Die Arbeiterpartei Kurdistans (Kurmandschi: Partiya Karkerên Kurdistanê; PKK) ist eine kurdische Untergrundorganisation mit sozialistischer Ausrichtung, die sich militanter sowie terroristischer Methoden bediente. Ihren Ursprung hatte sie in den kurdischen Siedlungsgebieten innerhalb der Türkei. Sie kämpfte in der Türkei und teilweise auch in den angrenzenden Ländern für die politische Autonomie kurdisch besiedelter Gebiete. Ziel der PKK ist je nach Lesart die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates oder ein „demokratisches autonomes Kurdistan.“ Die PKK und ihre Nachfolger wurden unter anderem von der Türkei, den Vereinigten Staaten sowie der Europäischen Union als terroristische Vereinigungen eingestuft und sind seit 1993 in Deutschland verboten. Die EU führt die Organisation dazu fortlaufend in ihrer Liste der Personen, Vereinigungen und Körperschaften, gegen die spezifische Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus angewendet werden (zuletzt bestätigt durch den Beschluss (GASP) 2019/1341 des Rates vom 8. August 2019).
Ende Februar 2025 rief der inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan aus dem Gefängnis heraus dazu auf, die PKK aufzulösen und die Waffen niederzulegen. Im Mai 2025 wurde die Auflösung bekannt gegeben, aber bislang noch nicht vollzogen.
Ziel der PKK ist je nach Lesart die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates oder ein „demokratisches autonomes Kurdistan“ innerhalb der bestehenden Staatsgrenzen mit eigenen „nichtstaatlichen Administrationen“. Die PKK unterhielt hierzu Schwesterorganisationen in verschiedenen Ländern:
in Syrien die Partei der Demokratischen Union (PYD),
im Irak die Partei für eine politische Lösung in Kurdistan (PCDK),
im Iran und Nordirak (Autonome Region Kurdistan) die Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK).
Die Dachorganisation nennt sich seit 2007 Koma Civakên Kurdistan („Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans“). Sie hat sich eine Verfassung gegeben, verleiht eine „Staatsbürgerschaft“ und unterhält ein eigenes Parlament, Gerichte und eine Armee. Der „Volkskongress Kurdistan“ unter dem Vorsitz von Zübeyir Aydar übt in dieser Struktur die Funktion des Parlamentes aus. Führer der KCK ist nominell Abdullah Öcalan. Tatsächlich geführt wird sie von einem Exekutivrat unter der Doppelspitze aus Cemil Bayık und Hülya Oran (Deckname: Bese Hozat). Stützpunkte und Lager der Organisation befinden sich im Kandil-Gebirge, einer Gebirgsregion im Nordosten des Irak.
Die Organisationsbezeichnungen
Die Arbeiterpartei Kurdistans hat sich im Laufe ihrer Geschichte mehrfach umbenannt. Im April 2002 erfolgte die erste Umbenennung in „Freiheits- und Demokratiekongress Kurdistans“ (Kongreya Azadî û Demokrasiya Kurdistanê, KADEK). Anderthalb Jahre später erfolgte eine Umbenennung zum Volkskongress Kurdistan (Kongra Gelê Kurdistan, kurz: Kongra Gel). Im Jahr 2005 wurde der Name Koma Komalên Kurdistan adoptiert und im Juni 2007 erfolgte schließlich die Umbenennung zu Koma Civakên Kurdistan.
Die Frauen und Jugend nahmen innerhalb der PKK eine besondere Stellung ein. Sie wurden als „Avantgarde des Befreiungskampfes“ betrachtet. Die Koma Jinen Bilind („Gemeinschaft der erhabenen Frauen“) bildete die Dachorganisation der Frauen. Innerhalb dieses Dachverbands war die „Partei der freien Frau in Kurdistan“ (PAJK) zuständig für Ideologie und die „Union der Freien Frauen“ (YJA) zeichnete verantwortlich für gesellschaftliche Fragen. Die weiblichen Kampfverbände nannten sich YJA STAR. Der Jugendverband der PKK hieß Komalên Ciwan.
