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Anton Ulrich (Braunschweig-Wolfenbüttel)

Herzog von Braunschweig-Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, Schriftsteller und Mäzen

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Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 4. Oktober 1633 in Hitzacker; † 27. März 1714 in Salzdahlum bei Wolfenbüttel) war ein deutscher Politiker und Schriftsteller. Er führte wie alle männlichen Welfen den Titel Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und war ab 1685 als Mitregent seines älteren Bruders sowie nach dessen Tod ab 1704 als Alleinregent Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Er gilt als Prototyp des aufgeklärt-absolutistischen Herrschers des Barockzeitalters: machtbewusst, an äußerer Repräsentanz und Fortschritt der Bildung gleichermaßen interessiert und als Lyriker und Romanautor selbst künstlerisch tätig.

Anton Ulrich war der zweite (überlebende) Sohn von Herzog August dem Jüngeren und Prinzessin Dorothea von Anhalt-Zerbst. Ersten Unterricht bekam er, wie auch die übrigen der jüngeren Fürstenkinder, von seinem Hofmeister Friedrich von Cramm sowie Justus Georg Schottelius und Sigmund von Birken. Die Stiefmutter Sophie Elisabeth von Mecklenburg förderte die künstlerische Ausbildung der Herzogskinder sehr; im Hoftheater Wolfenbüttels traten vor ausgewähltem höfischem Publikum vor allem die fürstlichen Angehörigen auf. Schon als Schüler und später als Student verfasste der Fürst erste eigene Lieder und Dichtungen, womit er gemeinsam mit seiner ebenfalls literarisch begabten Schwester Sibylle Ursula besonders hervortrat. Er studierte an der Universität Helmstedt, der Landesuniversität des Fürstentums Wolfenbüttel, und wurde in evangelisch-lutherischer Theologie promoviert.

Seine Kavalierstour, die an das Studium anschloss, führte durch Süddeutschland, Italien und auf der Rückreise durch die Vereinigten Niederlande. Er lernte unter anderen die Romanschriftstellerin Madeleine de Scudéry kennen und entdeckte seine Neigung zum Theater. Am 17. August 1656 heiratete er seine Cousine Prinzessin Elisabeth Juliane von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Norburg. Zu diesem Anlass verfasste Anton Ulrich sein erstes Bühnenstück, das Frühlings-Ballett. In den 1680er Jahren reiste er allein oder mit seiner Familie viermal nach Venedig, angeregt durch seine Vettern, die in Celle, Hannover und Iburg regierten. Die Stadt beeindruckte Anton Ulrich nachhaltig.

Schon der Vater zog Anton Ulrich häufig zu Regierungsgeschäften heran. 1666 starb August der Jüngere, Anton Ulrich erhielt Schöningen, Jerxheim, Voigtsdahlum und Calvörde als Apanage und wohnte im Prinzenhaus zu Wolfenbüttel. Ein Jahr später ernannte ihn sein älterer, regierender Bruder Rudolf August zum Statthalter. 1685 stieg Anton Ulrich zum gleichberechtigten Mitregenten neben seinem Bruder auf, der sich eher der Jagd widmete. Anton Ulrich trat als Politiker besonders dem Machtstreben seines Vetters Herzog Ernst August, des Fürsten von Calenberg, entschlossen entgegen. Es folgte ein Vierteljahrhundert der Spannung und Konkurrenz zwischen den Welfenlinien in Hannover und Wolfenbüttel.

Auf Anton Ulrichs Initiative hin verständigte sich Herzog Rudolf August mit den übrigen Fürsten des braunschweigischen Hauses im Frühjahr 1671 zu Burgwedel, gemeinsam die auf Eigenständigkeit beharrende Stadt Braunschweig zu bekämpfen, die sich am 10. Juni 1671 der landesherrlichen Hoheit des Herzogs unterwerfen musste. Wolfenbüttelsche Truppen kämpften 1674/75 und 1689 mit gegen Frankreich, 1675 nahe Bremen und in Pommern mit gegen Schweden und 1683 mit den Kaiserlichen Truppen in Ungarn und auf der Peloponnes gegen die Türken. 1692 wurde Anton Ulrich Chef des „Leibregiments Anton Ulrich zu Fuß“ (ab 1704 Leibregiment zu Fuß). 1693 verbündete sich Herzog Anton Ulrich mit Dänemark sowie 1698 und 1701 mit Ludwig XIV. Mit Hilfe des Franzosen vergrößerte er nicht nur das Wolfenbütteler Heer beträchtlich, sondern erweiterte vor allem die fürstlichen Kunstsammlungen.

Anton Ulrich half als geschickter Diplomat, die zwischen dem Reich und Schweden im Herzogtum Bremen entstandenen Zwistigkeiten beizulegen. Für Braunschweig-Wolfenbüttel fiel ein Teil Thedinghausens dabei ab.

