An diesem Tag

Antonia Laucher

Deutsche Opernsängerin

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Antonia Juliana Laucher (auch Antonie Laucher oder Laucher die ältere; * 20. Juni 1786 in Dillingen an der Donau; † 22. August 1871 in Penzing) war eine deutsche Sopranistin. Die Tochter eines Kirchenmusikers in Dillingen war zunächst in München und danach in Wien als Hofopernsängerin engagiert.

Ausbildung und Karriere als Opernsängerin und kurzzeitig als Schauspielerin

Antonia Laucher war das erste von sechs Kindern des Chorregenten, Komponisten und Musikpädagogen Joseph Anton Laucher und seiner zweiten Ehefrau Maria Kunigunda Laucher, geb. Metzger. Den ersten Gesangsunterricht erhielt sie von ihrem Vater in Dillingen, ihre weitere musikalische Ausbildung bei Johann Baptist Lasser (1751–1805) in München. Dessen Vollständige Anleitung zur Singkunst, sowohl für den Sopran, als auch für den Alt dokumentiert, dass diese Ausbildung außer dem eigentlichen Gesangsunterricht auch praktische und musiktheoretische Unterweisungen umfasste.

Am 6. August 1802 machte sie in der Münchner Hofoper in Franz Xaver Süssmayrs Oper Der Spiegel von Arkadien „[…] mit der Rolle der Philania ihre ersten theatralischen Versuche und mit vielem Glücke.“ Am 4. April 1803 wurde sie mit Dekret des bayerischen Kurfürsten Maximilian Joseph zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Cäcilia Laucher ins Ensemble der Münchner Hofoper aufgenommen. Eine Notiz auf den Theaterzetteln der Wiener Hoftheater vom 20. und 21. Dezember 1803 besagt, dass Antonia Laucher von München nach Wien wechselte: „Mlle. Laucher, vom Churfürstlichen Hoftheater in München, ein neu engagiertes Mitglied, wird […] zum erstenmal aufzutreten die Ehre haben.“ Cäcilia Laucher, die mit ihrer älteren Schwester den Lebens- und Berufsweg weitgehend teilte, wurde am 7. Januar 1804 in der Wiener Hofoper angestellt. Fortan bevorzugten die Schwestern die Namensformen „Antonie“ und „Cäcilie“ und wurden in der Presse und auf Theaterzetteln häufig „Laucher die ältere“ und „Laucher die jüngere“ genannt.

In seinen Erinnerungen berichtete Johann Gänsbacher über ein Wohltätigkeitskonzert am 15. November 1804 im Wiener Redoutensaal, bei dem Antonia Laucher mitwirkte, und nahm für sich in Anspruch, Antonia Laucher zwei Jahre lang im Gesang unterrichtet zu haben.

Antonia Lauchers Karriere als Hofopernsängerin und Hofschauspielerin kann anhand von veröffentlichten Theaterzetteln der Wiener Hoftheater und Zeitungsberichten, vor allem in der Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung), zwischen 1805 und 1822 verfolgt werden, wobei die Theaterzettel die jeweils vorgesehene Aufführung und Besetzung anführen, die Zeitungen dagegen über tatsächlich stattgefundene Aufführungen berichten.

Joseph Carl Rosenbaum (1770–1829) – Ehemann der Hofopernsängerin Therese Rosenbaum, geborene Gaßmann – verkehrte in der Theaterwelt Wiens und hatte regen Umgang mit den Laucherschwestern. In seinem Tagebuch erwähnte er Antonia Laucher zwischen dem 21. September 1803 und dem 14. November 1822 über 130-mal und hielt dabei etwa zu gleichen Teilen private und dienstliche Belange fest. So notierte er, dass Antonia Laucher am 23. April 1807 „wegen Rheumatismus“ und am 8. Juni 1808 „wegen ihrer Schwangerschaft“ nicht habe spielen können. Am 15. Juni sei sie abgereist und nach der Entbindung erstmals wieder am 12. November 1808 aufgetreten. Über die Identität von Vater und Kind ist nichts bekannt. Weiter unten angeführte Dokumente von 1825 und 1831 und deren Auswertung in der Nestroy-Literatur legen nahe, dass Antonia Laucher zwischen dieser Geburt und etwa 1816/1817 zwei weitere Kinder zur Welt gebracht hat. In dieser Zeit blieb sie allerdings ledig. Mit einer Heirat hätte sie ihre eigenständige Rechtsstellung verloren und hätte befürchten müssen, nicht mehr auf Theaterbühnen auftreten zu können. Es wären ihr dann nur Konzertauftritte geblieben.

Auch Antonia Lauchers Schwester Cäcilia bekam ein uneheliches Kind. Antonia Laucher war Patin, als das Mädchen – Johann Nestroys spätere Lebensgefährtin Marie Weiler – am 13. November 1809 in Wien in St. Rochus auf die Namen Maria Antonia Cäcilia getauft wurde.