Innerhalb der kurdischen Bewegung bilden Frauen eine bedeutende Mobilisierungsbasis. In den kurdischen Dörfern führten die Frauen bis dahin ein von der Außenwelt relativ abgesondertes Leben nach den Regeln der traditionellen Rollenzuschreibung und Aufgabenverteilung. Im Selbstverständnis der PKK-Bewegung sollen Frauen hingegen dem Mann gleichberechtigt sein. So wurden auf allen politischen Ebenen gemischtgeschlechtliche Doppelspitzen eingeführt. Frauen beteiligten sich an Demonstrationen, Mahnwachen, Protestaktionen vor den Gefängnissen und an Petitionen. Sie arbeiteten in Gefangenenunterstützungsvereinen, bauten Solidaritäts- und Stadtteilkomitees auf und vor allem junge Frauen schlossen sich zu Tausenden in einer Frauenarmee der PKK-Guerilla an. Seit den frühen 1990er Jahren wurden Frauen die Akteure von Widerstandsaktionen, erlangten eine zentrale Rolle im zeitgenössischen Widerstandsmythos der PKK und begannen als „Vorbilder“ des Widerstands zu fungieren. Die Mobilisierung der Frauen führte nicht nur selbst zu einem bedeutenden allgemeinen Anstieg der PKK-Anhängerschaft und Kampfkraft. Die Anwesenheit einer bedeutenden Anzahl von Frauen in der Guerilla verringerte auch den Anklang und die Kraft traditioneller Werte wie der Dominanz der Männer in der Gesellschaft.
Während in der äußeren Wahrnehmung der kurdischen Frage oft der Eindruck vermittelt wird, der politisch-militärische Kampf gegen das türkische Militär und die türkische Regierung stehe allein im Vordergrund der kurdischen Bewegung, wird von kurdisch-aktivistischer Seite auch eine politisch-gesellschaftliche Ebene der kurdischen Bewegung betont. Demnach soll auch die Frage der „Befreiung der Frauen als Frauen“ einen besonders hohen Stellenwert besitzen, werde aber durch den Kampf gegen den türkischen Staat und staatliche Repression überdeckt. Eine untergeordnete Position der Frauen werde in Berichten über die Stellung der Frau in islamisch geprägten Ländern oft ausschließlich aus der herrschenden Ideologie des Islam abgeleitet, der historische, soziale und kulturelle Hintergrund dabei jedoch ausgeblendet. Von Seiten der kurdischen Bewegung werde dagegen von einer „dreifachen Unterdrückung“ der Frauen gesprochen. Diese drei nach Ansicht der Aktivisten bestehenden Ebenen der Frauenunterdrückung seien demnach als zusammengehörig und nicht voneinander getrennt zu betrachten. Sie bestünden erstens in einer Unterdrückung durch den türkischen Staat aufgrund der kurdischen Volkszugehörigkeit, zweitens in einer aus dem Feudalismus und Kapitalismus resultierenden Ausbeutung durch die Großgrundbesitzer und die herrschende Wirtschaftsweise sowie drittens in einer tradierten Unterdrückung des weiblichen Geschlechts in der kurdischen Gesellschaft.
Aliza Marcus zufolge bestand 1993 ein Drittel der bewaffneten Kräfte der PKK aus Frauen. Der Anstieg in der Rekrutierung von Frauen fiel zeitlich damit zusammen, dass Abdullah Öcalan verbal stärker Position für Frauenrechte bezog. In der politischen Schulung der Frauenguerilla türkischer und syrischer Kurdinnen wird Berichten zufolge beispielsweise gelehrt, dass durch den 6000 Jahre zurückliegenden Beginn der Sumerer-Herrschaft in Mesopotamien das Matriarchat durch das Patriarchat abgelöst worden sei. Klassische Texte der europäischen Frauenbewegung wie Inhalte der Werke Clara Zetkins oder Simone de Beauvoirs spielten demnach in der PKK-Schulung keine Rolle.
Der militärische Arm der PKK hieß zunächst Hêzên Rizgariya Kurdistan (Freiheitskräfte Kurdistans, HRK). Auf dem 3. Kongress 1986 erfolgte die Umbenennung zu Artêşa Rizgariya Gelê Kurdistan (Volksbefreiungsarmee Kurdistans, ARGK). Die ARGK wurde im Jahre 2000 in die Hêzên Parastina Gel (Volksverteidigungskräfte, HPG) überführt. Ihr militärischer Arm verübte Terroranschläge auf militärische und zivile Ziele.
Am 21. März 1985 wurde die Gründung der Eniya Rizgariya Netewa Kurdistan (Nationale Befreiungsfront Kurdistans, ERNK) als politische Organisation bekannt gegeben. Juni 2004 erfolgte die Umbenennung in Civata Demokratîk a Kurdistan (Vollbezeichnung: „Koordination der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa“).
Die PKK organisiert sich mittels einer Vielzahl von Teilorganisationen.
Die „Konföderation der Kurdischen Vereine in Europa“ (KON-KURD, Konfederasyona Komelên Kurd Li Avrupa) ist die legale Organisationsstruktur der PKK in Europa. Ihre Mitglieder sind die verschiedenen Föderationen der kurdischen Vereine in den jeweiligen Ländern. In Deutschland heißt die Mitgliedsföderation YEK-KOM (Yekitîya Komalên Kurd li Elmanya). Dieser Föderation gehören wiederum die einzelnen Vereine an.