Anton Alexander von Werner (* 9. Mai 1843 in Frankfurt (Oder); † 4. Januar 1915 in Berlin) war ein deutscher Maler. Er hinterließ in fotografischer Manier gemalte und bis heute reproduzierte Historienbilder von Ereignissen seiner Zeit. Der viel beschäftigte Künstler und Kunstpolitiker gilt in der deutschen Kunstgeschichte auch wegen seiner Ablehnung der modernen Kunst als Hauptrepräsentant des Wilhelminismus.
Herkunft, Lehr- und Wanderjahre
Anton von Werner wuchs als Sohn des Tischlermeisters Friedrich Alexander von Werner und dessen Ehefrau Maria Magdalena Kayser in Frankfurt/Oder auf. Der Vater entstammte einer seit dem 16. Jahrhundert in Ostpreußen ansässigen und 1701 nobilitierten Beamten- und Offiziersfamilie. Anton von Werners vielseitige musische Anlagen wurden früh gefördert. In den Jahren 1857 bis 1860 absolvierte er eine Lehre als Stubenmaler, in der er Techniken der Wand- und Dekorationsmalerei, der Gestaltung von Schriftbildern, Ornamenten und Illustrationen erlernte.
So vorgebildet, nahm er 1860 ein Studium an der Berliner Akademie der Künste auf. Aber schon 1862 wechselte Werner an die Kunstakademie nach Karlsruhe, einem Zentrum der modernen Kunstentwicklung, die von der biedermeierlichen Spätromantik zum Realismus führte. Seine Lehrer waren Johann Wilhelm Schirmer, Ludwig des Coudres, Adolph Schroedter und Carl Friedrich Lessing. Deren Häuser waren Stätten der Geselligkeit ortsansässiger und reisender Künstler wie Eduard Devrient, Hans Gude, Johannes Brahms, Clara Schumann und Paul Heyse. Werner befreundete sich hier mit dem Dichter Joseph Victor Scheffel, der ihn mit dem Großherzog Friedrich von Baden und dessen Frau Luise, der Schwester des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, bekannt machte. Erste Erfolge hatte Werner als Illustrator der viel gedruckten Werke Scheffels.
Im Jahre 1865 besuchte er Paris, wo ihn die moderne französische Malerei faszinierte. Von März 1867 bis Juli 1868 hielt sich Werner erneut in Paris auf, zunächst als Beauftragter der Süddeutschen Staaten für die Weltausstellung 1867, dann als freischaffender Maler. Werner studierte intensiv das Schaffen von Jean-Auguste-Dominique Ingres und Eugène Delacroix, besonders aber von Ernest Meissonier und Léon Cogniet, dessen nähere Bekanntschaft er machte. Neben kleineren Werken entstand 1868 das großformatige Historienbild Die Entführung Heinrich IV. durch Erzbischof Anno von Köln in Kaiserswerth 1062. Auf der Weltausstellung hatte Werner die Gemälde Konradin von Staufen und Friedrich von Baden und Luther vor Cajetan gezeigt, für die er den Preis der Michael-Beer-Stiftung der Berliner Akademie der Künste für Historienmalerei erhalten hatte. Der Preis ermöglichte Werner eine Studienreise nach Italien von November 1868 bis Ende November 1869. In Rom fand er Anschluss an die deutsche Künstlerkolonie, zu der der prominente Anselm Feuerbach gehörte, der Werners Figurenmalerei der folgenden Jahre deutlich beeinflusste. Dort entstanden auch Studien für sein Historienbild Luther auf dem Reichstag zu Worms.
Wendepunkt in Frankreich 1870/71
Von Mitte Oktober bis Ende November 1870 erlebte Werner auf Vermittlung seines großherzoglichen Gönners die Endphase des Deutsch-Französischen Krieges im Hauptquartier der III. Armee, die Kronprinz Friedrich Wilhelm befehligte. Dieser ließ ihn im Januar 1871 durch den Hofmarschall August zu Eulenburg per Telegramm auffordern, von Karlsruhe ins deutsche Hauptquartier nach Versailles zu reisen. Wie Werner erst vor Ort erfuhr, sollte er die Gelegenheit bekommen, die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches für die Nachwelt festzuhalten. Die preußischen Offiziere im Hauptquartier sahen Anton von Werner als Standesgenossen an und unterstützten seine Arbeit. Werner wurde den Bundesfürsten und den Vertretern der Hansestädte, die er porträtierte, bekannt. Zum Kronprinzen entstand ein nahezu freundschaftliches Verhältnis, das später auch die Familien einbezog. Friedrich Wilhelm stellte persönliche Beziehungen Werners zum Reichskanzler Otto von Bismarck und zum Generalstabschef Helmuth Karl Bernhard von Moltke her und ebenso zum Kaiser Wilhelm, der Werner fortan als Berater in Kunstfragen bevorzugte. Mit dem Aufenthalt in Versailles begann Werners Aufstieg zu einem der vielbeschäftigsten und einflussreichsten Künstler im Kaiserreich. Im vollen Bewusstsein kommender Erfolge ging er 1871 in die neue Reichshauptstadt Berlin. Am 22. August des gleichen Jahres heiratete er Malvine Schroedter (1847–1901), die Tochter seines Lehrers Adolph Schroedter und der Malerin Alwine Schroedter. Der Ehe entstammten sechs Kinder: Hildegard (1873–1925), Adeline Lilli (1874–1947), Malwine genannt "Molly" (1877–1883), Fritz (1878–1906) sowie die Zwillinge Paul (1881–1902) und Hans Anton (1881–1922).
