An diesem Tag

Annie Girardot

Französische Schauspielerin (1931-2011)

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Annie Suzanne Girardot (* 25. Oktober 1931 in Paris; † 28. Februar 2011 ebenda) war eine französische Schauspielerin. Ab den 1950er-Jahren arbeitete sie mit bedeutenden Regisseuren und Darstellern des französischen und italienischen Kinos zusammen, sowohl in dramatischen als auch in komödiantischen Rollen. 1977 erhielt sie den César als beste Hauptdarstellerin für ihre Mitwirkung in dem Film Dr. med. Françoise Gailland.

Annie Girardot war die Tochter einer Hebamme, ihren Vater lernte sie nie kennen. Er war mit einer anderen Frau verheiratet und starb, als Girardot zwei Jahre alt war. Sie wuchs in der Normandie auf und besuchte ein Gymnasium in Caen. Anschließend ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden, später nahm sie in Paris an Schauspielkursen teil.

Im Jahr 1949 debütierte Girardot auf der Bühne in der Rolle der Dorine in Molières Komödie Tartuffe. 1950 begann sie ein Schauspielstudium am Pariser Conservatoire national supérieur d’art dramatique, das sie 1954 mit Auszeichnung abschloss. Daraufhin erschien sie als Theaterschauspielerin an der Comédie-Française, wo sie in Jean Cocteaus La machine à écrire als „das schönste dramatische Theatertalent der Nachkriegszeit“ gefeiert wurde. Sie verließ die Comédie-Française 1957, trat vorübergehend in Kabaretts auf und wandte sich dann dem Kino zu.

Ihr Filmdebüt gab Annie Girardot 1956 in Treize à table. Insgesamt wirkte sie in fast 150 Film- und Fernsehproduktionen mit und wurde als Charakterdarstellerin vornehmlich in tragischen Schicksalsrollen besetzt. Ihren ersten größeren Auftritt hatte sie 1960 an der Seite von Alain Delon in dem Drama Rocco und seine Brüder von Luchino Visconti in der Rolle einer Prostituierten. Später spielte sie in Lebe das Leben (1967, mit Yves Montand), Dillinger ist tot (1969, mit Michel Piccoli), Der Mann, der mir gefällt (1969, mit Jean-Paul Belmondo). Ein Kinokassenerfolg wurde André Cayattes Aus Liebe sterben (1971), in dem sie eine geschiedene Gymnasiallehrerin darstellte, die sich in einen minderjährigen Schüler verliebt. Es folgten Kerzenlicht (1972, mit Claude Jade), Die Ohrfeige (1974, mit Isabelle Adjani), Ein verrücktes Huhn (1977, mit Philippe Noiret), Der Querkopf (1978, mit Louis de Funès) und 1985 und 1995 zwei Produktionen mit Claude Lelouch, Weggehen und wiederkommen (mit Jean-Louis Trintignant und Michel Piccoli) und Les Misérables (mit Jean-Paul Belmondo). In einem Porträt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde sie 2001 als „begnadete Verwandlungskünstlerin“ charakterisiert.

1972 gründete Girardot ihre eigene Filmproduktionsgesellschaft, Film-Girsa, die jedoch nach zwei produzierten Filmen in die Insolvenz ging. Wegen der Schulden nahm Girardot danach auch einige mittelmäßige Filmrollen an. Ebenfalls ein finanzieller Misserfolg war eine Revue am Casino de Paris, ein gemeinsames Projekt mit dem Komponisten, Chansonschreiber und Regisseur Bob Decout. Sie nahm auch mehrere Schallplatten mit Chansons auf.

In den Jahren 2001 und 2005 war Girardot in Filmen des österreichischen Regisseurs Michael Haneke zu sehen, die auch im deutschsprachigen Raum Anerkennung fanden: In dem Drama Die Klavierspielerin nach einem Roman von Elfriede Jelinek spielte sie an der Seite von Isabelle Huppert und Benoît Magimel, in Caché waren Juliette Binoche und Daniel Auteuil ihre Filmpartner.

Annie Girardot heiratete 1962 den italienischen Schauspieler Renato Salvatori. Sie hatten eine Tochter, die am 5. Juli 1962 in Rom geborene Giulia Salvatori. Girardot und Salvatori, die sich bei Dreharbeiten zu Rocco und seine Brüder kennenlernten, lebten in ihren letzten Ehejahren getrennt. Bei den Dreharbeiten zu Kerzenlicht (1971/72), in dem Bernard Fresson den Verlobten von Girardots Filmtochter Claude Jade spielte, begann sie eine siebenjährige Liebesbeziehung zu Fresson.

Im Jahr 2006 wurde bekannt, dass Annie Giradot seit den späten 1990er-Jahren an der Alzheimer-Krankheit litt. Ihr engster Freundeskreis um ihren persönlichen Assistenten Léo Bardon hatte beschlossen, die Diagnose vor ihr und der Öffentlichkeit geheim zu halten, sodass sie weiterhin Filme drehen konnte. Der Filmemacher Nicolas Baulieu thematisierte ihre Geschichte in dem Fernsehfilm Annie Girardot, ainsi va la vie (2008). Girardots Filmpartner und Freund Alain Delon war von ihrem Schicksal so ergriffen, dass er sich in der französischen Alzheimer-Gesellschaft IFRAD engagierte, deren Ehrenvorsitzender er 2010 wurde.

Am 28. Februar 2011 starb Annie Girardot im Hôpital Lariboisière in Paris. Sie wurde auf dem Cimetière du Père-Lachaise (Division 49) beigesetzt.

1989 veröffentlichte Girardot ihre Memoiren unter dem Titel Vivre d’aimer (deutsch Leben um zu lieben) – in Anlehnung an den 1971 gedrehten Film Mourir d’aimer.

Paroles de femmes, textes de marie-thérèse cuny, édition n 1; 1981, ISBN 2-86391-031-0

Annie, weißt du noch ..., Mainz: VAT Verlag André Thiele 2012, ISBN 978-3-940884-77-0; Schilderung der letzten Lebensjahre Annie Girardots durch ihren Assistenten und Vertrauten Léo Bardon (Original: Annie, te souviens-tu ..., Paris: Édition Michel Lafon 2009)

Für ihre Arbeit wurde Annie Girardot mit insgesamt drei César-Filmpreisen ausgezeichnet. 1992 leitete sie die Jury der 42. Berlinale.

1956: Prix Suzanne Bianchetti als beste Nachwuchsdarstellerin für Der Mann mit dem goldenen Schlüssel

1965: Coppa Volpi der Internationalen Filmfestspiele von Venedig für Drei Zimmer in Manhattan

1968: Darstellerpreis des Festival Internacional de Cine de Mar del Plata für Lebe das Leben

1977: César als beste Hauptdarstellerin für Dr. med. Françoise Gailland

1977: David di Donatello als beste ausländische Darstellerin für Lauf mir nach, daß ich Dich fange

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