An diesem Tag

Ante Gotovina

Kroatischer General außer Dienst

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Ante Gotovina (* 12. Oktober 1955 in Tkon) ist ein General und Generalinspekteur der Kroatischen Streitkräfte (HV) und Befehlshaber des aufgelösten Kroatischen Verteidigungsrates (HVO) außer Dienst.

Während des Kroatienkrieges war Gotovina als Oberbefehlshaber der Kampfzone Split führend an der Militäroperation „Oluja“ bzw. der Rückeroberung der von Serben besetzten Gebiete beteiligt und gilt vor allem dadurch bei vielen Kroaten als Nationalheld. Aufgrund seiner Mitzeichnung eines offenen Briefes der kroatischen Generalität an die damalige kroatische Regierung, Politiker und Medien, wurde Gotovina im Jahr 2000 in den Ruhestand versetzt.

Zwischen 2005 und 2011 wurde gegen Gotovina ein Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag verhandelt. Er war angeklagt, während des Kroatienkrieges als General und Befehlshaber kroatischer Truppen Kriegsverbrechen gegen Serben befohlen zu haben. Am 15. April 2011 verurteilte ihn der Internationale Strafgerichtshof in erster Instanz zu einer Haftstrafe von 24 Jahren. Gegen das Urteil wurde am 16. Mai 2011 Berufung eingelegt. Am 16. November 2012 wurde Gotovina von allen Anklagepunkten freigesprochen und nach sieben Jahren Haft entlassen.

Ante Gotovina wurde in Tkon auf der Insel Pašman geboren. Sein Vater Milan war ein dalmatinischer Fischer. Seine Mutter Ana kam am 4. März 1959 ums Leben, als sie die Kinder vor der Explosion einer Mine beschützte, die Steine in der Nähe des Hauses zersprengte. Danach zog die Familie nach Pakoštane, einem Dorf an der Küste Dalmatiens. Dort kümmerte sich die Tante Marija Miočev um Gotovina und seine Geschwister. Gotovinas Familie betreibt noch heute in Pakoštane mehrere Gaststätten.

Im Jahr 1972 trat Gotovina mit 17 Jahren in die französische Fremdenlegion ein. Dort wurde er Unteroffizier beim 2. Fallschirmjägerregiment der Fremdenlegion (2ème REP) und anschließend Kampftaucher bei der Kommandoeinheit des 2ème REP (CRAP). 1978 schied er aus dem aktiven Dienst in der Fremdenlegion aus. Danach war er als Ausbilder von Kommando-Einheiten in Lateinamerika tätig und nahm später die französische Staatsbürgerschaft an. In den 1980er Jahren stand Gotovina in Frankreich wegen Juwelendiebstahls vor Gericht und verbüßte dort eine kurze Haftstrafe.

Nachdem Gotovina von kroatischen Auswanderern in Argentinien vom langsam aufkommenden Konflikt in seinem Heimatland erfahren hatte, kehrte er 1990 nach Kroatien zurück. Im Juni 1991 trat er der kroatischen Nationalgarde bei. Im Kroatienkrieg kämpfte Gotovina als Soldat in der 1. Garde-Brigade „Tigrovi“ vor allem in Slawonien und stieg zum Befehlshaber der Truppen auf. Nach einer Verwundung und der Genesung zog er sich nach Livno in Bosnien und Herzegowina zurück, in den Stab des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO), der Armee der bosnisch-herzegowinischen Kroaten.

Von 1992 bis 1994 bekleidete er zunächst den Rang eines Generalmajors und wurde dann zum Generalleutnant ernannt. Als Befehlshaber befehligte er zwischen 1992 und 1996 den Militärdistrikt Split. In dieser Zeit war Gotovina an der Planung der Operation Maslenica sowie einigen anderen Operationen im Gebiet Livno und Tomislavgrad aktiv beteiligt. In der Operation Oluja („Sturm“, 4. bis 7. August 1995) war er Kommandant des Sektors Süd. Unter seinem Befehl eroberten die kroatischen Truppen das Livanjsko polje, Gebiete der Dinara und des Šator-Gebirges sowie die Städte Glamoč und Bosansko Grahovo sowie das Umland von Knin.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1995 war Gotovina dann sowohl Befehlshaber der kroatischen Armee (HV) als auch des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO) und leitete mit dem bosnischen General Atif Dudaković die Militäroperation Maestral, bei der die bosnische Armee (Armija Republike Bosne i Hercegovine) und kroatische Truppen bis 23 km vor Banja Luka vorrückten. Unter anderem angesichts dieses Gebietsverlustes willigte die serbische Vertretung in den Vertrag von Dayton ein und der Bosnienkrieg wurde beendet.

Gotovina war einer der Mitunterzeichner des „Briefs der 12 Generäle“ (Pismo dvanaestorice generala), einem offenen Brief aus dem Jahr 2000, in dem 12 Mitglieder der kroatischen Generalität die damalige kroatische Regierung, Politiker und Medien kritisierten. Wegen seiner Mitzeichnung wurde Gotovina am Tag nach der Veröffentlichung des Briefes vom aktiven Dienst in den Ruhestand versetzt.

Internationaler Strafgerichtshof

2001 wurde Gotovina vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, die Truppen unter seinem Kommando verübt haben sollen.

Die Anklagepunkte der revidierten Anklageschrift lauten unter anderem:

Tötung von mindestens 37 Personen (nach der alten Anklageschrift ging man von 150 Personen aus)

Plünderung privaten und öffentlichen Eigentums

Brandschatzung und Zerstörung von Dörfern und Städten

Vertreibung von mehreren Zehntausend Serben

Laut Ankläger war auch Kroatiens damaliger Staatspräsident Franjo Tuđman an der Planung und Durchführung beteiligt. Die ergänzende Anklageschrift spricht von einer „kriminellen Vereinigung“, bestehend unter anderen aus Gotovina und Tuđman, deren Ziel „die gewaltsame und dauerhafte Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus der Krajina-Region“ gewesen sei.

Nach Meinung der Verteidigung hingegen war die Operation Sturm entscheidend für die Beendigung des Krieges auf dem Balkan durch den Sieg über die Armee der bosnischen Serben und wurde aufgrund der Bedrohungslage für die Stadt Bihać auch durch die USA unterstützt. Die Bombardierung von Knin sei im Vergleich zur Schlacht um Vukovar oder anderen Belagerungen minimal gewesen.

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