Anthony Michael Bourdain [/bɔːrˈdeɪn/] (* 25. Juni 1956 in New York City; † 8. Juni 2018 in Kaysersberg, Frankreich) war ein amerikanischer Koch, Autor und Reisedokumentarist. Er trat in Sendungen auf, die sich mit der Erforschung internationaler Kultur und Küche befassten.
Bourdain schloss 1978 sein Studium am Culinary Institute of America ab und war im Laufe seiner Karriere in vielen professionellen Küchen tätig, darunter mehrere Jahre als Chefkoch in der Brasserie Les Halles in Manhattan. Ende der 1990er Jahre schrieb er ein Essay über die unschönen Geheimnisse eines Restaurants in New York. Auf den Erfolg des Artikels folgte 2000 die Veröffentlichung seines New-York-Times-Bestsellers Geständnisse eines Küchenchefs – Was Sie über Restaurants nie wissen wollten (Kitchen Confidential: Adventures in the Culinary Underbelly).
Bourdains erste Fernsehsendung über Essen und Weltreisen, A Cook’s Tour, lief 2002 und 2003 mit 35 Folgen bei Food Network. 2005 begann er, die kulinarischen und kulturellen Abenteuerprogramme Anthony Bourdain – Eine Frage des Geschmacks (2005–2012) und The Layover (2011–2013) auf dem Travel Channel zu moderieren. 2013 begann er eine dreijährige Tätigkeit als Jurymitglied bei The Taste (2013–2015) und wechselte anschließend mit seiner Reisesendung zu CNN, wo er Anthony Bourdain – Kulinarische Abenteuer (2013–2018) moderierte. Obwohl er vorwiegend für seine kulinarischen Schriften und Fernsehauftritte sowie mehrere Bücher über Essen, Kochen und Reiseabenteuer bekannt war, schrieb er auch Belletristik und historische Sachbücher.
Bourdain wurde 1956 in Manhattan geboren. Sein Vater Pierre arbeitete zu dieser Zeit als Verkäufer in einem Fotogeschäft in New York und als Abteilungsleiter in einem Plattenladen. Später wurde er Manager beim Musiklabel Columbia Records. Seine Mutter Gladys Sacksman war zunächst Hausfrau und später Redakteurin bei der New York Times. Sein Bruder wurde einige Jahre nach ihm geboren.
Bourdain beschrieb seine Kindheit in einem seiner Bücher: „Ich litt weder unter Liebes- noch unter Aufmerksamkeitsmangel. Meine Eltern liebten mich. Keiner von beiden trank übermäßig viel Alkohol. Niemand schlug mich. Gott wurde nie erwähnt, daher störten mich weder die Kirche noch Vorstellungen von Sünde oder Verdammnis.“ Sein Vater war Katholik französischer Abstammung, seine Mutter war Jüdin. Bourdain erklärte, dass er zwar nach der Definition der Halacha als Jude galt, „aber ich war noch nie in einer Synagoge. Ich glaube nicht an eine höhere Macht. Aber das macht mich meiner Meinung nach nicht weniger jüdisch.“ Seine Familie war nicht religiös.
Bourdains Großeltern väterlicherseits waren Franzosen – sein Urgroßvater Aurélien Bourdain wurde als Sohn französischer Eltern in Brasilien geboren – und sein Großvater väterlicherseits, Pierre Michel Bourdain, war nach dem Ersten Weltkrieg von Arcachon nach New York ausgewandert. Bourdains Vater verbrachte als Junge seine Sommer in Frankreich und wuchs mit Französisch als Muttersprache auf. Bourdain verbrachte den größten Teil seiner Kindheit in Leonia, New Jersey. In seiner Jugend war er Mitglied der Boy Scouts of America.
Bourdains Liebe zum Essen wurde in seiner Jugend während eines Familienurlaubs in Frankreich geweckt, als er auf einem Fischerboot seine erste Auster probierte. Er machte 1973 seinen Abschluss an der Dwight-Englewood School, einer unabhängigen, koedukativen Tagesschule zur Vorbereitung auf das College in Englewood, schrieb sich dann am Vassar College ein, brach das Studium jedoch nach zwei Jahren ab. Er arbeitete in Fischrestaurants in Provincetown, Massachusetts, darunter im Lobster Pot, während er das Vassar College besuchte, was ihn dazu inspirierte, eine Karriere als Koch anzustreben.
Bourdain besuchte das Culinary Institute of America und schloss sein Studium 1978 ab. Von dort aus leitete er verschiedene Restaurantküchen in New York City, darunter den Supper Club, One Fifth Avenue und Sullivan’s.
1998 wurde Bourdain Küchenchef in der Brasserie Les Halles. Das Unternehmen mit Sitz in Manhattan hatte zu dieser Zeit weitere Restaurants in Miami, Washington, D.C. und Tokio. Bourdain blieb dort viele Jahre lang Chefkoch und auch nachdem er nicht mehr offiziell bei Les Halles beschäftigt war, pflegte er weiterhin eine Beziehung zu dem Restaurant, das ihn im Januar 2014 als seinen „Chefkoch auf Abruf“ bezeichnete. Les Halles schloss 2017 nach der Anmeldung der Insolvenz.
