An diesem Tag

Andy Warhol

Amerikanischer Grafiker, Künstler, Filmemacher und Verleger (1928–1987)

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Andy Warhol [ˈændi ˈwɔːɹhɔl] (* 6. August 1928 in Pittsburgh, Pennsylvania; † 22. Februar 1987 in Manhattan, New York City; eigentlich Andrew Warhola) war ein US-amerikanischer Künstler, Filmemacher und Verleger sowie Mitbegründer und bedeutendster Vertreter der Pop Art in den USA. Seine Karriere begann bereits in den 1950er Jahren als Grafiker und Illustrator für Mode-, Hochglanz- und Lifestylemagazine und entwickelte sich schnell. Er hinterließ ein umfangreiches Gesamtwerk, das von Werbegrafiken bis zu Gemälden, Objekten, Filmen und Büchern reicht. Zudem war er auch als Musikproduzent tätig.

Andy Warhol war der jüngste von drei Söhnen einer armen Bauernfamilie mit lemko-ruthenischen (in neuerer Terminologie und genauer: russinischen) Wurzeln. Seine Eltern Ondrej Varhola (amerikanisiert zu Warhola) (1888–1942) und Julia Justyna (geb. Zavacka; 1892–1972) waren Immigranten aus dem Dorf Miková bei Medzilaborce in den Karpaten, im Nordosten der heutigen Slowakei (damals: Königreich Ungarn). Sein Geburtsname war Andrew Warhola, den er jedoch später weiter amerikanisierte. Er wurde griechisch-katholisch getauft.

Andy Warhol kokettierte gern mit seinem Geburtsdatum und „verjüngte“ sich gelegentlich auf den Jahrgang 1930, manchmal sogar auf 1933, weshalb in Biografien oft unterschiedlichste Angaben zu finden sind; er bekannte sich jedoch zu seinem Geburtsort Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Dort wurde er in der 73 Orr Street geboren.

1934 verließ die Familie ihre Zweizimmerwohnung im Armenviertel Soho und zog in ein eigenes einstöckiges Backsteinhaus in der 3252 Dawson Street im Stadtteil South Oakland.

Im Alter von acht Jahren erkrankte Warhol an Chorea minor, gepaart mit einer seltenen Pigmentstörung, so dass man ihn lange für einen Albino hielt. Das bettlägerige Kind entwickelte schnell eine Leidenschaft für Comics und Kinofilme, begann zu zeichnen und Papierfiguren auszuschneiden. In dieser Zeit entstand eine intensive Bindung Warhols zu seiner Mutter Julia.

Von 1945 bis 1949 studierte Warhol Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh, der heutigen Carnegie Mellon University, und machte seinen Abschluss in Malerei und Design. Nach Abschluss des Studiums zog er mit seinem Kommilitonen, dem Künstler Philip Pearlstein, nach New York, das nicht nur literarisches und künstlerisches Zentrum war, sondern auch eine Hochburg der Werbung. Ende der 1940er Jahre arbeitete Warhol in einer Schuhfabrik. Auf dem Weg zur Arbeit wurde er von Alexander Iolas angesprochen, der ihn täglich durch die Schaufensterscheibe seiner Galerie sah; aus dem Kontakt entstand später die erste Ausstellung Warhols.

Anfänge und Entwicklung des Siebdrucks (bis Ende der 1960er Jahre)

Anfang der 1950er Jahre lebte Warhol von Gelegenheitsarbeiten als Werbegrafiker und Schaufensterdekorateur oder verkaufte Obst und Gemüse auf der Straße. Die Zeitschrift Mademoiselle veröffentlichte im Februar 1950 Zeichnungen, die mit „Andy Warhol“ signiert waren: Aus Andrew Warhola war Andy Warhol geworden. In dieser Zeit entwickelte er seine Technik des „drop and dripping“ – eine Methode, die seine späteren Siebdrucke vorwegnahm: Mit Tinte und Tusche gezeichnete Motive von Engeln, Putten, Schmetterlingen oder Katzen wurden mit Löschpapier kopiert und auf ein neues Blatt übertragen. So entstanden in Zusammenarbeit mit der Designerin Suzie Frankfurt vielfältige Beiträge für Zeitschriften und Magazine sowie Grußkarten, Werbegeschenke und humorvolle Kochbücher (Wild Raspberries, 1959). Auf sogenannten „Colouring Partys“ lud er Freunde und Gäste ein, die dazu beitrugen, seine Arbeiten farbig auszumalen – was bereits auf die spätere serielle „fabrikartige“ Produktionsweise seiner Werke und Filme durch Mitarbeiter hindeutete.

Warhol bat 1952 Alexander Iolas, Direktor der Hugo-Gallery, um eine Einzelausstellung. Warhol legte dem Griechen, den er bereits 1945 kennengelernt hatte, dafür sein Skizzenbuch vor. Da die Saison jedoch bereits als abgeschlossen galt, hatte Iolas schon seine Koffer gepackt, um wie die meisten prominenten New Yorker zu jener Jahreszeit nach Europa zu reisen. Er organisierte aber eine Ausnahme, indem er mangels Personal den Eigentümer einer nahegelegenen Buchhandlung um die Aufsicht der Ausstellung bat. 1956 stellte Warhol dann im Museum of Modern Art in New York aus – beide Male jedoch als Grafiker, nicht als bildender Künstler.