Noch im Jahre 1871 schuf Werner eines der fünf Velarien, die beim Einzug der siegreichen Truppen in Berlin die Straße Unter den Linden überspannten. Daraufhin erhielt er den Auftrag zum Wandbild in der Säulenhalle des Siegesdenkmals, wo er das Motiv des Velariums abgewandelt unter dem Titel Kampf und Sieg als Karton verwendete. Diese Arbeit begann 1872. Werner schuf hiermit etwas Neuartiges durch „die Nutzung der Malerei für das Stadtbild, indem er die ephemeren Dekorationen für die Siegesfeier von 1871 in die dauerhafte Technik des Glasmosaiks übertrug“. Den Deutsch-Französischen Krieg thematisierten ebenfalls Auftragswerke wie Moltke und der Generalstab vor Paris 1873, für den Schleswig-Holsteinischen Kunstverein, und der Folge der „Saarbrücker Rathauszyklus“, der u. a. den Einzug König Wilhelms von Preußen in die von französischer Besatzung befreite Stadt und den General Bruno von François beim Sturm auf die Spicherer Höhen kurz vor seinem Tod zeigt. Er war Hauptbestandteil eines national-ambitionierten Gesamtkunstwerks in Gestalt eines Neubaus für den Sitzungssaal durch die Berliner Architekten Kayser & von Großheim.
Seine 1871 bezogene Wohnung und, mit erweitertem Bildprogramm, sein 1874 errichtetes Haus, die Villa VI an der Potsdamer Straße, hatte Werner in neuartiger Weise mit Wandmalereien ausgestaltet. Die Folge waren im Jahre 1872 Aufträge zur Gestaltung großformatiger Wandbilder für das Haus des Bankiers Jacob Landau in der Wilhelmstraße und das Palais Pringsheim, ebenfalls in der Wilhelmstraße. Werner entwarf hier mit dem aufstrebenden Architektenduo Ebe und Benda die erste polychrome Fassade Berlins und ergänzte sie durch einen Fries von acht Glasmosaiken mit Darstellungen der Lebensalter, die er von Antonio Salviati in Venedig herstellen ließ. Baedekerreife hatten Werners großformatige Wandbilder im Café Bauer 1877 zum Thema Römisches Leben und 1882 zu Ein römischer Tag. In der Aufholjagd Berlins gegenüber anderen europäischen Metropolen bedeuteten Werners Neuerungen eine Steigerung des Niveaus der Berliner Baukunst.
Werner gehörte in der neuen Hauptstadt zur Gesellschaft, die nach der Reichsgründung zu Macht und Geld gekommen war. In seinem persönlichen Umgang kannte Werner keine Klassen- oder Religionsunterschiede, ausschlaggebend war für ihn der Erfolg – egal ob als Künstler, Industrieller, Politiker, Bankier oder Zeitungsmann. Den im Umkreis des Hofpredigers Adolf Stoecker gepflegten Antisemitismus nannte er „widerlich und schmutzig“. Sein Haus war ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Politisch stand Werner dem nationalliberalen Lager nahe, das in der Errichtung des Kaiserreiches einen Erfolg sah, dessen Bewahrung und Ausbau nationale Aufgabe war. Das galt nach Werners Auffassung auch für die Künstler. Sie waren als verantwortliche gesellschaftliche Kraft zur Zusammenarbeit mit dem Staat verpflichtet, im Dienste einer Ästhetik, die einen Realismus bevorzugte, der erheben oder unterhalten, erzählerische oder didaktische Elemente nicht scheuen, aber niemals schockieren sollte.
Neben privaten Aufträgen wie 1874 das Wandgemälde La Festa für das Treppenhaus der Villa Behrens Hamburg und Martin Luther auf einem Familienfest, wobei die „Familie“ die des Auftraggebers war, wie auch 1879 das Familienportrait Pringsheim in Kostümen der Renaissance, beschäftigten Werner zunehmend Darstellungen zeremonieller Ereignisse des preußischen Hof- und Staatslebens. Das bekannteste Bild war 1877 nach sechsjähriger Arbeit Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) für den Weißen Saal des Berliner Schlosses, ein Geschenk der deutschen Fürsten und Hansestädte an den Kaiser aus Anlass seines 80. Geburtstages. Es folgten Wandbilder für die Ruhmeshalle des Zeughauses in Berlin: 1882 eine verkleinerte Wiederholung der Kaiserproklamation und 1887 Die Krönung Friedrich I. zum König in Preußen in der Schlosskapelle in Königsberg (18. Januar 1701). Nachdem Emil Hünten 1881 in Berlin das Panoramabild Sturm auf St. Privat gemalt hatte, bekam Werner zwei Anfragen, ein konkurrierendes Rundbild zu realisieren. Das Ergebnis war 1883 sein Sedan-Panorama.