An diesem Tag

Anna Laetitia Barbauld

Englische Autorin

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Anna Laetitia Barbauld (* 20. Juni 1743 in Kibworth Harcourt, Leicestershire; † 9. März 1825 in Stoke Newington) war eine englische Dichterin, Essayistin, Literaturkritikerin, Herausgeberin und Kinderbuchautorin.

Als schreibende Frau versuchte sich Barbauld an vielerlei Gattungen und hatte großen Erfolg – für weibliche Schriftstellerinnen der Zeit eher selten der Fall. Sie war eine angesehene Lehrerin an der Palgrave Academy und eine innovative Kinderbuchautorin. Ihre Lehransätze wurden über ein Jahrhundert lang zum pädagogischen Leitfaden.

Ihre Aufsätze bewiesen, dass es für eine Frau möglich war, sich öffentlich politisch zu engagieren, und andere Schriftstellerinnen wie Elizabeth Benger machten sich sie zum Vorbild. Barbaulds literarische Karriere spannte sich über mehrere Perioden der britischen Literaturgeschichte. In ihrem Werk sind Spuren der Aufklärung und der Empfindsamkeit zu finden. Außerdem bildete ihre Dichtung die Grundlage für die Entwicklung der britischen Romantik. Da sie auch als Literaturkritikerin tätig war, trug sie mit ihrer Anthologie britischer Romane dazu bei, den heutigen literarischen Kanon festzulegen. Barbaulds literarische Karriere kam 1812 zu einem jähen Ende durch ihr höchst polemisches politischen Gedichts Eighteen Hundred and Eleven. Darin kritisierte sie die britische Teilnahme an den Koalitionskriegen. Eine Reihe äußerst negativer Rezensionen wirkte so stark auf sie, dass sie nie wieder zur Feder griff. Ihr Ruf verschlechterte sich, als viele der Romantiker, die sie zur Zeit der Französischen Revolution inspiriert hatte, in ihren späteren konservativ geprägten Lebensläufen sich gegen sie wandten. So wurde Barbauld während des späteren 19. Jahrhunderts als eine pedantische Kinderbuchautorin gesehen. Im 20. Jahrhundert geriet sie in Vergessenheit. Interesse an ihr wurde erst durch den Aufstieg der feministischen Literaturtheorie in den 1980ern wieder erweckt.

Anna Laetitia Barbauld, Tochter des Arztes John Aikin und der Jane Jennings, wurde am 20. Juni 1743 in Kibworth Harcourt, Leicestershire, geboren, wo ihr Vater eine Schule für Jungen leitete. 1758 unterrichtete John Aikin an der neuen Warrington Academy for Dissenters in Lancashire; Anna sollte sich in den folgenden 15 Jahren in diesem intellektuellen Zentrum aufhalten und von dem Privatunterricht ihres Vaters profitieren.

Anna heiratete im Mai 1774 den sechs Jahre jüngeren Geistlichen Rochemont Barbauld, der an der Akademie in Warrington erzogen worden war. Das Paar wohnte in Palgrave, Suffolk, wo Rochemont eine Schule für Jungen eröffnete, an der auch Anna unterrichtete. Durch regelmäßige Besuche in London machte Anna u. a. die Bekanntschaft von Autorinnen wie Elizabeth Montagu, Hester Chapone und Hannah More.

1785 musste die Schule in Palgrave geschlossen werden, und das Paar ließ sich nach einem einjährigen Aufenthalt auf dem Kontinent schließlich in Hampstead nieder, wo Rochemont einer kleinen Gemeinde vorstand.

Nach der Französischen Revolution veröffentlichte Anna Pamphlete und andere politische Schriften, darunter etwa das Werk Sins of the Government, Sins of the Nation, mit dem Anna sich gegen den Krieg mit Frankreich aussprach. Gegen den Sklavenhandel richtete sich die Epistle to William Wilberforce (1791). Viele ihrer Gedichte erschienen im Monthly Magazine, das ihr Bruder herausgab.

1802 zog Anna mit ihrem Mann nach Stoke Newington. In den folgenden Jahren litt sie unter den Gewaltausbrüchen ihres psychisch kranken Mannes, bis dieser in Gewahrsam genommen wurde. 1808 nahm sich Rochemont Barbauld das Leben.

Anna Barbauld blieb literarisch überaus produktiv, gab Samuel Richardsons Briefe (6 Bände, 1804) und die 50-bändige Anthologie The British Novelists (1810) heraus, die sie mit einem Essay über das Genre des Romans einleitete. Zu ihren literarischen Bekannten zählten mittlerweile Sir Walter Scott, William Wordsworth, Robert Southey, Samuel Taylor Coleridge und Samuel Rogers.

Anna starb am 9. März 1825 in Stoke Newington. Ihre Nichte Lucy Aikin gab posthum Anna Barbaulds Works heraus (2 Bände, 1825).

Über die schriftstellerischen Qualitäten von Mrs. Barbauld und Mrs. Trimmer als Kinderbuchautorinnen hat sich Charles Lamb 1802 in einem Brief an Coleridge geäußert: „Der Teufel möge sie holen […]! Diese törichten Weiber und ihre Gefolgschaft haben alles Menschliche im Mann und Kind verrosten und verfaulen machen …“.

Barbaulds literarische Karriere fing an in Warrington, an der Akademie, wo ihr Vater als Leiter und Lehrer tätig war. Ein Drittel der von ihr bekannten Gedichte und die Hälfte der 1825 von ihrer Nichte Lucy Aikin gesammelten Essays stammen aus der Zeit in Warrington.

