An diesem Tag

Anneliese Michel

Deutsche Katholikin, starb nach Exorzismus

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Anneliese Michel, eigentlich Anna Elisabeth Michel (* 21. September 1952 in Leiblfing; † 1. Juli 1976 in Klingenberg am Main), war eine deutsche Studentin der Religionspädagogik, die an den Folgen extremer Unterernährung starb. Große Aufmerksamkeit erregte der Todesfall, weil in den Monaten vor ihrem Tod zwei römisch-katholische Priester insgesamt 67-mal den Großen Exorzismus an ihr vollzogen hatten.

Das Gerichtsverfahren, mit dem die strafrechtliche Verantwortung der Beteiligten aufgearbeitet wurde, erregte Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Die Ereignisse, die auch als „Exorzismus von Klingenberg“ bekannt wurden, veränderten die Praxis der Ausübung der Teufelsaustreibung in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland.

Michels Schicksal war Motiv für mehrere Dokumentar- und Spielfilme. Der 2006 veröffentlichte Film Requiem von Hans-Christian Schmid wurde vielfach preisgekrönt.

Anneliese Michel stammte aus einem streng römisch-katholischen Elternhaus und einem ebensolchen Milieu in dem Weinort Klingenberg am Untermain.

Anneliese Michels Vater Josef Michel stammte aus einer alteingesessenen Bürger- und Handwerkerfamilie Klingenbergs. Nach dem Wunsch seiner tiefreligiösen Mutter, deren drei Schwestern Ordensschwestern waren, hätte er Priester werden sollen. Er machte eine dreijährige Lehre zum Zimmermann im elterlichen Betrieb, leistete Reichsarbeitsdienst und Wehrdienst und später Kriegsdienst an der Westfront und an der Ostfront. Er kehrte im Sommer 1945 aus der US-amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück, besuchte in München die Bauhandwerkerschule und machte 1948 die Meisterprüfung, um den Familienbetrieb zu übernehmen.

Das Glaubens- und Weltbild des Vaters war durch die Prophezeiungen von Fátima, das bayerische Medium Alois Irlmaier, die von ihm als Seherin verehrte Barbara Weigand und andere Inhalte konservativer Strömungen innerhalb des Katholizismus geprägt.

Anneliese Michels Mutter Anna arbeitete im Büro ihres Vaters in Leiblfing, als sie Josef Michel kennenlernte. Die Verbindung beider wurde von Anneliese Michels Großmutter väterlicherseits arrangiert, die dazu auf die Hilfe der Diözese Würzburg zurückgriff. Anneliese Michels Mutter brachte eine 1948 geborene Tochter mit in die Beziehung. Dies nährte Gerüchte im Ort, dass zugunsten der Familie Michel Geld geflossen sei, um die Heirat herbeizuführen. Auch das Gerücht, es habe sich um das Kind eines römisch-katholischen Geistlichen gehandelt, schien umzugehen. Das Kind starb 1956 an einem Nierentumor, bekam als außereheliches Kind aber keinen Platz im Familiengrab, sondern wurde an der Friedhofsmauer in einem gesonderten Grab beigesetzt. Anna und Josef Michel heirateten 1950.

Kindheit, Jugend und Krankengeschichte

Anneliese Michel wurde am 21. September 1952 als erstes gemeinsames Kind der Eheleute Michel geboren. Ihre drei Schwestern kamen 1954, 1956 und 1957 zur Welt.

Anneliese Michel war bereits als Kleinkind kränklich. Sie besuchte ab 1959 die Volksschule in Klingenberg und ab der sechsten Klasse das Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium in Aschaffenburg. Sie war Mitglied in einem Sportverein und erhielt Klavier- und Akkordeonunterricht. Bereits damals war sie stark religiös geprägt, ging mehrmals wöchentlich zur Messe, betete regelmäßig Rosenkränze und schlief zur Sühne für andere gelegentlich auf dem Fußboden. Sie wurde von ihrem Umfeld als freundlich, umgänglich, ernst und introvertiert beschrieben. Auch nach außen zeigte sie eine anhaltende Frömmigkeit und führte religiöse Gespräche als Überzeugungsarbeit.

