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Anonyme Alkoholiker

Selbsthilfeorganisation zur Bekämpfung von Alkoholismus

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Anonyme Alkoholiker (AA) (englisch Alcoholics Anonymous) sind eine in den Vereinigten Staaten entstandene, weltweit agierende Selbsthilfeorganisation zur Bekämpfung von Alkoholismus. Alkoholismus ist nach Auffassung der AA eine Krankheit, die der Einzelne nicht aus eigener Kraft, sondern nur mithilfe einer spirituellen Erfahrung besiegen kann.

AA sind in einer Vielzahl lokaler Gruppen organisiert, deren Mitglieder sich regelmäßig mit dem Ziel treffen, Unterstützung in der Abstinenz vom Alkoholkonsum zu erfahren. Sie orientieren sich am Zwölf-Schritte-Programm und arbeiten meist nicht mit anderen Organisationen zusammen. Leitfaden der AA ist das Blaue Buch.

Laut dem Gründungsmythos der AA konstituierte sich die erste AA-Gruppe am 10. Juni 1935 in Akron, Ohio, durch die selbstidentifizierten Alkoholiker William Griffith Wilson (AA-intern: „Bill W.“), einen New Yorker Börsenmakler, und Robert Holbrook Smith („Dr. Bob“), einen lokal ansässigen Arzt. Wilson versuchte Smith zur Alkoholabstinenz zu bewegen, wobei er auf Techniken der Oxford-Gruppe zurückgriff.

In der Folge gründeten die beiden die ersten AA-Gruppen in Akron und New York sowie eine Stiftung in New York. Ab 1937 distanzierte sich AA von der Oxford-Gruppe, vor allem, weil sie deren Missionierungsziele und -praktiken ablehnten.

1938 zählte AA etwa hundert Anhänger. Sie verfassten Berichte über ihre Erfahrungen mit dem Alkohol und über ihre bisherige Abstinenz. Diese Berichte führten schließlich zur Veröffentlichung des Buches „Anonyme Alkoholiker“. Wilson trug seine eigene Lebensgeschichte bei und übernahm, nachdem ihm die Rechte für das Werk übertragen worden waren, Verkauf und Bewerbung des Gesamtbuchs.

Im Zuge einer günstigen öffentlichen Berichterstattung, darunter eines Artikels in der Saturday Evening Post, wuchs die Anhängerzahl zu Beginn der 1940er Jahre rapide, ohne dass eine adäquate Formalorganisation bestand. In der zweiten Hälfte der 1940er wurde eine Gesamtgruppenkonferenz gegründet, aber die lokalen Gruppen behielten ihre Autonomie.

1949 wurde Narcotics Anonymous, eine Selbsthilfeorganisation gegen den Missbrauch bewusstseinsverändernder Substanzen, nach dem Vorbild von AA gegründet. AA selbst expandierte global. 1953 wurde in München die erste deutschsprachige Gruppe initiiert. Die „12 Traditionen“ wurden 1950 auf der ersten internationalen Konferenz in Cleveland bestätigt.

AAs Anhängerzahlen wuchsen von 10.000 Personen in 300 Gruppen 1944 über 90.000 Personen in 3000 Gruppen 1950 auf 200.000 Personen in 7000 Gruppen, davon 15.000 in 710 Gruppen außerhalb der USA, 1957. 1968 soll es laut AA 350.000 Mitglieder in 13.000 Gruppen gegeben haben.

Auf der Versammlung zum 20. Jubiläum von AA wurde die „General Service Conference“ (Allgemeine Dienstkonferenz) offiziell ermächtigt, die Nachfolge der Gründer anzutreten und im Namen der Anonymen Alkoholiker zu handeln.

Ausgangspunkt der Weltsicht der AA ist die Diagnose des Alkoholismus als chronische Krankheit. Die Bekämpfung des Alkoholismus wird im Zwölf-Schritte-Programm, der wichtigsten programmatischen Schriften AAs, skizziert. Weitere Kernelemente des Programms der AA sind Anonymität, Ehrenamtlichkeit und Spiritualität.

Weil AA auf eine Veränderung der Handlungsweisen des Einzelnen abzielt und keinen gesellschaftlichen Wandel anstrebt, ist die Gruppe kein Teil einer sozialen Bewegung im engeren Sinn und insbesondere nicht zugehörig zur Abstinenzbewegung. Als identitätstransformierende Organisation kann AA daher eher mit Theorien kollektiven Verhaltens analysiert werden.

Im Zuge der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts populären Medikalisierung von Devianz hat AA Alkoholismus von Beginn an als – wenn unbehandelt tödliche – chronische Krankheit definiert.

Die Umorientierung zur Abstinenz, welche Züge religiöser Konversion trägt, orientiert sich am Zwölf-Schritte-Programm. Im Zuge des Programms findet eine Identitätstransformation statt: AA-Anhänger sehen sich als Alkoholkranke und reinterpretieren ihre Vergangenheit in diesem Licht.

Die ersten drei Schritte des Zwölf-Schritte-Programms adressieren Kontroll- und Machtthemen, wobei die These vertreten wird, dass Alkoholkonsum bei Alkoholikern zu Kontrollverlust führen würde. Die folgenden sechs Schritte umfassen Vorschläge, mit diesem Kontrollverlust offen und spirituell umzugehen; besonderer Wert wird dabei auf die Pflege interpersonaler Beziehungen gelegt. Die letzten drei Schritte zielen dann auf eine Verstetigung der moralischen Konversion und des Abstinenzverhaltens ab.

Im Gefolge der Zwölf Schritte haben sich Metanarrative etabliert, die AA-Anhänger in Diskussionsgruppen zur Konstruktion ihrer Identität als Alkoholiker durch Imitation „erlernen“, ohne dass diese Narrative explizit ausgeführt oder offen sanktioniert werden. Ein Element dieser Narrative ist die Hinkehr zu AA zu einem Zeitpunkt, in dem sich die betroffene Person in einer tiefen Lebenskrise befindet. Typische Beispiele sind Arbeitsplatzverlust, schwerwiegende familiäre Probleme, schwere Unfälle.

In Anlehnung an die Zwölf Schritte haben sich für die Gemeinschaftsebene Zwölf Traditionen entwickelt.

Anonymität stellt eine Grundlage der Gemeinschaft dar und soll immer daran erinnern, Prinzipien über Personen zu stellen. Anonymität in diesem Zusammenhang ist ein wesentlicher und bestimmender Bestandteil der zwölf Traditionen, die das Leben der Gemeinschaft AA regeln. Sie hat im Wesentlichen drei Gründe:

Die Anonymität soll den Einzelnen davor schützen, dass seine Zugehörigkeit zu AA der Öffentlichkeit bekannt wird.

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