Antoinette de Bourbon (* 25. Dezember 1494 in Ham; † 22. Januar 1583 auf Schloss Le Grand Jardin in Joinville), gelegentlich auch Antoinette de Bourbon-Vendôme genannt, war durch Heirat mit Claude de Lorraine ab 1528 erste Herzogin von Guise. Sie erhielt deshalb den Beinamen « mère des Guises » (deutsch: „(Stamm-)Mutter der Guisen“).
Antoinette entstammte dem französischen Adelshaus der Bourbonen und war das zweitjüngste Kind François de Bourbons, Herzog von Vendôme, und seiner Frau Marie de Luxembourg. Sie konnte ihren Stammbaum über Robert de Clermont auf Ludwig den Heiligen zurückführen und war somit eine entfernte Verwandte des französischen Königs. Über ihre Tochter Marie war sie zudem die Großmutter der schottischen Königin Maria Stuart. Durch ihre Heirat mit Claude de Lorraine gelang es dessen Familie, erste familiäre Verbindungen zum französischen Königshaus zu knüpfen. Das Paar gilt als die Stammeltern des Hauses Guise, das in der Folgezeit zu einem der mächtigsten Adelsgeschlechter Frankreichs aufstieg und dessen Mitglieder während der französischen Religionskriege maßgeblichen Einfluss in der Katholischen Liga ausübten.
Aus der Ehe mit Claude de Lorraine gingen zwölf Kinder hervor:
Marie (* 1515; † 1560), ⚭ 1) Louis II. d’Orléans-Longueville, 2) Jakob V., König von Schottland
François (* 1519; † 1563), Herzog von Guise, ⚭ Anna d’Este
Louise (* 10. Januar 1520; † 18. Oktober 1542), ⚭ Charles II. de Croÿ, Fürst von Chimay und Herzog von Aarschot
Renée (* 2. September 1522; † 3. April 1602), Äbtissin von Saint-Pierre-les-Dames in Reims
Charles (* 1524; † 1574), Kardinal und Diplomat
Claude (* 1526; † 1573), Herzog von Aumale, ⚭ Louise de Brézé
Louis (* 1527; † 1578), Kardinal
Philippe (* 3. September 1529; † 24. September 1529)
Pierre (* 3. April 1530; † jung)
Antoinette (31. August 1531; † 6. März 1561), Äbtissin in Faremoutiers
François (* 18. April 1534; † 6. März 1563), Großprior der Malteserritter
René (* 1536; † 1566), Marquis von Elbeuf, ⚭ 5. Februar 1555 Louise de Rieux, Gräfin von Harcourt
Ihr Einfluss innerhalb der Familie
Antoinette de Bourbon galt als eigenwillige und energische Person, deren starke Persönlichkeit den Charakter vieler unter ihrer Oberaufsicht in Joinville aufwachsender und von ihr erzogener Mitglieder der Guise-Familie prägte. Sie wurde als außergewöhnliche Frau mit einem trockenen Humor beschrieben und nahm entscheidenden Einfluss auf die religiösen Überzeugungen ihrer Kinder, ihrer Enkel und ihres Mannes. Zu den Schützlingen, die in ihrer Obhut aufwuchsen, zählten zum Beispiel Maria Stuart, Catherine de Clèves, duchesse de Guise, Marie de Lorraine (spätere Äbtissin von Chelles) und Charles I. de Lorraine, duc d’Elbeuf, einer der entschiedensten Gegner des protestantischen Königs Heinrich IV.
Familienmitglieder ließen sich gerne von ihr beraten und fragten im Fall von Streitigkeiten bei ihr um Vermittlung an. So baten zum Beispiel François I. de Clèves, Herzog von Nevers, und Antoine III. de Croÿ, Fürst von Porcien, die Herzogin darum, in ihrem Streit um die Grafschaft Beaufort zu schlichten.