Von Anfang Januar 1815 bis zum 28. September 1815 war „Demoiselle Laucher“ nicht engagiert. Während ihr Abgang im Januar in Bäuerles Theaterzeitung nur kommentarlos gemeldet wurde, wurde ihr erneutes Debüt im September als Agnes Sorel eingehend gewürdigt: „Ihre meisterliche Darstellung dieses Charakters ist bekannt. Schon laͤngst hat ihr fein nuͤanciertes Spiel den Preis erhalten. Ihre Stimme scheint […] an Ton und Staͤrke zugenommen zu haben, sie wurde enthusiatisch hervorgerufen.“

Am 30. November 1821 ging Antonia Lauchers Karriere als Hofopernsängerin zu Ende. Die beim Publikum beliebte Sängerin geriet in die Kündigungs- und Pensionierungswelle, die einige altgediente Mitglieder des bisherigen Ensembles erfasste, als Domenico Barbaja das Theater nächst dem Kärnthnerthore pachtete. Zu Antonia Lauchers Pensionierung hatten auch stimmliche Probleme beigetragen. „[D]urch eine nicht beachtete kleine Verkühlung [hatte sie] ihre schöne Stimme (besonders in der Höhe) frühzeitig eingebüßt.“ Dass ihre Stimme gelitten habe, wurde auch in Kritiken aus den Jahren 1809 und 1813 bedauert. In der Allgemeinen musikalischen Zeitung vom 25. Januar 1809 heißt es dazu: „Bey Dem. Laucher d. ält. (Iphigenie) ist zu bedauern, dass sie ihre sonst so angenehme Stimme immer mehr zu verlieren scheint.“ In der Wiener Theaterzeitung vom 16. September 1813 steht: „Schade, daß Demoiselle L a u c h e r an ihrer Höhe schon so viel verloren hat, denn fis, g, a klingen in der zweistimmigen 8tave sehr gezwungen. Als Opernsängerinn besitzt sie ein schönes Spiel, was aber zum Schauspiel nicht paßen dürfte.“

Am 12. Oktober 1822 debütierte Antonia Laucher als Hofschauspielerin. Joseph Carl Rosenbaum vermerkte dazu: „Die Laucher war zu eintönig, sprach zu hoch; wurde zwar vorgerufen, machte aber kein Glück. Sprach von Teilnahme auf ihrer vorigen Bahn, versprach allen Fleiß, etc.“ In dieser Zeit wohnte sie im Eckhaus Neuer Markt/Klostergasse 1055, neben der Kapuzinerkirche. Zwar bekam sie ein Dekret als Hofschauspielerin, doch erreichte es der Direktor des Theaters nächst der k. k. Burg, die endgültige Anstellung aus fiskalischen und künstlerischen Gründen zu verhindern. Antonia Laucher wich daher zunächst nach Graz aus, wo sie einige Gastspiele gab. Im Mai 1823 erneuerte sie ihr Gesuch um Anstellung als Hofschauspielerin, „[d]a Unterzeichnete mit dem bisher bewilligten Quiescienten-Gehalt unmöglich leben kann“. Für den Fall des Scheiterns bat sie darum, ihre Pension in Bayern ausgezahlt zu bekommen, weil sie der Überzeugung war, dass sie dort noch einige Engagements erhalten könne, „welche ihr als Beyhülfe zur Pension dann gewiß den nothwenidgen Unterhalt verschaffen würden“. Letzteres wurde ihr bewilligt. Sie blieb aber dennoch weiterhin ohne Anstellung in Wien.

Leben nach der Bühnenkarriere, familiäre Verhältnisse

Für eine nach ihrer Bühnenkarriere geplante „Heirat mit H. Grafen Colloredo“, die aber nicht zustande kam, wurde ihr im Sommer 1824 vom Dillinger Pfarramt ein Taufzeugnis ausgestellt. 1825 wurden Antonia Laucher und ihre als „Handelmannswittwe Weiler“ bezeichnete Schwester Cäcilia Laucher zusammen mit drei Kindern auf einem Konskriptionsbogen des um 1819 neu errichteten Miets- und Geschäftshauses Stadt 322 als Bewohner aufgeführt. Bei den Kindern handelt es sich um Cäcilia Lauchers (Weilers) Tochter Maria (Marie) Weiler und um Antonia Lauchers Sohn Alexander, der hier mit dem Nachnamen „Woina“ als 1817 geboren aufgelistet und 1825 im [Regiments-Knaben-]„Erziehungshaus zu Korneuburg“ ausgebildet wurde. Vorher war er wie Ludwig van Beethovens Neffe Karl in Joseph Blöchlingers Erziehungs-Institut untergebracht, wo er sich – laut einer Notiz in einem Konversationsheft Ludwig van Beethovens – „Woyna“ nannte, „weil seine Mutter ihn mit dem Grafen Woyna erzeugt hat“. Dort wurde auch vermerkt, der Graf sei mit ihr vermählt, „doch nicht öffentlich“, wofür es bisher keinerlei Nachweise gibt. Bei dem genannten Graf Woyna kann es sich um den 1807 bei Rosenbaum erwähnten, sangesfreudigen Felix Graf Woyna (1788–1857) oder dessen Bruder Moriz Graf Woyna (1784–1839) gehandelt haben. „Woyna – Geliebter von der Laucher“ schrieb Rosenbaum 1812 in sein Tagebuch, ohne einen der beiden genau zu benennen. Das dritte Kind auf dem Konskriptionsbogen, Maria Laucher, wird „Nichte der obigen“ genannt, was heißen kann, dass diese Maria als Nichte Cäcilia Lauchers (Weilers) ein weiteres Kind Antonia Lauchers war.

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