An diesem Tag

Anna von Kleve

Frau von König Heinrich VIII. von England

Anúncio

Anna von Kleve (* 22. September/28. Juni 1515 in Düsseldorf; † 16. Juli 1557 auf Chelsea Manor, London) war die vierte Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII. und dadurch vom 6. Januar 1540 bis 9. Juli 1540 Königin von England.

Sie wurde als zweitälteste der drei Töchter von Johann III., Herzog von Jülich-Kleve-Berg († 1539), und Maria von Jülich († 1543) geboren und wuchs in einem konservativen familiären Umfeld in Burg an der Wupper auf. Heinrich plante nach dem Tod seiner dritten Frau Jane Seymour aus politischen Gründen eine weitere Heirat. Er wählte Anna von Kleve aus, da ihm ihr von Hans Holbein gemaltes Porträt gefiel, und unterschrieb den Heiratsvertrag, ohne sie persönlich kennengelernt zu haben. Nach ihrer ersten Begegnung sah er sich jedoch in seinen Erwartungen enttäuscht und ließ die am 6. Januar 1540 in Greenwich geschlossene Ehe ein halbes Jahr später für ungültig erklären, da sie nie vollzogen worden sei. Anna genoss weiterhin finanzielle Privilegien, durfte aber England bis zu ihrem Tod nicht mehr verlassen. Sie starb 1557 an Krebs und wurde in Westminster Abbey bestattet.

Über die frühen Jahre Annas ist wenig bekannt. Sie wuchs auf Schloss Burg unter der Obhut ihrer Mutter auf. Ihr Vater war Anhänger von Erasmus von Rotterdam und verfolgte einen gemäßigten Reformationskurs. Er stand dem Schmalkaldischen Bund nahe und ging damit in Opposition zum katholischen Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Maria von Jülich galt als konservativ, willensstark und dominant, ihre Tochter Anna als scheu und sich unterordnend. Sie und ihre beiden Schwestern Sibylle und Amalia erhielten eine altmodische Erziehung. Es wurde Wert auf Sticken und Nähen, nicht aber auf das Erlernen von Fremdsprachen, Singen oder das Spielen eines Musikinstruments gelegt. Auch kleidete man sich an dem kleinen deutschen Fürstenhof nicht nach der italienischen Mode, wie es während der Renaissance in Adelskreisen üblich geworden war. Schon im Kindesalter wurde für Anna ein Heiratsvertrag mit Franz I. von Lothringen geschlossen, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Nach dem Tod ihres Vaters im Februar 1539 übernahm ihr Bruder Wilhelm der Reiche die Herrschaft in Jülich-Kleve-Berg und setzte die Politik seines Vaters fort.

Heinrichs Brautsuche in Europa

Nach dem Tod seiner dritten Frau Jane Seymour, die zwölf Tage nach der Geburt des Sohnes Eduard am Kindbettfieber starb, verfiel König Heinrich VIII. in eine Depression. Jedoch wurde für ihn eine neue Heirat geplant. Der Lordsiegelbewahrer, Thomas Cromwell, suchte, auch mit Blick auf den Vertrag von Toledo, in dem sich Franz I. von Frankreich und der römisch-deutsche Kaiser Karl V. im Januar 1539 auf eine Isolation Englands verständigt hatten, nach einer starken Allianz und bemühte sich, eine politisch sinnvolle Ehe für den König zu arrangieren. Er schrieb Briefe an seine Botschafter innerhalb Europas. Da Heinrich seine zweite Frau hatte hinrichten lassen, gestaltete sich die Suche zudem schwierig. Außerdem wollte der zögernde König der Heirat nur zustimmen, wenn seine Braut attraktiv wäre. So ließ er seinen Hofmaler Hans Holbein den Jüngeren mehrere Heiratskandidatinnen porträtieren. Seine Favoritin wurde Christina von Dänemark, die Nichte von Karl V. Dieser war jedoch gegen die Heirat, denn ein Bündnis mit Frankreichs Erzfeind England hätte das Verhältnis des Heiligen Römischen Reiches zu Frankreich stark belastet. Christina, von der angeblich das Zitat „Hätte ich zwei Hälse, so würde einer davon dem König von England zur Verfügung stehen“, stammt, wollte von einer Heirat mit Heinrich ebenfalls nichts wissen.

In Wilhelm dem Reichen fand Cromwell einen möglichen Bündnispartner gegen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich. Wilhelm regierte seit 1538 gegen den Willen des Kaisers das Herzogtum Geldern. Damit kontrollierte er das größte Territorium im Norden Deutschlands. Hans Holbein porträtierte Anna von Kleve und ihre jüngere, ebenfalls unverheiratete Schwester Amalia von Kleve (1517–1586). Heinrich wählte die zweitälteste Schwester, denn das von Holbein gemalte Porträt Annas gefiel ihm. Außerdem lobten die englischen Abgesandten Anna dem König gegenüber in den höchsten Tönen. So unterschrieb er am 6. Oktober 1539 den Heiratsvertrag. Anna erhielt eine ansehnliche Mitgift von 100.000 Goldgulden, davon 40.000 am Hochzeitstag. Die übrigen 60.000 sollten innerhalb des nächsten Jahres ausbezahlt werden. Als Anna nach England aufbrach, wurde sie von 263 Personen und 283 Pferden begleitet.