Diese Periode ihres Schaffens fällt mit der Epoche der Empfindsamkeit zusammen, einer literarischen Strömung, die sich für die Bedürfnisse der nach sozialer Identität suchenden jungen Autorin besonders gut eignete. Hier schloss sie Bekanntschaft mit Joseph Priestley und dessen Frau Mary, die für die pubertierende Barbauld zu einer Art Ersatzfamilie wurden, die sie sogar ihrer biologischen Familie vorzog. Es geschah, dass sie durch Priestleys Einfluss – wie sie ihm einmal anvertraut haben soll – zum Verfassen von Gedichten ermutigt wurde. Viele davon – darunter On Mrs. P’s leaving Warrington – widmete sie den Priestleys oder fanden in Joseph Priestleys Tätigkeit als Naturwissenschaftler bzw. Prediger – darunter The Mouse’s Petition und An Address to the Deity ihren Ursprung. Die ersten ihrer Gedichte, die veröffentlicht wurden, erschienen anonym im ebenfalls anonym herausgegebenem Essay on Song-Writing. With a Collection of Such English Songs as Are Most Eminent for Poetical Merit, to Which Are Added, Some Original Pieces (1772) ihres Bruders John Aikin. Sechs der Original Pieces hatte er Barbauld zu verdanken. Das Werk gehörte zur literarischen Premiere des Bruders, der aus Angst vor schlechter Kritik auf seine Angabe als Autor verzichtet hatte. Zwei Rezensionen, die eine aus dem sehr pro-Establishment eingestellten Critical Review und die andere aus dem Monthly Review, sprachen dem Autor sowohl guten Geschmack als auch kritisches Wissen zu und verglichen die Originalstücke mit Werken von William Congreve, John Dryden, Oliver Goldsmith und William Shenstone. Ein Jahr darauf erschien nach beträchtlichem Widerwillen seitens Barbaulds ihr erstes Buch Poems, das unter dem Namen „Miss Aikin“ veröffentlicht wurde und sich als höchst erfolgreich erwies. Binnen vier Monaten waren die ersten 500 Exemplare bereits ausverkauft. Zwischen 1773 und 1784 gehörte Poems zu den 15 Prozent der am meisten von der Bristol Circulating Library ausgeliehenen Bücher. Auch 1773 veröffentlichte sie mit ihrem Bruder John Miscellaneous Pieces in Prose, worin hauptsächlich Essays von Barbaulds Hand enthalten waren. Dazu gehören u. a. On Romances, an Imitation und An Inquiry into those Kinds of Distress which excite agreeable Sensations. Mit Letzterem knüpfte sie an die ästhetische Diskussion über das Erhabene, die Edmund Burke mit seinem Philosophical Inquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and Beautiful neu aufgegriffen hatte. Sie beleuchtete aber den für die Empfindsamkeit entscheidenden Aspekt des Mitleids und ging – in Anlehnung an Francis Hutcheson – der Frage nach dem produktiven Umgang mit Mitleid in literarischen Darstellungen nach. Ihrer Stellung als Essayistin weist William McCarthy besondere Bedeutung zu. Wären mehr ihrer Essays erhalten geblieben, so geht McCarthy davon aus, dass sie zu den klassischen britischen Essayisten – darunter David Hume, Joseph Addison und Charles Lamb – gezählt hätte.

Nach ihrer Heirat mit Rochemont Barbauld zog sie mit ihrem Mann nach Suffolk, wo beide an der Palgrave Academy für Jungen als Erzieher arbeiteten. Dort wurde sie mit der Bearbeitung von Sermonen betraut und veröffentlichte 1775 den Band Devotional Pieces, Compiled from the Psalms and the Book of Job, den sie ihrem Vater, dem Pastor und Theologieprofessor an der Warrington Academy, John Aikin, als ein „Zeugnis der Bewunderung einer der am meist respektablen Charaktere“ seitens „seiner dankbaren und gehorsamen Tochter“ widmete. Hierin enthalten ist ihr Essay zu Thoughts on the Devotional Taste, on Sects and on Establishments – eine weitere Anknüpfung an den ästhetischen Diskurs der Zeit, in diesem Falle an die Diskussion um Geschmack. Hier verwies Barbauld aber nicht auf Fragen der literarischen Ästhetik, sondern auf die Rolle von Geschmack beim religiösen Ausdruck der Frömmigkeit. Mit diesem Aufsatz griff Barbauld die religiöse Debatte auf, die sich um die sogenannte extempore Form der Predigt in den nonkonformistischen Kreisen entfacht hatte. Dabei ging es um die Rolle der enthusiastischen Form der Frömmigkeit und um die Bedrohung, die sie – wie ihr Vater John Aikin und seine Warrington-Kollegen empfanden – für eine vernünftige Glaubensausübung darstellte. Barbauld war sich der politischen Aufgeladenheit dieser Frage in Bezug auf die problematische Eingliederung der nonkonformistischen Gemeinde in die englische Gesellschaft bewusst und suchte, durch die Zügelung von Enthusiasmus, die Kategorien von Empfindsamkeit und Vernunft in der Glaubensausübung miteinander zu versöhnen. Ihr Essay wurde seitens der Nonkonformisten heftig kritisiert. Sogar Priestley lehnte ihre Ausführungen völlig ab, die seiner Meinung nach die zwei unvereinbaren Begriffe von Geschmack und Frömmigkeit miteinander kombinierten. Nachträglich sollte Thoughts on Devotion Lob seitens der Autorinnen Mary Wollstonecraft und Harriet Martineau ernten und sogar Einfluss auf Edmund Burke ausüben.

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