Annette Schavan (* 10. Juni 1955 in Jüchen, Kreis Grevenbroich) ist eine deutsche ehemalige Politikerin (CDU). Von 1995 bis 2005 war sie Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Sie war von 2005 bis 2014 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2013 war sie Bundesministerin für Bildung und Forschung. Von diesem Amt trat sie nach der Aberkennung ihres Doktorgrads zurück. Von Juli 2014 bis Ende Juni 2018 war sie deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl.
Annette Schavan ist geborene Rheinländerin. Sie wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in einer römisch-katholisch geprägten Mittelschichtfamilie in Neuss auf. Ihre Mutter war Hausfrau, ihr Vater kaufmännischer Angestellter.
Schavan legte ihr Abitur 1974 am Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss ab. Danach studierte sie zwölf Semester Erziehungswissenschaften (Hauptfach), Philosophie (Nebenfach) und Katholische Theologie an den Universitäten Bonn und Düsseldorf. Sie schloss ihr Studium 1980 mit einer grundständigen Promotion zum Dr. phil. bei Gerhard Wehle in Erziehungswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ab. Der Titel ihrer interdisziplinären Dissertation war Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung. Die Dissertation wurde im Februar 2013 vom Hochschulrat der Universität für ungültig erklärt und der auf ihrer Grundlage verliehene Doktorgrad entzogen. Da Schavan ihre drei Studienfächer nicht mit einem Examen abgeschlossen hat, verfügt sie somit über keinen berufsqualifizierenden Abschluss; der Doktorgrad wurde rechtswidrig erworben und durch seinen Entzug im Nachhinein für ungültig erklärt.
Ihren Berufsweg begann sie 1980 unmittelbar nach ihrem Studium als Referentin bei der bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk. 1984 wechselte sie als Abteilungsleiterin für außerschulische Bildung zum bischöflichen Generalvikariat des Bistums Aachen. Von 1987 bis 1988 war Schavan Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union. Danach kehrte sie als Geschäftsführerin zum Cusanuswerk zurück, das sie von 1991 bis 1995 leitete.
Vom Wintersemester 2009/10 bis zum Wintersemester 2013/14 lehrte sie als Honorarprofessorin Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin und wurde auf eigenen Wunsch im Hinblick auf ihre künftige Tätigkeit in Rom von der Professur entbunden. Im Wintersemester 2013/14 hatte die Honorarprofessorin eine Lehrveranstaltung angeboten, der Titel lautete Grundlagen einer christlichen Ethik.
2014 wurde Schavan die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck verliehen. Diese Entscheidung stieß auf Kritik, da Schavan ihren Doktorgrad wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens bereits verloren hatte. Als Begründung für die Verleihung gab die Universität unter anderem an, dass Schavan entscheidend an der Rettung der medizinischen Fakultät beteiligt gewesen sei. Dies wurde durch die Überführung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereskunde in die vom Bund finanzierte Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren ermöglicht, wodurch 25 Millionen Euro mehr im Landesbudget zur Verfügung standen, die wiederum für den Erhalt der medizinischen Fakultät eingesetzt wurden.
Schavan ist seit 1973 Mitglied der Christlich Demokratischen Union. Im Jahr 1977 wurde sie zur Vorsitzenden der Jungen Union in ihrem Stadtverband Neuss gewählt.
1987 holte Rita Süssmuth, damals Vorsitzende der Frauen-Union, Schavan als Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union nach Bonn in das Konrad-Adenauer-Haus.
Seit 1996 gehört Schavan dem CDU-Landesvorstand von Baden-Württemberg an. Von November 1998 bis Dezember 2012 war Schavan als eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Mitglied des CDU-Bundesvorstands. Ab Dezember 2002 leitete sie die Kommission zur Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms für die CDU in Baden-Württemberg.
Schavan gehörte bis zur Nominierung von IWF-Generaldirektor Horst Köhler am 4. März 2004 zu den möglichen Kandidaten von Union und FDP für die Kandidatur zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2004.
Im August 2012 kündigte Schavan nach 14 Jahren an der CDU-Parteispitze an, nicht mehr als stellvertretende CDU-Vorsitzende zu kandidieren.
Schavan wurde ab 1975 in der Kommunalpolitik in Neuss politisch aktiv. Von 1982 bis 1984 war sie Mitglied des Stadtrats. Ihre Schwerpunkte waren kommunale Schul- und Umweltpolitik. Ihr Selbstverständnis als Kommunalpolitikerin fasste sie in den Satz: „Kommunalpolitik ist nicht die unterste Stufe der Politik. Kommunalpolitik ist das Fundament der politischen Kultur.“
Landtagsabgeordnete und Kultusministerin
Ab 2001 war Schavan Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg.
Von 1995 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag am 5. Oktober 2005 war Schavan baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Zu Beginn ihrer Amtszeit übernahm sie Reformprojekte ihrer Vorgängerin Marianne Schultz-Hector, unter anderem zur Neugestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule. Schavan initiierte das Programm Schulanfang auf neuen Wegen, das den Trend zur immer späteren Einschulung grundsätzlich schulreifer sechsjähriger Kinder stoppte.
Während ihrer Amtszeit führte sie eine umfassende Bildungsplanreform durch: Früher als in allen anderen Bundesländern wurden Fächerverbünde geschaffen, Unterrichtszeiten neu strukturiert und die Vermittlung von Kompetenzen anstelle allein des Fachwissens in den Mittelpunkt gerückt.
Auch der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen wurde eingeführt: Im Schuljahr 2001/02 startete an 470 Grundschulen im Land und rund 80 Sonderschulen mit Grundschulstufe die Pilotphase von Fremdsprachen in der Grundschule.
Zudem setzte Schavan das umstrittene Abitur nach Klasse 12 in Baden-Württemberg durch.