An diesem Tag

Anselm de Craon

Kirchlicher Würdenträger des Hochmittelalters

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Anselm de Craon (* in Aosta; † 11. Januar 1148), zumeist Anselm von San Saba genannt, war ein kirchlicher Würdenträger des Hochmittelalters, der als Sohn des späteren Großmeisters des Templerordens, Robert de Craon, und einer Schwester des Erzbischofs Anselm von Canterbury geboren wurde. Er war Mönch, Benediktiner, Abt von San Saba in Rom, dann Apostolischer Nuntius in England, von 1121 bis 1148 Abt von Bury St Edmunds und von 1136 bis 1138 erwählter Bischof von London.

Anselm von Craon stammt väterlicherseits aus dem französischen Hochadel, und zwar aus dem Haus der Herren von Craon (im späteren Département Mayenne), das von den Grafen von Nevers aus dem Haus Monceaux abstammt. Er war darüber hinaus mit den Königen von Frankreich verwandt, da sein Ur-Ur-Großvater, Rainald I., Graf von Nevers (1028–1040) mit der Prinzessin Adele (Adelheid) von Frankreich, Gräfin von Auxerre († nach 1163), einer Tochter von König Robert II. dem Frommen von Frankreich (987–1031), verheiratet war. Er war damit ein Cousin 4. Grades von König Philipp II. August von Frankreich (1180–1223).

Anselm war der einzige überlebende Sohn des Robert de Craon, auch bekannt als Robert le Bourguignon (der Burgunder), der als Witwer in den Templerorden eintrat und diesen Orden als zweiter Großmeister von 1136 bis 1147 leitete.

Mütterlicherseits war Anselm langobardischer Herkunft durch seinen Großvater Gandulf, der ein Verwandter des Grafen Humbert II. von Maurienne (Haus Savoyen) war und verwandtschaftlichen Beziehungen zur Gräfin Mathilde von Canossa hatte. Anselms Großmutter, von der nur der Vorname Ermenberga bekannt ist, stammte aus Aosta, das damals schon im Besitz der Grafen von Savoyen stand, aber als Teil des Königreiches Burgund zum Heiligen Römischen Reich gehörte.

Anselms Mutter Richhilde war die einzige Schwester des Anselm von Aosta, besser bekannt als Anselm von Canterbury, der von 1093 bis 1097 Erzbischof von Canterbury war, wegen seiner herausragenden Arbeiten als Philosoph und Theologe „doctor magnificus“ genannt wurde, als „Vater der Scholastik“ gilt, 1494 von Papst Alexander VI. (1492–1503) heiliggesprochen und 1720 von Papst Clemens XI. zum Kirchenlehrer ernannt wurde.

Während die Herkunft seiner Mutter als Schwester des Anselm von Canterbury allgemein bekannt ist, ist die väterliche Herkunft Anselms weitgehend unbekannt geblieben. Er wird zumeist mit dem Namen „Anselm von San Saba“ genannt, was insofern irreführend ist, da dieser nichts mit seiner Herkunft zu tun hat, sondern der Name einer Abtei ist, die Anselm vorübergehend als Kommendatarabt geleitet hat. Seine Herkunft ist jedoch eindeutig der Dokumentation „Les Templiers et les Croisades“ zu entnehmen. Dort werden u. a. zwei Schreiben des Anselm von Canterbury an seinen Schwager Robert de Craon zitiert. In dem einen unterstreicht er die Vorteile der geistlichen Berufung seines Neffen, obwohl er der einzige überlebende Sohn seiner Schwester und des Robert de Craon war. In dem anderen Schreiben rät er seinem Schwager Robert, die von ihm angedachte Pilgerfahrt in das Heilige Land trotz Zurücklassung seiner Frau (der Schwester Anselms von Canterbury) zu unternehmen, um sich seiner Sünden zu entledigen, jedoch für seine Frau „für alle Fälle“ vorzusorgen.

Anselm von Craon wurde – wie sein Onkel Anselm von Canterbury – der ursprünglich Anselm von Aosta genannt wurde – in Aosta (heute Hauptstadt der Region Aostatal in den italienischen Alpen) und damit in der Heimat seiner Mutter geboren, wo er in seiner Kindheit aufwuchs und seiner ersten Erziehung erhielt. Er war der älteste Sohn seiner Eltern, wurde aber durch den frühen Tod seiner Geschwister zum einzigen Kind. Trotzdem wurde er – wohl unter dem Einfluss seines Onkels Anselm – für die geistliche Laufbahn bestimmt. Er trat jung als Mönch in die Abtei des Benediktinerordens Sacra di San Michele im Susatal, in der norditalienischen Region Piemont ein, wurde dann aber von seiner Mutter ihrem Bruder Anselm zur weiteren Ausbildung anvertraut.

