An diesem Tag

Anthony Eden

Britischer Politiker

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Robert Anthony Eden, 1. Earl of Avon, KG, PC (* 12. Juni 1897 in Rushyford, County Durham, England; † 14. Januar 1977 in Alvediston, Wiltshire, England) war ein britischer Politiker der Conservative Party, mehrfach britischer Außenminister und von 1955 bis 1957 Premierminister des Vereinigten Königreichs.

Dreimal – von 1935 bis 1938, von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 – bekleidete er das Amt des Außenministers und erwarb sich vor dem Hintergrund schwerer internationaler Krisen einen Ruf als geschickter Diplomat, der auf mehreren Konferenzen konstruktive Lösungen aushandeln konnte. Nachdem er lange als zweiter Mann hinter Winston Churchill hatte zurückstehen müssen, wurde er im April 1955 dessen Nachfolger als Premier.

Die Suezkrise Ende Oktober 1956, in der Großbritannien, Frankreich und Israel militärisch gegen Ägypten unter Präsident Gamal Abdel Nasser vorgingen, geriet jedoch zum Debakel. Die USA und die Sowjetunion wandten sich aus jeweils eigenen Interessen gegen das kolonialistische Vorgehen. Unter dem politischen und ökonomischen Druck Washingtons sah sich Eden gezwungen, die militärische Intervention vorzeitig abzubrechen. Zwei Monate später, im Januar 1957, trat er, auch aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit als Premierminister zurück. Schatzkanzler Harold Macmillan wurde sein Nachfolger.

Anthony Eden wurde als zweiter von drei Söhnen im Haus Windlestone Hall in der Ortschaft Rushyford geboren, wo seine Familie bereits seit vielen Generationen als Grundbesitzer lebte. Sein Vater war Sir William Eden. Seine Mutter, Sybil Grey, war Mitglied der berühmten Grey-Familie aus Northumberland, aus der bereits zahlreiche namhafte Politiker (wie etwa Edward Grey oder der Whig-Premierminister Charles Grey, 2. Earl Grey) erwachsen waren.

Anthony Eden besuchte zunächst die Sandroyd School (eine Vorbereitungsschule) von 1907 bis 1910, bevor er nach Eton wechselte. Dort brillierte er in mehreren Sportarten (vor allem Cricket und Rudern) und gewann einen Preis in Theologie. Im Ersten Weltkrieg fiel sein älterer Bruder Jack in der Ersten Ypernschlacht. Sobald er das 18. Lebensjahr erreicht hatte, meldete sich Eden freiwillig zum Kriegsdienst und diente im 21st Battalion des King’s Royal Rifle Corps. Nach einer militärischen Ausbildung wurde seine Einheit im Mai 1916 nach Nordfrankreich verlegt; im gleichen Monat wurde sein ihm nahestehender jüngerer Bruder Nicholas in der Skagerrakschlacht getötet. Drei Monate später wurde Eden das Military Cross verliehen; nachdem er mit einem Spähtrupp im Niemandsland auf Erkundungsmission gewesen war. Als er bei seiner Rückkehr entdeckte, dass einer seiner Soldaten fehlte, kehrte er um und rettete diesen. Im Verlauf des Krieges erlangte Eden den Rang eines Captains. Eden nahm im Verlauf des Kriegs an der Sommeschlacht, der Dritten Flandernschlacht und den Kämpfen während der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 teil.

Nach dem Krieg studierte er in Oxford am Christ Church College, wo er 1923 seinen Abschluss in orientalischen Sprachen (Arabisch und Persisch) machte. Eden beteiligte sich in Oxford nicht an Studentenpolitik und trat keinem der politischen Debattierclubs bei. Dagegen entwickelte er ein großes Interesse an der Kunst und gründete mit Robert Gathorne-Hardy und David Cecil die Uffizi Society Oxford.

Im gleichen Jahr heiratete er die 18-jährige Beatrice Beckett (1905–1957), die Tochter des Landbesitzers Sir William Gervase Beckett aus Yorkshire, der auch Besitzer der Zeitung The Yorkshire Post war. Gemeinsam hatten sie drei Söhne, von denen der mittlere Sohn schon im Kindbett verstarb: Simon Gascoigne Eden (1924–1945), Robert Eden (1928–1928) und Nicholas Eden (1930–1985). Die Ehe war jedoch nicht glücklich; Beatrice hegte eine ausgesprochene Abneigung gegen die Politik, während Eden aufgrund seiner Verpflichtungen regelmäßig abwesend war. In den 1930er Jahren begannen Eden und seine Frau jeweils zahlreiche Affären. Beide kamen überein, die Ehe nur mehr auf dem Papier weiterzuführen.

Beginn der politischen Laufbahn

Noch während er am Christ Church College seinen Abschluss machte, gewann Eden dank der Unterstützung Lord Londonderrys die Kandidatur für den Wahlkreis Spennymoor. Er scheiterte bei den Britischen Unterhauswahlen 1922 jedoch klar. Nach seinem erfolgreichen Abschluss verwarf Eden die Möglichkeit, den Weg einer Diplomatenkarriere zu beschreiten und beschloss stattdessen, sich ganz auf eine politische Laufbahn zu konzentrieren. Er kandidierte als Abgeordneter der Konservativen Partei für Warwick and Leamington, ein sicherer Wahlkreis der Konservativen, und wurde bei den Unterhauswahlen 1923 ins Unterhaus gewählt. Innerhalb der Tories stand er Premierminister Stanley Baldwin nahe, dessen behutsame Handhabung während des Generalstreiks von 1926 er bewunderte. Nachdem er zu Beginn im Unterhaus äußerst konfrontativ aufgetreten war, adaptierte er nach dem Vorbild Baldwins schnell ein maßvolles Auftreten, welches mehr konsensorientiert war. Sein ganzes politisches Interesse galt von Beginn an der Außenpolitik und 1926 wurde Eden Parliamentary Private Secretary für den damaligen Außenminister Austen Chamberlain. Um sein Salär aufzubessern, betätigte er sich zusätzlich journalistisch und veröffentlichte 1926 auch ein Buch (Places in the Sun) über seine Reisen nach Neuseeland und Australien, für das Baldwin ein Vorwort schrieb. Nach der Niederlage der Konservativen bei der britischen Unterhauswahl 1929 arbeitete Eden in den Oppositionsjahren 1929 bis 1931 in der Londoner City als Broker für die Firma Harry Lucas. 1931 wurde er mit seinem ersten Ministerialposten betraut und in Ramsay MacDonalds Regierung Staatssekretär mit spezifischer Verantwortung für Belange des Völkerbunds. Nachdem Stanley Baldwin 1934 seine dritte Regierung gebildet hatte, wurde Eden zum Lordsiegelbewahrer ernannt und in Baldwins Regierung Minister für den Völkerbund.

Wie viele Menschen seiner Generation, die den Ersten Weltkrieg erlebt hatten, bemühte sich Eden, mit Hilfe des Völkerbundes den europäischen Frieden zu bewahren. Er gehörte gleichwohl zu den ersten, die erkannten, dass der Frieden nicht allein durch eine Appeasement-Politik aufrechterhalten werden konnte. 1934/35 lernte er nacheinander die großen Diktatoren kennen. Dabei gewann er zunächst von Reichskanzler Adolf Hitler einen positiven Eindruck und glaubte, man könne dessen Wort Vertrauen schenken. Mit Benito Mussolini verband ihn dagegen sofort eine (gegenseitige) Abneigung. Nach seinem Treffen mit dem Duce betitelte er diesen als einen „kompletten Gangster“, dessen Wort nichts bedeute. Mussolini äußerte umgekehrt über Eden: „Ich sah niemals einen besser gekleideten Dummkopf.“ Zudem besuchte er auf Anregung des sowjetischen Botschafters in London, Iwan Maiski, die Sowjetunion und traf sich in Moskau mit Josef Stalin. Während des Abessinienkriegs nahm Eden auch aufgrund seiner persönlichen Einschätzung Mussolinis eine unnachgiebige Haltung ein und warb für einen Konfrontationskurs, was zu einem Zerwürfnis mit Unterstaatssekretär Robert Vansittart führte. Dieser hielt Deutschland für die größere Bedrohung und trat deshalb für eine nachgiebige Haltung gegenüber dem faschistischen Italien ein, um es als Verbündeten gegen Hitler zu gewinnen. Eden sah hierdurch das System der Kollektiven Sicherheit auf Basis des Völkerbunds kompromittiert.

Obwohl er im Unterhaus die Außenpolitik der Regierung verteidigte, kritisierte er im privaten Kreis wiederholt die Politik des Außenministers Sir Samuel Hoare. Als Hoare nach dem Scheitern des anglofranzösischen Hoare-Laval-Pakts schließlich zurücktrat, wurde Eden im Dezember 1935 sein Nachfolger als Außenminister in Baldwins Dritter Nationaler Regierung.

Eden übernahm das Amt zu einer Zeit, in der Großbritannien seine Außenpolitik an den Aufstieg der faschistischen Mächte in Europa anpassen musste und sich gleichzeitig im Fernen Osten mit einem militaristischen Japan konfrontiert sah, das zunehmend aggressiv auftrat. Er unterstützte die Politik der Nichteinmischung in den Spanischen Bürgerkrieg. Auch unterstützte er zunächst Neville Chamberlain in seinen Bemühungen, den Frieden durch vertretbare Zugeständnisse an Hitler-Deutschland zu bewahren. Während seiner Amtszeit als britischer Außenminister war Eden weiterhin ein aktiver Mitarbeiter am Völkerbund und arbeitete z. B. eng mit seinem niederländischen Amtskollegen Andries Cornelis Dirk de Graeff zusammen. Eden protestierte nicht, als Großbritannien und Frankreich 1936 die Wiederbesetzung des Rheinlandes hinnahmen, allerdings kam es bald zu erheblichen Differenzen zwischen Eden und Premierminister Chamberlain. Mehrfach fühlte Eden sich von Chamberlain übergangen und musste feststellen, dass dieser – ohne das Foreign Office oder das gesamte Kabinett einzubeziehen – bald eine eigenständige Außenpolitik quasi durch die Hintertür betrieb. So schickte Chamberlain die Witwe seines Halbbruders Austen, Lady Ivy Chamberlain, nach Rom, um dort für eine Wiederaufnahme der anglo-italienischen Gespräche zu werben. Eden konzentrierte sich bei seiner Kritik an Chamberlains Vorgehen dabei weniger auf inhaltliche Sachfragen, sondern argumentierte vor allem auf konstitutioneller Basis; eigenmächtige Initiativen ohne vorherige Konsultation des Kabinetts lehnte er ab. Eine Friedensinitiative des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Januar 1938 hieß Eden sofort willkommen. Chamberlain dagegen lehnte Roosevelts Initiative ohne vorherige Absprache ab, um, zunächst hinter Edens Rücken, im Februar 1938 geheime Verhandlungen mit Italien aufzunehmen. Während Chamberlain sich bald für offizielle Verhandlungen mit Italien aussprach, opponierte Eden in zwei eilig zusammenberufenen Kabinettssitzungen, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Am 20. Februar 1938 trat Eden deshalb zurück.

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