An diesem Tag

Ariadne auf Naxos

Oper von Richard Strauss

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Ariadne auf Naxos (op. 60) ist eine Oper von Richard Strauss. Das Libretto stammt von Hugo von Hofmannsthal. Die erste Fassung (TrV 228) war als Abschluss einer Aufführung von Molières Der Bürger als Edelmann vorgesehen, und so wurde sie am 25. Oktober 1912 im Stuttgarter Hoftheater uraufgeführt. Anschließend ersetzten Hofmannsthal und Strauss Molières Komödie durch ein neues „Vorspiel“. Die Uraufführung dieser zweiten Fassung (TrV 228a) fand am 4. Oktober 1916 in der Wiener Hofoper statt.

Die Rahmenhandlung der ersten Fassung (ohne Vorspiel) spielt im Haus eines reichen Mannes (Monsieur Jourdain aus Molières Der Bürger als Edelmann) in Paris. In der zweiten Fassung handelt es sich bei dem Besitzer um einen unbenannten Wiener Neureichen. Die Bühne der zweiten Fassung beschrieb Hugo von Hofmannsthal detailliert in seinen Angaben für die Gestaltung des Dekorativen in Ariadne.

Vorspiel – Im Palast eines Neureichen

Im Haus eines Neureichen soll die Opera seria Ariadne, unmittelbar danach ein derbes Tanzstück aufgeführt werden. Dem Musiklehrer des Opernkomponisten kommt dies zu Ohren, und er beschwert sich darüber beim Haushofmeister. Dieser entgegnet ihm, dass es allein die Sache des Hausherrn sei, was und in welcher Reihenfolge er es aufgeführt sehen wolle, denn schließlich bezahle er „das Spektakel“. Die Mitwirkenden der Stücke und der Komponist treffen allmählich ein, so auch Zerbinetta mit ihren vier Partnern (Harlekin, Brighella, Scaramuccio und Truffaldin), die zum lustigen Nachspiel der Oper tanzen sollen. Der Komponist ist von Zerbinetta, diesem „entzückenden Mädchen“, fasziniert. Dann nimmt der Musiklehrer seinen Zögling beiseite und erzählt ihm, was ihm zu Ohren gekommen sei. Der Komponist ist entrüstet. Niemals soll ein lustiges Tanzspiel nach seinem Kunstwerk aufgeführt werden. Da erscheint der Haushofmeister mit dem neuesten Befehl seines Herrn. Die Opera seria und die Opera buffa sollen gleichzeitig gegeben werden, das ganze Stück dürfe zudem nur eine Stunde dauern, denn danach (um neun Uhr) müsse unbedingt pünktlich das Feuerwerk für die Gäste beginnen.

Der Musiklehrer ist entsetzt, der Tanzmeister zuversichtlich. Er macht den Vorschlag, dass man zunächst von der Opera seria einiges kürzen und die Tanzszenen behutsam dort einbauen solle. Der Komponist ist zunächst entrüstet. Zerbinetta versteht es jedoch, ihn zu überzeugen, und erklärt das Stück aus ihrer Sicht:

Der Komponist ist hin- und hergerissen, überschwänglich feiert er die Macht der Musik: „Musik ist eine heilige Kunst.“ Als die Aufführung beginnen soll und Zerbinetta und ihre Begleiter auf die Bühne stürmen, schlägt seine Stimmung wieder um: „Wer hieß dich mich zerren in diese Welt hinein? Lass mich erfrieren, verhungern, versteinen in der meinigen!“

Oper – Wilde Landschaft auf Naxos

Die drei Nymphen Najade, Dryade und Echo bedauern Ariadne, die von ihrem geliebten Theseus auf der Insel Naxos verlassen wurde. Untröstlich klagt sie über die Hoffnungslosigkeit ihres Lebens. Sie wartet nur noch auf den Todesboten: Es gibt ein Reich, wo alles rein ist. Zerbinetta und ihre Gefährten versuchen, Ariadne mit Tanz und Gesang aufzuheitern. Dies jedoch misslingt. Danach versucht Zerbinetta in einem Gespräch unter vier Augen, von Frau zu Frau, Ariadne neuen Lebensmut zu geben (mit einer der spektakulärsten Koloraturarien): Großmächtige Prinzessin. Sie teilt Ariadne ihre Lebensphilosophie – insbesondere ihre Sichtweise über Liebe und Treue – mit: „Kam der neue Gott gegangen, hingegeben war ich stumm“, kann Ariadne jedoch weder aufheitern noch überzeugen. Stumm zieht sich Ariadne in ihre Höhle zurück. Danach erscheinen wieder Zerbinettas Gefährten. Gekonnt kokettiert sie mit ihnen und verschwindet dann mit ihrem erwählten Harlekin.