Dieser war 1059 in die Normandie gereist und 1060 als Mönch in die Benediktinerabtei Le Bec im heutigen Le Bec-Hellouin im Département Eure in der Normandie eingetreten, wo ihn der gleichfalls aus Italien stammende Prior Lanfrank von Bec förderte. Im Jahr 1063 wurde Lanfrank Abt der Abtei St. Stephan, worauf Anselm ihm als Prior der Abtei von Le Bec nachfolgte und 1079 zum Abt dieser Abtei benediziert wurde. Anselm von Craon erhielt dort eine umfassende theologische und philosophische Ausbildung, da sein Onkel das Kloster Le Bec zu einem hervorragenden Zentrum der Gelehrsamkeit in Europa ausgebaut und dort auch seine ersten philosophischen Werke veröffentlicht hatte. Anselm nahm darüber hinaus zweifellos Anteil an der Bewegung der Kirchenreform, da er Zeuge der energischen politischen Bemühungen seines Onkels war, die Abtei Le Bec sowohl von weltlicher Einflussnahme – insbesondere durch Robert de Beaumont, dem ersten Earl of Leicester – als auch von geistlicher Kontrolle durch den Erzbischof von Rouen freizuhalten. Sein Onkel reiste damals wiederholt nach England, um die dortigen Besitzungen des Klosters zu inspizieren und zugleich seinen Mentor Lanfrank zu besuchen, der seit 1070 Erzbischof von Canterbury war.

Es ist wahrscheinlich, dass Anselm de Craon dadurch die Möglichkeit hatte, seinen Onkel gelegentlich auf dessen Reisen nach England zu begleiten und sich mit der dortigen Situation der Kirche vertraut zu machen. Als sein Onkel Anselm im Jahre 1093 von Wilhelm II. dem Roten, König von England (1087–1100) – der ein Sohn von Wilhelm dem Eroberer war – zum Erzbischof von Canterbury bestellt wurde und daher nach England ging, dürfte sein Neffe Anselm in der Abtei Le Bec geblieben sein, da es zu dem Zeitpunkt keine Hinweise auf seine Übersiedlung nach England gibt.

Eine Wende in der Laufbahn Anselms ergab sich als Nebeneffekt der seit 1076 schwelenden Krise der abendländischen Politik: dem Investiturstreit zwischen Rom und den Fürsten Europas, denn dadurch kam Anselm von Craon nach Rom und konnte dort seine Karriere beginnen.

Sein Onkel Anselm stand als Erzbischof von Canterbury eindeutig auf Seiten der Reform, nämlich die Kirche von der weltlichen Einflussnahme zu befreien. Diese Haltung führte dazu, dass der Investiturstreit auch auf England übergriff. Der Erzbischof geriet dabei mit seinem früheren Protektor Wilhelm II. der Rote (1087–1100) in so heftigen Streit, dass er 1097 gezwungen wurde, nach Frankreich ins Exil zu gehen. Er blieb dort bis 1101 und hielt sich vermutlich vorwiegend in seiner früheren Abtei Le Bec auf und bot damit seinem Neffen Anschauungsunterricht über die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat. Als Heinrich I. „Beauclerc“ (1100–1135) im Jahre 1100 als König von England nachfolgte, war Anselm von Canterbury noch im Exil in Frankreich, sodass die Krönung in der Westminsterabtei vom Bischof von London vorgenommen werden musste.

Bald darauf wurde jedoch Anselm von Canterbury vom König nach England zurückgerufen. Er kehrte daher 1101 nach England zurück, war jedoch entschlossen, das von Papst Gregor VII. 1099 festgelegte Verbot der bisher üblichen Belehnung der Bischöfe mit Stab und Ring gegenüber dem König von England durchzusetzen. Dies führte wiederum zu Streit, und 1103 zum neuerlichen Exil des Erzbischofs. Während dieses zweiten Exils reiste er nach Rom, um mit Papst Paschalis II. (1099–1118) die weitere Vorgehensweise im laufenden Investiturstreit mit England zu klären.

Bei dieser Reise durfte ihn sein Neffe, Anselm von Craon begleiten, der dadurch in Kontakt mit der römischen Kurie kam. Wohl nicht ganz ohne Fürsprache seines Onkels wurde Anselm von Craon vom Papst zum Kommendatarabt des Klosters San Saba ernannt, dem er seinen später gebräuchlichen Namen verdankt.

Diese Abtei, von der heute nur noch die (stark veränderte) Kirche erhalten ist, lag auf dem kleinen Aventin (heute Piazza Gian Lorenzo Bernini) in der römischen Rione San Saba und steht der Legende nach auf dem Platz, wo das Haus der Mutter des Kirchenvaters und Papstes Gregors des Großen, der Heiligen Silvia, stand, die in diesem Haus ein Oratorium gründete, das als Cella Nova bezeichnet wurde. Zur Zeit seines zweiten Exils lebte Anselm von Canterbury weitgehend in Lyon, während sein Neffe – der nunmehr Anselm von San Saba genannt wurde – in Rom blieb. Er blieb dort, auch nachdem sein Onkel 1105 nach einem Kompromiss mit König Heinrich I. nach England in sein Amt zurückkehrte und auch, als dieser am 21. April 1109 in Canterbury starb und in der dortigen Kathedrale bestattet wurde.

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