An diesem Tag

Angelo Donati

Italienischer Bankier, Philantrop und Diplomat

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Angelo Mordechai Donati (geboren am 3. Februar 1885 in Modena; gestorben am 30. Dezember 1960 in Paris) war ein jüdischer italienischer Bankier, Philanthrop und Diplomat der Republik San Marino in Frankreich. Während der italienischen Besetzung Südfrankreichs organisierte er 1942 / 1943 die Flucht ausländischer Juden vorwiegend nach Italien und in die Schweiz. Er entwickelte 1943 einen Plan zur Evakuierung von 30.000 jüdischen Emigranten aus Südfrankreich nach Palästina und Nordafrika mit Unterstützung der italienischen, vatikanischen, britischen und amerikanischen Behörden. Die Rettungsaktion wurde durch die Kapitulation Italiens am 3. September 1943 und die nachfolgende Besetzung der italienischen Zone durch die Wehrmacht verhindert.

Angelo Donati wurde 1885 als eines von acht Kindern einer einflussreichen, weit verzweigten jüdischen Kaufmannsfamilie in Modena geboren, deren Wurzeln bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückgehen.

Nach seinem Schulabschluss begann er eine Banklehre und ein Studium der Rechtswissenschaften in Modena. Vor dem Ersten Weltkrieg schrieb er sich als Anwalt am Gericht in Mailand ein und arbeitete zeitweilig als Börsenmakler in Turin. Während des Ersten Weltkrieges wurde er im Mai 1915 zum Militärdienst eingezogen. Bis zu seiner Versetzung zur Luftwaffe 1916 kämpfte er als Infanterist an verschiedenen Fronten. In Frankreich wurde er als Verbindungsoffizier eingesetzt, der die Koordination zwischen der italienischen und französischen Armee zu übernehmen hatte.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ging Donati nach Paris und leitete hier verschiedene Unternehmen, u. a. die Felix-Potin-Werke, Christofle Glaswaren, Dynamite Nobel sowie La Rinascente und gründete die Banco Italo-Francese di Credito. Im Jahr 1925 wurde er für sieben Jahre als Generalkonsul der Republik San Marino berufen. Anschließend leitete er als Präsident die italienische Handelskammer in Paris, ein Amt, das er 1939 aufgrund der italienischen Rassengesetze aufgeben musste.

Judenretter im Zweiten Weltkrieg

Kurz vor Einmarsch der Wehrmacht in Paris verließ Donati im August 1940 die Stadt und flüchtete in die Unbesetzte Zone, zunächst nach Cauterets in den Hautes-Pyrénées, anschließend nach Marseille und schließlich nach Nizza, wo er als Direktor der französisch-italienischen Bank arbeitete. Von Nizza aus, organisierte der einflussreiche und gut in Politik und Wirtschaft international vernetzte Bankier und Diplomat die Flucht der jüdischen Emigranten, die Schutz vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in der Unbesetzten Zone im Süden Frankreichs gesucht haben.

Als Reaktion auf die Landung der Alliierten in Nordafrika besetzen am 11. November 1942 im Rahmen der Operation Unternehmen Anton deutsche und italienische Truppen die Unbesetzte Zone Frankreichs. Nach einer Vereinbarung zwischen dem faschistischen Italien und dem Deutschen Reich wurden acht französische Départements unter italienische Verwaltung gestellt: Alpes-Maritimes, Hautes-Alpes, Basses-Alpes (jetzt Alpes de Haute Provence), Drôme, Isère, Savoie, Haute-Savoie und Var.

Donati konnte als enger Vertrauter des eingesetzten italienischen Kommissars für jüdische Angelegenheiten, Guido Lospinoso, direkten Einfluss auf Flüchtlingspolitik nehmen. Jüdische Emigranten wurden durch die italienische Militärpolizei vor den Zugriffen durch die Vichy-Polizei und vor Deportationen geschützt, mit Lebensmittelkarten und Aufenthaltspapieren ausgestattet. Angelo Donati organisierte Spendensammlungen für mittellose jüdische Emigranten und nahm Kontakt zum Comitée Dubouchage und der L'Union générale d'israélites de France auf. Im März 1943 wurden mehr als 3.500 französische und ausländische Juden von der Mittelmeerküste ins Landesinnere an die italienische Landesgrenze nach Saint-Martin-Vésubie und nach Savoyen in sogenannte Zwangsaufenthaltsorte gebracht.