Mitte der 1980er Jahre begann Bourdain, unaufgefordert Beiträge zur Veröffentlichung bei Between C & D, einem Literaturmagazin der Lower East Side, einzureichen. Das Magazin veröffentlichte schließlich einen Artikel, den Bourdain über einen Koch geschrieben hatte, der in der Lower East Side Heroin kaufen wollte. 1985 meldete sich Bourdain für einen Schreibworkshop beim Autoren Gordon Lish an. Im Jahr 1990 erhielt Bourdain nach einem Treffen mit einem Lektor von Random House einen kleinen Vorschuss für ein Buch.
Sein erstes Buch, ein kulinarischer Krimi mit dem Titel Bone in the Throat, wurde 1995 veröffentlicht. Er finanzierte seine Autorenlesungen selbst, hatte jedoch keinen Erfolg. Auch sein zweiter Krimi, Gone Bamboo, verkaufte sich schlecht.
Sein 2000 erschienenes Buch Geständnisse eines Küchenchefs – Was Sie über Restaurants nie wissen wollten (Kitchen Confidential: Adventures in the Culinary Underbelly) wurde zum New-York-Times-Bestseller. Es war eine Erweiterung seines Artikels Don’t Eat Before Reading This aus dem New Yorker von 1999. Laut New York Times hatte seine Mutter Gladys, damals Redakteurin und Autorin bei der Zeitung, den Artikel ihres Sohnes an ihre Freundin und Kollegin Esther B. Fein weitergegeben, die Frau von David Remnick, dem Herausgeber des Magazins The New Yorker. Remnick veröffentlichte Bourdains Essay in seinem Magazin, was Bourdains Karriere beflügelte und seinen unverblümten Tonfall, der zu seinem Markenzeichen werden sollte, legitimierte.
2010 veröffentlichte er Ein bisschen blutig: Neue Geständnisse eines Küchenchefs (Medium Raw: A Bloody Valentine to the World of Food and the People Who Cook), eine Autobiografie und Fortsetzung des Buches Geständnisse eines Küchenchefs.
Er schrieb zwei weitere Bestseller-Sachbücher: Ein Küchenchef reist um die Welt (A Cook’s Tour: Global Adventures in Extreme Cuisines) (2001), einen Bericht über seine kulinarischen und reisetechnischen Erlebnisse rund um die Welt, der in Verbindung mit seiner ersten Fernsehserie mit dem gleichen Titel geschrieben wurde, und Kleine Schweinereien (The Nasty Bits) (2006), eine Sammlung von 37 exotischen, provokativen und humorvollen Anekdoten und Essays, von denen sich viele um Essen drehen und die in Abschnitte unterteilt sind, die nach den fünf traditionellen Geschmacksrichtungen benannt sind, gefolgt von einer 30-seitigen Kurzgeschichte (A Chef’s Christmas).
Später veröffentlichte Bourdain eine hypothetische historische Untersuchung mit dem Titel Typhoid Mary: An Urban Historical, über Mary Mallon, eine in Irland geborene Köchin, die zwischen 1907 und 1938 vermutlich 53 Menschen mit Typhus angesteckt hatte. 2007 veröffentlichte Bourdain No Reservations: Around the World on an Empty Stomach, in dem er über die Dreharbeiten und Fotos der ersten drei Staffeln der Serie und seine Crew bei der Arbeit während der Dreharbeiten berichtet.
Seine Artikel und Essays erschienen in zahlreichen Publikationen, darunter in The New Yorker, The New York Times, The Times, Los Angeles Times, The Observer, Gourmet, Maxim, Esquire, Scotland on Sunday, The Face, Food Arts, Limb by Limb, BlackBook, The Independent, Best Life, Financial Times und Town & Country. Sein Blog zur dritten Staffel von Top Chef wurde 2008 für einen Webby Award in der Kategorie „Bester Blog“ (Kultur/Persönliches) nominiert.
2012 schrieb Bourdain gemeinsam mit Joel Rose die Graphic Novel Get Jiro!, illustriert von Langdon Foss. Sie soll als Zeichentrickserie für Erwachsene adaptiert werden, produziert von Warner Bros. Animation für Adult Swim.
2015 schloss sich Bourdain der Reise-, Food- und Politikpublikation Roads & Kingdoms als alleiniger Investor und Chefredakteur an. In den folgenden Jahren leistete Bourdain Beiträge für die Website und war Herausgeber der Reihe Dispatched By Bourdain. Bourdain und Roads & Kingdoms arbeiteten auch bei der Serie Explore Parts Unknown, zusammen, die 2017 startete und 2018 mit einem Emmy für herausragende Kurzform-Nonfiction- oder Reality-Serien ausgezeichnet wurde.