neben seinen anderen Tätigkeiten bis zu seinem Ruhestand 1985 blieb. Er habilitierte sich 1967 an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät für Wissenschaft und Politik der Universität Innsbruck mit dem schon 1963 veröffentlichten Buch Die Fünfte Republik. Was steht hinter de Gaulle?, welches das gaullistische Frankreich ab 1958 behandelt.
Ab 1964 arbeitete er für die Tageszeitung Die Welt. Im Auftrag von Axel Springer beteiligte sich Mohler 1968 an der Vorbereitung eines konservativen Magazins, das Projekt scheiterte allerdings an Dissonanzen unter den Mitwirkenden. Von der ersten Nummer an schrieb er für die konservative Zeitschrift Criticón, deren Profil er ab 1970 wesentlich mitbestimmte. Er publizierte auch in der rechtskonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit und besorgte ab 1994 die Kolumne „Notizen aus dem Interregnum“ (unter Bezug auf die Ansicht innerhalb der Konservativen Revolution, dass die Republik keine den Deutschen angemessene Staatsform und ihre Existenz nur als schnellstmöglich zu überwindende „Zwischenzeit“ zu betrachten sei.) Unter dem Pseudonym Michael Hintermwald erschienen zwei Artikel von Mohler in der rechtsextremen Deutschen National-Zeitung Gerhard Freys. Neben politischen Themen verfasste Mohler eine große Zahl an Artikeln über Kunst und Literatur, schrieb Buchrezensionen und Portraits, vor allem für Criticón. Kindlers Malerei Lexikon druckte Mohlers Beiträge über Lieblingsmaler, unter anderem über den marxistischen mexikanischen Wandmaler Diego Rivera.
Zunehmend politisches Engagement ab den 1970er Jahren
Armin Mohler unterstützte in den 1970er Jahren Franz Josef Strauß und die CSU. Er war zeitweilig Berater und Redenschreiber von Strauß. Er verfasste, teilweise unter dem Pseudonym Nepomuk Vogel, zahlreiche Artikel für den Bayernkurier. Er war Mentor des führenden CSU-Funktionärs und engen Mitarbeiters von Franz Josef Strauß, Marcel Hepp (1936–1970), für Mohler „einer meiner beiden engsten Freunde“ neben dem französischen Lettristen Michel Mourre (1928–1977).
1983 gründete Mohler zusammen mit Franz Schönhuber, Hellmut Diwald, Hans-Joachim Arndt und anderen Rechtsintellektuellen, die sich von der Entwicklung des deutschen Konservatismus marginalisiert fühlten, in Bad Homburg einen „Deutschlandrat“. Der Versuch, Deutschlands nationale Identität im nationalistischen Sinne neu zu definieren, indem die Zeit des Nationalsozialismus in den Hintergrund gerückt werden sollte, scheiterte. Später engagierte Mohler sich für Schönhubers Versuch, mit der 1983 gegründeten Partei Die Republikaner eine Partei rechts von CDU/CSU zu etablieren. Mohler war Text- und Stichwortgeber für das erste Positionspapier der Republikaner, welches am 16. Juni 1985 als „Siegburger Manifest“ verabschiedet wurde.
Im November 1995 fragte ihn Die Wochenzeitung: „Bewundern Sie heute Hitler immer noch wie in Ihren Jugendzeiten?“, worauf er antwortete: „Was heißt bewundern? Er hat immerhin eine richtige Führung geschaffen. Die Kader, die er heranzog, hatten Stil.“ Mohler galt als einer der wenigen profilierten rechten Denker in der Bundesrepublik Deutschland. In einem Zeitungsinterview antwortete er auf die Frage, ob er Faschist sei, mit „Ja, im Sinne von José Antonio Primo de Rivera“. Auf die Frage, was ihm der Faschismus bedeute, sagte Mohler: „Faschismus ist für mich, wenn enttäuschte Liberale und enttäuschte Sozialisten sich zu etwas Neuem zusammenfinden. Daraus entsteht, was man konservative Revolution nennt.“