Unzufrieden damit, dass der jüngeren Calenberger Linie seines Welfenhauses 1692 die Kurwürde zuerkannt worden war, wandelte er sich von einem treuen Anhänger zum Gegner des Kaisers. Anton Ulrich wurde zur Strafe durch kaiserliches Mandat vom 18. Februar 1702 der Mitregentschaft entsetzt. In der Nacht des 20. März 1702 rückten kurhannoversche und cellische Truppen in das Wolfenbüttelsche Gebiet ein, entwaffneten die Truppen und schnitten die Städte Braunschweig und Wolfenbüttel von jeder Verbindung mit dem Umland ab.

Anton Ulrich flüchtete nach Gotha, und Rudolf August musste am 19. April 1702 in Braunschweig einen Vergleich schließen, in dem er verbindlich zusagte, sich nicht der hannoverschen Primogenitur zu widersetzen und seinen Bruder dazu zu bringen, diese Übereinkunft anzuerkennen.

Die politische Situation, die zur Trennung des „Consortium Regiminis“ (Gemeinschaftsregierung) führte, ist in ihrer umfangreichen historischen Darstellung im Münzbild des Gedenktalers „auf die Trennung der brüderlichen Eintracht“, einmalig. Anton Ulrich ließ 1702 auf die Trennung der Eintracht diesen Gedenktaler prägen, der den Versuch Otto von Guerickes zum Nachweis der Luftdruckwirkung zeigt und legte ihn politisch aus: Das cellische und das hannoveranische Ross versuchen vergeblich die brüderliche Eintracht zu sprengen, bis eine verräterische Hand diese Einheit zerstört.

Anton Ulrich fügte sich und regierte weiterhin mit bzw. eher für seinen Bruder, bis er durch dessen Tod am 26. Januar 1704 Alleinherrscher wurde. Sein Minister Kanzler Propst von Wendhausen schaffte es 1706, eine vollkommene Aussöhnung zwischen der älteren und jüngeren Linie Braunschweig-Lüneburgs zu Stande zu bringen. Braunschweig-Wolfenbüttel entsagte seinen Ansprüchen an dem dem Gesamthause Braunschweig-Lüneburg zugefallenen Herzogtum Sachsen-Lauenburg, erkannte die Kurwürde Hannovers an und erhielt dafür Burg Campen und die zu Gifhorn gehörenden Dörfer Bevenrode, Waggum und Bienrode.

Anton Ulrich suchte Kompensation für seine Verluste an das jüngere Haus Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) durch enge Verbindung mit Österreich; Mittel zum Zweck war die Vermählung seiner Enkelin Elisabeth Christine, der Tochter seines zweiten Sohns Ludwig Rudolf, mit dem jüngeren Bruder Kaiser Josephs I., Erzherzog Karl von Österreich, dem späteren Kaiser Karl VI. Die am evangelischen Glauben hängende Enkelin wehrte sich längere Zeit, musste aber am 1. Mai 1707 im Bamberger Dom zur römisch-katholischen Kirche übertreten.

1708 folgte ihre Vermählung mit Erzherzog Karl. Das enge Verhältnis zum österreichischen Kaiserhaus motivierte Anton Ulrich zu neuen ehrgeizigen Plänen. Seine Hoffnungen auf Erwerb eines Teils der alten Besitzungen der Welfen, die Länder des 1706 geächteten Kurfürsten von Bayern, erfüllten sich nicht.

1709 konvertierte Anton Ulrich heimlich zum römisch-katholischen Glauben. Es ist wahrscheinlich, dass er diesen Schritt aufgrund von Hoffnungen auf das Kurfürstentum Köln und das Hochstift Hildesheim tat, deren Landesherr Erzbischof Joseph Clemens von Bayern sich zu diesem Zeitpunkt in der Reichsacht befand. Erst im folgenden Jahr legte er im Bamberger Dom vor dem Kurfürst-Erzbischof von Mainz Lothar Franz von Schönborn ein öffentliches Glaubensbekenntnis ab. Seinen Untertanen sicherte er die Wahrung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses zu. Für die kleine katholische Gemeinde in Braunschweig ließ er aus eigenen Mitteln die St.-Nicolai-Kirche bauen. Zur Rechtfertigung seines ihm politisch nicht nutzenden Glaubenswechsels veröffentlichte er eine selbstverfasste Stellungnahme in acht Sätzen. Anton Ulrich erlebte noch, dass der Ehemann seiner Enkelin 1711 zum Kaiser gewählt wurde und sich im selben Jahr auch seiner zweiten Enkelin Charlotte Christine durch die Hochzeit mit dem Großfürsten Alexei von Russland, dem Sohn Peters I., die Möglichkeit eröffnete, Kaiserin zu werden.

Anton Ulrich starb im Alter von 80 Jahren. Er wurde mit seiner Frau Elisabeth Juliane in der Welfengruft der Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis beigesetzt. Sein Nachfolger wurde sein ältester Sohn August Wilhelm.

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