Obwohl Warhol als Industrie- und Werbegrafiker überaus erfolgreich war – Ende der 1950er Jahre zählte er zu den bestbezahlten Grafikdesignern in Manhattan – wählte er dennoch bald den künstlerischen Weg und suchte neue Ideen für seine Bilder auf Leinwand. Warhol konzentrierte sich hierbei auf triviale Sujets der Popkultur; Hollywoodstars, Comic- und Cartoon-Motive, wie Micky Maus, Popeye oder Superman, die er anfangs noch per Hand anfertigte und vervielfältigte. Mit diesen der Werbeszene entnommenen Abbildungen distanzierte er sich bewusst vom Abstrakten Expressionismus eines Mark Rothko oder Barnett Newman oder den Action Paintings eines Jackson Pollock. Resigniert musste er allerdings bald feststellen, dass Künstlerkollegen wie Roy Lichtenstein oder Robert Rauschenberg das Terrain bereits mit ähnlichen Motiven abgrasten. Eine Verbindung zu seinem früheren Leben stellte er dadurch her, dass er eine Schaufensterkollektion aus den noch von Hand gemalten „abgelegten“ Werken für das Kaufhaus Bonwit Teller in der New Yorker 5th Avenue konzipierte und sich auf eine neue Technik verlegte.

Anfang der 1960er Jahre machte er sich mit dem Siebdruck vertraut und begann intensiv Bilder aus Flugblättern, Kinoheften, Zeitschriften wie Life oder dem Time-Magazine auszuschneiden und zu sammeln, um sie für seine Bilder im Sinne von „Mixed Media“ zu verwenden. Kennzeichnend für die folgende Periode seines Schaffens ist die Verwendung von weit verbreiteten, jedem Amerikaner vertrauten Motiven (meist aus der kommerziellen Werbung und Pressefotos), von denen er Siebvorlagen herstellen ließ und die er dann seriell wiederholte (Zitat: „I love to do the same thing over and over again“ – „Ich liebe es, das Gleiche immer und immer wieder zu tun“). Ein typischer Werktitel jener Zeit lautet Thirty Are Better Than One: Eine Postkarte der Mona Lisa wurde dreißigmal auf der Leinwand vervielfältigt und war daher besser als nur eine – das Original zählt weniger als die quantitative Vervielfältigung (Multiple).

1962 hatte Warhol mit Campbell’s Soup Cans seine erste Einzelausstellung als Künstler auf Einladung von Irving Blum, damals Partner von Walter Hopps’ Ferus Gallery in Los Angeles (9. Juli bis 4. August 1962). Er fertigte 32 fast identische Bilder, weil es die Suppenkonserve in 32 verschiedenen Geschmacksrichtungen gab.

Man begegnete diesen Bildern zunächst mit totalem Unverständnis, nur fünf Käufer erkannten die revolutionäre Neuerung von Warhols Sichtweise; einer von ihnen war der Schauspieler Dennis Hopper, der andere Donald Factor, ein späterer Teilerbe des Max-Factor-Konzerns. Keiner der Käufer erhielt sein Bild, für das jeder 100 Dollar bezahlt hätte, weil Irving Blum in Absprache mit Andy Warhol das Ensemble zusammenlassen wollte, und nach der Ausstellung die Bilder für 100.000 Dollar kaufte, obwohl Warhol nur 1.000 Dollar für die 32 Bilder wollte. 1996 wurden sie für 15 Millionen Dollar an das Museum of Modern Art in New York City veräußert.

Eines der bekanntesten Werke aus dieser Zeit dürfte wohl die Abbildung eines Kinostandbildes aus dem Film Niagara mit Marilyn Monroe sein, das Warhol über Jahre hinweg in vielen Farbvariationen verarbeitete. Unzählige „Elvise“, „James Deans“ und „Liz Taylors“ sollten folgen. All diese Bilder zeigen jedoch eines deutlich: Sie stellen ganz bewusst gewählte und weiterbearbeitete Ausschnitte der Vorlagen dar. Warhols oft zitiertes Bonmot, nachdem er gar nicht mehr male und auch seine Vorlagen schon alle da seien, er selbst also gar keine Kunst mehr produziere, sondern diese sich selbst, der Künstler im traditionellen Verständnis also nicht mehr existiere, muss unter diesem Aspekt bewertet werden. Es ist die Auswahl, die Gestaltung, und das ihr zugrunde liegende Konzept, das die Arbeit entscheidend prägt. Warhols in den Jahren als Werbegrafiker erworbenes untrügliches Gespür für die Effekte, die durch eine entsprechende Gestaltung und Farbgebung hervorgerufen werden, bilden die konsequent weiterentwickelte biographische und ästhetische Grundlage. Zu Warhols in Interviews immer wiederkehrender Verschleierungstaktik gehört dementsprechend auch die Behauptung, diese Arbeiten seien teilweise nur auf seine Anweisung von seinem jungen Mitarbeiter, dem gelernten Siebdrucker und Poeten Gerard Malanga angefertigt worden (ähnliches hatte zuvor z. B. schon Salvador Dalí von seiner Arbeitsweise behauptet).

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