Nach der Unterzeichnung des Heiratsvertrages wurde ein Weg gesucht, um Anna sicher von Düsseldorf nach London zu bringen. Es bestand ein hohes Risiko, dass Heinrichs Braut von einem seiner Gegner abgefangen würde. Heinrich plante zunächst eine schnelle Seereise Annas nach London. Die Klever Botschafter lehnten jedoch eine längere Schiffsfahrt im Winter ab. So wurde der lange Landweg gewählt, auf dem Anna unter Führung des klevisch-märkischen Kanzlerverwesers Heinrich Olisleger nach Calais gebracht wurde, wo sie am 11. Dezember 1539 eintraf. Dort beherbergte sie Arthur Plantagenet, 1. Viscount Lisle, der Onkel des Königs und Lord Deputy von Calais. Wegen schlechten Wetters konnte sie erst am 27. Dezember nach Dover übersetzen, was die Ungeduld des in Greenwich wartenden Königs verstärkte. Von Dover Castle wurde Anna durch das Herzogspaar von Suffolk über Canterbury bis nach Rochester begleitet. Auf der langen Reise nach London wurden ihr die Etikette am Hof und die wichtigsten englischen Kartenspiele beigebracht. Englische Beobachter bezeichneten ihre Kleidung und Verhalten als „sehr ungewöhnlich“. Nach einer wochenlangen Fahrt erreichte Anna am 31. Dezember die Stadt Rochester. Der König, der die erste Begegnung mit seiner neuen Frau kaum abwarten konnte, reiste ihr entgegen. Am 1. Januar 1540 besuchte er Anna im Palast des Bischofs von Rochester.

Der spanische Botschafter berichtete über die erste Begegnung Heinrichs mit Anna von Kleve. Anna beobachtete gerade eine Bullenhatz durch ein Fenster, als der König eintraf und ihr ein Geschenk überreichte. Da der König verkleidet war, erkannte Anna ihn nicht. Sie nahm das Geschenk entgegen und schaute sich dann weiter den Kampf an. Von Heinrich nahm sie weiter keine Notiz. Heinrich ging aus dem Raum, um kurze Zeit später ohne Verkleidung zurückzukehren. Erst jetzt erkannte Anna den König und kniete nieder.

Nach dem ersten Treffen war Heinrich von seiner neuen Braut maßlos enttäuscht. Er fand Anna humorlos und langweilig. Sie wirkte unscheinbar in ihrer deutschen Tracht, verhielt sich schüchtern und sprach kein Englisch. Angeblich soll er Cromwell nach diesem ersten Treffen schon gesagt haben: „Ich mag sie nicht.“ Die Beleidigung als „flandrische Mähre“ ist eine viel später erfundene Behauptung des Geschichtsschreibers Tobias Smollett und von Heinrich so nicht überliefert. Der französische Gesandte Charles de Marillac beschrieb Anna als große, dünne Frau, die älter wirke, als sie tatsächlich war. Sie sei

Zunächst verschob Heinrich die Hochzeitsfeier um zwei Tage und äußerte den Wunsch, vom Ehevertrag zurückzutreten. Heinrich befahl Cromwell, eine Möglichkeit zu finden, die Hochzeit zu verhindern. Es sollte überprüft werden, ob der Heiratsvertrag aus ihrer Kindheit mit Franz I. noch gültig wäre. Der Gesandte berichtete aber, dass dieser Vertrag schon Jahre zuvor gelöst worden sei. Am 5. Januar 1540 musste Anna zusätzlich eine formelle Erklärung unterzeichnen, dass sie nicht anderweitig gebunden sei. Schließlich fand am 6. Januar 1540 die Hochzeit in Greenwich statt.

Cromwell hoffte, dass die Hochzeitsnacht das Ehepaar einander näherbringen würde. Heinrich äußerte sich am Morgen nach der ersten Nacht: „Ich habe sie vorher nicht geliebt und liebe sie jetzt noch weit weniger […], mein Herz hat sich von ihr abgewendet, so dass ich in diesem Handel nicht weiter fortfahren will.“ Der König bemühte sich in den ersten Nächten um Anna, bevor er verkündete, dass es ihm nicht möglich sei, seine Gattin „fleischlich zu erkennen“. Seinen Hofärzten gegenüber bemängelte er die „Schlaffheit ihres Fleisches“. Anna kümmerte sich nicht um die Ratschläge der Hofdamen, die seine Unzufriedenheit beunruhigte; sie zeigte sich in sexuellen Vorgängen völlig unerfahren. Zu ihren Hofdamen soll sie gesagt haben:

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken