Anne Marie Blythe (* 16. August 1927 in Mount Kisco, New York; † 24. Juni 2026 in Rancho Santa Fe, Kalifornien) war eine US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Blyth erlangte vor allem durch Musikfilme und Komödien der 1940er-Jahre Bekanntheit, konnte aber auch in ernsten Rollen Erfolge verzeichnen. Für ihren Auftritt als Veda Pierce im Film noir Solange ein Herz schlägt erhielt sie 1946 eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Ihre Schaffenszeit in Hollywood erstreckte sich von 1944 bis 1985 und umfasst fast 50 Auftritte in Filmen und Fernsehserien.
Ann Blyth wurde 1927 in Mount Kisco als Tochter von Henry Roland („Harry“) und Anna („Nan“) Lynch Blythe geboren. Lange war auch das Geburtsjahr 1928 angegeben worden. Nach der Trennung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter († 1946) und ihrer Schwester Dorothy nach New York, wo Ann die katholische St. Patrick’s School in Manhattan besuchte.
Blyth trat bereits im Alter von fünf Jahren als Sängerin in Radioshows im Umkreis von New York auf. Sie entwickelte sich als Jugendliche zu einem hellen Sopran und wurde 1937 mit neun Jahren Chorsängerin bei der New York’s Children’s Opera. Hierdurch erhielt Blyth die Chance, in Broadway-Shows aufzutreten. Ihr dortiges Debüt gab sie 1941 in der Rolle der Babette in Lillian Hellmans Watch on the Rhine, die sie bis 1942 verkörperte.
Mit 15 Jahren kam Blyth nach Hollywood und erhielt dort ab 1944 erste Rollen in Musicals und Komödien wie Chip Off the Old Block und Babes on Swing Street. Bekannt wurde sie 1945 mit ihrer Darstellung der selbstsüchtigen, psychopathischen Tochter von Joan Crawford in Michael Curtiz’ Kriminaldrama Solange ein Herz schlägt. Für diesen Auftritt erhielt Blyth eine Oscar-Nominierung als Beste Nebendarstellerin. In der Folge wurde sie aber überwiegend auf Rollen in Musicals und Komödien festgelegt, mit einigen Ausnahmen wie im Gefängnisfilm Zelle R 17 als Burt Lancasters Ehefrau. Blyth spielte etwa die titelgebende Meerjungfrau in der Fantasykomödie Mr. Peabody und die Meerjungfrau an der Seite von William Powell und in der Filmbiografie Der große Caruso war sie an der Seite von Mario Lanza als Carusos Ehefrau Dorothy Caruso zu sehen. In der Operettenverfilmung Alt Heidelberg verkörperte sie eine Heidelberger Wirtshaustochter, und im Abenteuerfilm Sturmfahrt nach Alaska war sie Filmpartnerin von Gregory Peck.
Blyth spielte für rund ein Jahrzehnt viele Film-Hauptrollen, wenngleich ihr nie der ganz große Durchbruch in die vorderste oder ikonische Riege der Hollywood-Stars gelang. 1957 hatte sie Hauptrollen in drei Filmen: In der Rolle der Connie Martin war sie Filmpartnerin von Van Johnson im Film noir Tödlicher Skandal und in der Buster-Keaton-Biografie Der Mann, der niemals lachte war sie als dessen Ehefrau zu sehen. Ihr dritter Film war eine weitere Filmbiografie, Ein Leben im Rausch (Originaltitel The Helen Morgan Story), in der sie an der Seite von Paul Newman die titelgebende Sängerin Helen Morgan spielte. Danach drehte sie jedoch keine weiteren Kinofilme und zog sie sich zusehends in das Familienleben zurück. In späteren Jahren trat Blyth noch in regionalen Theatern auf und erschien ab und zu in Fernsehrollen auf dem Bildschirm, darunter in Unglaubliche Geschichten sowie zwei Folgen der Krimiserie Quincy. Ihren letzten Auftritt hatte sie 1985 in einer Folge der Krimiserie Mord ist ihr Hobby, ehe sie ihre Film- und Fernsehkarriere beendete.
Neben ihrer Schauspielkarriere war Ann Blyth auch als Sängerin tätig. Ihre Gesangsauftritte in Filmen wie Solange ein Herz schlägt und Ein Leben im Rausch absolvierte sie selbst, während viele andere Schauspielerinnen zu dieser Zeit ein Gesangsdouble hatten. 1963 veröffentlichte Blyth ein Album mit dem Titel Hail Mary, auf dem sie geistliche Lieder sang.
Für ihre Verdienste als Schauspielerin erhielt Ann Blyth einen Stern in der Kategorie Film auf dem Hollywood Walk of Fame. In Deutschland hatte Blyth nie eine feste Synchronstimme. In Alt Heidelberg sowie Rose Marie (beide 1954) wurde sie von Renate Danz synchronisiert.
1946 hatte Blyth einen Unfall beim Schlittenfahren in der Nähe von Lake Arrowhead, bei dem sie sich schwer verletzte und anschließend sieben Monate im Gipsbett verbrachte und weitere sieben Monate auf einen Rollstuhl angewiesen war.
1953 heiratete sie den elf Jahre älteren Arzt James McNulty, mit dem sie fünf Kinder hatte. McNulty war ein Bruder des Sängers Dennis Day. Die Ehe hielt bis zu McNultys Tod im Jahr 2007. Zuletzt lebte sie in der Nähe von San Diego. Sie trat auch noch im hohen Alter als Stargast bei Filmfestivals auf. So war sie 2013 zusammen mit Jane Withers Gast beim Turner Classic Movies Film Festival.
Seit dem Tod von Angela Lansbury 2022, die 1945 für einen Oscar nominiert worden war, war Ann Blyth mit ihrer Nominierung aus dem Jahr 1946 die lebende Person, die am frühesten für einen Oscar nominiert wurde. Ann Blyth starb am 24. Juni 2026 im Alter von 98 Jahren.
Jacqueline T. Lynch: Ann Blyth: Actress. Singer. Star. CreateSpace Independent Publishing Platform, North Charleston 2015, ISBN 978-1-5118-0156-0
Ann Blyth in der Internet Broadway Database (englisch)
Biografie auf glamourgirlsofthesilverscreen.com
Ann Blyth In: Virtual History (englisch)
Ann Blyth in der Deutschen Synchronkartei