Im September 1968 erlitt Michel einen ersten Krampfanfall. Der nächste Anfall folgte im August 1969 und war Anlass für eine neurologische Untersuchung. Nach Ableitung eines Elektroenzephalogramms (EEG) wurde die Diagnose „cerebrales Anfallsleiden“ gestellt. Kurze Zeit später erkrankte sie an einer Lungenentzündung und Tuberkulose. Während ihres sechsmonatigen Aufenthalts in einem Lungensanatorium im Allgäu von März bis August 1970 wurden ebenfalls mehrfach epilepsieartige Anfälle dokumentiert. Dort sollen ihr nach Meinung einer Autorin erstmals teuflische Fratzen erschienen und Stimmen zu Gehör gekommen sein. Nach der Rückkehr aus dem Sanatorium musste sie aufgrund der versäumten Unterrichtszeit in eine neue Schulklasse wechseln. Als Folge vereinsamte sie zusehends und litt unter Depressionen; die Leistungen in der Schule ließen deutlich nach.

Anneliese Michels Pubertät war durch das strenge Elternhaus geprägt. Die Mutter verbot aufgrund strenger Moralvorstellungen der sechzehnjährigen Tochter den Umgang mit dem ersten Freund, die Teilnahme an Tanzveranstaltungen sowie Besuche bei Freundinnen.

Im Frühjahr 1973 soll Michel erstmals über ein beständiges Klopfen im Schrank, unter dem Fußboden und über der Zimmerdecke geklagt haben; zudem hätten Stimmen aus der Hölle zu ihr gesprochen. Im September 1973 schilderte sie diese Eindrücke jedenfalls auch gegenüber einem Arzt, der dies als beginnende paranoide Psychose deutete. Im selben Jahr legte sie, begleitet von großen Versagensängsten, das Abitur ab.

Zum Wintersemester 1973 begann sie ein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Würzburg. Sie zog deshalb im November desselben Jahres ins Ferdinandeum, ein katholisches Studienseminar mit Wohnheim. In Würzburg begab sie sich noch im November 1973 zur Behandlung in die Universitäts-Nerven- und Poliklinik. Bei der Untersuchung gab sie an, seit 1972 an fast täglichen Anfallszuständen zu leiden, die in Form von Absencen auftraten. Es wurde eine „neurotische Depression mit Entwicklungscharakter“ diagnostiziert und außerdem der Befund einer Epilepsie durch ein neuerliches EEG gestützt. Bei einem weiteren EEG im Frühjahr 1974 fand sich unverändert ein Hinweis auf eine Hirnschädigung im linken Schläfenbereich, der sehr wahrscheinlich die Ursache der Anfälle war.

Im November 1975 legte Michel erfolgreich ihre Prüfung zur Erlangung der kirchlichen Lehrerlaubnis ab. Ihre Staatsexamensarbeit mit dem Titel Die Aufarbeitung der Angst als religionspädagogische Aufgabe reichte sie im Mai 1976 ein; zu diesem Zeitpunkt war sie zu einer ordnungsgemäßen Ausarbeitung gesundheitlich nicht mehr in der Lage.

Michel wurden von Herbst 1970 bis kurz vor ihrem Tod Medikamente verordnet, die eine Krampfentladung des Nervensystems verhindern sollten. Zeitweilig besserte sich ihr Zustand. Unklar ist, ob Michel die Medikamente über den ganzen Zeitraum ordnungsgemäß und regelmäßig einnahm. Daran bestehen erhebliche Zweifel. Möglicherweise waren die verordneten Mengen geringer als ihr tatsächlicher Bedarf.

Nachdem Michel schon mehrere Jahre an epilepsieartigen Anfällen gelitten und auch über dämonische Wahrnehmungen geklagt hatte, glaubte die Leiterin einer Wallfahrt in dem von der römisch-katholischen Kirche nicht anerkannten marianischen Wallfahrtsort San Damiano (südlich von Piacenza in Norditalien gelegen) bei Michel spirituelle Probleme zu erkennen: Als Michel im Sommer 1973 erstmals an einer solchen Fahrt unter Führung der Wallfahrtsleiterin teilnahm, soll sie dort nach deren Aussage insbesondere eine große Abneigung gegen alle religiösen Gegenstände gezeigt haben.

Auf Veranlassung der Wallfahrtsleiterin stellte sich Michel einem Geistlichen aus Aschaffenburg vor; dieser sah keinen Anhaltspunkt für eine Besessenheit. Der dortige Kaplan vermittelte den Kontakt zu dem Geistlichen Ernst Alt, der damals Pfarrer in Ettleben war. Nachdem Michel mit diesem Kontakt aufgenommen hatte, verwies er sie zunächst erneut auf ärztliche Hilfe.

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