An diesem Tag

Antonia del Balzo

Italienische Adelige (1461-1538)

Anúncio

Antonia del Balzo (* 1461; † 16. Januar 1538 in Gazzuolo) war eine italienische Adelige aus einer der bedeutendsten Adelsfamilien von Neapel, die durch ihre Ehe mit Gianfrancesco Gonzaga zur Gräfin von Sabbioneta und zur Stammmutter der Linie der Gonzaga zu Sabbioneta und Bozzolo wurde.

Antonia stammte aus der ursprünglich südfranzösischen Familie der Herren von Les Baux in der Provence (heute Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, Département Bouches-du-Rhone, Arrondissement Arles) die schon im 10. Jahrhundert mit urkundlich auftritt, sich von Wilhelm König von Arles und Fürst von Orange (* um 1059, † um 1110) ableitet und in zahlreiche Linien aufgespalten war. Nach der Eroberung Süditaliens durch Karl von Anjou im 13. Jahrhundert wandte sich ein Zweig nach Italien, nannte sich del Balzo, erwarb dort die Grafschaft Avellino (in der Region Kampanien, 40 km östlich von Neapel) und 1343 die Stadt und Herrschaft Andria (in der Provinz Barletta-Andria-Trani), die 1351 zum Herzogtum erhoben wurde. Dieser Zweig der Familie zählt daher seit dem 14. Jahrhundert zu den sieben großen Häusern des Königreiches Neapel und blüht bis heute in der Linie der Herzöge von Presenzano.

Antonia war eine Enkelin von Francesco II. del Balzo († 1482), dem dritten Herzog von Andria, Grafen von Bisceglia, der Großkonnetable des Königreiches Neapel und Präsident des königlichen Rates war, und von Sancia di Chiaramonte, Gräfin von Copertino, deren Schwester Isabella als Gemahlin von Ferdinand I., König von Neapel (1458–1494), bis 1465 Königin von Neapel war.

Antonias Vater Pirro del Balzo († 1491) war der 1. Fürst von Altamura (seit 1467), 4. Herzog von Andria, Herzog von Venosa, 5. Graf von Montescaglioso, 3. Graf von Bisceglie, 2. Graf von Copertino, Graf von Acerra etc., Großkonnetable des Königreiches Neapel und zugleich einer der Anführer der Verschwörung der Barone, die sich 1485/86 gegen die Reformen von Ferdinand I. König von Neapel (1458–1494) erhoben. Er wurde am 4. Juli 1487 verhaftet und im Castel Nuovo in Neapel eingekerkert, wo er verstarb.

Antonias Mutter Maria Donata Orsini del Balzo, Herzogin von Venosa und Gräfin von Montescaglioso, stammte aus einem jüngeren Zweig der römischen Dynastie der Orsini, der im Königreich Neapel mehr Land kontrollierte als selbst der König und behaupten konnte, von Tarent bis Neapel reisen zu können, ohne jemals das eigene Land zu verlassen. Deren Eltern waren Gabriele Orsini del Balzo Herzog von Venosa und Giovanna Prinzessin Caracciolo.

Die Hochzeit fand in dem im Auftrag von Kaiser Friedrich II. († 1250) errichteten Castel del Monte nahe bei Andria statt.

Die enge Verbindung zur herrschenden Dynastie wurde durch die Ehe ihrer Schwester Isabella del Balzo (* 24. Juni 1465 in Minervino, † 22. Mai 1533 in Ferrara) 3. Fürstin von Altamura, 5. Herzogin von Andria etc., mit Friedrich I. von Aragon König von Neapel bekräftigt, durch die Isabella von 1496 bis 1501 Königin von Neapel war.

Antonia wuchs im Königreich Neapel auf den Schlössern ihres Vaters als Mitglied einer der mächtigsten Adelsfamilien des Landes auf.

Mit achtzehn Jahren wurde sie 1479 mit dem Kondottiere Gianfrancesco Gonzaga (* 1446, † 1496) dem dritten Sohn von Ludovico III. Gonzaga († 1478), Markgraf von Mantua und der Barbara Markgräfin von Brandenburg verheiratet. Dieser hatte 1478 nach dem Tod seines Vaters, auf den sein ältester Bruder Federico I. Gonzaga als Markgraf von Mantua gefolgt war, gemeinsam mit seinem zweiten Bruder, dem Kardinal Francesco Gonzaga einen Teil der väterlichen Besitzungen geerbt, über die am 12. Februar 1479 zwischen den Brüdern ein Teilungsvertrag abgeschlossen wurde. Im selben Jahr wurde Gianfrancesco zum Grafen von Sabbioneta erhoben.