Die drei Nymphen bemerken die Ankunft eines Fremden. Es ist der Gott Bacchus, welcher der Macht Circes entkommen konnte und von seinem Sieg über Circe berichtet. Ariadne erwacht aus ihrer leblosen Starre und glaubt beim Anblick Bacchus’, der Todesbote Hermes sei endlich angekommen. Bacchus wiederum, von der Schönheit Ariadnes fasziniert, glaubt, sie sei eine Zauberin von der Kategorie Circes. Beide überwinden ihre natürliche Scheu und erfahren durch das Wunder der Liebe eine sagenhafte Wandlung. Ariadne erwacht zu neuem Leben und der Gott Bacchus, der ebenfalls der Liebe abgeschworen hatte, kehrt zu einer neuen Liebe zurück:

Zuvor hatte Zerbinetta, auf Bacchus und Ariadne weisend, mit spöttischem Triumph ihr Rondo wiederholt: „Kommt der neue Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm!“

Grundlage des Werks ist zunächst der Gegensatz zwischen hoher und niederer Kunst mit ihren Repräsentanten der heroischen Oper und der Komödie. Zugleich spielen die Autoren mit der Verbindung mehrerer Zeitebenen – der Zeit Molières, der Gegenwart des frühen 20. Jahrhunderts und zusätzlich mit der Antike, die durch den Ariadne-Mythos einfließt. Die Autoren griffen dazu in Text, Musik und Szene auf das Mittel des Zitats zurück, das sie auf vielfältige Weise nutzten. Ein auffällig anachronistisches Beispiel hierfür ist die Gestalt des Komponisten, der dem jungen „Amadé“ (Wolfgang Amadeus Mozart) nachgebildet ist, aber bereits Ideen und Worte späterer Zeiten (z. B. aus Büchners Woyzeck) verwendet („Jeder Mensch ist ein Abgrund“). Hofmannsthal erläuterte seine Absichten in mehreren Briefen an Strauss. Wichtig war ihm vor allem das „Allomatische“ (die innere Verwandlung). Am 28. Mai 1911 beschrieb er das „Eigentliche“ als das „seelische Gewebe“ und am 23. Juli als „das leuchtend-schimmernde Medium, worin die geistige Erscheinung erst wirklich Erscheinung wird“.

Im Verlauf der Umarbeitung des ursprünglich geplanten kurzen Divertissements zur vollwertigen Oper verlor der zweite Protagonist Bacchus immer mehr an Bedeutung. Die Hauptfiguren wurden nun die gegensätzlichen Sopranrollen der Ariadne und der Zerbinetta. Beide sind vielschichtiger gestaltet, als der erste Anschein glauben lässt. Die oberflächlich und frivol scheinende Zerbinetta zeigt viel Verständnis für den Verlust Ariadnes, und auch die zunächst wie eine „stilisierte Figur“ wirkende Ariadne erweist sich als menschlich. Der ursprünglich intendierte Kontrast von Göttlichem (Ariadne) und Menschlichem (Zerbinetta) wurde um weitere Dualitäten erweitert. Walter Werbecks Richard-Strauss-Handbuch nennt in diesem Zusammenhang die Gegensätze von „Treue – Promiskuität“, „ewig – augenblicklich“, „Transzendenz – Illusion“ und „Negation – Akzeptanz“.

Der Musikstil des in der zweiten Fassung ergänzten „Vorspiels“ unterscheidet sich deutlich von dem der eigentlichen „Oper“. Im Vorspiel herrscht ein leichter Parlando-Stil vor. Die Orchestereinleitung des Vorspiels nimmt bereits „wie bei einem Potpourri“ musikalische Motive vorweg, die erst im weiteren Verlauf ihre Bedeutung erhalten. Das Vorspiel ist als durchkomponierte Großform mit rhythmisierten Rezitativen gestaltet. In der Oper bildete Strauss die geschlossenen Formen der älteren Operntypen von Opera seria und Opera buffa nach, die er allerdings nahtlos miteinander verknüpfte.

Strauss zitiert in der Ariadne verschiedene ältere Werke. Harlekins „Lieben, Hassen“ basiert auf Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331. Das „Töne, töne, süße Stimme“ der Nymphen zitiert Franz Schuberts Wiegenlied D 498. Die Koloraturarie der Zerbinetta enthält zwar keine direkten Zitate, orientiert sich aber stilistisch an Komponisten wie Vincenzo Bellini oder Gaetano Donizetti.

Die Orchesterbesetzung der Zweitfassung enthält die folgenden Instrumente:

Holzbläser: zwei Flöten (auch Piccolo), zwei Oboen, zwei Klarinetten (2. auch Bassklarinette), zwei Fagotte

Blechbläser: zwei Hörner, Trompete, Posaune

Pauken, Schlagzeug (drei Spieler): kleine Trommel, Becken, große Trommel, Triangel, Tamburin, Glockenspiel

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Ariadne auf Naxos | World in Stories