Antigua und Barbuda (englisch Antigua and Barbuda) ist ein Staat, der aus den Hauptinseln Antigua und Barbuda sowie 46 weiteren kleinen Inseln besteht und in der östlichen Karibik (Inseln über dem Winde) liegt. Er ist Mitglied des Commonwealth mit dem britischen König Charles III. als Staatsoberhaupt, Amtssprachen sind Englisch und Spanisch. Das Regierungssystem basiert auf dem britischen Westminster-System.
Die Insel Antigua wurde von den Taino (Arawak) Yarumaqui genannt, möglicherweise aus Yaruma, einer Pflanze, die als Baumaterial für Kanus und Flöße verwendet wurde, und Qui („Insel“), also „Kanu-Insel“. Die später dort siedelnden Kalinago (Kariben) nannten die Insel Waladli bzw. Oüaladli („Land des Fischöls“), was heute noch leicht verändert (Wadadli) in Gebrauch ist. Als Christoph Kolumbus 1493 die Insel erreichte, nannte er sie Antigua („die Alte“) nach der Kirche Santa Maria de la Antigua im spanischen Sevilla.
Barbuda wurde von den Arawak Wa’omoni bzw. Oüahómoni („Land der großen Vögel“) genannt. Kolumbus nannte sie Barbuda (spanisch für „bärtig“), vermutlich nach den auffälligen Flechten auf den einheimischen Feigenbäumen.
Der Antillenstaat Antigua und Barbuda gehört zu den sogenannten Inseln über dem Winde. Er befindet sich zwischen dem Karibischen Meer und dem Atlantischen Ozean, ca. 420 km südöstlich von Puerto Rico. Die Landfläche von insgesamt etwa 443 km² verteilt sich auf zwei Haupt- und einige kleinere Inseln. Die größte ist die 282 km² große Insel Antigua, auf der sich auch die Hauptstadt Saint John’s befindet. Barbuda umfasst knapp 161 km² und liegt 48 km nördlich von Antigua. 50 km westsüdwestlich von Antigua befindet sich die nur 0,5 km² große unbewohnte Felseninsel Redonda. Andere Inseln mit einer Länge von mehr als einem Kilometer sind Long Island, Guiana Island und Green Island vor der Küste von Antigua sowie die Nehrung 11 Mile Beach auf Barbuda; diese Inseln sind flächenmäßig bei den jeweiligen Hauptinseln eingerechnet.
Auch wenn die Hauptinsel Antigua vor allem aus Kalkformationen aufgebaut ist, geht sie auf einen vor etwa 34 Millionen Jahren ausgebrochenen unterseeischen Vulkan zurück, dessen Reste das Hügelland im Südwesten der Insel mit dem 402 m hohen Boggy Peak, höchster Punkt der Insel und des ganzen Staates, bilden. Durch das Wachstum von Steinkorallen breiteten sich Kalkablagerungen in Richtung Nordosten aus.
Barbuda ist die Oberfläche eines großen Korallenriffs. Der höchste Punkt der noch weitgehend unberührten Koralleninsel ragt allerdings nur 44,5 m aus dem Meer empor.
Die Küstenlinien der beiden Hauptinseln sind überaus reich gegliedert. Sie verfügen über eine Reihe von Stränden, Lagunen und zahlreichen natürlichen Häfen (Buchten). Umgeben sind die Inseln von einer Reihe von Korallenriffen und Untiefen.
Die kleine Felseninsel Redonda ist der 296 m hohe Rest eines erloschenen Vulkans.
Das Klima ist tropisch. Die Temperaturen erreichen im Monatsmittel Werte von 22 (Dezember bis Februar) bis 30 °C (Juni bis September). Mit einem mittleren Jahresniederschlag von 900 bis 1000 mm ist es für karibische Verhältnisse relativ trocken. Die meisten Niederschläge fallen zwischen September und November. Im Sommer (Juli bis Oktober) besteht die Gefahr von tropischen Wirbelstürmen. Im Weltrisikobericht 2021 liegt der Inselstaat auf Rang 5 der Länder mit dem höchsten Katastrophenrisiko weltweit.
Die dokumentierte Flora umfasst 1158 Pflanzenarten, darunter
4 Nacktsamige Pflanzen (3 Familien)
1109 Bedecktsamer (141 Familien)
197 dieser Pflanzen werden als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Auf Antigua wurde die natürliche Vegetation durch die intensive Zuckerrohr-Plantagenwirtschaft (1660–1960) weitgehend vernichtet und besteht nur in kleinen Reservaten fort. Dagegen ist sie auf Barbuda flächendeckend erhalten geblieben.
Zahlreiche Amphibien- und Reptilienarten sind beschrieben worden, darunter 5 Schildkrötenarten sowie 14 Schlangen- und Reptilienarten. 182 Vogelarten wurden beobachtet, darunter etwa zwei Drittel Zugvögel. Das einzige einheimische Landsäugetier ist die Fledermaus, von der 7 Spezies beschrieben wurden. Im Lauf der europäischen Kolonisation wurden einige Säugetierarten absichtlich oder unabsichtlich eingeführt: das Aguti (Dasyprocta agouti), der Damhirsch (zur Jagd), der Kleine Mungo (zur Schädlingsbekämpfung auf Zuckerrohrplantagen), die Hausratte, die Wanderratte und die Hausmaus. Von den 26 in der Karibik einheimischen Meeressäugetieren wurden sieben in den Gewässern von Antigua und Barbuda gesichtet, darunter Buckelwale, Grindwale, Zwergwale, Pottwale, Große Tümmler und Zügeldelfine.
Einige Arten sind durch die eingeführten Fressfeinde ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Die Antigua-Schlanknatter war vom Aussterben bedroht, die Population erholte sich jedoch aufgrund von Schutzmaßnahmen.
Zur Volkszählung 2011 hatte Antigua und Barbuda 85.567 Einwohner. Die meisten davon lebten auf Antigua, auf Barbuda entfielen nur 1634 Einwohner, Redonda ist unbewohnt. Für das Jahr 2024 prognostizierte das nationale Statistikamt eine Bevölkerung von 103.600 Einwohnern, das entspricht einem jährlichen Bevölkerungswachstum von + 1,5 % für den Zeitraum von 2011 bis 2024. Abweichend davon schätzte die Weltbank die Einwohnerzahl für 2022 auf 94.000 Bewohner und das Bevölkerungswachstum auf + 0,6 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 12,0 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,1 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,6, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 34,7 Jahren. Im Jahr 2024 waren nach den Hochrechnungen des nationalen Statistikamts 20,7 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 65-Jährigen 10,2 Prozent der Bevölkerung betrug.
In ethnischer Hinsicht besteht die Bevölkerung Stand 2011 zu 87,3 % aus Menschen afrikanischer Abstammung, 2,7 % Hispanics, 1,6 % Weißen und zu 8,3 % gemischt, andere oder nicht spezifiziert.