Annett Böhm (* 8. Januar 1980 in Meerane) ist eine ehemalige deutsche Judoka.
Mit sieben Jahren begann Annett Böhm beim PSV Glauchau/Meerane mit dem Judo. Ab 1995 besuchte sie das Sportgymnasium in Leipzig und trainierte am dortigen Olympiastützpunkt.
2009 beendete sie nach 15 Jahren Leistungssport ihre Karriere in der deutschen Nationalmannschaft.
Nach einem Sportstudium an der Universität Leipzig und einem Zweitstudium im Bereich Journalistik war sie freiberuflich als Radio- und Printjournalistin tätig. Seit Mai 2014 ist sie Mitglied im Media Team der Europäischen Judo-Union und kommentiert für die Internationale Judo-Föderation den Live-Broadcast. Die freie Journalistin arbeitet darüber hinaus beim MDR, unter anderem als Sportmoderatorin beim Sachsenspiegel.
Ihre ersten Erfolge feierte sie 1997, als sie sich bei den Junioren-Europameisterschaften (JEM) in Ljubljana die Goldmedaille erkämpfte; zwei Jahre später gewann sie Silber.
Im Jahr 2000 wurde sie bei den Europameisterschaften in Breslau fünfte. Ein Jahr später erkämpfte sie sich bei den Deutschen Meisterschaften ihren ersten Meistertitel.
Bei den Judo-Weltmeisterschaften 2003 in Osaka errang Annett Böhm überraschend den dritten Platz. Damit qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele 2004 in Athen.
Bei den Olympischen Spielen erreichte sie mit Siegen über die WM-Fünfte Quin Dongya aus der Volksrepublik China und Catherine Roberge aus Kanada das Halbfinale. Dort unterlag sie der Holländerin Edith Bosch. Im Kampf um Bronze machte Annett Böhm mit der Belgierin Catherine Jacques kurzen Prozess. Nach 38 Sekunden konnte Annett eine Te-Guruma erfolgreich ansetzen und damit den Kampf vorzeitig für sich entscheiden. Sie sicherte sich damit die Bronzemedaille.
Das Jahr 2005 war gekennzeichnet durch mehrere Operationen. Sechs Wochen vor den Judo-Weltmeisterschaften in Kairo (2005) brach sie sich den rechten Mittelfuß. Trotz dieser Verletzung konnte Annett überraschend den fünften Platz erkämpfen.
Das Verletzungspech hielt auch 2006 an. Wegen einer langwierigen Rückenverletzung konnte sie sich nicht für die Teilnahme an den Judo-Europameisterschaften qualifizieren.
Im vorolympischen Jahr gelang Annett Böhm die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro (2007). Dort belegte sie den neunten Platz.
2008 konnte Annett Böhm wieder zu ihrer alten Form zurückfinden. Bei den Super World Cups in Paris und Sofia gewann sie jeweils die Bronzemedaille. Damit lag sie in der europäischen Rangliste auf Platz zwei und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.
Bei den Kämpfen in Peking konnte Annett Böhm die ersten drei Kämpfe vorzeitig mit Ippon für sich entscheiden. Im ersten Kampf gewann sie gegen die Senegalesin Mendy Gisaele mit einem Handwurf (Te-Guruma). Mit einer großen Innensichel (O-Uchi-Gari) besiegte sie im darauf folgenden Kampf Nataliya Smal aus der Ukraine. Das Poolfinale bestritt sie gegen die Spanierin Leire Iglesias. Nach nur wenigen Sekunden gewann Böhm mit einem vollen Punkt (Ippon) durch eine sehenswerte Aushebetechnik (Kata-Guruma).
Damit stand sie im Einzug in das Finale gegen Anaysi Hernandez aus Kuba. Nach einem zu Beginn erzielten Yuko für Tomoe-Nage (Opfertechnik) gelang es Annett Böhm nicht, diese Führung zu halten und unterlag wenig später mit Ippon für einen O-Uchi-Gari (große Innensichel).
Im folgenden Kampf um Bronze verlor Böhm mit Yuko (mittlere Wertung) zu Koka (kleine Wertung) gegen die US-Amerikanerin Ronda Rousey.
Damit belegte sie bei den Olympischen Spielen in Peking den fünften Platz und war damit beste deutsche Athletin des Deutschen Judo-Bundes (DJB).
Nach über 15 Jahren Leistungssport beendete Annett Böhm im Herbst 2009 ihre Judokarriere in der deutschen Nationalmannschaft.
Im Oktober 2009 schloss Annett Böhm ihr Journalistikstudium, ein Fernstudium der ILS Hamburg erfolgreich ab.