Nach dem 1483 erfolgten Ableben seines Bruders Kardinal Francesco wurde Gianfrancesco alleiniger Herr von Gazzuolo, Rivarolo, Bozzolo, San Martino dell‘Argine, Isola Dovarese, Dosolo, und der Grafschaft Rodigo. Antonia lebte daher abwechselnd im Schloss der Gonzaga in Bozzolo und in Mantua, in der Residenz der Hauptlinie der Gonzaga, der Markgrafen von Mantua.

Trotz ihrem nunmehrigen ständigen Aufenthalt in der Lombardei blieb Antonia von den Entwicklungen im Königreich Neapel nicht verschont.

Ferdinand I. von Aragon aus dem Haus Trastámara, genannt Ferrante, regierte von 1458 bis 1494 als König von Neapel und versuchte durch gezielte Reformen die dominierende Macht der Barone, die weitgehend selbständig agierten und fast neun Zehntel der Gemeinden seines Reiches kontrollierten, zugunsten einer Ausweitung der königlichen Macht zu beschränken, zugleich das Wirtschaftsleben zu entwickeln und die aufsteigende Klasse der neapolitanischen Unternehmer und Händler zu fördern.

Dieser Modernisierung widersetzten sich die führenden Familien des Landes, wie die Orsini del Balzo, die del Balzo, die Sanseverino, Caracciolo, Guevara und die Acquaviva, die jeweils mehr Land besaßen als der König. Sie schlossen sich – mit diskreter Unterstützung des Papstes – zum Widerstand gegen den König zusammen, wodurch es 1485 in Melfi zur sogenannten Verschwörung der Barone kam.

Antonia war davon persönlich betroffen, da ihr Vater Pirro del Balzo einer der führenden Mitglieder der Verschwörung war und auch ihr Schwager, Pietro di Guevara, Graf von Ariano und Markgraf von Vasto, Großseneschall des Königreiches, in die Verschwörung involviert war, die darauf abzielte, mit Hilfe des Papstes die Nachfolge des reformorientierten Thronfolgers Alfons II. (* 1448, † 1495) Herzog von Kalabrien (König von Neapel Januar 1494 – Januar 1495) zu verhindern und stattdessen einen Prätendenten aus Frankreich einzusetzen.

Nachdem König Ferdinand die Verschwörung aufgedeckt hatte, ging er streng gegen die Beteiligten vor, ließ sie der Reihe nach verhaften, aburteilen, hinrichten oder ins Gefängnis werfen. Um sich auch der noch verbleibenden rebellischen Barone bemächtigen zu können, griff er zu einer List: Er lud sie zur Versöhnung am 4. Juli 1487 zu einer Hochzeitsfeier in das Castel Nuovo in Neapel ein, wo er sie nach freundlichem Empfang festnehmen und in der Folge hinrichten oder einkerkern ließ. Antonias Vater Pirro del Balzo war einer der Geladenen, er wurde verhaftet und eingekerkert und musste den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, bis er dort am 24. Dezember 1491 verstarb.

Für Antonia war der Verlust ihres Vaters ein schwerer Schlag. Zugleich bedeutete er aber auch das Erlöschen ihres Zweiges der Familie del Balzo, da ihr einziger Bruder Federico del Balzo Graf von Acerra bereits 1487 vor seinem Vater verstorben war.

Auch aus der Entfernung war Antonia direkt von den Entwicklungen in Neapel betroffen, denn für sie ging es darum, wer nach dem Ableben ihres Vaters dessen bedeutenden Besitz an Territorien und Fürstentümern erben sollte, da ihn nur drei Töchter überlebt hatten.

Die Entscheidung traf König Ferdinand, der die älteste überlebende Schwester Antonias, Isotta-Ginevra del Balzo, die zweite Fürstin von Altamura († 1530) ebenso überging, wie Antonia, da er die jüngste Schwester Isabella († 1533) als Erbin des riesigen Vermögens bestimmte. Dies mit der Absicht, sie mit einem seiner Söhne zu verheiraten, um auf diese Weise den Besitz der Krone wesentlich zu erweitern.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Antonia del Balzo | World in Stories