Gemeinsam mit dem Kapuzinerpater Père Marie-Benoît entwickelte Angelo Donati einen Plan zur Evakuierung der etwa 30.000 Juden, die noch in der italienisch besetzten Zone lebten. Mit Lastwagen sollten die Flüchtlinge über die Alpen nach Genua gebracht und dann mit Hilfe von Kriegsschiffen nach Nordafrika und Palästina evakuiert werden. Über Père Marie-Benoît wurde am 16. Juli 1943 eine Audienz bei Papst Pius XII. ermöglicht, der zugesichert hat, sich für das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge einzusetzen. Gleichzeitig bemühte Angelo Donati seine diplomatische Kontakte in Rom, um Zusagen vom britischen und amerikanischen Botschafter für die Durchführung seines Plans zu erwirken. Nach dem Sturz von Benito Mussolini am 25. Juli 1943 konnte er Ende August 1943 Mussolinis Nachfolger, Marschall Pietro Badoglio, ebenfalls überzeugen, den Plan umzusetzen. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, besuchte Donati seinen Bruder in Florenz. Mit dem Waffenstillstand von Cassibile vom 3. September 1943 trat Italien aus dem Krieg aus und die Deutschen besetzten die italienische Zone in Frankreich. Die meisten französischen und ausländischen Juden konnten nicht mehr flüchten und wurden in Razzien unter dem Kommando von Alois Brunner verhaftet und deportiert. Etwa Tausend Juden aus Saint-Martin-Vésubie gelang die Flucht über die Alpen ins italienische Piemont.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht nach Italien am 8. September 1943 musste Angelo Donati selbst die Verhaftung fürchten. Der SS-Kommandant Heinz Röthke verlangte telegrafisch die sofortige Festnahme Donatis. Ihm gelang die Flucht in die Schweiz. Hier half er mit seinen Kontakten im Comitato di Soccorso bei der Suche nach deportierten Juden. Er konnte die Diplomaten der neutralen Staaten und den Apostolischen Nuntius Filippo Bernardini in Bern gewinnen, dem deutschen Gesandten der Reichsregierung eine Protestnote zu überreichen, die die unverzügliche Freilassung zumindest der Alten, Kranken, Kinder und Frauen aus den Konzentrationslagern fordert. Er konnte mit dem Schweizer Auswärtigen Amt vereinbaren, dass die Schweiz die Bereitschaft signalisiert, etwa 1000 Jugendliche und Greise aus Konzentrationslagern aufzunehmen. Er organisierte auch die Finanzierung der Hilfsaktion durch jüdische Organisationen. Trotz großer Anstrengungen gelang es nur ganz selten, jüdische Deportierte auf diesem Wege zu befreien.

Im Sommer 1944 organisierte Donati eine Postkartenaktion, die den Verbleib der Deportierten klären sollte. Nur ganz vereinzelt kamen Postkarten mit zum Teil gefälschten Lebenszeichen zurück. Seit 1944 engagierte sich Donati in der Colonia Libera Italiana von Lausanne, für die er die Unterstützung der italienischen Regierung erreichen konnte. Mit einem Diplomatenpass ausgestattet, erkundigte er sich ab Anfang 1945 in Moskau, in Belgien, Holland und Deutschland über den Verbleib von italienischen Deportierten in den befreiten Gebieten.

Adoption von Marianne und Rolf Spier

Im August 1940 heiratete Angelo Donatis Großcousin Piero Sacerdoti die aus Köln stammende Jüdin Ilse Klein. Ihre Cousine Hilde Spier war mit ihrem Mann Carl Ludwig Spier und den Kindern Marianne und Rolf 1935 ebenfalls aus Deutschland, zunächst nach Brüssel geflüchtet. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht nach Belgien wurde Carl Spier verhaftet zunächst in das Lager Saint-Cyprien, später nach Gurs verschleppt. Hilde Spier reist ihrem Mann mit den Kindern nach, um in seiner Nähe zu sein. Auch sie wurden in Gurs und später in Saint-Cyprien inhaftiert. 1942 konnte die Familie Spier noch einmal kurze Zeit unter einfachsten Verhältnissen in Cap-d’Ail an der Côte d’Azur zusammen verbringen.

Hier wurden sie Mitte August 1942 während einer Razzia von der Polizei des Vichy-Regimes verhaftet, umgehend aus Frankreich ausgewiesen und zunächst in das Sammellager für ausländische Juden, in die Caserne Auvare nach Nizza verschleppt. Hier trennten sich die Eltern nach einem eindringlichen Rat von ihren Kindern. Die nun elternlosen Kindern wurden von einer jüdischen Hilfsorganisation in Obhut genommen. Hilde und Carl Spier wurden am 30. September 1942 ins Sammellager Drancy verschleppt, von wo sie am 2. September 1942 mit dem Transport 27 nach Auschwitz deportiert worden. Aus dem Deportationszug konnte Hilde Spier eine Postkarte an ihre Cousine Ilse (Klein) Sacerdoti werfen, mit der Bitte, sich um die Kinder zu kümmern. Da in Auschwitz Hilde Spier nicht registriert wurde, ist davon auszugehen, dass sie direkt nach der Ankunft des Zuges am 6. September 1942 ermordet wurde. Carl Spier musste im Lager über zwei Jahre Zwangsarbeit leisten und kam am 1. Februar 1945 auf einem Todesmarsch nach der Räumung des Konzentrationslagers Auschwitz zum KZ Buchenwald um.

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